Advent zwischen Thüringer Wald und Franken [1/3 m 43 B] (Reiseberichte)

TD, Sonntag, 24.12.2017, 14:31 (vor 3012 Tagen)
bearbeitet von TD, Sonntag, 24.12.2017, 14:32

Hallo zusammen,

wie in den vergangenen Jahren möchte ich Euch wieder auf eine kleine vorweihnachtliche Reise mitnehmen. Nachdem wir beim letzten Reisebericht mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella in den warmen Süden gefahren waren, wird es diesmal sogar etwas winterlich. Auch in diesem Jahr sollte es im Advent eine Mischung aus Bahnzielen und Städtereise sein, gerne auch mit dem einen oder anderen Weihnachtsmarktbesuch. Recht schnell war klar, dass es in Richtung der neuen Schnellfahrtstrecke Erfurt-Bamberg gehen sollte, schließlich ist daraus eine dreitägige Tour zwischen Thüringer Wald und Franken geworden. Die erstklassige Reise fand am Wochenende des zweiten Advents statt – hier im Forum auch als Fahrplanwechselwochenende bekannt.

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Von Konstanz geht es über die Schwarzwaldbahn nach Frankfurt und über Würzburg nach Erfurt, dabei legen wir einen Zwischenstopp am Bahnhof Oberhof ein. Am ersten Betriebstag fahren wir auf der Schnellfahrtstrecke nach Bamberg und anschließend mit dem neuen, schnellen Regionalexpress über Coburg nach Sonneberg, weiter nach Neuhaus am Rennweg und zum Kugelmarkt in Lauscha. Am dritten Reisetag machen wir auf der Heimfahrt an den Bodensee einen Zwischenstopp bei den x-Wagen der S-Bahn in Nürnberg und nutzen von Stuttgart nach Konstanz den neuen IC 2.


Tag 1: Konstanz – Baden-Baden – Frankfurt – Würzburg – Oberhof – Erfurt

Am Samstag, dem letzten Tag im alten Fahrplanjahr, startet die Tour frühmorgens am Bahnhof von Konstanz. Es hat über Nacht leicht geschneit, so dass sich schon zum Fahrtbeginn eine winterliche Stimmung einstellt.

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Vielleicht mag sich der geneigte Leser nun fragen, warum es für die Fahrt nach Oberhof nicht direkt über Stuttgart-Würzburg geht. Nun, das hat drei Gründe: Da die Rückfahrt schon über die Gäubahn geplant ist, bietet die Schwarzwaldbahn etwas Abwechslung. Zudem kommt mein Bruder aus Mainz hinzu, so können wir uns schon in Frankfurt treffen. Und nicht zuletzt bietet ein Fernverkehrsanteil nicht nur mehr Reisekomfort, sondern auch bessere Preise.

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Und so geht es nun gemütlich durch den winterlichen Schwarzwald, die Fahrt über die Schwarzwaldbahn ist immer wieder schön.

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Im Kinzigtal präsentiert sich die Landschaft noch winterlich weiß...

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...während im Oberrheintal kein Schnee zu sehen ist. In Baden-Baden heißt es umsteigen, der ICE 76 kommt aus Zürich, der Triebkopf des ICE 1 trägt einen Jubiläumsaufkleber „25 Jahre ICE in die Schweiz“.

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Die Fahrt auf der Rheintalbahn und weiter auf der Riedbahn ist unspektakulär, es herrscht herbstlich-graues Wetter, von daher gibt es von dieser Etappe keine Streckenbilder. Hier erreichen wir schon Frankfurt, bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof ist einer der neuen Doppelstock-Triebwagen zu sehen, eine Mitfahrt müssen wir allerdings auf eine andere Tour verschieben.

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Im Hauptbahnhof gibt es eine Weihnachtskrippe mit einem Wunschbaum der Bahnhofsmission. Wie es sich gehört, ist die Krippe noch unvollständig, ich hoffe mal, dass das Jesuskind heute noch hinzukommt.

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In solch weihnachtlicher Stimmung wollen wir auch nicht meckern und sehen darüber hinweg, dass der ICE 27 mit einer Viertelstunde Verspätung in den Bahnhof einrollt. Mein Bruder ist schon in Mainz eingestiegen, gemeinsam fahren wir nun in dem ICE nach Würzburg.

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Die Mittelgebirge machen ihrem Namen diesmal alle Ehre, auch im Spessart herrscht Winter und der Zug fährt hier oben durch dichtes Schneetreiben. Wenig später bei der Einfahrt nach Würzburg ist der Zauber schon wieder vorbei und über dem Main und der Festung Marienberg gibt es ein paar Sonnenstrahlen.

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Mit der RE-Linie 7, dem Mainfranken-Thüringen-Express, geht es nun in Richtung Thüringen. Mit der BR 612 geht es in Dreifachtraktion auf die Strecke, unterwegs wird geflügelt und ein Zug fährt ab Ebenhausen weiter nach Bad Kissingen.

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Die erste Etappe des Mainfranken-Thüringen-Express führt über flaches Land und ist eher langweilig, bevor der Zug zwischen Grimmenthal und Suhl die Ausläufer des Thüringer Walds erreicht und nun an Höhe gewinnt. Das Fahrplan-Update des FIS hat man offenbar schon vorgezogen, denn bei der Ansage des Halts Zella-Mehlis folgt der Zusatz „Übergang zum Bus nach Oberhof“. Kurz darauf verpassen wir dann fast noch den Ausstieg im Bahnhof Oberhof, denn der Halt wird schon gar nicht mehr angesagt.

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Und hier haben wir unser erstes Etappenziel erreicht: den Bahnhof Oberhof. Der Bahnhof wird nach dem Fahrplanwechsel nicht mehr bedient, unser Besuch fällt in die letzten Betriebsstunden. Einen wegfallenden 08/15-Haltepunkt auf der grünen Wiese hätte ich wahrscheinlich nicht extra in eine Reiseplanung eingebaut, aber der Bahnhof Oberhof ist schon etwas Besonderes und einen Zwischenstopp wert.

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Der Bahnhof Oberhof liegt nahe dem Scheitelpunkt der Bahnstrecke Würzburg-Erfurt im Thüringer Wald auf 639 Metern über dem Meeresspiegel. Der Bahnhof hat zwei Außenbahnsteige, die mit überdachten Treppen und einer überdachten Überführung miteinander verbunden sind.

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Das repräsentative Empfangsgebäude wurde 1910/11 errichtet, um dem aufstrebenden Ferienort Oberhof gerecht zu werden. Das Ortszentrum von Oberhof befindet sich jedoch rund fünf Kilometer entfernt, so dass für die Fahrt ins Zentrum hier auf den Bus umgestiegen werden muss. Die Lage weitab von der Zivilisation und ein niedriges Reisendenaufkommen von 150 Ein- und Aussteigern pro Tag führten schließlich zum Beschluss, den Bahnhalt aufzugeben. Denn wenn Fahrgäste ohnehin mit dem Bus zum Bahnhof fahren müssen, könne der Bus auch zum nur wenig weiter gelegenen Bahnhof Zella-Mehlis fahren.

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Unweit des Bahnhofs liegt das Portal des Brandleitetunnels, hier der Blick von der Straße über dem Tunnelportal auf die Bahnstrecke und zum Bahnhof. Mit 3.039 Metern war der Scheiteltunnel unter dem Thüringer Wald der längste Eisenbahntunnel in der DDR.

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War der Bahnhof zu Zeiten des Dampfbetriebs eine wichtige Station, um nach der Bergfahrt den Wasservorrat aufzufüllen, wirkt das riesige Gebäude in der Einöde und so idyllisch verschneit heute wie ein vergessener Ort.

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Auch im Inneren herrscht Endzeitstimmung, die Zeiten, als Wintersporttouristen und Wanderer die Schalterhalle und die Gastronomie bevölkerten, sind längst vorbei.

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Ob der Briefkasten noch geleert wird?

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Vom Gang über die Gleise...

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...werfen wir einen Blick nach Osten zum Portal des Brandleitetunnels...

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...und nach Westen auf die Strecke hinab nach Zella-Mehlis.

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Seit 1884 hielten hier die Züge von Erfurt nach Meinigen oder Schweinfurt, auch Fahrtziele wie Berlin, Stuttgart, Zürich und gar Ventimiglia an der italienischen Riviera waren von hier zu erreichen, zuletzt kam der Bahnhof mit dem Interregio „Rennsteig“ von Berlin nach Stuttgart zu Fernverkehrsehren. Oberhof war zudem Ziel für Wintersportzüge.

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Mit einem der letzten Züge, die planmäßig am Bahnhof Oberhof halten, setzen wir unsere Reise nun fort. Ein Regioshuttle der Süd-Thüringen-Bahn (STB) bringt uns nach Erfurt und wir verlassen mit gemischten Gefühlen diesen Ort – einerseits sind die Argumente für die Aufgabe des Halts nachvollziehbar, andererseits ist es schon schade um diesen traditionsreichen Charakter-Bahnhof.

Es geht gleich weiter...

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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