Savoyen, Toskana und zurück – Teil 3.3 [14 Bilder] (Reiseberichte)

MC_Hans, 8001376, Donnerstag, 23.11.2017, 20:31 (vor 3044 Tagen) @ MC_Hans
bearbeitet von MC_Hans, Donnerstag, 23.11.2017, 20:32

Heute steht die Rückreise nach Deutschland auf dem Programm. Es wird ein langer Tag mit über 1000 km - ich wähle deshalb die naheliegendste Variante: Über die Schnellfahrstrecke bis Bologna und ab da mit einem Brenner-EC weiter nach Deutschland.

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Der Fahrplan:

AV 9902  Florenz    ab 09:25
   Bologna   an 10:00

EC 84   Bologna   ab 11:52
   München Hbf   an 18:27

ICE 524  München Hbf   ab 18:55
   Aschaffenburg Hbf  an 21:34

RB 15736  Aschaffenburg Hbf  ab 21:46
   Darmstadt Hbf  an 22:27


Dazu hätte es natürlich Alternativen gegeben. Durch die Schweiz hätte es mir aber mit den Anschlüssen bzw. Aufenthalten nicht so gut gepasst, es wäre um einiges teurer gewesen, die Gäubahnzüge passten nicht, wieder wäre ich durchs Rheintal gekommen. Also über die Brennerroute, die ich erstmalig kennenlerne.

Ein paar Tage vor der Fahrt kam mir noch die Idee, das günstige .italo-Ticket wegen der Tunnelstrecke zwischen Florenz und Bologna verfallen zu lassen. Aber für die Direttissima (Florenz – Prato – Bologna) oder die Strecke Pistoia – Bologna fehlten mir die Geduld und die Ruhe… das nächste Mal vielleicht ;-)

Nach dem Frühstück schnappe ich mein Gepäck und mache ich mich auf zum Bahnhof. Es ist ein Wetterumschwung angekündigt, trotzdem hat es um 9 Uhr morgens schon um die 30°C.

Der Bahnsteig ist bis wenige Minuten vor der Ankunft des Zuges abgesperrt. Dann kommt ein .italo-Mitarbeiter und lässt die Reisenden nach einem kurzen Blick auf das Ticket passieren. Der AGV rollt währenddessen auf die Minute pünktlich ein:
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Der Kopfbahnhof von Florenz stellt für den Nord-Süd-Verkehr übrigens einen nicht unerheblichen Zeitverlust dar, der mit einem dezentralen Tiefbahnhof (in Belfiore) und einer Nord-Ost-Untertunnelung beseitigt werden soll. Baubeginn derzeit unklar, es soll aber 2022 fertig werden – ich taufe die Idee „Florenz 21“.

Im .italo herrscht Flugzeugatmosphäre: enge Reihenbestuhlung, graue Kunstledersitze, wenig Stauraum für Gepäck. Der Waggon ist fast vollständig besetzt mit gemischtem, internationalen Publikum. Trotzdem wird es schnell familiär, als eine ältere Italienerin die Suche nach ihrem Ring beginnt. Leider nicht von Erfolg gekrönt.

Gut ist, dass die Züge so gut nachgefragt werden. Die Sitze sind allerdings schon etwas „runter“, und es läuft eine Art Zugradio, das ab und zu Werbung kundtut. Das stört. Aber die Fahrt dauert ja nur 35 Minuten.

Der Tiefbahnsteig in Bologna Centrale:
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Eine Zwischenebene:
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Das Bahnhofsgebäude:
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Zufällig ist es gerade 10:20 Uhr, aber wenn man genau hinschaut, zeigt die linke Uhr 10:25 Uhr. Das tut sie permanent als ein Denkmal für den Terroranschlag von 1980 an diesem Bahnhof.

Füße vertreten an der Porta Galliera:
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Ich bummele die Zeit in einem Café ab und besorge etwas Proviant; direkt am Bahnhof ist ein kleiner Supermarkt. Obwohl es einer der größten Durchgangsbahnhöfe Europas sein soll, ist an diesem Vormittag nicht viel los.

EC 84 kommt aus Rimini eingefahren:
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Fahrt durchs platte italienische Land:
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Bis Verona habe ich ein Abteil für mich. Die Strecke soll 200 km/h zulassen, es kommt mir aber langsamer vor. Für den 115 km langen Abschnitt sind großzügige 55 Minuten veranschlagt.

In Verona ist 15 Minuten Aufenthalt und die Lok umkurvt ihr Gespann. Ein paar Minuten nach der Ausfahrt kommt die Durchsage (auf deutsch), dass es keinen Speisewagen gäbe. Dafür wird nicht um Entschuldigung oder Verständnis gebeten, sondern lediglich informiert. Na immerhin gibt es einen Notverkauf im Abteil.

Im Etschtal, Nähe Salurn:
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Das Wetter ist hier oben schon deutlich durchwachsener. Gestern noch in der Hitze der Toskana, jetzt ca. 20° weniger.

Noch scheint die Sonne kurz hinter Bozen:
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Der Notverkauf im vordersten Abteil hinter der Lok wird mit einem kleinen Kaffee-Vollautomaten bespielt. Dafür herrscht reger Durchgangsverkehr durch die beiden vollbesetzten A-Waggons, die Fahrgäste dort tun einem leid... Weiter oben am Brenner sieht es dann richtig regnerisch und ungemütlich aus. Die Wolken hängen tief. Aber der First-Class-Kaffee ist gut.

St. Jodok Süd – da kommt was entgegen:
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St. Jodok Nord:
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Die Zeit plätschert vor sich hin, ich bin am Lesen. Eine Mutter mit Kind hatte sich in Südtirol zu mir ins Abteil gesellt, später kommt noch eine weitere Person dazu.
Der Rest der Fahrt verläuft ruhig, zwischendrin sind mal Beamte der Grenzpolizeien im Zug unterwegs. Die Fahrt über die Unterinntalbahn und weiter nach Bayern zieht sich dann aber. Mit drei Minuten Verspätung komme ich gegen 18.30 Uhr am Münchner Hauptbahnhof an.

Der schnellste Weg nach Darmstadt führt jetzt über Nürnberg-Würzburg-Aschaffenburg – ICE 524 wartet schon:
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Der Einteiler am Donnerstagabend ist sehr gut ausgelastet, die Fahrt unspektakulär und pünktlich. In Aschaffenburg steige ich in den letzten Zug meiner Reise um, eine Regionalbahn nach Darmstadt und Wiesbaden. So wie die Hinfahrt begonnen hatte – Regio-Dosto und 403 – so endet sie nun in umgekehrter Reihenfolge.

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Gegen halb elf komme ich zuhause an. Damit ist auch der dritte Teil des Berichts von meiner kleinen Rundfahrt zu Ende. Alles hat wie geplant und verspätungsfrei funktioniert, auch wenn fast nur offizielle Anschlüsse dabei waren.

Danke für Euer Interesse und einen guten Abend!


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