Nachfrageentwicklung entspricht nicht der Erwartung (Reiseberichte)

numi, Montag, 18.12.2017, 16:39 (vor 3023 Tagen) @ musicus
bearbeitet von numi, Montag, 18.12.2017, 16:40

Das Problem an der ganzen Sache ist einfach, dass sich die Nachfrage absolut nicht so entwickelt hat wie ursprünglich erwartet. Wir müssen bedenken, dass die Planung für die Strecke vom Anfang der 1990er Jahre kommt.

Die Erwartung war damals, dass man durch viel Geld die neuen Bundesländer auf einen ähnlichen Stand bringen kann wie die alten. Also die Bevölkerungsentwicklung und die wirtschaftliche Entwicklung ähnlich ist. Wie wir jetzt alle wissen, ist das so jedoch nicht passiert. Unter dieser Erwartung müsste die Bevölkerung von Thüringen heute 27 % größer sein als sie es ist. Die Wirtschaftskraft wäre etwa 94 % größer als in der Realität (in Sachsen-Anhalt wären es sogar 107 %, in Sachsen 80 %).

Da die Verkehrsnachfrage und die Wirtschaftskraft ziemlich eng zusammen hängen, kann man also herleiten, dass man in den betroffenen Bundesländern mit etwa der doppelten Nachfrage gerechnet hat. Dementsprechend wurde die Strecke dann auch gebaut. Man hat nicht eingeplant, dass diese Bundesländer zu unwichtig wären um dort zu halten. Es heißt ja auch Verkehrsprojekt Deutsche Einheit und nicht Deutsche Durchfahrt. Die Strecke sollte also nicht nur Berlin mit München verbinden sondern auch die Länder Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen besser anbinden. Daher ja auch die Streckenführung über Erfurt, da man somit gleichzeitig auch die Verbindung von Sachsen nach Frankfurt deutlich beschleunigt hat.

Das ganze hat dazu geführt, dass die Bahnhöfe Erfurt und Halle auch nicht darauf ausgelegt sind, sie schnell zu durchfahren. Ein zusätzlicher Halt kostet also kaum Zeit, da sowieso sehr langsam gefahren werden muss (wir reden hier über etwa 3 Minuten Zeitverlust je Halt). Somit macht es also durchaus Sinn in Erfurt und Halle anzuhalten, da der Zeitverlust nur sehr klein ist (und ein paar Fahrgäste gibt es dann ja doch auch).

Im Nachhinein könnte man sich natürlich fragen, ob eine Schnellfahrstrecke südlich an Erfurt vorbei und ein Abzweig nach Erfurt (so wie mit Coburg) sinnvoll gewesen wäre. Auch eine Umfahrung für Halle hätte sich eventuell gelohnt. Für solche Überlegungen ist es jetzt allerdings zu spät.


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