Advent zwischen Thüringer Wald und Franken - Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Montag, 25.12.2017, 14:44 (vor 3008 Tagen) @ TD

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Hier oben im Thüringer Schiefergebirge unmittelbar am Rennsteig, der hier Rennweg genannt wird, herrscht tiefster Winter. Die Kleinstadt mit knapp 7.000 Einwohnern war einst die höchstgelegene Kreisstadt der DDR, sie ist für ein raues Klima und schneereiche Winter bekannt.

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Zu den Sehenswürdigkeiten von Neuhaus gehört die Stadtkirche aus dem Jahr 1892, sie gilt als eine der größten Holzkirchen in Thüringen.

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Doch nun zurück an den Bahnhof. 1913 wurde von Ernstthal an der Bahnstrecke Sonneberg-Probstzella eine Stichstrecke nach Neuhaus eröffnet. 1968 wurde der Personenverkehr eingestellt - aber immerhin gab es bis 1993 noch einen Fahrkartenschalter.

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Nach fast 35 Jahren wurde 2002 der Betrieb auf der Strecke wieder aufgenommen, seither verkehrt die Süd-Thüringen-Bahn mit Regioshuttles im Stundentakt. Wir treten nun die Rückfahrt an.

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Nach wenigen Minuten ist Ernstthal mit der Spitzkehre erreicht, hier der Blick auf die Strecke hinab nach Lauscha, die wir gleich befahren werden.

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Der Bahnhof Ernstthal am Rennsteig wurde 1913 errichtet an der Strecke Sonneberg-Probstzella. Der Verkehr auf dem Streckenabschnitt von Ernstthal nach Probstzella ist jedoch seit 1997 eingestellt, so dass der Bahnhof heute praktisch ein Spitzkehrbahnhof ist.

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Von Oberlauscha führt die Strecke in einem weiten Bogen ins Tal und umrundet dabei einen Berg fast vollständig, dann erreicht die Bahn den Kopfbahnhof von Lauscha.

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Diesmal legen wir in Lauscha einen Zwischenstopp ein. Den Besucher erwartet ein repräsentatives Empfangsgebäude, das zwischen 1912 und 1914 im Heimatstil erbaut wurde.

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Lauscha ist ein kleiner Ort mit rund dreieinhalbtausend Einwohnern, der überregional für sein Glasbläserhandwerk bekannt ist. 1597 wurde der Ort durch den Bau einer Glashütte gegründet, die zur Mutterglashütte der Glasproduktion im Thüringer Wald wurde. Lauscha gilt zudem als Geburtsstadt des gläsernen Christbaum- und Weihnachtsschmucks. Vielleicht hat auch jemand das Buch „Die Glasbläserin“ gelesen oder die Verfilmung gesehen, die vor wenigen Tagen im Fernsehen lief und die Geschichte eine Glasbläsertochter aus Lauscha erzählt.

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Mit der Wende kam es in Lauscha zu einer Rückbesinnung auf die Herstellung von Glasschmuck in traditioneller Handwerkskunst mit den alten Verfahren und Werkzeugen. Noch heute ist Lauscha von der Glasindustrie, der Farbglashütte und der Weiterverarbeitung in Heimindustrie geprägt.
An den ersten beiden Adventswochenenden findet in Lauscha der traditionelle Kugelmarkt statt, der ganz im Zeichen des gläsernen Weihnachtsschmucks steht.

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Bei Schneegestöber einen Weihnachtsmarkt in der Geburtsstätte des gläsernen Christbaumschmucks zu besuchen und dabei noch eine Original Thüringer Bratwurst zu verzehren – klischeehafter geht es wohl kaum mehr. Aber mir gefällt es trotzdem.

Aus Interesse (und zum Aufwärmen) besuchen wir noch die Modelleisenbahnausstellung der Eisenbahnfreunde Steinach–Lauscha und verschaffen uns am Modell einen Überblick über den Bahnhof Lauscha...

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...bevor wir uns wieder dem Original zuwenden. Die Bahnstrecke von Sonneberg nach Lauscha wurde 1886 eröffnet, sie sollte insbesondere den Glas- und Porzellanherstellern der Region für den Produktabsatz dienen. Das Empfangsgebäude beherbergte die Schalterhalle, eine Gepäckannahme, Diensträume sowie eine Gaststätte, heute wird es nicht mehr genutzt.

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Der Kopfbahnhof hat noch immer die Funktion eines Kreuzungsbahnhofs. Als hier noch lokbespannte Züge verkehrten, war für das Umsetzen ein Aufenthalt von mindestens 12 Minuten vorgesehen, heute beträgt die Wendezeit der STB-Regioshuttles noch drei Minuten. Mit dem nächsten Zug fahren wir schließlich zurück nach Sonneberg.

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Als letztes Bild der Strecke noch ein Blick auf das neue Schloss von Steinach, dann machen wir hier einen Schnitt – sonst gehen mir für den dritten Teil die Bilder aus.

Im letzten Teil besuchen wir dann Coburg und Bamberg, fahren eine Runde x-Wagen in Nürnberg und testen den neuen Intercity von Stuttgart nach Konstanz – aber dazu morgen mehr.


Viele Grüße und weiterhin frohe Weihnachtstage


Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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