Adventsreise zwischen Paris und Erzgebirge Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Montag, 04.01.2016, 17:06 (vor 3778 Tagen) @ TD

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Doch nun zurück an den Bahnhof. Neben der Bahnstrecke Plauen-Cheb/Eger gehen von hier aus auch die Strecke nach Aš / Asch sowie eine Verbindungsbahn nach Tršnice (weiter Richtung Karlsbad) aus. Die Zeit namhafter internationaler Fernverkehrsverbindungen wie einst der „Karlex“ von Berlin ins Böhmische Bäderdreieck sind längst vorüber, Kurgästen bleiben heute diverse Nahverkehrszüge für die Anreise (überwiegend von Vogtlandbahn oder Oberpfalzbahn), einmal am Tag kehrt mit dem SuperCity von und nach Bohumin aber noch etwas Fernverkehrsglanz ein.

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Hier gibt es auch noch Rollenfahrpläne, auf der Streckenkarte können wir uns einen Überblick über unsere Tour verschaffen. Bei der Tourplanung hatte ich die Idee, auch die Stichstrecke nach Hranice v Čechách noch einzubauen – mit einem einzigen Zugpaar am Tag ist das aber ein aussichtsloses Unterfangen bzw. hätte uns einen ganzen Reisetag gekostet.

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Mit dem Fahrplanwechsel wurde die Strecke vom tschechischen Aš / Asch nach Selb-Plößberg wiedereröffnet, seither verkehrt die Oberpfalzbahn im Zweistundentakt auf der Strecke (Marktredwitz -) Cheb - Františkovy Lázně – Aš – Hof. Eingefahren kommt jedoch ein Desiro der Vogtlandbahn, den ein orangefarbenes Schild als Zug der Oberpfalzbahn ausweist.

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Das Wetter präsentiert sich bei der Fahrt zwischen Fichtel- und Elstergebirge weiterhin grau, aber immerhin sind die Fensterscheiben im Desiro fotografierfreundlicher. In Aš / Asch wechselt das Zugpersonal und per Bandansage begrüßt die Oberpfalzbahn nun die Reisenden.

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Der grenzüberschreitende Personenverkehr kam durch Krieg und Eisernen Vorhang zum Erliegen, durch den Bau einer Straße wurde die Strecke später auch baulich unterbrochen und der Streckenabschnitt formal stillgelegt. Nach einem positiven Bürgerentscheid wurde mit der Reaktivierung der Strecke begonnen, beim Blick aus dem Zugfenster sind die neuen Brücken und die noch frischen Bauarbeiten zu sehen.

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In Selb-Plößberg trifft die Strecke auf die Strecke von Selb-Stadt nach Oberkotzau und Hof. Im Bahnhof Rehau erinnert noch ein Transparent an die Eröffnungsfeierlichkeiten vor einer Woche. Während die Auslastung beiderseits der Grenze ganz ordentlich war, ist die Besetzung im grenzüberschreitenden Abschnitt überschaubar, wollen wir hoffen, dass die Fahrgastzahlen hier noch steigen.

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Gut, der normale Reisende, der von Franzensbad in Richtung Nürnberg möchte, würde über Marktredwitz fahren und nicht auf die Idee mit dem Umweg über Hof kommen, deshalb sind wir selbst schuld, dass wir hier in Hof nun 53 Minuten Übergangszeit abbummeln müssen und es nicht auf den drei Minuten früher fahrenden Zug nach Nürnberg reicht.

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Der nun folgende Reiseabschnitt macht mir Sorgen, seitdem ich am Abend vor unserer Abreise von der Abschaltung der Neigetechnik bei den Baureihen 611 und 612 gehört hatte, die zu Verspätungen von bis zu 20 Minuten führen soll. Gut, so muss ich mir zwar keine Sorgen um meinen Bruder machen, der die Neigetechnik nicht verträgt, aber dafür um unseren Anschluss in Nürnberg, der bei 17 Minuten Übergangszeit liegt. Ich hatte noch verschiedene Alternativen überlegt, aber das wäre auf den Wegfall der Strecke über Aš hinausgelaufen, das wollte ich dann auch nicht.

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Und während wir am Rande des Fichtelgebirges durch Oberfranken fahren, können wir bei jedem Halt feststellen, dass sich die Verspätung wieder um einige Minuten erhöht hat.
Ich kürze jetzt ab: bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof Nürnberg sehen wir gerade noch den IC nach Stuttgart ausfahren.
Unverhofft gibt es jetzt halt einen Kaffee in der Lounge, bevor wir uns auf den Heimweg machen. Viel mehr als die Stunde Verspätung, mit der wir zu Hause ankommen werden, ärgert mich, dass die schönen reservierten Fensterplätze im Abteilwagen des IC nach Stuttgart und die Plätze im IC auf der Gäubahn nun ohne uns durchs Land fahren und wir uns nun für fünfeinhalb Stunden im Nahverkehr durchschlagen können. Da sind die paar Euro Entschädigung nur ein schwacher Trost, zumal bei einem preiswerten Sparpreis dann hinterher halt auch nicht viel als Erstattung rauskommt.

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Da es mittlerweile dunkel ist, gibt es jetzt keine Streckenbilder mehr, hier sind wir nun gerade im RE von Nürnberg nach Donauwörth unterwegs.

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Von Donauwörth geht es dann mit agilis weiter nach Ulm.

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Nach der Ankunft in Ulm dann das letzte Bild der Tour, für uns geht es auf der Südbahn nach Friedrichshafen und von dort mit der Regionalbahn nach Radolfzell. Wenn man seit sieben Uhr morgens unterwegs ist macht so eine Bummelbahn mit Halt an allen Bahnhöfen zum Abschluss des Tages doch noch mal richtig Spaß!

Aber irgendwann ist auch diese Etappe geschafft und ein RE bringt uns die letzten Kilometer von Radolfzell nach Konstanz.

Ich bedanke mich für das Interesse und die netten Kommentare und Rückmeldungen zu den bisherigen Teilen. Aus aktuellem Anlass (wer will schon im Sommer Weihnachtsmarktbilder sehen) hatte ich diesen Reisebericht vorgezogen, auf meiner Festplatte schlummern noch einige unbearbeitete Touren aus Sommer und Herbst, da wird es irgendwann demnächst in Richtung Alpen weitergehen.

Viele Grüße vom Bodensee

Tobias

PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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