Zwischen Schweizer Jura und Massif du Jura 2/3 Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 02.12.2015, 17:55 (vor 3810 Tagen) @ TD

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Nun besteigen wir einen ICN zur Fahrt auf der Jurafusslinie und weiter nach Genf. Häufig mache ich die Innenbilder erst am Endbahnhof, wenn die anderen Fahrgäste ausgestiegen sind – aber hier haben wir wirklich einen Wagen für uns allein.

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Im letzten Moment kann ich noch einen Blick auf das Schloss Neuenburg mit der Stiftskirche erhaschen, dann geht es weiter entlang des Neuenburgersees.

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Der Neuenburgersee ist der größte See, der vollständig in der Schweiz liegt. Abschnittsweise führt die Bahnstrecke direkt durch die Weinberge am Jurasüdfuss, dann geht es durch das Waadtland zum Genfersee und an dessen Ufer entlang nach Genf.

Es ist gar nicht so einfach, am Samstagnachmittag mit dem Zug von Genf nach Saint-Claude im französischen Jura zu gelangen wenn man auf die Nutzung von Bussen verzichten möchte. Schließlich finde ich dann doch eine Verbindung mit TGV-Nutzung, die allerdings mit einem ziemlichen Umweg verbunden ist.

Wenn es nicht so furchtbar heiß wäre, hätten wir die Dreiviertelstunde Aufenthalt bis zur Abfahrt des TGV sicherlich für einen kleinen Abstecher in die Stadt genutzt, aber so bummeln wir die Zeit lieber im Hauptbahnhof Genève-Cornavin ab. Auf den Bahnsteig, von dem der TGV abfährt, dürfen wir allerdings noch nicht. Immer mehr Reisende sammeln sich in der Unterführung bis der Zugang endlich geöffnet wird und man dann am Zoll vorbei auf den Bahnsteig darf. Für einen kurzen Moment erinnert mich das Verfahren fast an den Eurostar, im innereuropäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr kenn ich solche Schleusen sonst nicht.

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Mit einem TGV POS von Lyria, der gemeinsamen Tochter von SNCF und SBB für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen beiden Ländern, geht es nun auf die Strecke Richtung Paris.

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Diese Strecke ist neu für mich und ich weiß auch nicht, was mich erwartet, denn auf die Idee über Genf nach Paris zu fahren, bin selbst ich noch nicht gekommen. Bis Bellegarde fahren wir auf der Strecke Genf-Lyon, dabei folgt die Strecke mehr oder weniger der Rhone.

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„An Bord der ersten Klasse des TGV Lyria profitieren Sie von einem Verpflegungsservice an Ihrem Platz. Je nach Ihren Reisezeiten wird Ihnen ein Frühstück, ein Mittagessen, ein Snack oder ein Abendessen serviert“. Das ist in diesem Fall eine Auswahl verschiedener süßer und salziger Snacks.

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Ab Bellegarde befährt der TGV die Ligne du Haut-Bugey. Die überwiegend eingleisige Strecke durch das Juragebirge war ab 1990 abschnittsweise stillgelegt, im Jahr 2010 wurde die Strecke nach Ausbau und Elektrifizierung für den Anschluss der Schweiz an das französische Hochgeschwindigkeitsnetz wieder eröffnet. Obwohl die Strecke eine Höchstgeschwindigkeit von nur 120 Stundenkilometern hat, konnte die Fahrzeit zwischen Genf und Paris durch die Wiedereröffnung der Strecke um 20 Minuten verkürzt werden, da die Verbindung um 47 Kilometer kürzer ist als die zuvor befahrene Strecke. Und landschaftlich reizvoll ist die Ligne du Haut-Bugey auch.

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Unterwegs bei Brion-Montréal-La Cluse zweigt die Strecke in Richtung Saint-Claude ab, nur hält dort der TGV nicht, so dass wir durchfahren bis Bourg-en-Bresse. Aber so können wir immerhin den Höhepunkt der Strecke befahren, nämlich den Cize-Bolozon-Viadukt. In 73 Metern Höhe geht es hier auf einer über 270 Meter langen gemauerten Bogenbrücke über den Fluss Ain. Ein Stockwerk unter uns verläuft noch eine Straße.

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Die letzten 24 Kilometer durch die Ausläufer des Juras bis Bourg-en-Bresse sind dann nicht mehr ganz so spannend. Wenn ich es richtig gesehen habe, sind wir die einzigen Fahrgäste, die in der 40.000-Einwohner-Stadt aussteigen.

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Mit einem Regionalzug von TER Rhône-Alpes geht es nun auf die letzte Etappe der heutigen Tour. Bis zur Abfahrt sind es noch 20 Minuten, aber der Zug steht schon bereit, so lässt sich die Wartezeit angenehm klimatisiert verbringen.

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Auf der schon bekannten Strecke fahren wir nun zurück und fahren dabei ein zweites Mal über das Cize-Bolozon-Viadukt, dann zweigt die Strecke nach Saint-Claude nach Norden ab. Zunächst geht es durch den Landstrich Revermont, dann erreichen wir wieder das Gebirge.

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Die Strecke folgt nun dem Tal der Bienne in den Faltenjura. Ich weiß nicht, ob ich am Ende des Tages besonders ungeduldig werde oder der Zug wirklich so nervtötend langsam fährt, besonders schnell (aber planmäßig) sind wir jedenfalls nicht unterwegs.

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Besonders voll war der Zug auf der ganzen Fahrt nicht, am Endbahnhof Saint-Claude steigt außer uns nur ein älterer Mann aus. In Luftlinie sind wir gerade mal 30 Kilometer von Genf entfernt, aber im Gebirge ist diese Rechnung wohl nicht zulässig – und dass wir dafür dreieinhalb Stunden unterwegs waren liegt auch an meiner Reiseplanung.

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Wir haben nun kurz nach 20 Uhr und nachdem wir das Gepäck im Hotel am Bahnhof deponiert haben, starten wir einen Rundgang durch 10.000-Einwohner-Stadt im Hochjura. Die Stadt liegt in einem Talkessel an den tief eingeschnittenen Flüssen Bienne und Tacon.

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Noch heute ist Saint-Claude von den traditionellen Industriezweigen der Tabakspfeifenherstellung und der Diamantschleiferei geprägt, auch im Stadtbild finden sich Hinweise auf diese Traditionen.

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Bedingt durch die extreme Tallage geht es im Stadtgebiet auf und ab. Durch ein im 5. Jahrhundert gegründetes Kloster war Saint-Claude das religiöse Zentrum des Hochjuras, das Kloster wurde später bei einem Großbrand im Jahr 1799 zerstört. Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist heute die Kathedrale Saint-Pierre, die zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert erbaut wurde.

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Mit diesem Abendspaziergang beenden wir den ersten Reisetag. Am nächsten Morgen starten wir auf der "Ligne des Hirondelles", der Schwalbenlinie, in Richtung Norden, aber dazu demnächst mehr in Teil 3.

Viele Grüße

Tobias

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