Der Mittwochsbahnhof, Teil 0 (30 Bilder), Abschnitt 1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 30.11.2016, 18:00 (vor 3400 Tagen)

Moin!

Herzlich willkommen zu meiner neuen Serie. Das heutige Ziel gehört irgendwie dazu und doch auch nicht, daher läuft es als nullter Teil.


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Osnabrück ist die wohl einzige Großstadt eines deutschen Flächenstaates, die aus dem großen Rest dieses Flächenstaates per Bahn nur (noch) nach einer Fahrt durchs Nachbarbundesland erreichbar ist. Egal ob von Salzbergen, von Bramsche, von Syke oder aus der Landeshauptstadt, man muß mehr oder minder lange durch Nordrhein-Westfalen fahren. Den Hauptbahnhof der Friedensstadt habe ich bereits vor viereinhalb Jahren vorgestellt. Da hat sich auch wenig verändert. Wir lassen ihn daher heute beiseite.


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1 Beginnen wir mit diesem Bauwerk. Das sieht man aus dem Zug, da kann man es aber nicht so gut auf den Chip bannen.


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2 Nehmen wir den schon ein wenig bejahrten bunten Baum mal zur Seite.


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3 Und ein wenig seitlich, mit den nächsten beiden Bäumen.


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Die Eisenbahngeschichte Osnabrücks beginnt mit der „Hannoverschen Westbahn”. Diese sollte die Residenzstadt, in der aktuell Stephan I., weil er die Wahl gewonnen hat, herrscht, mit den beiden Häfen Leer und Emden verbinden. Erste Planungen sahen eine rein hannoversche Verbindung über Nienburg, Diepholz, Quakenbrück und Lingen vor. Ein anderer Vorschlag sah unter Einbeziehung Preußens eine Linienführung von Löhne über Bramsche und Fürstenau nach Lingen vor. Für Osnabrück hätte es in beiden Fällen nur zu einer Stichbahn gereicht. Schlußendlich einigten sich Hannover und Preußen auf die Linienführung Hannover - Löhne - Osnabrück - Rheine - Lingen - Emden. Somit erhielten sowohl Osnabrück als auch das durch den Bergbau bedeutende Ibbenbüren Anschluß an die Westbahn. Am 3. März 1846 wurde der entsprechende Staatsvertrag geschlossen. Am 15. Oktober 1847 ging die Strecke von Wunstorf nach Minden in Betrieb, ebenso der Ostabschnitt der Stammstrecke der Cöln-Mindener Eisenbahn. Den nutzte die hannöversche Bahn mit. Nannte man es damals Ausgleichszahlungen, so sind das heute Trassengebühren.
Die Eröffnung der Strecke Löhne - Osnabrück erfolgte am 21. November 1855. Am 20. Juni 1856 verkehrte ein - am Vortag aus Hannover gekommener - Sonderzug von Osnabrück nach Emden. Am 23. Juni wurde der planmäßige Verkehr aufgenommen. Gut zehn Jahre später, am 18. Oktober 1865, folgte der für Osnabrücks Wirtschaft wichtige Anschluß in die Niederlande, Abzweigebahnhof Salzbergen.
Osnabrücks Bahnhof der Westbahn lag nördlich der Innenstadt, am Bahnhofsplatz. Der heißt heute Wittekindplatz. Denn mit dem Bau der „Rollbahn” von Wanne-Eickel nach Hamburg (Bauherr war die CME) gab es eine zweite Bahnstrecke in Osnabrück. Die hatte ihren eigenen Bahnhof, den Bremer Bahnhof. Das war suboptimal. Besser war die 1879 erfolgte Verstaatlichung der CME. Da mittlerweile auch Hannover nach einer feindlichen Übernahme Teil von Preußen geworden war, befanden sich nun die Bahnstrecken in einer Hand. Somit war es nur logisch, daß am 11. Mai 1888 ein Gesetz zum Bau des Osnabrücker Centralbahnhofs beschlossen wurde. Aber die Osnabrücker waren unzufrieden. Denn einerseits hatte sich die Stadt hin zum Hannoverschen Bahnhof entwickelt, andererseits sollte der neue Centralbahnhof absolut dezentral liegen, doppelt so weit vom Dom entfernt wie der Hannoversche. Alle Proteste halfen nichts, am 24. April 1895 wurde der neue eingeweiht. In Betrieb ging zunächst nur der obere Teil "Po" an der Rollbahn. "Pu" folgte am 1. Mai.
Wie geschrieben, der Bahnhof lag arg abseits. Daher wurde auf Initiative von ansässigen Bürgern und Kaufleuten an der Westbahn, westlich des alten Hannoverschen Bahnhofs, am 14. Juni 1896 eine neue Station eröffnet. Sie hieß anfangs Osnabrück Hasethor, ab 1903 dann Osnabrück Hasetor. Der Name blieb 106 Jahre bestehen. Im Dezember 2009 erfolgte die Umbenennung in Osnabrück Altstadt. Das auf die Initiative der Geschäftsleute der Hasestraße (!), die Kosten von 10.000 Euro trug die Stadt. Im Frühjahr 2012 wurde der Haltepunkt saniert. Für 1,6 Millionen Euro erhielt er einen Aufzug, ein saniertes Bahnsteigdach und - man höre und staune - einen verlängerten (!) Bahnsteig. Das paßt so gar nicht in den Zeitgeist, irgendjemand nannte das bestimmt Negativverkürzung.
Die Bahnsteige des Hannoverschen Bahnhofs hingegen wurden 1902 abgerissen. Das Empfangsgebäude diente noch lange als Ämtergebäude und kann immer noch nicht ganz von der Bahn lassen, das BSW hat sein Ortsbüro dort. Wir haben es auf den einleitenden Aufnahmen gesehen. Die Entfernung zwischen Haupt- und Hasetorbahnhof beträgt nur 1300 Meter, wir sind also gleich da.

Fast vergessen hätte ich die Übersicht über die Züge. Das läßt sich ganz einfach zusammenfassen: Der Hp. Osnabrück Altstadt wird von allen Zügen bedient, die dort halten. Das tun der RE 18 (Osnabrück - Wilhelmshaven) und die RB 58 (Osnabrück - Bremen) der Nordwestbahn sowie die RB 61 (Bielefeld - Bad Bentheim) stündlich und der RE 60 (Braunschweig - Rheine) zweistündlich. Die beiden erstgenannten Linien werden mit der Baureihe 648 bedient, die RB 61 durch die Baureihe 427 und der RE 60 durch die Baureihe 445. Diese beiden Linien werden durch die Westfalenbahn betrieben.


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Geht gleich weiter.

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