Vom Vatikan zur Wocheiner Bahn (5/5 m 79 B) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 03.12.2016, 17:28 (vor 3396 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum letzten Teil unserer kleinen Rundreise zwischen Alpen und Adria. Im vierten Teil waren wir von Triest kommend auf der Wocheiner Bahn nach Bled Jezero gefahren und hatten am Bleder See übernachtet.

[image]


Tag 5: Bled Jezero – Jesenice – Villach – Kötschach-Mauthen – Villach - Salzburg

Heute wollen wir die letzten 10 Kilometer der Wocheiner Bahn nach Jesenice zurücklegen und setzen am Morgen die Reise am Bahnhof von Bled Jezero fort. Das schmucke Bahnhofsgebäude erinnert an die k.u.k-Architektur der Jahrhundertwende.

[image]

[image]

[image]

[image]

Mit knapp 20 Minuten Verspätung trifft der Dieseltriebwagen aus Sežana nach Jesenice ein. Der Schaffner mustert unsere Fahrkarten eine ganze Weile, entweder verirren sich selten Fahrgäste mit internationalen Fahrkarten in diese Gegend oder er ist irritiert wegen der Fahrtunterbrechung, schließlich passt es aber doch.

[image]

Zwischen den Gipfeln der Karawanken vor uns und den Julischen Alpen im Rücken fahren wir durch die Oberkrain.

[image]

[image]

Bald schon sind die ersten Häuser von Jesenice erreicht. Die Bahnstrecke überquert im Ortsgebiet die Save und trifft im Bahnhof auf die Strecke aus Ljubljana. Die Übergangszeit auf unseren Anschlusszug ist durch die Verspätung etwas verkürzt, aber immer noch ausreichend, um eine Runde um den Bahnhof zu drehen.

[image]

Die Kleinstadt Aßling (heute Jesenice) kam 1920 zum Königreich Jugoslawien. Der Bahnhof wurde damit zum Grenzbahnhof zu Österreich bis zum Wegfall der Grenzkontrollen durch das Schengen-Abkommen 2007. Der große Bahnhof wirkt bei unserem Besuch ziemlich ausgestorben.

[image]

[image]

Wir wandeln weiter historisch auf den k.u.k-Spuren. Die bisher befahrene Wocheiner Bahn war ein Teilprojekt der sogenannten Neuen Alpenbahnen im kaiserlichen Österreich, zu dem auch die Karawankenbahn mit dem Karawankentunnel gehörte. Und mit dem aus österreichischem Wagenmaterial gebildeten EC 212/112 ist auch der Gedanke der damaligen Politiker, Österreich und Deutschland per Bahn mit dem Süden zu verbinden, ein Stück weit Realität, wenn auch in einem ganz anderen Umfeld.

[image]

[image]

Auf der Karawankenbahn fahren wir nun durch das Rosental nach Villach.

[image]

[image]

Nach der Ankunft des Eurocity in Villach bleibt noch Gelegenheit, einen Blick auf die Chiquita-Werbelok der slowenischen Bahn zu werfen, dann geht es durch die Unterführung und die Empfangshalle zu Gleis 1.

[image]

[image]

Bei der Planung der Tour kam mir die Idee, auch noch die vor der Teileinstellung stehende Gailtalbahn zu besuchen, das bietet sich ja geradezu an, wenn wir schon in Villach sind. Auf der nicht-elektrifizierten Strecke verkehren Desiro-Triebwagen.

[image]

[image]

Von Villach bis Arnoldstein fahren wir auf der Rudolfsbahn Richtung Tarviso, dann zweigt die eingleisige Bahnstrecke zu Füßen des Dobratsch nach Westen ins Gailtal ab.

[image]

Die Strecke verläuft landschaftlich reizvoll auf dem ebenen weiten Talboden, während sich links und rechts die Gebirgshänge der Gailtaler und der Karnischen Alpen erheben.

[image]

[image]

[image]

Der erste Abschnitt der Gailtalbahn bis Hermagor wurde 1894 eröffnet. Der zweite Abschnitt bis Kötschach-Mauthen wurde im Ersten Weltkrieg von Kriegsgefangenen als Heeresbahn gebaut, um den Nachschub am Plöckenpass an der österreichisch-italienischen Front zu sichern. Nach dem Krieg wurde dieser Abschnitt in eine reguläre Bahnstrecke umgebaut und 1918 der Personenverkehr bis Kötschach-Mauthen aufgenommen.
Hier am Bahnhof Rattendorf-Jenig sind wir schon in jenem zweiten Streckenabschnitt angekommen. Der sonderbare Ortsname Rattendorf soll übrigens nichts mit den possierlichen Nagetieren zu tun haben, sondern auf einem historischen Schreibfehler beruhen.

[image]

Nördlich der Gailtaler Alpen mit dem Reißkofel verläuft parallel die Drautalbahn von Villach nach Lienz. Nicht alle der Bahnhöfe entlang der Strecke haben historische Empfangsgebäude, es gibt auch deutlich jüngere Haltepunkte.

[image]

[image]

Nun ist bald der Endbahnhof Kötschach-Mauthen erreicht. Ich hatte anfangs überlegt, mit dem Bus zur Drautalbahn zu fahren, da dort aber ein Baustellenfahrplan gilt und die Anschlüsse nicht passen, werden wir wieder mit dem Zug zurückfahren.

[image]

Bis zum Jahr 2019 soll der vordere Abschnitt der Gailtalbahn von Arnoldstein bis Hermagor elektrifiziert und zur S-Bahn aufgewertet werden. Auf dem hinteren Abschnitt bis Kötschach-Mauthen hingegen wird zum anstehenden Fahrplanwechsel der Personenverkehr eingestellt. Insofern wird ein solches Bild mit einem Desiro am Endbahnhof Kötschach-Mauthen bald nicht mehr möglich sein.

[image]

Wir machen nun in Kötschach-Mauthen Mittagspause. Nachdem wir schon die ganze Zeit durch das Gailtal gefahren sind, laufen wir zunächst zum namensgebenden Fluss. Die Gail entspringt in Osttirol und mündet bei Villach in die Drau.

[image]

Die Doppelgemeinde Kötschach-Mauthen hat 3.500 Einwohner, hier sind wir im Ortsteil Kötschach.
Über den Plöckenpass ist Italien nicht weit, nach Norden geht es über den Gailbergsattel ins Drautal. Die Pfarrkirche ist auch als „Gailtaler Dom“ bekannt.

[image]

[image]

[image]

Doch nun zurück an den Bahnhof Kötschach-Mauthen. Es gab wohl früher Überlegungen, die Strecke Richtung Lessachtal oder gar nach Lienz oder Sillian zu verlängern, stattdessen ist hier bald der letzte Zug abgefahren.

[image]

Während der Zug auf der Hinfahrt nur sehr schwach besetzt war, wird er sich jetzt zur Mittagszeit noch mit Schülern füllen. Die Gailtalbahn bis Arnoldstein ist knapp 62 Kilometer lang, dafür benötigt der Zug sage und schreibe 1 Stunde und 30 Minuten.

[image]

[image]

Das Tal kennen wir ja schon von der Hinfahrt, jenseits der Karnischen Alpen liegt Italien. Laut Wikipedia trägt die Bahnlinie im Volksmund den Spitznamen „Saska-Express“. Saska wiederum ist ein Speck-Brotaufstrich aus Kärnten – da habe ich etwas Probleme mit dem Zusammenhang. Kennt jemand den Hintergrund wie die Strecke zu dem Namen kam?

[image]

[image]

[image]

[image]

Die Gail ist immer wieder in Sichtweite, dann folgt der Pressegger See mit seinen großen Schilfbeständen.

[image]

[image]

Mit dem Dobratsch ist das Ende des Gailtals erreicht und wir können damit die Kursbuchstrecke 670 abhaken, bevor demnächst der Bus den hinteren Talabschnitt übernimmt.

Es gibt in Kärnten noch eine weitere Strecke, die zum Fahrplanwechsel auf einem Teilstück den Personenverkehr verliert. Deren Bereisung ist allerdings deutlich aufwändiger und lässt sich nicht so einfach bei der Durchreise nebenbei mitnehmen. Wir werden deshalb demnächst noch einmal in diese Gegend kommen – aber dazu dann mehr im nächsten Reisebericht.

Es geht gleich weiter...

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum