Ein Sommertag mit der SWEG im Schwarzwald (m 69 B.) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 07.11.2015, 11:38 (vor 3836 Tagen)

Hallo zusammen,

immer wieder wenn ich auf der Oberrheinbahn durch Achern gefahren bin und am Bahnsteig einen NE 81 der SWEG gesehen habe, hatte ich mir vorgenommen, irgendwann mal auf der Achertalbahn mitzufahren. Nachdem sich dann die Berichte über das baldige Ende der Dieseltriebwagen auf der Strecke mehrten, habe ich an einem der heißen Juli-Tage den Vorsatz einer Mitfahrt endlich in die Tat umgesetzt.

[image]

Nachdem mein letzter Reisebericht mit Sizilien und der Ferrovia Circumetnea weit in den europäischen Süden führte, steht der heutige Reisetag ganz unter dem Motto Heimatkunde – wir erkunden das eigene Bundesland. Auf dem Plan stehen drei Nebenbahnen in den Schwarzwald, die Tour führt auf der Schwarzwaldbahn vom Bodensee nach Achern zur Achertalbahn, mit der Renchtalbahn nach Bad Griesbach und mit der Harmersbachtalbahn nach Oberharmersbach.

[image]

Solche Tagestouren mache ich eigentlich am liebsten an Werktagen – neben einem Urlaubstag kostet das halt auch einen kleinen Aufpreis zum Länderticket, aber in Singen ist die 9-Uhr-Grenze schon überschritten und es geht mit einem Baden-Württemberg-Ticket erster Klasse ins Oberdeck des RE auf der Schwarzwaldbahn.

[image]

Auf der Hochebene der Baar geht es nun über Donaueschingen und Villingen Richtung Schwarzwald...

[image]

...dann beginnt der landschaftlich reizvolle Abschnitt der Schwarzwaldbahn.

[image]

[image]

In Hornberg geht es in 24 Metern Höhe auf dem einzigen Viadukt der Strecke über die Dächer der Schwarzwaldstadt, auf dem Bergvorsprung gegenüber der Ruine von Schloss Hornberg. Zunächst führt die Strecke noch durch das Gutachtal...

[image]

...dann geht es weiter durch das Kinzigtal.

[image]

In der Vorbergzone wird das Tal nun breiter und bald ist Offenburg erreicht. Auf der Rheintalbahn geht es jetzt noch drei Stationen weiter nach Norden, dann sind wir in Achern angekommen.

[image]

Das Objekt der Begierde steht schon bereit – perfekt! Ein NE 81 der SWEG wartet zur Fahrt auf der Achertalbahn. Die Bezeichnung NE 81 setzt sich zusammen aus dem Einsatzzweck, nämlich Nichtbundeseigene Eisenbahnen und dem Jahr der ersten Auslieferung 1981. Der VT 413 wurde 1993 gebaut und an die WEG (Württembergische Eisenbahngesellschaft) geliefert. Von der Strohgäubahn kam er schließlich in den badischen Landesteil zur SWEG.

[image]

[image]

Nicht nur der Dieseltriebwagen ist neu für mich, sondern auch die knapp 11 Kilometer lange Nebenbahn nach Ottenhöfen. Die Bahnstrecke führt aus der Oberrheinischen Tiefebene durch das Achertal in den Schwarzwald.

[image]

Nach einer Fahrzeit von 18 Minuten ist Ottenhöfen erreicht. Am Ortseingang erwartet die Besucher ein Blumengruß mit dem Gemeindewappen. Das lasse ich mal noch gerade so gelten, denn mit etwas gutem Willen fühle ich mich auch als Bahnreisender angesprochen – auch wenn der Fokus wie so oft wohl auf dem autoreisenden Gast liegt.

[image]

Auf der Achertalbahn besteht ein Stundentakt, bei dem prächtigen Sommerwetter will ich nun für einen Kurs Pause machen in Ottenhöfen. Links steht VT 125 aus der ersten Serie des Jahres 1981 in der klassischen SWEG-Lackierung. Deutlich zu sehen auch die unterschiedlichen Fronten der zwei Serien. Ganz rechts in der Ferne ist ein Regioshuttle vor der Betriebswerkstatt auszumachen.

[image]

Nun bleibt also eine Stunde Zeit um Ottenhöfen zu erkunden. Der Luftkurort hat rund 3.100 Einwohner und liegt im Tal der Acher, hier mit Blick über das Flüsschen zum Kurpark und zur katholischen Pfarrkirche.

[image]

Wanderfreunde kommen hier sicherlich auf ihre Kosten, ich habe heute aber andere Pläne, und so bleibt es bei diesem Blick auf die Schwarzwaldlandschaft.

[image]

Wir sind hier in einer sehr katholischen Gegend, allein der Kurgäste wegen wurde auch eine evangelische Kirche gebaut. Mit dem Baustil einer norwegischen Stabkirche ist die Holzkirche in der Region einzigartig.

[image]

Im beschaulichen Kurpark lassen sich Goldfische und Karpfen beobachten, wahlweise kann man auch die Bahnhofsidylle wirken lassen.

[image]

Auf Drängen der Industriebetriebe im Achertal begannen zum Ende des 19. Jahrhunderts Planungen für eine Anbindung der Region an die Rheintalbahn. Zunächst wurde dabei eine Schmalspurbahn ins Gespräch gebracht, schließlich entschied man sich aber doch für eine Normalspurbahn, die 1898 eröffnet wurde.

[image]

[image]

[image]

Mittlerweile ist auch der Triebwagen aus Achern wieder da und der Schulschluss macht sich am Fahrgastpublikum bemerkbar. Dieses Bild wird sich so planmäßig nicht wiederholen lassen, denn im September wurde der Verkehr im Achertal auf barrierefreie Regio-Shuttle-Züge umgestellt, die zudem ein kostenfreies WLAN bekommen sollen.

An dieser Stelle eine Zwischenfrage: weiß jemand, ob und wann die NE 81 am Kaiserstuhl aktuell anzutreffen sind?

[image]

[image]

Nun geht es wieder hinab in die Rheinebene, die Höhendifferenz zwischen Ottenhöfen und Achern beträgt rund 150 Meter. Hier fahren wir gerade durch die Weinberge bei Kappelrodeck.

Nach der Ankunft in Achern geht es mit der Schwarzwaldbahn zwei Stationen zurück bis nach Appenweier. Der Zug hat ein paar Minuten Verspätung, da wird es mit dem 6-Minuten-Übergang auf die Renchtalbahn knapp, aber es reicht.

[image]

Und so finden wir uns bei diesem Bild schon in einem Regio-Shuttle der SWEG auf der Fahrt von Appenweier nach Bad Griesbach im Schwarzwald. Zugegeben, ich musste erst im Duden nachsehen, was denn „Dessinierung“ ist, jedenfalls sehen wir das hier an den Sitzbezügen mit einem „Veloursgewebe mit spezieller „3-Löwen-Takt“ Dessinierung“ – so das Design-Manual zum Landesdesign. Man könnte auch Muster oder Dekor dazu sagen.

[image]

Die Renchtalbahn ist eine gut 29 Kilometer lange Nebenstrecke, die ebenso wie die Achertalbahn von der Rheintalbahn in den Schwarzwald führt. Zunächst geht es noch durch die Oberrheinische Tiefebene...

[image]

...dann folgt die Strecke dem Flusslauf der Rench in den Schwarzwald. Während das Renchtal anfangs recht breit ist, wird das Tal auf den letzten 10 Kilometern der Strecke ab Oppenau deutlich enger und die Bahn gewinnt nun an Höhe.

[image]

[image]

Nach 45 Minuten ist der Endbahnhof Bad Griesbach erreicht. Den Ortsnamen Bad Griesbach werden die meisten hier wahrscheinlich mit dem bayerischen Rottal in Verbindung bringen (da hielt mal der IC Rottaler Land), der gleichnamige Ort im Schwarzwald ist ein Ortsteil der Gemeinde Bad Peterstal-Griesbach.

[image]

Das Land Baden-Württemberg setzt bei Ausschreibungen mit Neufahrzeugen auf ein landeseinheitliches Zugdesign. Da die SWEG (Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft) zu 100% im Besitz des Landes ist, geht man hier bei der Umsetzung des Landesdesigns voraus. Mehrere Regio-Shuttles sind schon in den baden-württembergischen Landesfarben Schwarz und Gold auf weißem Hintergrund unterwegs, ergänzt um den Staufer Wappenlöwen. Mir gefällt‘s.

[image]

Am Schluss des Zugs zwei Regio-Shuttles in den alten Farben der Ortenau-S-Bahn, wobei die OSB bereits aus dem Fahrplan verschwunden ist und die Zuggattung nun SWE heißt. Jetzt wollen wir uns aber auch hier noch im Ort umsehen.

[image]

Bad Griesbach hat rund 2.700 Einwohner, der Kurort ist insbesondere für seine Mineralbrunnen bekannt. Am Nordhang des Breitenbergs zwischen Schul- und Pfarrhaus prägt die Kirche St. Antonius das Ortsbild.

[image]

Es geht gleich weiter...

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum