Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 1/8 (m 29 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
nach längerer Pause finde ich nun wieder Zeit, um noch eine Reise aus dem April aufzuarbeiten. Ich bin zwar gerne in Italien unterwegs, Sizilien hatte ich bis dahin aber noch nicht auf meiner Liste. Nachdem ich in den Wintermonaten dann das Buch Italien in vollen Zügen von Tim Parks gelesen hatte und im Frühling Berichte über die Einstellung bestimmter Verbindungen nach Sizilien die Runde machten, hatte ich dann eher kurzfristig mit nur drei Wochen Vorlauf eine Tour auf die Mittelmeerinsel zusammengestellt. Auf der erstklassigen 7tägigen Reise hatte mich mein Bruder begleitet.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/062-Sizilien/62-000Karte.jpg)
Wir fahren von Konstanz über die Lötschbergroute nach Mailand und besteigen dort den Nachtzug nach Syrakus. Am dritten Reisetag besuchen wir Ragusa und Noto. Der vierte Tag ist der Schmalspurbahn Ferrovia Circumetnea gewidmet, danach geht es in den Nordteil der Insel nach Palermo. Für die Rückfahrt wählen wir Tagzüge und legen die Strecke nach Hause an den Bodensee in zwei Etappen mit einer Übernachtung in Neapel zurück.
Tag 1: Konstanz – Domodossola – Mailand
Die Reise von Konstanz nach Mailand lässt sich über die Gotthardstrecke eigentlich in nur fünfeinhalb Stunden zurücklegen. Da der Nachtzug in Mailand aber erst am Abend startet, wäre der Tag mit so einer kurzen Fahrt ja noch gar nicht richtig ausgefüllt und zudem bin ich nun schon mehrfach über die Gotthardstrecke gefahren, da wäre etwas Abwechslung doch auch mal schön. Und so komme ich auf die Idee, diesmal über die Lötschbergroute zu fahren - und zwar mit einem großen Bogen über Basel. Zunächst scheitere ich zwar an dem bekannten Fehler, dass das Buchungssystem bei einem Europa-Spezial Italien erst im letzten Buchungsschritt mit einer Fehlermeldung abbricht, aber dann stückele ich halt in Domodossola und buche bis dorthin ein ES Schweiz – und bin zunächst ganz stolz, dass ich dem System mit einer fiktiven Rückverlängerung nach Tuttlingen die gewünschte Fahrkarte entlocken kann. Dann fehlt zwar das Teilstück Konstanz-Singen, aber da lässt sich ja kurzfristig ein Verbundticket für den Nahverkehr lösen.
Als ich dann wenige Tage vor der Tour schaue, mit welchem Zug wir denn am Ostermontag von Konstanz nach Singen fahren wollen, merke ich: Mist, da wäre doch der IC Bodensee gefahren! Da fährt einmal am Tag ein Fernzug ab Konstanz, der genau in unseren Fahrplan gepasst hätte und mit dem ich sogar ein Europa-Spezial Konstanz-Basel-Domodossola bekommen hätte, und ich Idiot buche den unnötigen IC Tuttlingen-Singen. Tja, wer zu doof ist, die Verkehrstage von Zügen zu prüfen, der zahlt eben doppelt und muss zum Normalpreis in der zweiten Klasse reisen ;)
(Nein, so schlimm ist das gar nicht und wir hätten ja auch einfach einen seehas früher fahren können, aber irgendwie hatte es mir der IC Bodensee doch angetan.).
Und so verlassen wir also Konstanz mit dem IC Bodensee, hier die Fahrt über die Rheinbrücke mit Blick zu Rheintorturm und Pulverturm.
Entlang des Untersees mit Ausblick hinüber zur Insel Reichenau fahren wir über Radolfzell nach Singen, dort steigen wir um auf den IRE nach Basel. Nur gut, dass wir nicht wirklich mit dem gebuchten IC 181 aus Tuttlingen kommen, denn der hat so viel Verspätung, dass der Anschluss in Singen nicht geklappt hätte.
Im Diesel-Neigetechniktriebwagen der Baureihe 611 geht es nun nach Schaffhausen und weiter entlang des Hochrheins zum Badischen Bahnhof in Basel.
Die Oberleitung bei Waldshut gehört zur schweizerischen Strecke aus Koblenz, die Hochrheinstrecke selbst ist hier nicht elektrifiziert.
Für ganze sechs Minuten nehmen wir nun in einem ICE 1 Platz, der uns vom Badischen Bahnhof über die Basler Verbindungsbahn nach Basel SBB bringt.
Noch schnell ein Bild von der zweiten Fahrt über den Rhein, rechts der Bildmitte die beiden Türme des Basler Münsters, dann sind wir auch schon da.
Für die Fahrt nach Italien habe ich mir eine der drei EC-Direktverbindungen ab Basel ausgesucht, auf der Lötschbergroute verkehren ETR 610.
Kann es sein, dass das DB-Reservierungssystem mit dem leicht sonderbaren Nummernschema des ETR 610 etwas Mühe hat? Die Plätze 82 und 83 im Wagen 2 entpuppen sich nämlich nicht als nebeneinander liegend, sondern schräg versetzt, ein Platz rechts des Ganges und der andere als Mittelsitz links eine Reihe vornedran. Aber gut, einem geschenkten Gaul (Gratis-Reservierung) schaut man wohl nicht ins Maul – und so suchen wir uns andere vermeintlich freie Plätze. Später in Bern werden dort auf den bis dahin leeren Reservierungsanzeigen aber plötzlich Reservierungen angezeigt und wir können wieder umziehen – so was mag ich aber gar nicht!
Hier noch der Zug im Überblick, dann beginnt unsere Fahrt in Nord-Süd-Richtung durch die Schweiz. Der erste Reiseabschnitt von Basel nach Bern ist unspektakulär...
...dann wird es bei der Fahrt entlang des Thuner Sees landschaftlich reizvoll, bevor der Zug im Lötschberg-Basistunnel verschwindet. Von Visp bis Brig geht es weiter durch das Rhonetal, dann folgt mit dem Simplontunnel die nächste längere Tunnelstrecke.
Südlich der Walliser Alpen auf der italienischen Seite schließt sich das Eschental an, dann ist bald Domodossola erreicht. Wenn ich ohnehin hier die Fahrkarten stückeln muss, können wir doch eigentlich in Domodossola auch einen kurzen Zwischenstopp einlegen, oder?
Die Stadt im Ossolatal hat rund 18.000 Einwohner und war schon immer ein wichtiges Zentrum an der Passstraße nach Norden, die Eröffnung der Bahnstrecke durch den Simplontunnel 1906 brachte der Stadt weiteren Aufschwung.
Der Marktplatz Piazza del Mercato bildet das historische Zentrum und lässt uns schon etwas italienisches Flair genießen, ansonsten ist eine Stunde Aufenthalt aber ausreichend.
Nun also zurück an den Bahnhof, die Stazione di Domodossola wurde 1888 eröffnet, als die Bahn von Süden aus Novara kommend den Ort im Piemont erreichte.
Auch der nächste Zug kommt wieder aus der Schweiz, der EC 39 ist in Genf gestartet. Die Sitzplätze sind diesmal besser, denn bei der Buchung bei Trenitalia konnte ich diese platzgenau auswählen – nur blöd, dass unsere Plätze auf der „falschen“ Seite sind...
...denn der Lago Maggiore zieht am linken Zugfenster vorbei und dort sind alle Sitzplätze belegt. Durch ein Fenster an der Tür gibt es aber doch noch ein Bild von der Isola Bella, der schönen Insel im Borromäischen Golf. Mit dem Palazzo Borromeo und den Gartenanlagen ist die Insel ein Touristenmagnet.
Pünktlich erreichen wir schließlich Mailand.
In Mailand haben wir eine großzügige Übergangszeit von zweieinhalb Stunden eingeplant, so dass Zeit bleibt, um mit der Metropolitana ins Zentrum zu fahren, wo der Mailänder Dom in der Abendsonne strahlt.
Gut, Shopping in Milano ist nun nicht unbedingt meine Welt, aber das soll uns nicht von einem kurzen Blick in die Galleria Vittorio Emanuele II abhalten. Anschließend fahren wir mit der U-Bahn zurück nach Milano Centrale.
Auf den ersten Blick ist der Unterschied zum vorherigen Bild gar nicht so groß, ist die Stazione di Milano Centrale doch ein ähnlich imposantes Gebäude.
Es geht gleich weiter...
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08.10.2015, 17:59
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08.10.2015, 18:01
- fantastico:-):-) - 462 001, 08.10.2015, 19:53
- Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – Fortsetzung - Holger2, 08.10.2015, 21:22
- Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – Fortsetzung - sflori, 08.10.2015, 23:07
- Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 1/8 (m 29 B) - JeDi, 08.10.2015, 21:31
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