Savoyen, Toskana und zurück – Teil 2.3 [16 Bilder] (Reiseberichte)

MC_Hans, 8001376, Montag, 23.10.2017, 21:53 (vor 3071 Tagen) @ MC_Hans

Modane ist ein kleines Grenzstädtchen mit ca. 3000 Einwohnern. Es erstreckt sich vom Bahnhof in nordöstlicher Richtung entlang der Arc über etwa 3 km. Da sich meine Füße aufgrund falschen Schuhwerks aber heute im Streik befinden, bleibe ich für den knapp einstündigen Übergang in Reichweite des Bahnhofs.

Auf dem Bahnhofsvorplatz erblickt man am Hang gegenüber das Fort du Replaton. In Schussweite zum Nordportal, diente es zur Überwachung des Mont-Cenis-Tunnels, Grenztunnel zu Italien, der 1871 eröffnet wurde. Mit seinen ursprünglich 12,8 km (nach Verlängerung 13,6 km) machte er den Umweg über den Mont-Cenis-Pass überflüssig und schloss normalspurig die Lücke zwischen italienischem und französischen Schienennetz. Er ist zudem der älteste Tunnel durch den Alpenhauptkamm.
Frankreich als Mitglied des Triple Entente hatte hier nun also eine Tunnelverbindung zu einem Mitglied des Dreibund (Königreich Italien, Deutsches Reich und Österreich-Ungarn). Da man das Eindringen von Truppen und schwerer Artillerie über den Schienenweg befürchtete, errichtete das Militär in den Folgejahren nach der Tunneleröffnung diese Befestigung.

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Der Ort profitierte wirtschaftlich immer wieder Erweiterungen der Verkehrswege und seit dem zweiten Weltkrieg außerdem von Maßnahmen zur Förderung von Tourismus und Wintersport.

Die Arc im Rücken der Häuserzeile, immer wieder für ein Hochwasser zu haben:
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Aber nun zurück zum Bahnhof. Die Maurienne-Strecke endet hier und geht in die Fréjus-Bahn nach Turin über, die mit 3 kV Gleichstrom betrieben wird. Damit wird die Notwendigkeit von Dreisystemzügen deutlich, wenn eine Bahn wie die SNCF auf die Idee kommt, Züge von Paris/Lyon weiter nach Turin/Mailand zu schicken. Das macht sie seit Ende 2011 in Form des TGV Réseau.
Mit drei Verbindungen pro Tag und Richtung sind es die einzigen Personenzüge über diesen Grenzübergang. Alle TGV der Relation halten in Modane und dem ersten darauffolgenden italienischen Bahnhof, Bardonecchia. Nahverkehr gibt es nur von/nach Frankreich.

Mein TGV 9247 von Paris/Lyon/Grenoble:
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Der Aufenthalt des TGV wird von 14.50 Uhr bis 14.55 Uhr angegeben, trotzdem steht er schon ca. 14.30 Uhr bereit.

Der Zug im Lacroix-Design ist sehr gut ausgelastet. Die Réseaux sind für meinen Geschmack etwas heruntergekommen und eng, so auch dieser hier. Die Duplexe sind mir da lieber. Aber 80 Minuten wird sich das aushalten lassen – und was wäre eine Frankreich-Tour ohne TGV?

Kurz nach Fahrtbeginn überqueren wir also die Grenze, und der Zugbegleiter begrüßt die Fahrgäste per Durchsage in Italien. Da die Ticketkontrolle bereits auf italienischem Boden stattfindet, wird man dann auch selbstverständlich in italienischer Sprache kontrolliert.

Die Fahrt durch das Susatal verläuft ruhig, und ich nutze die Zeit zum Lesen. Nachdem die ersten der insgesamt ca. 100 km mit sehr gemächlichem Tempo begonnen hatten, beschleunigt der Zug später auf immerhin ca. 140 km/h.

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Von den drei Fernbahnhöfen in Turin bedienen die TGVs den zentralen Porta-Susa-Bahnhof. Den hiesigen Zwölf-Minuten-Übergang auf den Frecciarossa wollten mir weder SNCF noch TI online verkaufen. Zu hohes Risiko? Doch erst in Mailand umsteigen und 30 Minuten verschenken?
Das SNCF-Ticket bis Mailand kostete dasselbe wie bis Turin, also einfach bis Mailand buchen. Auf das Geschaukel über die Altstrecke zwischen Turin und Mailand im TGV wollte ich aber dann doch verzichten, sodass ich glücklicherweise ab Turin einen nationalen Frecce mit schlankem Anschluss fand.

Als wir dann pünktlich in Turin ankommen, steige ich aus und mit mir ein Großteil der Fahrgäste. Am Gleis finde ich keine Anzeigetafel, also ab in die Vorhalle.

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Abfahrt meines Frecce ist am Gleis gegenüber – also wieder zurück. Also doch ein simpler, großzügig bemessener Übergang.

Einfahrt meines ETR 1000 als ES 9575 „Frecciarossa“ nach Florenz:
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Ich steige natürlich am völlig falschen Ende ein – Wagen 1 statt 8. Okay, auch das mit den italienischen Wagenstandsanzeigern will gelernt sein.

Super Standard Economy, d.h. Flugzeug- und Plastikcharme im Innenraum:
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Einfahrt auf die 126 km lange Neubaustrecke bei Turino Stura:
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Bald ist Topspeed erreicht:
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Nebenan die Autobahn A4 – wie langweilig:
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Die Geschwindigkeit macht großen Spaß – nach soviel französischer Gemütlichkeit nun ein echtes Highlight.

In Mailand halten wir an den Bahnhöfen Porta Garibaldi und Rogoredo, ein zeitraubender Fahrtrichtungswechsel bleibt erspart. Es geht weiter nach Süden auf der Schnellfahrstrecke Richtung Bologna und auf den U-Bahn-Abschnitt durch die Toskana.

Der Sitzkomfort der Economy ist erwartbar gering, und es kommt mir auch lauter vor als im ICE bei hohen Geschwindigkeiten. Dafür kosten die 2:45 h nur knapp 30 €, das ist fair.

Die Stadt der Medici erreiche ich 3 Minuten zu früh, trotz zuvor ca. 10 Minuten Verspätung in Reggio Emilia. Hier der Triebzug nach Ankunft im Bahnhof Santa Maria Novella:
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Am Ziel treffen mich die toskanischen 40°C Außentemperatur nach dem klimatisierten Wageninneren wie ein Schlag – was soll‘s, erst mal ab ins Hostel. Die Tagesreise hat reibungslos geklappt und jetzt ist erst einmal Pause angesagt.

Teil zwei meines Reiseberichts soll hiermit beendet sein. Ich hoffe, dass Euch auch dieser Teil etwas Vergnügen bereitet hat. Bald gibt es mit Teil 3 dann den letzten Abschnitt meiner Reise mit Eindrücken aus der Toskana und der Rückfahrt über den Brenner.

Zum Schluss noch ein paar abendliche Bilder aus Florenz:

Blick von Westen auf den Dom, davor das Battistero di San Giovanni (mein Namensvetter):
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Die abendliche Ponte Vecchio über den Arno:
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Angestrahlter Turm des Palazzo Vecchio:
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Basilica di Santa Croce:
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