HSL-Zuid Seifenoper (175): Vorwarnungen ignoriert (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 19.05.2015, 08:18 (vor 3977 Tagen)

Teil 174 hier.


Hallo ICE-Fans,

nachdem ich im 350.000. Eintrag des ICE-Forums schon schrieb über die Strecke, jetzt mal etwas über die Leute hinter der Strecke.
Bei uns sind die öffentlichen parlamentären Befragungen gestern gestartet. Dabei handelt es sich um die Schuldfrage.

Falls ich es noch nicht gesagt hatte: ich habe inzwischen das "ontspoorboek Fiasco Fyra" gekauft, sozusagen die Seifenoper als Drucksache. Dort ist schon viel über das Rum und Drum der HSL-Zuid zu finden.

Gestern ging es um die Situation rundum der Jahrhundertwende. Damalige Verkehrsministerin Tineke Netelenbos hatte sich immer gegen eine Ausschreibung gewehrt und das sogar in einem Brief an den Minsiterpräsidenten Wim Kok erklärt:

TN: "Ich kann für diese Ausschreibung keine Verantwortung nehmen!"

Leider ignorierte der MP den Brief:

WK: "Ich hätte diesen Brief lieber nicht empfangen."
TN: "Dann zerreisse ihn doch!"

Und so geschah. Ralph Pans, damaliger Topfunktionär, erklärte dass der Brief "tödlich" für NS und NL wäre.

RP: "Wir werden grosse Problemen bekommen wenn diese Gönnung an NS und KLM durchgesetzt wird. Andere Anbieter wären benachteiligt. SOwieso waren die meisten Minister dagegen, also ist es logisch, dass Herr Kok sich immer dagegen gewehrt hat."

Es kam also zur Ausschreibung, Mindestbiete 100 Mio. Kommerzieller Direktor von NS Hispeed Maarten Spaargaren dazu:

MS: "Wir hätten es für 125 Mio. auch getan. Aber das fand der Vorstand nicht genug. Und so wurden es 178 Mio. Ja, die Fahrkarten wáren 60% teurer gewesen, aber wir gingen davon aus, dass die Tarife mit dem Ministerium verhandelbar wären."

Das Verkehrsministerium sollte der Erhalt des Betriebs über alles gestellt haben; das Angebot für die Fahrgäste sei untergeordnet. Dennoch seien die 178 Mio. "realistisch und machbar".

Zu guter letzt Arriën Kruyt, damaliger Vorsitzender das Fahrgastverbundes Rover.

- die Regierung hatte keine Ahnung von den Problemen die AnsaldoBreda in Dänemark hatte (IC4-Debakel)
- es war eine Fehlentscheidung, den Benelux einzustellen, bevor der Fyra-Betrieb zuverlässig war
- man hat sich nur auf die Oberschicht konzentriert, obwohl viele Fahrgäste auch eine langsamere, dafür preiswertere Verbindung schätzen
- die Regierung hielt vom Fahrgast vor allem Abstand und man hatte zu wenig Bahnkenntnisse im Haus.


Mal sehen, wie es weitergeht.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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