Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 2/8 (m 41 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Sizilien-Reise. Im ersten Teil waren wir über Domodossola nach Mailand gefahren und hatten dort den Nachtzug nach Syrakus bestiegen.
Tag 2: Nachtzug nach Syrakus
Mit dem Begriff Nachtzug verbindet man im Allgemeinen Fahrten über Nacht mit einer Ankunft am nächsten Morgen. Das ist hier etwas anders, denn es bricht nun zwar der Morgen des zweiten Reisetags an, aber am Ziel ist unser Zug noch lange nicht.
In der Nacht ist unser Zug weiter südwärts durch Italien gefahren, nach dem Aufstehen nun der erste Blick vom Gang aufs Meer hinaus.
Die Profi-Fotografen im hier Forum belächeln wahrscheinlich meine Kompaktkamera – aber bei den kleinen Klappfenstern bin ich im Vorteil! Hier fahren wir gerade irgendwo in Kalabrien weiter südwärts.
Der Schlafwagenbetreuer serviert unterdessen das Frühstück. Gut, dass wir uns vorab schon mit Proviant für die lange Fahrt eingedeckt haben und zudem gibt es ja später auf der Fähre Gelegenheit für einen Espresso.
Zwischendurch führt die Strecke durch das Hinterland, dann erreichen wir wieder die Küste des Tyrrhenische Meers.
Hier herrscht noch das klassische Rollenbild, die Damen mit Taille und die Herren mit Bizeps. Wer übrigens entsprechende Bedürfnisse verspürt, sollte damit nicht allzu lange warten, denn die Toiletten werden schon recht frühzeitig vor dem Erreichen von Villa San Giovanni verschlossen wegen der anstehenden Fährüberfahrt.
Und dann taucht Sizilien am Horizont auf, jetzt ist es nicht mehr weit bis Villa San Giovanni.
Villa San Giovanni ist der letzte Bahnhof auf dem Festland, hier werden die Züge nach Sizilien auf eine Eisenbahnfähre verladen. Der Zug hält zunächst am Bahnsteig oberhalb des Fährhafens – und dann passiert erstmal nichts. Und zwar für eine ganze Weile. Eine Info zur Weiterfahrt gibt es nicht, der Schlafwagenbetreuer ist schon gleich der Ankunft ausgestiegen (auf Sizilien fährt dann nur noch ein Zugbegleiter mit) und so heißt es eben warten. Nach einer quälend langen Stunde setzt sich der Zug dann endlich in Bewegung.
Der Zug wird nun aus dem Bahnhof gezogen, hier ein Blick auf die Landungsbrücken.
Für das Verladen der Züge sind mehrere Dieselloks mit Schutzwagen im Einsatz, hier zieht eine der Loks gerade einen Intercity aus Sizilien von der Fähre. Planmäßig wäre unser Aufenthalt in Villa San Giovanni nur 25 Minuten lang gewesen, vermutlich war der verspätete Intercity aus der Gegenrichtung der Übeltäter für unsere Verspätung.
Nachdem der Intercity komplett vom Fährschiff gezogen wurde, werden wir auf die Fähre geschoben.
Nachdem die ersten Wagen auf der Fähre abgestellt sind, werden die restlichen Wagen wieder zurückgezogen und dann auf eines der anderen Gleise auf dem Fährschiff geschoben.
An den Türen stehen Podeste bereit und die Fahrgäste können nun aussteigen und die Überfahrt auf dem Oberdeck verbringen, dort gibt es auch ein Bistro.
Als wir den Hafen verlassen, ist der Intercity eine Ebene höher im Bahnhof von Villa San Giovanni angekommen. Für uns beginnt nun die Fahrt über die Straße von Messina.
Etwa 7 Kilometer beträgt die Entfernung von Villa San Giovanni auf dem Festland bis Messina auf Sizilien. Es gab schon diverse Brücken- und Tunnelprojekte zur festen Querung, den letzten Vorstoß hatte die Regierung Berlusconi unternommen, seit 2013 ruht aber auch dieses Projekt, und so pendeln weiterhin zahlreiche Autofähren und eben auch der Trajektverkehr der italienischen Bahn.
Vor uns ist schon die Hafeneinfahrt von Messina zu sehen...
...und noch ein Blick hinüber zum Festland, dann besteigen wir wieder den Zug, denn es liegen noch über drei Stunden Fahrt vor uns.
Der Zug wird nun beim Entladen wieder zusammengesetzt...
...und rollt dann als Ganzes in den Bahnhof von Messina ein, wo der Zug planmäßig 25 Minuten Aufenthalt hat – und diese Dauer wird auch eingehalten, Verspätung hin oder her.
Wir fahren nun an der Ostküste Siziliens und hier steht unser Abteil jetzt richtig, nämlich dem Meer zugewandt. Zur Strecke muss ich wohl gar nicht viel schreiben, ich denke die Bilder sprechen für sich.
Das Schlafwagenabteil haben wir längst in die Tagstellung gebracht.
Erinnert sich noch jemand an die Isola Bella im Lago Maggiore aus dem ersten Teil? Hier sehen wir Isola Bella Nummer 2, die im Ionischen Meer vor Sizilien liegt.
Auf der Gangseite zieht unterdessen das Castello von Calatabiano vorbei. Während Araber, Griechen und Römer die Festung noch zu Fuß erklimmen mussten, werden die Touristen heute per Schrägaufzug auf den Berg gebracht.
Etwas in Wolken gehüllt können wir kurz darauf einen ersten Blick auf den Ätna werfen, in zwei Tagen wollen wir den Vulkan dann auf Schienen umrunden.
Mit 10 Minuten Verspätung erreichen wir gegen 16 Uhr den Endbahnhof Syrakus. Knapp 31 Stunden sind vergangen, seit wir am Vortag um 9.09 Uhr in Konstanz losgefahren sind. Die schnellste Verbindung zwischen beiden Städten liegt mir 3 Umstiegen in Zürich, Mailand und Rom bei 21 Stunden und 32 Minuten, aber da ist man dann wirklich nonstop im Zug (bzw. auf der Fähre). Da fand ich unsere Tour mit einigen Aufenthalten eigentlich entspannter und bei einer Trajekt-Überfahrt bei Nacht hätten wir ja den schönsten und interessantesten Abschnitt verpasst. Mit über 19 Stunden im gleichen Zug habe ich jetzt auch meinen persönlichen Rekord aus dem EC Vindobona (Villach-Hamburg) übertroffen.
Für die nächsten zwei Nächte wartet nun in Syrakus ein Hotelzimmer auf uns. Syrakus (italienisch Siracusa) hat rund 120.000 Einwohner und liegt an der Ostküste Siziliens. Die Altstadt Ortygia befindet sich auf einer Insel, die über Brücken mit dem Festland verbunden ist. Hier die von Palästen umgebene Piazza Archimedes mit dem Artemisbrunnen.
Die Insel Ortygia ist rund einen Quadratkilometer groß, wegen ihrer vielen historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten steht die Insel unter Denkmalschutz. Wir spazieren nun einmal rundherum und kreuz- und quer durch die Altstadt.
Zu den Sehenswürdigkeiten gehören der Dom Santa Maria delle Colonne aus dem 7. Jahrhundert sowie anderen prächtigen Gebäude auf der Piazza Duomo.
Über eine der Brücken über den Darsena verlassen wir dann die Altstadt in Richtung unseres Hotels in der Neustadt. Nach der langen Anreise ist jetzt doch etwas die Luft raus und für den Tag war das nun genug Programm.
Damit sind wir am Ende des zweiten Teils angekommen. Am nächsten Reisetag starten wir von Syrakus aus zu einem Tagesauflug, aber dazu mehr in den nächsten Tagen in Teil 3.
Viele Grüße
Tobias
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- Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 2/8 (m 41 B) -
TD,
10.10.2015, 17:56
- Vielen Dank, bin schon gespannt auf die Teile 3-8 :)
-
mrhuss,
10.10.2015, 18:46
- Ich schließe mich an!
-
Berlin-Express,
10.10.2015, 18:56
- Ich schließe mich an!
- Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 2/8 (m 41 B) - Lehrter Bahnhof, 10.10.2015, 18:50
- Noch ein Dank:) -
462 001,
10.10.2015, 19:49
- +1
-
Nachtzugfan,
10.10.2015, 20:20
- +1
- +587 -
SvenTX,
11.10.2015, 17:16
- +587 - ES89, 11.10.2015, 17:38
- Vielen Dank, bin schon gespannt auf die Teile 3-8 :)