Ein Sommertag mit der SWEG im Schwarzwald - Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Samstag, 07.11.2015, 11:48 (vor 3837 Tagen) @ TD

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Eine Stunde Aufenthalt kann ganz schön lang sein, noch dazu in der brütenden Sommerhitze. Aber egal, drehen wir halt noch einmal eine Runde um den Bahnhof. Den ersten Streckenabschnitt von Appenweier bis Oppenau nahm die damalige Renchtal-Eisenbahn-Gesellschaft 1876 in Betrieb. Erst 57 Jahre später, nämlich 1933, erreichte die Bahn auch Bad Griesbach.

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Der Endhaltepunkt verfügt nur noch über ein Gleis, das Bahnhofsgebäude macht einen recht verlassenen Eindruck. Die Zeit mit Fahrkartenschalter, Stückgutverladung und Gepäckaufgabe der per Bahn anreisenden Kurgäste ist längst abgelaufen.

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Bad Griesbach wird im Stundentakt (mit Taktlücken) angefahren, die Züge fahren von hier nach Freudenstadt. Freudenstadt ist in Luftlinie nur rund 15 Kilometer entfernt, nur liegt da der Hauptkamm des Schwarzwaldes dazwischen, so dass die Züge über Appenweier, Offenburg und Hausach über zwei Stunden bis nach Freudenstadt unterwegs sind.

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Zur Abkühlung genießen wir nun wieder die Klimaanlage im Zug. Dieses Fahrzeug trägt außen noch das OSB-Design, innen aber schon neue Bezüge im Landesdesign. Der Bahnhof Bad Griesbach liegt auf rund 460 Metern über dem Meeresspiegel, bis nach Appenweier geht es nun rund 300 Höhenmeter nach unten.

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Zunächst geht es durch den engen Talabschnitt der Rench, dann weitet sich das Tal. Neben Obst wird hier auch Wein angebaut. Diesmal fahren wir durch Offenburg hindurch auf die Schwarzwaldbahn bis nach Biberach.

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Auch den Ort Biberach gibt es doppelt, bekannter ist sicherlich Biberach an der Riß in Oberschwaben, hier nun aber Biberach (Baden) im Kinzigtal.

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Die Hauptgleise der Schwarzwaldbahn führen in Blickrichtung Schwarzwald, auf dem Stumpfgleis wartet bereits ein Regio-Shuttle zur Fahrt auf der Harmersbachtalbahn.

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Die knapp 11 Kilometer lange Strecke folgt dem Tal des Harmersbachs durch die sanfte Schwarzwaldlandschaft, im weiteren Verlauf wird das Tal enger.

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Dummerweise habe ich erst hinterher bemerkt, dass Zell am Harmersbach mit einer historischen Altstadt auch einen Besuch wert gewesen wäre. Und so bleibt es nun bei einem Bild vom schmucken Bahnhofsgebäude. Eigentlich wollte die Stadt Zell an die Schwarzwaldbahn angebunden werden, nachdem dieser Wunsch nicht erfüllt wurde, wurde im Jahr 1904 zumindest die Nebenbahn eröffnet.

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Endpunkt der Bahnstrecke ist in Oberharmersbach im Ortsteil Riersbach. Zunächst legen wir aber einen Zwischenstopp in Oberharmersbach selbst ein. Hier macht sich der Dieseltriebwagen gerade durch die enge Ortsdurchfahrt auf den Weg Richtung Endstation.

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Die Schwarzwaldgemeinde hat rund 2.500 Einwohner, hier ein Blick in die Ortsmitte mit Rathaus und Pfarrkirche St. Gallus.

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Unweit der Ortsmitte wurde ein Speicher wieder aufgebaut, der aus dem Jahr 1761 stammt und früher im Holdersbachtal stand. Als Anschauungsobjekt für die Geschichte des Schwarzwalds wurde der Speicher 1985 am ursprünglichen Standort abgebaut und in Oberharmersbach wieder errichtet.

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Mehr als genug Zeit bleibt auch, um den Haltepunkt Oberharmersbach Dorf anzuschauen. Ursprünglich stand hier eine Denkmallok, die allerdings wieder vom Sockel geholt und durch einen Kesselwagen ersetzt wurde.

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Schließlich geht es noch auf die letzten anderthalb Kilometer bis nach Oberharmersbach-Riersbach. So besonders viel gibt es hier allerdings nicht zu sehen, deshalb geht es mit dem gleichen Zug wieder zurück.

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Nach 16 Minuten ist wieder Biberach erreicht. Einmal am Tag gibt es eine Durchbindung nach Offenburg, ansonsten ist hier Umsteigen angesagt.

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Da die Züge der Schwarzwaldbahn in Biberach nicht halten, ist der Heimweg in Richtung Konstanz etwas beschwerlich, die Fahrplanauskunft schlägt vor, zunächst nach Hausach zu fahren und dort auf die Schwarzwaldbahn umzusteigen – mit Aufenthaltszeiten von insgesamt über einer Stunde.

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Da habe ich eine bessere Idee, und diese lautet den schlanken 4-Minuten-Übergang in die Gegenrichtung zu nutzen. Und so fahren wir gleich darauf im nächsten Regio-Shuttle durch das Kinzigtal nach...

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Gengenbach. Wenn man auf der Schwarzwaldbahn durch Gengenbach fährt, sieht man verschiedene Türme und kann auch beim Blick durch das Kinzigtor die Altstadt erahnen. Schön, dass sich nun die Gelegenheit bietet, auch mal einen Blick auf die andere Seite des Tors zu werfen.

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Die ehemalige Freie Reichsstadt mit heute etwa 11.000 Einwohnern hat eine hübsche historische Altstadt. Auf der Tourismusseite der Stadt schwärmt man gar von der „Perle unter den romantischen Fachwerkstädten“ und von „Badisch Nizza“.

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Bekannt ist Gengenbach für seine historische Turmsilhouette mit zwei Kirchtürmen und fünf Türmen der einstigen Stadtbefestigung, hier das Obertor.

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Sicherlich ist Gengenbach auch in der Adventszeit einen Besuch wert, dann verwandelt sich das prächtige Rathaus nämlich in den weltgrößten Hausadventskalender der Welt.

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Durch das Kinzigtor verlassen wir zunächst die Altstadt...

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...und machen einen Abstecher zur Kinzig. Echte Fuzzys hätten hier bestimmt ausgeharrt, bis ein schöner roter Zug das Bild belebt – ganz egoistisch will ich die verbleibende Zeit aber lieber für einen Besuch in einer Eisdiele nutzen.

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Also zurück in die Altstadt, und hier haben wir auch wieder einen Bahnbezug, denn die Schwarzwaldbahn verläuft zwischen Kinzigtor und Flößermuseum. Das Flößerei- und Verkehrsmuseum widmet sich nicht nur der Kinzig als Wasserweg für Waldgewerbe und Holzwirtschaft, sondern hat durch die Nutzung des denkmalgeschützten „Großherzoglich Badischen Bahnwartshauses" auch eine Verbindung zur Schwarzwaldbahn.

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Noch ein Blick zur Stadtkirche mit den Gebäuden des ehemaligen Benediktinerklosters...

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...dann beenden wir beim Steinernen Ritter auf dem Marktplatzbrunnen unseren kleinen Stadtrundgang.

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1865 begannen die Bauarbeiten für die Schwarzwaldbahn. Der erste Bauabschnitt durch das Kinzigtal über Gengenbach nach Hausach verlief sehr zügig, so dass Gengenbach seit dem Jahr 1866 über einen Bahnanschluss verfügt. Deutlich anspruchsvoller war der Bau der Gebirgsabschnitte, durchgehend befahrbar war der Strecke erst 1873.

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Und mit zwei Bildern aus dem Kinzigtal und der weiteren Fahrt auf der Schwarzwaldbahn beenden wir diesen kleinen Ausflug in den Schwarzwald.

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Viele Grüße und ein schönes Wochenende


Tobias


PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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