Potential Transsib ausnutzen (Allgemeines Forum)

ThomasK, Mittwoch, 03.08.2016, 00:01 (vor 3544 Tagen) @ ALR997
bearbeitet von ThomasK, Mittwoch, 03.08.2016, 00:04

Hinter Jekaterinburg kann man das Potential der Linie nach Wladiwostok langfristig nutzen, indem man zweigleisig ausbaut, für höhere Geschwindigkeiten und generell das Netz modernisiert. Alleine die Anhebung der Vmax permanent auf 160 km/h dürfte die Reisezeit erheblichst verkürzen können.


Meines Wissens hat man die Zweigleisigkeit der Transsib schon zu Zeiten der Sowjetunion fertiggestellt. Irgendwann um 1980 glaube ich.

Generell sehe ich das ähnlich wie du, aber ich halte es für denkbar, dass man die Bestandsstrecke östlich von Jekaterinburg innerhalb der nächsten 30 Jahre mit Linienverbesserungen sogar auf 200 km/h trassiert.

Dafür sprechen zwei Gründe.

Zunächst einmal ist im asiatischen Teil der Transsib - wenn man jetzt einmal der Einfachheit halber Jekaterinburg als Grenze zwischen Europa und Asien festlegt, denn auf ein paar Kilometer kommt es jetzt nicht drauf an - der Verkehr deutlich schwächer als im europäischen Teil, sodass weniger Trassenkonflikte zwischen Reisezugverkehr und Güterverkehr auftreten und zum anderen ist die Kapazitätsminderung der Strecke noch nicht so hoch, wenn die Reisezüge nur 200 km/h fahren und nicht 300 km/h wie später im europäischen Teil. Wenn man mehrere tausend Kilometer 200 km/h statt 160 km/h oder gar 140 km/h fährt, dann beträgt der Reisezeitgewinn mehrere Stunden. Da sollte bei der Reisezeitverkürzung um ca. 8 Stunden der Mehraufwand für 200 km/h statt 160 km/h gerechtfertigt sein.

Eine NBS zwischen Moskau und Jekaterinburg für Vmax = 300 km/h und eine ABS Jekaterinburg - Wladiwostok für fast durchgängig 200 km/h könnte die Reisezeit für Expresszüge zwischen Moskau und Wladiwostok auf 48 Stunden, also 2 Tage, verkürzen. Für Geschäftsreisende zwar keine Alternative zum Flugzeug mit 10 Stunden Flugzeit, aber für Touristen wird es dann wirklich interessant. Wenn man dann von Wladiwostok mit dem Schiff übersetzt nach Niigata und von dort aus mit dem Skinkansen nach Tokio fährt, dann kann das als fantastisches touristisches Eisenbahnerlebnis vermarktet werden.

Die Skinkansen zwischen Niigata und Tokio sind sowieso recht leer, weil die Strecke kaum ausgelastet ist. Die damalige Japanische Staatsbahn JNR hätte die Strecke Niigata - Tokio seinerzeit nie gebaut; weil aber der hochgradig korrupte damalige Premier Tanaka, der aus Niigata kommt, sich von der örtlichen Bauindustrie bestechen ließ, wurde die sündhaft teure Shinkansenstrecke Niigata - Tokio gebaut. Die Wirtschaftslichkeitsberechnungen wurden damals unter Leitung Tanakas dermaßen gefälscht, dass sich die Balken bogen.

In Deutschland kennen wir das ja auch bei den Projekten Stuttgart 21 und Zweite Stammstrecke München.

Kurz bevor Tanaka wegen der ganzen Skandale und Fälschungen zurücktreten musste, hatte er noch alle Verträge zum verbindlichen Bau der Strecke mit der Bauindustrie unterschrieben. Der Finanzminister der neuen Regierung konnte den Bau der Strecke Niigata - Tokio nicht mehr verhindern und musste alles bezahlen. :-)


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