Von Tendabahn und Pinienzapfenzug 4/8 (27 Bilder) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum vierten Teil unserer kleinen Rundreise. Im letzten Teil waren wir abends in dem 700-Einwohner-Dorf La Brigue an der Tendabahn angekommen. Neben dem französischen Ast der Tendabahn steht mit dem Train des Pignes am dritten Reisetag ein weiterer Leckerbissen für Bahnfreunde auf dem Programm. Zur besseren Orientierung vorab nochmals unsere Route:
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/053-Tendabahn-Provence/53-000Karte.jpg)
Tag 3: La Brigue – Breil-sur-Roya – Nizza – Digne-les-Bains
Der dritte Reisetag hatte im Vorfeld bei mir erstmal für Unbill gesorgt. Penible Reiseplaner kennen das vielleicht: man bastelt wochenlang an einer Tour, knobelt einen Fahrplan aus, reserviert Hotels, bucht Fahrkarten und am Ende hat man eine stimmige durchgeplante Tour. Zwei Tage vor der Tour checkt man dann nochmals die Fahrpläne und plötzlich gibt es den gebuchten Zug nicht mehr. In diesem Fall geht es um eine SNCF-Fahrkarte von La Brigue nach Nizza, die keine drei Wochen zuvor erstellt wurde und deren aufgedruckte Verbindung nun nicht mehr existiert. Der durchgehende Zug ist durch einen Autocar bis Breil-sur-Roya ersetzt, auch der dortige Anschlusszug hat nun eine spätere Fahrplanlage. Schade, dadurch verkürzt sich zwar der Aufenthalt in Nizza, aber immerhin ist der geplante Anschluss mit dem Train des Pignes noch machbar. Nur der blöde Bus ärgert mich, aber Alternativen bietet die Fahrplanauskunft der SNCF nicht an. Also finde ich mich doch mit einer Busfahrt ab, bis mir irgendwann der Gedanke kommt: was sagt denn der Fahrplan der Trenitalia? Und siehe da: eine Stunde vor dem Bus der SNCF fährt ein Zug der Trenitalia nach Breil-sur-Roya. Perfekt! – wir können also die Strecke doch auf Schienen zurücklegen und als Bonus gibt es sogar einen kleinen Sightseeing-Aufenthalt in Breil-sur-Roya.
Wir wurden am Abend im Hotel noch gefragt, ob wir auch frühstücken wollen, denn das Hotel müsse noch die Bestellung beim Bäcker aufgeben. Und so starten wir nicht wie in vielen Hotels mit aufgebackenen Industriebackwaren in den Tag, sondern ganz französisch mit frischen Croissants. Um 9.05 Uhr fährt der Zug, da bleibt sogar noch Zeit für eine kleine Runde in der Morgensonne durch das Bergdorf.
La Brigue liegt rund 750 Meter über dem Meer in den Seealpen. Links der Rundturm des Château Lascaris aus dem 14. Jahrhundert. Bis 1947 hieß der Ort noch Briga Marittima und gehörte zu Italien.
Die Stiftskirche Saint Martin hat Wurzeln aus dem 13. Jahrhundert, der heutige Bau im romanisch-lombardischen Stil wurde in den Jahren 1484 bis 1509 errichtet.
Nun aber zum Gare de La Brigue. Der Haltepunkt wird sowohl von den italienischen Zügen von Cuneo nach Ventimiglia als auch von den französischen Zügen von Tende nach Nizza bedient (wenn sie nicht gerade auf einen Bus umgestellt sind).
Es gibt hier in der Abgeschiedenheit sogar einen Abfahrtsmonitor. Diese Variante scheint mir deutlich praktischer und flexibler als die Dynamischen Schriftanzeiger (DSA) an deutschen Haltepunkten. Allerdings hat die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Bahnen wohl noch Verbesserungspotential, denn auf dem Display werden nur die Verbindungen der SNCF angezeigt. Dass hier in Kürze ein italienischer Zug nach Breil-sur-Roya abfährt, verschweigt die Anzeige.
Beim Warten fällt der Blick auf die Schienen, dass uns hier Erzeugnisse von der Saar begegnen, hätte ich nicht vermutet.
Und hier kommt nun der Regionale, den die örtlichen Auskunftsmedien verschweigen. Ich muss zugeben, dass ich bis heute nicht weiß, ob unsere SNCF-Fahrkarte nach Nizza in dem Zug überhaupt gültig war, aber der Zugbegleiter verschwindet nach dem Abfertigen gleich wieder im Führerstand und interessiert sich nicht für uns – auch recht.
In der Morgensonne fahren wir nun nach Breil-sur-Roya. Diesen Streckenabschnitt befahren wir jetzt schon zum dritten Mal – aber die Strecke ist immer noch schön!
Im Roya-Tal unterhalb der Bahnlinie liegt das 300-Einwohner-Dorf Fontan.
In Breil-sur-Roya verlassen wir den Zug. Hier trennen sich der italienische und der französische Streckenast. Bevor wir aber Richtung Nizza weiterfahren, nutzen wir den Aufenthalt für eine kleine Runde durch den Ort. Wir sind hier auf rund 300 Metern über dem Meeresspiegel, in Luftlinie trennen uns nur 20 Kilometer von der Küste.
Der Bahnhof liegt etwas erhöht am Rande des Orts, wir laufen nun hinab in Richtung Altstadt mit der Kirche Sancta Maria In Albis aus dem 17. Jahrhundert.
Auch Breil-sur-Roya hat italienische Wurzeln und gehörte früher zum Königreich Sardinien, damals hieß der Ort Breglio.
Doch nun zurück an den Bahnhof. Aus Nizza ist gerade der „Train des Merveilles“ („Zug der Wunder“) eingefahren. Es handelt sich hierbei um ein Zugpaar, das besonders Touristen ansprechen soll und in dem an bestimmten Tagen auch Tourguides mitfahren, die Erläuterungen zu Strecke und Landschaft geben. Nur sind wir dafür zur falschen Zeit bzw. in die falsche Richtung unterwegs – zudem haben französischsprachige Kommentare für mich keinen wirklichen Mehrwert.
In Sichtweite des Bahnhofs befindet sich das ehemalige Lokomotivdepot, das heute das Bahn- und Transportmuseum Ecomusée beherbergt. Vom Ende des Bahnsteigs kann man einen Blick auf einige der Exponate werfen, darunter auch die früheren Treibwagen des „Train des Merveilles“ mit der bunten Werbelackierung.
Der französische Ast von Breil-sur-Roya nach Nizza war nie elektrifiziert, heute kommen Dieseltriebwagen der Reihe AGC / X 76500 zum Einsatz.
Auch diese Strecke ist wunderschön, allerdings nicht so spektakulär wie der nördliche Abschnitt. Die Landschaft präsentiert sich etwas sanfter, dennoch gibt es auch hier zahlreiche Tunnel, so den knapp 6 Kilometer langen Tunnel du Col Braus und auch zahlreiche Brücken.
Mit 225 Metern ist der Viaduc de l'Escarene die längste Brücke auf der Zweigstrecke, hier der Blick vom Viadukt auf den gleichnamigen Ort.
Der Streckenverlauf folgt einem alten Handelsweg, nämlich der historischen Salzstraße, die einst Nizza mit dem Piemont verband. Güterverkehr spielt auf der heutigen Tendabahn jedoch keine Rolle mehr.
Langsam werden die Täler und Straßen breiter und bald schon sind die ersten Vororte von Nizza erreicht.
Unsere Bahnfahrt endet am Bahnhof Gare de Nice-Ville. Zu Fuß wechseln wir nun einige Straßen weiter zum Bahnhof der Chemins de Fer de Provence. Der Train de Pignes ist aber ein eigenes Kapitel wert, deshalb machen wir hier jetzt Schluss, in den nächsten Tagen geht es im fünften Teil dann weiter nach Digne-les-Bains.
Viele Grüße
Tobias
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