Advent zwischen Thüringer Wald und Franken [2/3 m 49 B] (Reiseberichte)

TD, Montag, 25.12.2017, 14:43 (vor 3009 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum zweiten Teil unserer weihnachtlich-winterlichen Rundreise zwischen Thüringer Wald und Franken. Im ersten Teil waren wir vom Bodensee nach Erfurt gefahren und hatten unterwegs den Bahnhof Oberhof an seinem letzten Betriebstag besucht.

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Wir sind nun in Erfurt und setzen den Reisebericht hier fort, wir schreiben Sonntag den 10. Dezember, es ist der erste Tag des neuen Fahrplanjahres und der Betriebsaufnahme der Schnellfahrtstrecke von Erfurt nach Bamberg.


Tag 2: Erfurt – Bamberg – Sonneberg – Neuhaus am Rennweg – Lauscha – Sonneberg – Coburg - Bamberg

Wie so oft haben sich mir bei der Reiseplanung wieder verlockende Ziele und interessante Strecken aufgetan, so dass sich ein gut gefülltes Tagesprogramm ergeben hat. Um 8:31 Uhr startet der erste Zug, da heißt es zeitig aufstehen, wollen wir doch das Frühstücksbüffet im Hotel nicht ungenutzt lassen.

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Zunächst werfen wir noch einen morgendlichen Blick über die Dächer von Erfurt, rechts die Kaufmannskirche am Anger.

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Dann machen wir uns auf den Weg zum Erfurter Hauptbahnhof. Der Weihnachtsbaum in der Empfangshalle spielt heute nur eine untergeordnete Rolle,...

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...denn der Bahnhof steht ganz im Zeichen der Eröffnung des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8). Mit der Fertigstellung des letzten Bauabschnitts Ebensfeld-Erfurt verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Berlin und München auf vier bis viereinhalb Stunden. Vor einer Fotowand kann man Erinnerungen an den großen Tag schießen lassen, zudem gibt es weitere Infostände und Aktionen.

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„Direkter von A nach B“ – das ist doch wenigstens mal eine konkrete Aussage!

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Wenn ich es richtig gesehen habe, ist der ICE 1505 der erste planmäßige Zug von Erfurt nach Bamberg. Und so starten wir nun mit einem ICE-T zu unserer persönlichen Prämierenfahrt auf der Schnellfahrstrecke. Der Zug ist gut gefüllt, schon vorab war ein Hinweis auf ein hohes Reisendenaufkommen vermerkt, auch in der ersten Klasse sind nahezu alle Plätze besetzt. Ich entdecke unter den Fahrgästen einen aus den Medien bekannten Pro Bahn-Funktionär, darüber hinaus scheint ein nicht unwesentlicher Anteil der Fahrgäste Eröffnungspublikum zu sein – da will ich uns gar nicht ausnehmen.

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1991 beschloss die Bundesregierung 17 Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, darunter auch eine Aus- und Neubaustrecke Nürnberg-Berlin. Nur 26 Jahre später rauschen wir nun auf der neuen Trasse durch den Thüringer Wald. Die Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt (VDE 8.1) ist 107 Kilometer lang, sie besteht zur Hälfte der Streckenlänge aus Ingenieurbauwerken wie Tunnel und Brücken.

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Während die Betriebsaufnahme von Problemen und Störungen überschattet war und in der Presse in einem schlechten Licht erschien, kann ich nicht klagen, unser Zug ist absolut pünktlich. Soweit ich die Geschwindigkeitsanzeigen im Zug im Blick habe, ist der Zug selten schneller als 200 Stundenkilometer unterwegs. Ich schaue aber nicht ständig auf das Display, sondern auch aus dem Fenster, so wie hier bei der Fahrt auf der Talbrücke Froschgrundsee, mit 798 Metern ist sie die längste Eisenbahn-Bogenbrücke Europas. Auch das Gewässer ist nicht uninteressant, es wurde als Hochwasserrückhaltebecken gebaut und war ein „innerdeutsches Modellprojekt“, denn es ragte bei Hochwasseraufstauung zu einem Drittel in die damalige DDR.

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Nach einer Fahrzeit von knapp 45 Minuten verlassen wir in Bamberg den Zug. In Bamberg wartet zwar ein Hotelzimmer, aber wir haben ja erst Vormittag, da wollen wir den Tag noch ausnutzen und einen Ausflug ins Thüringer Schiefergebirge anhängen. Und so bleiben wir im Bahnhof und warten hier auf den Zug nach Sonneberg. Auch in Bamberg gibt es wieder eine Fotowand, hier natürlich mit anderem Städtemotiv. Und auch einen Infostand mit Werbematerial und Give-aways gibt es.

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Die Verbindung von Bamberg nach Sonneberg hat durch den Fahrplanwechsel ebenfalls Neuerungen erfahren, denn es gibt jetzt einen Regionalexpress, der im Zwei-Stunden-Takt Nürnberg und Sonneberg verbindet und dabei die Schnellfahrstrecke befährt, zum Einsatz kommen Doppelstockwagen.

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So, dann schauen wir mal, was wir schon alles an Fanartikeln ergattern konnten. Es gibt eine Broschüre, eine Zeitungsbeilage und eine Frühstücksbox. Bitte nicht falsch verstehen: ich freue mich über die Box und finde es gut, dass sich die Bahn für ein praktisches Werbegeschenk entschieden hat, das man im Alltag auch wirklich brauchen kann. Aber trotzdem treibt mich die Frage um, ob sich der Einkäufer aus der Werbemittelabteilung über die Aussage und Assoziationen zu einer Vesperdose Gedanken gemacht hat. Soll man besser Proviant einpacken, falls die Bahnfahrt wieder länger dauert? Oder soll man sich vielmehr nicht auf die Bordgastronomie verlassen? Hmm...?

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Wir fahren unterdessen auf der Schnellfahrstrecke nach Norden, in der Ferne erhebt sich der Staffelberg aus dem Obermaintal.

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Über die Verbindungskurve Niederfüllbach verlässt der Zug die Schnellfahrstrecke und unterquert anschließend mit dem Tunnel Füllbach die Neubaustrecke.

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Kurz darauf ist die über einen Kilometer lange Füllbachtalbrücke zu sehen, über die die Schnellfahrstrecke weiter nach Erfurt führt.

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In Coburg steht der Zug planmäßig 13 Minuten, dann geht die Fahrt weiter nach Sonneberg. Zwischen Neustadt und Sonneberg queren wir die Grenze zwischen Bayern und Thüringen, in der Ferne sind die Ausläufer des Thüringer Schiefergebirges zu sehen.

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Nach der Ankunft in Sonneberg holen wir noch ein Bild des Zugs nach, die schnellen RE zwischen Nürnberg und Sonneberg werden mit angemieteten Vectron-Loks als Sandwich gefahren. Rechts der Turm des neoklassizistischen Rathauses von Sonneberg.

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Die Übergangszeit recht noch für eine kleine Runde um den Hauptbahnhof von Sonneberg...

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...dann geht es weiter mit einem Regioshuttle der Süd-Thüringen-Bahn. Mit der STB-Linie 4 wollen wir in das Thüringer Schiefergebirge bis zur Endstation Neuhaus am Rennweg fahren.

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Der erste Streckenabschnitt von Sonneberg bis Lauscha ist auch als Steinachtalbahn bekannt, die Bahnstrecke führt durch das enge Tal der Steinach und gewinnt dabei schon deutlich an Höhe.

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Nach einer halben Stunde Fahrzeit ist der Spitzkehrenbahnhof von Lauscha erreicht. Ort und Bahnhof wollen wir uns auf der Rückfahrt anschauen, wir bleiben zunächst im Zug, wechseln aber die Plätze, um die Fahrt wieder in Fahrtrichtung genießen zu können, denn hier oben erwartet uns ein wahres Winter-Wunderland.

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Die Strecke ist nicht nur landschaftlich wunderschön, sondern auch betrieblich kurios, denn in Ernstthal heißt es schon wieder Umsitzen, hier gibt es den nächsten Fahrtrichtungswechsel. Zwei Spitzkehren auf einer Strecke von knapp 30 Kilometern sind schon ungewöhnlich, aber mit den Regioshuttles und ihren kurzen Wendezeiten kein Problem.

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Schließlich erreichen wir die Endstation Neuhaus am Rennweg. Mit 830 Metern über dem Meer ist der Bahnhof Neuhaus der höchstgelegene Bahnhof in Thüringen und einer der höchstgelegenen Regelspurbahnhöfe in Deutschland.

Es geht gleich weiter...

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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