Von Tendabahn und Pinienzapfenzug 3/8 (37 Bilder) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 16.05.2015, 17:54 (vor 4021 Tagen)

Hallo zusammen,

nachdem es nun schon zwei Beiträge gab, die zwar mit der Betreffzeile Tendabahn geworben haben, aber bisher nur Bilder der Anreise über Mailand und Turin gezeigt haben, jetzt es jetzt wirklich auf die Tendabahn. Im zweiten Teil hatten wir Cuneo besucht, am dortigen Bahnhof setzen wir jetzt die Reise fort.

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Seit 1854 ist Cuneo an das Bahnnetz angeschlossen, das prachtvolle Empfangsgebäude macht von außen als auch von Innen einen ansehnlichen Eindruck. Vom Bahnverkehr selbst kann man das leider nicht sagen, denn von ursprünglich vier Bahnstrecken, die von Cuneo ausgingen, haben in den letzten Jahren zwei Strecken den Personenverkehr verloren. Übrig geblieben sind die Strecken nach Fossano/Turin und die Tendabahn.

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Ein Minuetto wartet bereits zur Fahrt als Regionale durch die Seealpen nach Ventimiglia am Mittelmeer. Aufgrund der spektakulären Streckenführung im Grenzgebiet zwischen Italien und Frankreich sowie der wechselvollen Geschichte gilt die Verbindung als außergewöhnlicher Leckerbissen für Bahnfans.

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Von Cuneo führt die Strecke nun sanft ansteigend hinauf nach Limone. Auf gut 32 Kilometern überwindet der Zug rund 500 Höhenmeter. Auf der Fahrt rücken die Berge näher und die Vegetation wird zunehmend alpiner. Limone ist einer der ältesten Wintersportorte Italiens und verdankt dies auch der Bahn, die ab 1891 die Gäste aus Richtung Cuneo in den Ort brachte, später auch von der Küste aus mit dem „Treno della Neve“, dem Schneezug.

Insgesamt 83 Tunnel werden wir bis Ventimiglia durchfahren, darunter vier Kehrtunnel und drei Kreiskehrtunnel, außerdem unzählige Brücken. Der mit Abstand längste Tunnel ist der Tenda-Scheiteltunnel unter dem Hauptkamm der Seealpen mit über 8 Kilometer Länge. Der Scheitelpunkt der Strecke liegt auf 1.040 Meter über dem Meer. Dieser Höhenunterschied von über 1.000 Metern bis nach Ventimiglia wird in Europa nur noch von der Rhätischen Bahn übertroffen.

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Im Tenda-Tunnel liegt auch die Grenze zwischen Italien und Frankreich, so dass uns auf der anderen Seite des Tunnels in Vievola das erste französische Bahnhofsschild begegnet.

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Wir fahren nun südlich des Col de Tende (Tendepass) auf rund 900 Metern über dem Meer durch die Seealpen.

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Auf dem Viaduc de Tende passieren wir die gleichnamige Stadt. Der italienische Name der Stadt ist Tenda, mehrfach wechselte die Zugehörigkeit der Stadt zwischen Frankreich und Italien, 1947 entschieden sich die Einwohner in einer Abstimmung für die Angliederung an Frankreich, seitdem ist der Name Tende.

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Die Strecke wurde vor dem Zweiten Weltkrieg elektrifiziert, während des Kriegs und bei der späteren Wiedereröffnung wurde die Oberleitung jedoch entfernt. Die Masten, die auf diesem Bild zu sehen sind, gehören nicht zur Oberleitung, sondern sind Teil einer Steinschlagsicherung. Da die Region geologisch sehr aktiv ist, ist die Strecke an vielen Stellen durch Steinschlag gefährdet. Deshalb sind dort Indikatordrähte gespannt, die bei einer Beschädigung durch herabfallende Steine einen Alarm auslösen und den Verkehr stoppen.
Dieses Bild entstand übrigens aus dem fahrenden Zug, aufgrund der vielen Kehrtunnel gibt es mehrere Stellen, an denen sich ein Blick auf die Gleise einer höheren oder tieferen Ebene ergibt.

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Hier der Blick von oben auf den Viaduc de Scarassoui...

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...und einige Bögen und Tunnel weiter...

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...fahren wir fünf Minuten später eine Ebene tiefer über eben diesen Viaduc de Scarassoui.

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Habt Ihr eigentlich schon genug von den Streckenbildern? Ich habe zwar kräftig gelöscht, aber die Auswahl der Bilder ist mir sehr schwer gefallen, deshalb müsst Ihr noch etwas durchhalten.

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Die Strecke folgt mehr oder weniger dem Tal der Roya, hier der Blick durch die Masten der Steinschlagsicherung auf den 300-Einwohner-Ort Fontan.

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Um das Jahr 1851 gab es erste Überlegungen für eine Bahnstrecke vom Piemont an das Mittelmeer. Über 30 Jahre später begann man in Cuneo mit dem Bau der Tendabahn. Dann stoppten erst nationale Sicherheitsbedenken auf französischer Seite, später der Erste Weltkrieg den Weiterbau. Erst 1928 und damit 45 Jahre nach Baubeginn wurde die durchgehende Strecke samt Seitenlinie nach Nizza eingeweiht. Nur wenige Jahre später kam der Verkehr mit dem Zweiten Weltkrieg zum Erliegen, Brücken wurden zerstört. Erst im Jahr 1979 wurde der durchgehende Verkehr wieder aufgenommen. Unbemerkt vom Reisenden sollen noch heute Schießscharten an Tunnelportalen und Festungsanlagen in den Tunneln an die wechselvolle Geschichte erinnern.

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Hier ein Blick auf den Ort Breil-sur-Roya, unweit des Orts zweigt der französische Streckenast nach Nizza ab. Das steht dann morgen auf unserem Reiseplan, wir fahren nun weiter auf dem italienischen Ast Richtung Ventimiglia. Breil-sur-Roya ist noch französisch, etwa 10 Kilometer weiter queren wir wieder die Grenze nach Italien.

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Das Tal der Roya weitet sich nun und nach knapp 100 Kilometern und einer Fahrzeit von zweieinhalb Stunden ist Ventimiglia erreicht. Im Grenzbahnhof zu Frankreich trifft die Tendabahn auf die Bahnstrecke von Marseille nach Genua.

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Wir haben nun zwei Stunden Aufenthalt, die wir für eine kleine Runde durch die Stadt an der Riviera nutzen. Dabei begegnen wir unterwegs auch dem Zugpersonal wieder, das ebenfalls die Zeit damit verbringt, den Anglern im Roya (bzw. Roia, denn so heißt der Fluss in Italien) zuzusehen, bevor es nachher gemeinsam auf die Rückfahrt geht. Die Altstadt von Ventimiglia liegt auf einem Hügel westlich des Roia.

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Der Kurort und Bischofssitz hat knapp 25.000 Einwohner. Im Jahr 2012 geriet die Stadt als nördlichste Mafia-Stadt in die Schlagzeilen, nachdem der Bürgermeister mitsamt seinen Stellvertretern wegen krimineller Machenschaften im Rathaus festgenommen wurde.

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Das Treppensteigen hat sich nicht nur wegen der Kathedrale Santa Maria Assunta gelohnt...

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...sondern auch wegen dem Ausblick über die italienische Riviera.

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Der Roia teilt Ventimiglia in zwei Teile, der Bahnhof befindet sich jenseits des Flusses.

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Es geht gleich weiter...

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