Von Königssee und Nebelhorn | 2/7 Fortsetzung (Reiseberichte)
Brannenburg liegt im Inntal an der Bahnstrecke von Kufstein nach Rosenheim und damit im Netz des Meridian. Für uns geht es nun im Flirt 3 zunächst nach Rosenheim.
Nach unspektakulärer Fahrt ist knapp 10 Minuten später Rosenheim erreicht. Von hier aus fahren wir mit dem Meridian weiter nach Freilassing.
Für etwa eine Stunde geht es nun durch das Chiemgau. Wegen der medizinischen Versorgung eines Fahrgasts, der am Bahnhof Traunstein dem Notarzt übergeben wurde, erreichen wir Freilassing mit etwas Verspätung. Ich mache mir leicht Sorgen um den Anschluss Richtung Berchtesgaden...
...aber die Berchtesgadener Land Bahn (BLB) wartet auf die vielen Umsteiger.
Seit 2009 sind die steilstreckentauglichen Flirt-Triebzüge der BLB als S 4 auf der Strecke unterwegs. Die Umläufe der Züge sind kombiniert mit Fahrzeugen der ÖBB auf dem Netz der S-Bahn Salzburg, wodurch die Flirts auch nach Österreich kommen. Da es in Österreich im Nahverkehr keine erste Klasse gibt, wird das entsprechende Abteil im Endwagen länderspezifisch genutzt.
Die Strecke führt zunächst noch durch das Alpenvorland, nach Bad Reichenhall beginnt ein Steilstreckenabschnitt und wir erreichen die Berchtesgadener Alpen.
Nach 33,7 Kilometern und einer Fahrzeit von 50 Minuten ist der Hauptbahnhof Berchtesgaden erreicht, der seit 1938 Endbahnhof an der Strecke ist. Mit 7.800 Einwohnern ist Berchtesgaden die kleinste Gemeinde Deutschlands mit einem Hauptbahnhof.
Jetzt werfen wir noch einen Blick auf das Empfangsgebäude, der Bahnhof wurde 1888 eröffnet. Wir haben damit für heute unser Tagesziel erreicht, morgen wollen wir hier am Bahnhof die Reise mit dem RE/IC „Königssee“ antreten.
Aber wenn der Zug schon den Namen „Königssee“ trägt, gehört zu einer Dokumentation des Zugs ja wohl auch ein Besuch beim Namenspatron. Und so stellen wir schnell das Gepäck im Hotel ab...
...und steigen wenig später am Königssee aus dem Bus. Gut, den Bus schmückt zwar ein DB-Logo, aber das ist nur ein schwacher Trost, denn bis 1965 konnte man noch mit dem Zug an den Königssee fahren, aber dazu später mehr.
Wir erinnern uns, heute Morgen waren wir noch mit Seilbahn und Zahnradbahn auf dem Wendelstein, jetzt gibt’s noch eine Schiffsfahrt auf dem Königssee. Ok, Schloss Neuschwanstein haben wir ausgelassen, aber sonst können wir beim Besuch weiß-blauer Bilderbuchmotive fast mit dem Tempo asiatischer Reisegruppen mithalten.
Im Elektroboot gleiten wir nun über den von steilen Berghängen umgebenen Gebirgssee. Als der Bootsführer auf halber Strecke die Trompete auspackt, um das Echo an der Echowand zu demonstrieren, verdreht mein Bruder schon die Augen, aber so viel Folklore muss sein.
Schließlich erreichen wir St. Bartolomä, dahinter übrigens die Watzmann-Ostwand. Die Wallfahrtskapelle liegt auf einer Halbinsel und ist nur per Schiff oder auf langen und hochalpinen Wegen zu erreichen. Zu St. Bartholomä gehören auch ein Jagdschloss und weitere Gebäude.
Die Schiffe fahren noch weiter nach Salet am südlichen Ende des Königssees, aber für uns soll das nun genügen, und so fahren wir jetzt zurück. Wenn wir morgen im Faltblatt „Ihr Reiseplan“ lesen „Der Königssee liegt südlich von Berchtesgaden im Berchtesgadener Land, einem Erholungsgebiet in den Alpen, nicht weit von der Grenze zu Österreich“, dann haben wir jetzt auch die passenden Bilder dazu im Kopf.
Schließlich erreichen wir wieder die Schiffslände in Schönau. Seit dem Jahr 1909 setzt man am Königssee übrigens auf Elektromobilität, alle 18 Personenschiffe werden von Elektromotoren angetrieben, deren Akkus über Nacht geladen werden.
Unweit der Schiffslände steht ein Gebäude auf der grünen Wiese, das seine Vergangenheit als Bahnhof nicht verleugnen kann. Von 1909 bis 1965 verband die 4,3 Kilometer lange Königsseebahn Berchtesgaden mit dem Königsee. Die Gleise wurden 1971 abgebaut, das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Königssee beherbergt heute Gastronomie.
Schade, die Rückfahrt auf der Stichstrecke wäre sicherlich reizvoller gewesen, aber so fahren wir nun eben im Bahnbus zurück nach Berchtesgaden.
Am Hauptbahnhof von Berchtesgaden gibt es ein weiteres Bahnrelikt zu entdecken. Bis 1938 gab es eine grenzüberschreitende Nebenbahn von Berchtesgaden nach Salzburg. Diese Lokalbahn wurde eingestellt, um stattdessen eine Hauptbahn nach Salzburg zu bauen. Hierfür wurde südlich des Hauptbahnhofs ein Tunnel gebaut, der jedoch nie seiner Bestimmung übergeben wurde, da das Eisenbahnprojekt in Folge des Zweiten Weltkriegs nicht vollendet wurde.
Den Abend verbringen wir nun in Berchtesgaden, hier das markante Hirschenhaus am Marktplatz.
Markant ist auch die Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer, rechts daneben das königliche Schloss.
Und mit diesem Abendspaziergang beenden wir den zweiten Reisetag. Am nächsten Tag geht es mit dem IC „Königssee“ einmal durch die Republik nach Hamburg, aber dazu demnächst mehr im dritten Teil.
Viele Grüße
Tobias
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- Beim nächsten Mal den "Obersee" auch einbauen... ;-) - Blaschke, 27.04.2016, 19:49
- Ne Eishöhle ist auch da... ;-) // Betriebratserinnerungen.. - Blaschke, 27.04.2016, 19:40
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