Vom Vatikan zur Wocheiner Bahn (4/5 m 58 B) Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 30.11.2016, 17:29 (vor 3402 Tagen) @ TD

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Am Bahnhof treten wir dann die Weiterfahrt an, als nächster Programmpunkt steht die Karst- bzw. Wocheiner Bahn an. Ein Dieseltriebwagen steht als Regionalzug zur Fahrt über Nova Gorica nach Jesenice bereit.

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Der erste nun befahrene Abschnitt von Sežana nach Kreplje ist das jüngste Teilstück der Strecke, es wurde zwischen 1945 und 1948 von Jugoslawien gebaut um eine direkte Verbindung zwischen Wocheiner Bahn und Südbahn zu schaffen ohne italienisches Territorium überqueren zu müssen.

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Die Strecke bis Nova Gorica wird auch Karstbahn genannt. Bei bestem Frühlingswetter genießen wir die Fahrt durch die Hochlandschaft am offenen Fenster. Die Strecke ist landschaftlich äußerst reizvoll und entsprechend viele Bilder habe ich mitgebracht. Ich denke die Bilder sprechen für sich, von daher gibt es hier nicht so viel Text.

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Štanjel ist eine der ältesten Siedlungen im Karst. Aufgrund seiner Hügellage war der Ort schon seit prähistorischen Zeiten besiedelt, seit dem 15. Jahrhundert schützt eine Stadtmauer die Bewohner.

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Durch mehrere Tunnel führt die Strecke im weiteren Verlauf vom Hochplateau hinab ins Vipavska dolina, das Vipava-Tal, auf Deutsch auch Wippachtal genannt. Der Zug hält an vielen Wald- und Wiesenstationen, wo kein Fahrgastwechsel stattfindet.

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Ein größerer und bekannterer Bahnhof an der Strecke ist Nova Gorica (deutsch Neu-Görz), der Ort liegt direkt an der italienischen Grenze. Wer von Triest aus zur Wocheiner Bahn möchte und auf den (reizvollen) Umweg über Opicina und Sežana verzichten möchte, kann auch mit der italienischen Bahn bis Gorizia Centrale fahren und den Weg zwischen beiden Bahnhöfen mit dem Bus zurücklegen.
Im Italienischen wird die Wocheiner Bahn von Gorizia nach Jesenice Transalpina genannt, so heißt auch der Bahnhofvorplatz, über den die Staatsgrenze verläuft, Piazza Transalpina.

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Eines der bekanntesten Bauwerke der Wocheiner Bahn ist die Solcanobrücke, die wir kurz nach Nova Gorica befahren. Die Brücke gilt als größte gemauerte Eisenbahn-Bogenbrücke der Welt, sie führt über den Fluss Isonzo (italienisch) bzw. Soča (slowenisch). Erbaut wurde die Brücke vom k. k. Eisenbahnministerium im Zuge des Baus der Bahnstrecke Salzburg – Villach – Triest. Zehn Jahre nach der Eröffnung wurde der Hauptbogen 1916 im Ersten Weltkrieg gesprengt, nach dem Krieg kam das Gebiet zu Italien und die Brücke wurde von der italienischen Bahn wieder aufgebaut. Nach 1945 wurde die Brücke jugoslawisch und später slowenisch.

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Äußerst reizvoll führt die Strecke nun durch das bewaldete Tal der türkisblauen Soča mit unzähligen Tunneln und Galerien.

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Dieses offene Fenster ist der Arbeitsplatz des Schaffners, wobei jener ein sehr sonderbares Exemplar ist. Sicherlich gibt es auch in Deutschland unmotivierte Schaffner, allerdings verziehen die sich üblicherweise in den Führerstand, wenn sie müde sind. Dass sich ein Schaffner während der Fahrt im Fahrgastraum quer über die Sitze legt, bei den Halten kurz aufspringt, den Zug aus dem Fenster heraus abfertigt und sich danach gleich wieder hinlegt, finde ich doch etwas befremdlich – noch dazu vor den Augen internationaler Fahrgäste.

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Nach dem Halt in Most na Soči verlassen wir den Fluss Soča und folgen nun landschaftlich nicht minder reizvoll den Flüssen Idrijca und Bača.

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Schließlich führt die Strecke durch den über sechs Kilometer langen Wocheiner Tunnel, der durch die Kobla am Rande der Julischen Alpen führt.

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Der erste Halt nördlich des Wocheiner Tunnels ist Bohinjska Bistrica am Rande des Triglav-Nationalparks. Die slowenische Bahn bietet auf der Strecke durch den Wocheiner Tunnel auch einen Autozug an, hier sehen wir gerade den Avtovlak nach Most na Soči.

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Beim Blick zurück zur Kirche von Bohinjska Bistrica sind im Hintergrund die schroffen Hänge und die schneebedeckten Gipfel der Julischen Alpen über dem Wocheiner Tal zu sehen.

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Durch das Tal der Sava Bohinjka legen wir jetzt noch die letzten Kilometer zurück, dann erreichen wir den Bahnhof Bled Jezero. Der Ort war ein „Zufallstreffer“, ich hatte irgendwo an der Strecke bis Villach eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht und war auf den kleinen Ort am Bleder See gestoßen.

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Schon vom Bahnhof aus fällt der Blick auf den Bleder oder Veldeser See mit seiner Insel Blejski otok. Den Rest des Tages verbringen wir nun rund um den See.

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Der See ist ein bekanntes Touristenziel in der Oberkrain, am gegenüberliegenden Ufer liegt der Hauptort Bled mit dem Bahnhof Lesce-Bled an der Bahnstrecke Jesenice-Ljubljana. Während es in Bled zahlreiche Hotels gibt, haben wir das ruhigere Ende des Bleder Sees erwischt.

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Vom Ufer aus ist die Insel mit der Marienkirche zu sehen, im Hintergrund die mittelalterliche Burg Bled auf einem Felsen über dem See und der Hochstuhl, ein über 2.200 Meter hoher Berg an der Grenze zwischen Österreich und Slowenien.

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Und mit der beleuchteten Marienkirche auf der Blejski otok beenden wir den Tag.

Üblicherweise halte ich mich mit Hotelempfehlungen zurück, aber falls jemand die Tour nachmachen und standesgemäß übernachten möchte, so sei auf das Hotel Triglav nahe dem Bahnhof verwiesen. Das Hotel wurde 1906 eröffnet zeitgleich mit der Wocheiner Bahn. Noch im selben Jahr kam Thronfolger Franz Ferdinand mit dem Zug an den Bleder See und stattete dem Haus einen Besuch ab - Bahnreisende sind hier also historisch in nobler Gesellschaft.

Damit machen wir für heute auch Schluss, in den nächsten Tagen werden wir im letzten Teil die Fahrt auf der Wocheiner Bahn fortsetzen, durch den Karawankentunnel nach Österreich fahren und über Umwege nach Hause an den Bodensee reisen.

Viele Grüße

Tobias

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