Immer derselbe Bahnhof, Teil 14.1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Dienstag, 05.04.2016, 18:16 (vor 3663 Tagen)

Grüß Gott und herzlich willkommen zum vierzehnten Teil meiner Serie. Auch heute besuchen wir wieder einen Bahnhof, der Neustadt heißt. Diesmal liegt er an der Dosse. Sie ist 96 Kilometer lang und ein rechter Nebenfluss der Havel. Ihren Namen verdankt sie den Dossanen, einem elbslawischen Stamm. Sie entspringt irgendwo zwischen Wendisch Priborn und Meyenburg, nahe den Quellen von Elde und Stepenitz. Die bedeutendsten an der Dosse liegenden Orte sind Wittstock (Dosse) und Wusterhausen (Dosse) sowie natürlich Neustadt (Dosse). Kurz hinter Neustadt biegt die Dosse nach rechts ab und mündet somit nicht in den Rhin, sondern bei Vehlgast-Kümmernitz in die Havel.


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Neustadt (Dosse) selbst hat auf knapp 76 Quadratkilometern um die 3400 Einwohner, die sich jedoch auf diverse Ansiedlungen verteilen, von denen nach der Kernstadt wohl Kampehl die bekannteste ist. Das durch Christian Friedrich von Kahlbutz, dessen Leichnam in der örtlichen Kirche öffentlich zur Schau gestellt wird, ohne dass er sich dagegen wehren könnte.
Neustadt wird erstmals anno 1375 erwähnt als in der Prignitz liegend und zur Familie Bredow gehörig. Zu katholischen Zeiten lag es am Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack. Als es 1662 von einem hessischen Grafen erworben wurde, bestand es neben Schloss und Kirche aus knapp anderthalb Handvoll Bauernhöfen, einer Schmiede und einer Mühle, erhielt aber dennoch 1664 vom Großen Kürfürsten die Stadtrechte. Einen Aufschwung nahm die Stadt, als sich hier anno 1685 Hugenotten ansiedelten. 1673 wurde die Stadtkirche als Abbild der 1696 fertiggestellten Stockholmer Katharinenkirche fertiggestellt. 1788 erhielt Neustadt eine Pferdefabrik und 1846 einen außerhalb liegenden Bahnhof.


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Die Berlin - Hamburger Bahn wurde am 15. Dezember 1846 vollständig in Betrieb genommen. Bereits seit 1842 bestand Verkehr zwischen Hamburg und Bergedorf, der Abschnitt Berlin - Boizenburg war am 15. Oktober 1846 dem Betrieb übergeben worden. Die Reise von der Spree an die Elbe dauerte anfangs 9 Stunden, im Jahr 2005 waren teilweise nur 90 Minuten vorgesehen. Die Bahnstrecke nahm im Deutschen Reich eine wichtige Rolle ein, auch die Rekordfahrten des Schienenzeppelins (230,2 km/h am 21. Juni 1931) und der 05 002 (200,4 km/h am 11. Mai 1936) fanden auf dieser Strecke statt. 1933 nahm die Reichsbahn den planmäßigen Betrieb mit Dieseltriebwagen auf, der Fliegende Hamburger ist sicherlich ein Begriff. Nach 1945 dann der tiefe Fall. Die Strecke wurde auf ein Gleis zurückgebaut, die Vorkriegsfahrzeiten sollten erst gegen Ende des Jahrhunderts erreicht werden. Im Rahmen der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit wurde die Strecke zunächst elektrifiziert und für 160 km/h ausgebaut sowie die Zweigleisigkeit wiederhergestellt. Seit dem 22. Mai 1997 bestand dann elektrischer Betrieb auf der Gesamtstrecke. Der nächste Umbau sollte nicht lange auf sich warten lassen. Nachdem im Jahr 2000 beschlossen wurde, keinen Transrapid zu bauen, wurde die Strecke für 230 km/h ertüchtigt. Damit war man im Dezember 2004 fertig. Der Fernverkehr hält in Neustadt nicht, das tut stündlich die Linie RE 2 der Ostdeutschen Eisenbahn zwischen Cottbus und Wittenberge, zweistündlich weiter nach Wismar. Eingesetzt werden Stadlerküsse.

Die Ruppiner Kreisbahn AG war Bauherr und Betreiber der Bahnstrecke von Neustadt über Neuruppin nach Herzberg (Mark), wo sie an die Strecke der Löwenberg-Lindower Kleinbahn AG anschloss. Der Reiseverkehr, der schon länger in Neuruppin gebrochen wurde, endete am 9. Dezember 2006, zuletzt fuhr hier die Prignitzer Eisenbahn. Zwischen Neustadt und Werder besteht seit Sommer 2015 immerhin wieder Güterverkehr, dort wird ein Sägewerk bedient. Die Strecke gehört mittlerweile zur RegioInfra-Gruppe.

Die Brandenburgische Städtebahn war bis zur Verstaatlichung eine Privatbahn, die im Westen Brandenburgs eine Nord-Süd-Bahnstrecke erbaute. Sie verband einstmals Treuenbrietzen, Belzig, Brandenburg, Rathenow und Neustadt miteinander. Am 25. März 1904 erfolgte die Eröffnung. Heute wird nur noch die Teilstrecke Brandenburg - Rathenow von Reisezügen befahren, die Einstellungsdaten: Treuenbrietzen - Belzig 1. Oktober 1962, 30. November 2003 Rathenow - Neustadt und 13. Dezember 2003 Belzig - Brandenburg. In Neustadt hatte sie einen separaten Bahnhofsteil: Im Städtebahnhof hielten auch die Neuruppiner Züge. Aufgrund wuchernder Vegetation habe ich ihn nicht ausführlich besucht, ich darf die geneigten Leser daher an den geschätzten gleislatschenden Kollegen bahnstern überweisen. Genau hier und nirgendwo anders nimmt er euch nach einem längeren Anlauf mit dorthin.

Fast vergessen hätte ich die einzige noch im Reiseverkehr bediente abzweigende Strecke. Und vorher mache ich mal einen Schnitt.


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