Kap. 2/2: Türkentour zur Dönerdrehscheibe [TR][DE] (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Samstag, 22.08.2020, 15:56 (vor 2036 Tagen) @ Krümelmonster

Wir brachten unsere Sachen ins Hotel und zogen abends gleich nochmal los in die Innenstadt. Istanbuler bezeichnen Ankara zwar gern als klein, mit immerhin 5,6 Mio. Einwohnern ist das aus deutscher Sicht aber nicht sehr zutreffend.^^ Zu sehen gibt es für eine Stadt von solch gigantischer Größe zwar relativ wenig, aber ich fand es dennoch interessant hier, auch weil es nicht so „westlich“ wirkte wie in Istanbul.
Ein paar Bilder vom abendlichen Ankara:
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400 Hier tagte das erste türkische Parlament, heute ist es ein Museum
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401 Die riesige Melike-Hatun-Moschee wurde erst zwei Jahre zuvor eröffnet
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402 Wer kennt es nicht, das berühmte türkische Kinderlied „Drü Chünüsün mütm Küntrübüss“?
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403 – 404 Früher hieß die Station nur Kızılay, genau wie der Platz darüber. Seit dem gescheiterten Putsch 2016 trägt sie den sperrigen Namen „15. Juli Kızılay Nationaler Widerstand“…
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405 Metro-Plan von Ankara
Nach dem Rundgang aßen wir etwas in der Nähe von unserem Hotel. Ich sagte: „İskender lütfen.“ Der Kellner erzählte mir irgendwas. Ich sagte einfach ja auf Türkisch. Später brachte er uns was zu essen. Ich weiß bis heute nicht, was ich da gegessen habe, aber es war richtig gut. :D
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406 Was sind die schlimmsten Sünden?
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407 Ich habe immer noch keine Ahnung, was es war. Aber es hat sehr gemundet! =)

Am nächsten Morgen machte ich mich relativ früh auf, denn ich wollte ja auch etwas sehen von der Stadt. Morgens war es mit knapp unter 10 Grad richtig frisch, bis zum Nachmittag würde das Thermometer aber fernab des Meeres bis auf über 30 Grad steigen. Luxi kurierte im Hotel seine Erkältung aus. Ich erkundete zunächst die osmanische Altstadt, die in einer Zitadelle hoch oben auf einem Hügel liegt.
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408 Ein alter osmanischer Brunnen
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409 Hoch hinauf zur Altstadt
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410 Der Haupteingang zur Zitadelle
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411 – 412 In der Zitadelle ist vieles hübsch hergerichtet, …
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413 – 414 …manches wird aber auch dem Verfall preisgegeben
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415 Blick von der Zitadelle auf das Siedlungsmeer mitten in der Steppe Richtung Norden…
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416 …oder Richtung Westen
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417 Am linken Bildrand die Melike-Hatun-Moschee, rechts oberhalb davon mit dem leicht geschwungenen Dach der Bahnhof. Das große Dings rechts vorn ist ein Busbahnhof.
Ich hatte noch einen anderen Programmpunkt. Google Maps nannte mir keine vernünftige Verbindung per Bus dorthin, na gut, dann ging ich eben zu Fuß durch die Innenstadt. Auf dem Weg musste ich irgendwie die Bahnstrecke überqueren, und Brücken gibt es nicht so viele. So beschloss ich, die Strecke einfach im Bahnhof zu überqueren. Das war auch problemlos möglich.^^
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418 Museum des Unabhängigkeitskrieges
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419 Wie heißt Gucci auf Türkisch?
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420 Hauptbahnhof der Hauptstadttürken
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421 Auf die Regionalbahnsteige kommt man ohne Weiteres. Um auf die Fernbahnsteige zu kommen, wäre aber eben eine Gepäckkontrolle und Ticketkontrolle nötig.
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422 Blick über die Regionalbahnsteige. Fotografieren war übrigens nirgendwo ein Problem, und wir waren nicht gerade unauffällig.^^
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423 Hinter der Fassade verbirgt sich der Rennbahnhof
Ich wollte noch zum riesigen Mausoleum von Atatürk namens Anıtkabir. Dieses ist gut bewacht, ich musste meinen Rucksack am Eingang lassen. Der Eintritt für die letzte Ruhestätte des Staatsgründers ist kostenlos. Natürlich war hier Himmel & Hölle los, ein paar ausländische Touristen gab es zwar, aber in erster Linie wurden dutzende türkische Schulklassen durchgeschleust.
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424 Das Grab von İnönü. Vokale ohne Punkt drauf waren ihm wohl zu langweilig.^^
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425 – 428 Im gigantischen Mausoleum von Anıtkabir
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429 Ausblick auf die moderne Stadt
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430 Da liegt Atatürk
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431 – 433 Çhüngıng öf the Ğuards
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434 Der Wagen von Atatürk


Luxi blieb noch bis zum Abend in Ankara, fuhr dann mit dem Nachtzug nach İzmir und flog zwei Tage später über die Dönerdrehscheibe zurück. Er selbst kann am besten davon erzählen. ;-) Mal wieder in Ermangelung von Urlaubstagen hieß es für mich bereits heute, die Rückreise anzutreten. Ich geb’s zu, ich wählte den schnellsten Weg. Direktflüge von Ankara nach Deutschland sind selten: sie gehen nicht täglich und starten gegen 3:30 Uhr in Ankara, sodass man gegen 6 Uhr morgens landet. Das kam also nicht in Frage. Einen Nachtzug von Ankara nach Istanbul gab es zum Zeitpunkt meiner Buchung nicht (wurde erst kurz vor unserer Reise wiedereingeführt), und da der Flughafen von Istanbul noch schlechter an die Stadt angebunden ist als der von Ankara oder München, was eine Anreise per Bahn verunmöglicht, wählte ich Turkish Airlines mit Inlandsflug und Umstieg in der Dönerdrehscheibe.
Der Flughafen von Ankara liegt wirklich weit außerhalb der Stadt, wahrscheinlich vergleichbar mit München. Er ist nicht per Schiene angebunden (Istanbul übrigens auch noch lange nicht, selbst wenn es geplant ist). Man nimmt ab dem Stadtzentrum am besten den Bus, der braucht fast eine Stunde. Ab Ankara fliegt Turkish Airlines im Stundentakt nach Istanbul (nachts seltener, aber selbst um Mitternacht oder nachts um 3 gibt es einen Flug), sonst sind Anadolujet & Pegasus die Platzhirsche mit Verbindungen in dutzende türkische Städte. Die Zahl der internationalen Verbindungen hält sich in Grenzen, da es ab Istanbul ja schon sehr viel Auswahl gibt: Turkish Airlines warb in Vor-Seuche-Zeiten damit, mehr Ziele & Länder anzufliegen als jede andere Airline der Welt, und das Drehkreuz ist natürlich Istanbul.
Falls mal jemand ein Reiseziel mit einem exotischen Namen sucht, kann ich übrigens den anatolischen Ort Batman empfehlen. Der hat sogar einen Bahnhof. ;-)
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435 Der Flughafen
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436 Das moderne Inlandsterminal
Der Inlandsflug war so angenehm, wie ein Flug nur sein kann: überraschend großer Sitzabstand, so freundliches Personal, dass es mir in Erinnerung blieb, volles Entertainment am platzeigenen Bildschirm, es gab kostenlos etwas zu trinken und sogar zu futtern. Die reine Flugzeit betrug eine gute Dreiviertelstunde. Geschätzt ca. 80 % der Passagiere waren Türken, und gar nicht so wenige gingen nach der Landung zur Gepäckausgabe – hier hat YHT also noch Arbeit vor sich. ;-)
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437 Schneller durch die Steppe als YHT
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438 Das Häusermeer von Ankara
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439 Die endlosen Außenbezirke von Istanbul
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440 Ganz viele Schiffe warten auf die Fahrt durch den Bosporus
Nach der Landung auf dem neuen Flughafen der Dönerdrehscheibe (lt. Bordansage „Meeting Point of the World“ ^^ ) rollten wir elendig lange – einer von nur zwei Wehrmutstropfen des Flughafens –, bis wir das Inlandsterminal erreichten.^^ Ich hatte ausreichend Zeit, insg. zweieinhalb Stunden. Den Flughafen empfand ich als „normaler“ Passagier ohne besondere Lounge-Ansprüche als äußerst angenehm, die Passkontrolle am Übergang vom Inlandsterminal zu den anderen Terminals als sehr effizient. Allerdings habe ich meine Wasserflasche im Rucksack an beiden Flughäfen problemlos durch die Sicherheitskontrollen bekommen. :p
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441 Die Arbeiten für weitere Terminals laufen schon
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442 Liebe Berliner: So schaut übrigens ein Flughafen aus! :p
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443 Zweiter Wehrmutstropfen -.-
Den zweiten Flug mit Turkish Airlines habe ich zwar nicht ganz so überwältigend positiv in Erinnerung wie den Inlandsflug, aber außer einem etwas knapperen Sitzabstand (dennoch keineswegs schlechter als bei anderen Airlines) gab es keine Kritikpunkte. Für erwähnenswert halte ich noch, dass selbst auf der Kurzstrecke die alkoholischen Getränke meiner Sitznachbarn kostenlos waren! Mein Gepäck reiste zeitgleich mit mir, alle konnten nach der Landung noch laufen, und die Flugzeuge konnte man auch weiterverwenden. Also alles gut!

Für die Heimreise nutzte ich den zweiten DB-Zug meiner Reise. Der erste, der EC Wörthersee, überzeugte ja mit mannigfaltigen Störungen.^^ Und der zweite? Seht selbst:
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444 Wieder in Schland

Zuletzt wie gewohnt die Statistik:
Inkl. der Rückfahrt vom Flughafen nach München (dann halt mit der anderen S-Bahn-Linie) waren es 26 Fahrten.
Die dauerten planmäßig 65:35 h, davon sage und schreibe 11:26 h Zwischenhalte. :D Durchschnittliche Dauer war mit 2:31 h gar nicht mal soo lang, wenn man bedenkt, dass da eine Fahrt von über 30 h dabei war.^^
Dabei wurden 3.994 km zurückgelegt, davon 372 km auf deutschem Boden (inkl. Großem Deutschen Eck), 1.127 km in Österreich, 41 km in der Schweiz, 9 km in Liechtenstein, 125 km in Ungarn, 285 km in Slowenien, 11 km in Italien, 319 km in Kroatien, auch wenn es einen ganzen Tag dauerte waren es in Serbien nur 474 km, 357 km in Bulgarien und immerhin 875 km in der Türkei. Zwar war mir bis Zagreb schon fast alles bekannt (in Österreich waren nur 213 km neu, davon mehr als die Hälfte in Kärnten), aber hinter Zagreb mit Ausnahme Stara Pazova – Rakovica alles unbekannt: „Neue“ Strecke waren für mich knapp 2.400 km, also fast 60 %.
Die planmäßige Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 73,8 km/h. In der Türkei waren es z. B. planmäßig 98,3 km/h (tatsächlich ja erheblich langsamer^^), in Serbien nur ca. 47 km/h.^^ :D
39 min Abfahrtsverspätung standen 156 min Ankunftsverspätung gegenüber. Doch nur fünf Fahrten waren verspätet (davon drei in der Türkei :D), das macht immerhin 81 % Pünktlichkeit.
Mit nahezu 400 € war das ganze Spektakel freilich reichlich teuer, ziemlich genau 10 ct/km. Aber anders kommt man an so eine exotische Direktverbindung als normaler Kunde wohl nicht ran. ;-)

Es grüßt bis zur nächsten Tour (eine hab ich noch^^)
Das Krümelmonster

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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