PreisVIELFALT statt TarifDSCHUNGEL: Ein Segen! (Fahrkarten, Angebote und Tarife)

Blaschke, Osnabrück, Freitag, 29.11.2019, 17:41 (vor 9 Tagen) @ GUM

Hallo.

leider scheint die Bahn weiterhin nichts vom Lichten des Tarifdschungels zu halten.

So schwankt der Flexpreis, 1. Klasse, der ja auch Multiplikator für die BahnCard-Rabatte ist, wie folgt:

Freitag: 72,00 Euro
Donnerstag: 69,50 Euro
Montag: 66,00 Euro

Also ein "Freitagszuchlag von 3,6 Prozent" gegenüber dem Donnerstag.

Und worin genau besteht jetzt das Problem? Auf dem System beruht unser gesamtes Wirtschaftswesen. Wenn ich an Branchen mit festen Tarifen denke, kommen mir Apotheken in den Sinn, Rechtsanwälte oder auch Architekten. Jedenfalls nichts, was günstig ist.

Und was ist daran ungerecht, dass ich Freitagreisenden, die das Geld haben, mehr aus der Tasche ziehe, damit andererseits Ärmere Dienstagnachts günstig fahren können.

Ist in Hannover Messe, kosten die Hotels das Dreifache. Oben an den Gleisen kosten 0,5l Coke im Automaten 1,70€. Unten beim Lidl 1,25l nur 99 Cent - Problem, wenn ich 8 Min Umstiegszeit habe. Ist das nicht alles ungerecht? Lebensmittel sind Menschenrecht - muss es da nicht Einheitspreise geben? Mobilität ist Menschenrecht - müssen Bahntickets nicht je nach Entfernung Einheitspreise haben? Der Spritpreis muss dann aber auch einheitlich sein, oder? Mieten müssen einheitlich sein und im Prinzip doch eigentlich alles im Leben. Ach ja, was ist mit der Kfz-Versicherung? Ohne geht's nicht beim Pkw und jede Versicherung hat ihr eigenes System. Und die Leute kommen damit klar.

Zurpck zum Einheitspreis: Andererseits müssen Verdienste und Einkommen auch vereinheitlicht werden..

Ist ja alles auch keine Utopie. So in der Art gab es das ja schon mal. Nannte sich DDR. Und wie es da 1989 aussah, muss ich dir nicht erklären; du bist alt genug und weißt das auch noch. War dann doch nicht ganz so erfolgreich das System.


Was spricht also dagegen, auch den Flexpreis je nach Verbindung und Tag und Tageszeit und Nachfrage eben der Nachfrage anzupassen? So verdienen Mineralölkonzerne und Fluggesellschaften. Was übrigens auch nichts schlimmes ist. Deiner privaten Zusatzrentenversicherung, die in Aktien investiert, tut es gut. Und den Arbeitsplätzen dient es auch.

Und wenn es dir zu teuer ist, gibt es ja selbst bei der Eisenbahn Alternativen. Leicht versetzt fahren, kleine Umwege einbauen, langsamere Züge, Pausen oder gar gleich Ländertickets oder QdL nehmen - für jeden Wunsch hat das Bahnwesen was im Angebot!!!

Nicht jeder bezahlt an Highlighttagen ein Vermögen. Ich sehe auch an solchen Tagen in meinen NV-Zügen genug Fahrgäste mit Tickets, deren Preis der Entfernung durchaus angemessen ist. Und Sparpreisreisende schimpfen extrem selten über ihren Preis; das erlebe ich kaum. Wer schimpft, sind oft Berufspendler über teure Verbundfahrpreise im NV. Also in einem Bereich, wo eine hohe Regelungsdichte herrscht. Und wo der NVZ-Reisende oft soviel bezahlt wie HVZ-Reisende - ein 9-Uhr-Ticket nutzt bei der frühzeitigeren Hinfahrt zur Maloche selten.


Kurzum: es gibt kein TarifDSCHUNGEL, sondern eine PreisVIELFALT wie in fast allen anderen Bereichen des Lebens! Und das ist auch nicht schlimm, sondern gut. Der eine will sparen, opfert Stunden für die Suche und Zeit für die Bummelverbindung - fährt aber günstig. Der andere will ratzfatz jetzt von A nach B und zahlt für diesen 'Luxus' eben etwas mehr. Der eine ist faul und nimmt das erstbeste Angebot an und zahlt dafür mehr. Der andere sucht und informiert sich und verplempert Lebenszeit, spart aber dafür. Und nicht zu vergessen die Umverteilung von 'oben' nach 'unten', ähnlich wie bei Ulli Hoeness und seinem Spruch über die Lounges im Stadion und die Eintrittspreise für die Stehtribüne. Wer mehr zahlen kann und zahlt, finanziert dem den Billigstpreis, der nicht zahlen kann oder will. Denn das ist ja wohl auch klar: gibt's nach oben keine Ausschläge, gibt's auch nach unten keine! 19,90€ für SSP wäre dann konsequenterweise auch nicht mehr drin. Ob so Einheitspreise dann aber wirklich die Fahrgäste glücklicher machen? Ich bezweifele es. So wie jetzt denkt jeder, der einen Sparpreis hat - egal wie hoch! -, dass er im Vergleich zum Normalpreis ein Schnäppchen gemacht hat. Und den überwiegend Geschäftsleuten, die zum teuren Flexpreis fahren, ist's meist egal - zahlt die Firma, die es auf ihre Kunden umlegt. Bei Einheitspreisen hätten viele stattdessen das Gefühl, dass der zu hoch ist und günstiger sein könnte. Die Zufriedenheit würde sinken. Siehe 'Apothekenpreise' ...


So, das ist lang geworden, aber ich sitz grad verletzt zu Hause statt zu arbeiten (Knie demoliert, Dostotreppensteigen und -laufen is nich ...)


Schöne Grüße von jörg

--
"Wenn Sie für die Eisenbahn arbeiten, dann sind Sie immer auf der Seite der Guten!"

Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (07.05.2019)

Na bitte! ;-)


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