Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 3/8 (m 50 B) (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 14.10.2015, 17:37 (vor 3860 Tagen)

Hallo zusammen,

heute geht es weiter mit unserem Sizilien-Reisebericht. In Teil 2 waren wir nach einer langen Nachtzugfahrt in Syrakus im Süden von Sizilien angekommen. Von hier aus starten wir nun zu einem Tagesausflug.


Tag 3: Syrakus – Ragusa – Noto – Syrakus

Dieser Reisetag hatte mir im Vorfeld einiges Kopfzerbrechen bereitet. In der Rubrik „Mit Kindern unterwegs“ schlägt mein Reiseführer nämlich „Eisenbahnklettern“ vor, wobei der Zug 3-mal täglich toller als jede Museumsbahn von Syrakus in riesigen Kurven und Schleifen auf die Hochebene von Ragusa fahre und dann wieder hinab ans Meer – das klingt auch für das Kind im Manne allzu verlockend. Beim Blick in den Fahrplan dann aber die Ernüchterung, es gibt nur einen durchgehenden Zug von Syrakus nach Gela, dazwischen riesige Lücken und teilweise verkehren auch Busse im Trenitalia-Fahrplan. Letztendlich fällt die Entscheidung, die Strecke nur hinauf bis Ragusa zu befahren, aber auch so kommen wir um die Busnutzung nicht ganz herum.

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Das Schöne an dem dünnen Fahrplan: uns bleibt die Qual der Wahl erspart und Zeit für das Frühstück bleibt auch, der erste durchgehende Zug fährt erst um 10.10 Uhr ab. Von Syrakus gehen zwei Bahnlinien aus, die Strecke nach Messina, über die wir am Vortrag angereist sind, wurde 1871 eröffnet, 1893 kam die Strecke nach Ragusa und Gela hinzu.

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Die Strecke ist nicht elektrifiziert, es verkehren Dieseltriebwagen vom Typ ALn 668. Und so beginnt nun die gut 2-stündige Fahrt hinauf in die Monti Iblei.

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Der erste Streckenabschnitt ist noch unspektakulär, dann wird es zunehmend interessanter. Die Strecke gewinnt zunächst an Höhe, dann geht es nochmals fast auf Meereshöhe hinab, bevor hier zwischen Pozallo und Scicli der Aufstieg Richtung Gebirge beginnt.

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Am Bahnhof von Scicli sind schon knapp 100 Höhenmeter erreicht, der nächste Halt in Modica liegt dann schon weitere 200 Meter höher. Der Zug verfügt übrigens über Bandansagen, noch dazu zweisprachig in Italienisch und Englisch. Die Mitteleinstiegstür macht es dem Schaffner einfach: die Fahrkarten werden direkt beim Einstieg kontrolliert, so entkommt kein Fahrgast der Kontrolle und der Schaffner braucht dann auch nicht mehr auf der Suche nach neuen Fahrgästen durch den (kurzen) Zug zu laufen.

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An den Südhängen der Monti Iblei führt die Strecke bergauf, links der Bildmitte die Bahnstrecke.

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Die Monti Iblei sind ein Gebirge im Südosten von Sizilien, das von tiefen Schluchten durchzogen ist. Es gibt zu der Strecke einen interessanten Artikel in der italienischen Wikipedia. Noch interessanter wäre der Artikel bestimmt, wenn ich auch Italienisch könnte. Dem Kauderwelsch der Google-Übersetzung meine ich aber entnehmen zu können, dass der Bau der Bahnstrecke zum Scheitelpunkt bei Ragusa eine technische Meisterleistung war:

Die Eisenbahn Ragusa ist, strukturell und progettistici, ein Mammutwerk von Engineering. Designer scheinen von der Gotthardbahn inspiriert worden sein, vor allem die Haarnadelkurven von Wassen in Schweiz, mit einem spiralförmigen Weg genau, um die steilen Hänge von unserer Region zu gewinnen. Es wird gesagt, dass die "Ingenieur Engländer, der für die Richtung der Arbeiten beauftragte ging so weit, in den Selbstmord aus Angst, dass seine Berechnungen für die Commit Wickeltunnel wurden nicht durchgeführt.

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Richtig interessant wird die Strecke dann rund um Ragusa, das sieht man am besten bei Openstreetmap. Die Strecke umrundet die Stadt zunächst in einem weiten Bogen und führt dann von Norden in einen Tunnel unter der Stadt, daran schließt sich der nächste Bogen an, dieser ebenfalls teilweise in einem Tunnel.

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Hier sind wir schon eine Ebene höher, nachdem wir den Bogen durchfahren haben, unter uns der erste Tunnel. Unsere Fahrtrichtung wechselt nun noch einmal um 180 Grad, dann erreichen wir den Bahnhof von Ragusa. Ragusa liegt auf einer Hochebene auf rund 500 Metern über dem Meeresspiegel, diese Höhendifferenz hat auch unser Zug seit dem Start in Syrakus zurückgelegt, wobei allein auf den letzten Kilometern um Ragusa 200 Höhenmeter zu überwinden waren. Nach 112 Kilometern haben wir damit unser erstes Ziel erreicht.

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Ragusa hat rund 70.000 Einwohner und besitzt zwei Stadtkerne, die von einer Schlucht getrennt sind, das moderne Ragusa – dort ist auch der Bahnhof – und die barocke Unterstadt Ragusa Ibla. Unser Ziel Ragusa Ibla haben wir schon vor Augen...

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...aber dazu müssen wir zunächst runter ins Tal...

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...und dann auf der anderen Seite wieder hinauf nach Ibla.

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Als Teil der spätbarocken Städte des Val di Noto gehört Ragusa zum UNESCO-Welterbe. Hier die Kirche San Giorgio im Zentrum von Ibla.

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Bei den vielen Tunneln und Kehren habe ich etwas die Orientierung verloren, aber wenn ich es richtig deute, müsste die Brücke in der Bildmitte auch zur Bahnstrecke gehören.

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Schließlich machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof, hier wollen wieder unzählige Stufen bezwungen werden. Im Häusermeer der Kirchturm der Chiesa di Santa Maria dell'Itria.

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Die Bahnstrecke unterhalb der Stadt werden wir heute leider nicht noch einmal befahren. Wir laufen zwar zurück an den Bahnhof...

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...dort bleiben wir allerdings auf der Straßenseite. Wohl oder übel werden wir auf dem Teilstück bis Pozzallo den Bus nutzen, dort besteht wieder Anschluss an die Zug. Die Busverbindung wird von der Trenitalia betrieben, sie taucht im normalen Bahnfahrplan auf und es werden auch durchgehende Fahrkarten ausgestellt. Somit sind wir also hier am Bahnhof richtig und müssen nicht zum Busbahnhof. Der Midibus hält direkt vor dem Bahnhof und hat auch einen Zugbegleiter an Bord. Der Besetzungsgrad ist recht überschaubar, da kann ich schon verstehen, dass man auf einen Zug verzichtet.

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Immerhin können wir bei der Busfahrt Ragusa auch noch aus einer anderen Perspektive sehen, dann geht es durch die Monti Iblei wieder bergab.

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Unterwegs kreuzen wir auch die Bahnlinie...

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...dann erreicht der Bus Modica. Ich muss zugeben, vom Zug aus gab es diesen tollen Blick auf die barocke Altstadt der sizilianischen Schokoladen-Metropole mit dem Duomo di San Giorgio nicht. Bis Pozzallo fährt der Bus alle Bahnhöfe ab, dort können wir auf den bereitstehenden Zug umsteigen.

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Es geht gleich weiter...

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