Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz" (Allgemeines Forum)

Felix, Göttingen, Mittwoch, 26.11.2014, 18:09 (vor 4174 Tagen)

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"Hochgeschwindigkeitszüge zerstören das europäische Bahnnetz"

Ja klar, die Kunden werden in die teuren Züge gezwungen

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Mittwoch, 26.11.2014, 19:34 (vor 4174 Tagen) @ Felix
bearbeitet von Alibizugpaar, Mittwoch, 26.11.2014, 19:37

Hallöchen!

Es dürfte nichts schlimmeres für die DB oder SNCF gegeben haben als ein sehr gut ausgelasteter IR/Corail neben einem schwächelnden ICE/TGV. Also wurden Fakten geschaffen, wenn die Kundschaft sich anders verhielt als die Bahnen es wollten. Es wurde sogar schick, IR-Freunde zu verlächeln, ja selbst wenn dem die Fv-Streichung ganzer Regionen einher ging. Wenn der Staat in Milliarden teure NBS investierte, dann wurden auch bestimmte Fahrgastzahlen erwartet = wenn es eine weitere NBS geben soll.


"...EuroCity und EuroNight schufen ein nachhaltiges, effizientes und günstiges Angebot für Fernfahrten. Das Beste das Europa jemals hatte..."

Wobei das kein richtiges Netz war, sondern auf den allermeisten Linien ein Sammlung von wenigen Einzelläufern. Von Nürnberg nach Wien waren es zwei oder drei EC, nach Kopenhagen nur einer, ebenso von Mannheim nach Genf. Von Amsterdam waren es ebenfalls nur zwei oder drei EC, die das Rheintal entlang fuhren. Kein EC hingegen von Amsterdam nach Hamburg. Von Köln oder Frankfurt gingen nur je zwei EC nach Paris.
Also die Idee des EC war wirklich fein. Aber ein Netz mit Rücksicht auf die Nachfrage über den Tag verteilt war das noch lange nicht. Da fahren heute mehr Züge über den Tag verteilt.


"...In weniger als zehn Jahren hat Spanien das größte Schnellfahrnetz Europas errichtet. Heute ist das Land nahezu pleite und kann nur noch mit Müh und Not den Bahnverkehr aufrechterhalten..."

Da schauen wir auch nach Frankreich.

Die Verschlechterung von Mittelstrecken-Verbindungen per Zug droht sich weiter auszubreiten, wenn die Schiene tatsächlich vor Fernbus-Angeboten in die Knie geht und Tagesrandverbindungen ausgedünnt wie auch alternative Fernzugziele gestrichen werden. Bedenklich auch, daß die Bahn selber zunehmend Gefallen an zu Zügen parallel laufenden IC-Bussen findet. Und daß ganze Regionen frei von Fernzügen sind, man also allein auf RE & Co angewiesen ist (wo man keine Sitzplätze reservieren kann und man um so stärker bangt, je öfter man umsteigen muß), da verliert das Zugreisen auch eindeutig an Attraktivität.

Ich denke, daß wir die Spitze der Fahnenstange in Sachen Absurditäten leider noch lange nicht erreicht haben. Ich denke an Thalys<>DB, die Beinahe-Einstellung der Brenner-EC, an die Ausdünnungen im Skandinavienverkehr, den Stillstand im Allgäu, das sterbende europäische Nachtzuggeschäft u.v.m.

Gruß
Olaf

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

TEE Rheingold, Mittwoch, 26.11.2014, 22:30 (vor 4174 Tagen) @ Felix

Interessanter Artikel. Für Geschäftsreisende ist der HGV-Verkehr mittlerweile unentbehrlich. Für Privatleute oft viel zu teuer. Nicht jeder will 3 Monate im Voraus Sparpreise buchen. Ich denke, dass viele Leute gerne mit der Bahn fahren würden, wenn es noch mehr IR/IC-Verbindungen zu erschwinglichen Preisen geben würde. Ob man 3 oder 4 Stunden braucht, ist den Leuten egal, wenn sie viel Geld sparen. Leider wird immer mehr zusammengestrichen und ganze Regionen vom FV abgehängt. Die Mosel folgt wohl bald...
Wenn man am Mannheimer HBF IC-Busse der DB mit tschechischem Kennzeichen (!!!) nach Prag sieht, bekommt man eine dunkle Vorahnung, wie das FV-Netz in wenigen Jahren aussehen könnte, wenn einige grosse Unternehmen nicht bald wieder aktiv auf die Kunden im FV zugehen. Auf SpiegelOnline gab es neulich auch einen großen Artikel, dass es der SNCF nicht so gut geht und auch schon auf Busse setzt...
Was mich in Deutschland stört ist, dass Busse keine Autobahngebühr zahlen müssen und so im Wettbewerb zur Bahn einen großen Vorteil haben.
Für Züge werden für jeden Kilometer Trassengebühr fällig, die die oft beklagten Energiekosten (pro Kilometer) in den meisten Fällen deutlich übersteigen.
Schönen Gruß, Thorsten

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

JeDi, überall und nirgendwo, Donnerstag, 27.11.2014, 07:15 (vor 4174 Tagen) @ TEE Rheingold

Wenn man am Mannheimer HBF IC-Busse der DB mit tschechischem Kennzeichen (!!!) nach Prag sieht

...denkt man sich, okay, diverse Grundprinzipien des Eisenbahnverkehrs wendet die Bahn auch auf den Bus an. Oder hast du noch nie tschechische Wagen auf dem Weg nach Prag gesehen?

--
Weg mit dem 4744!

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

TEE Rheingold, Dienstag, 02.12.2014, 23:14 (vor 4168 Tagen) @ JeDi

Ich habe noch nicht gesehen, dass eine Staats- oder Bundesbahn ihre Eisenbahnwagen im Ausland zulässt.

Die Züge sind nicht das Problem, die Politik ist es

ICE-T-Fan, Donnerstag, 27.11.2014, 00:17 (vor 4174 Tagen) @ Felix

Das Problem ist meiner Meinung nicht die Existenz des Hochgeschwindigkeitsverkehrs sondern die Konkurrenz zum konventionellen Fernverkehr.

In einem Punkt muss ich dem Artikel recht geben: HGV-Züge kannibalisieren den (günstigen) Fernverkehr auf den Bestandsstrecken. Das ist aber auch so gewollt, denn das Primärziel der meisten Neubaustrecken ist die Erweiterung der Kapazität des Schienennetzes und erst in zweiter Linie die Reduktion der Fahrzeit.

So würden die NBS Fulda-Frankfurt oder Frankfurt-Mannheim insgesamt nur 10-15 Minuten Fahrzeitgewinn bringen, jedoch die Anzahl der möglichen FV-Trassen zwischen diesen Städten fast verdoppeln.

Außerdem muss man mal über die Trennlinie zwischen HGV und konventionellem FV diskutieren. Ist jetzt ein ICE-T oder railjet mit 230 km/h schon HGV oder noch im Rahmen des konventionellen Betriebs? (Laut TSI wäre es HGV)

Ich würde eher die Grenze bei 250 km/h ziehen, gemäß der EBO*. Alles was laut EBO eine Sondergenehmigung benötigt ist HGV, alles was nach EBO schon zugelassen ist, ist konventioneller Schnellverkehr.

(* Laut EBO ist die Fahrgeschwindigkeit von Zügen generell auf 250 km/h begrenzt. Das heißt die EBO gilt für Züge über 250 km/h im Prinzip nicht mehr und für alle Züge und Strecken über 250 km/h ist eine Sondergenehmigung der beteiligten Verkehrsministerien notwendig. So durfte nach Inbetriebnahme auf der NBS Nürnberg-Ingolstadt trotz Zulassung nach TSI zunächst nur 250 km/h gefahren werden, bis dann im Laufe des Jahres 2006 die Genehmigung für 300 km/h kam. Es gibt aus dem Mai 2006 eine gefilmte Führerstandsmitfahrt eines ICE 3 mit 250 km/h. Da wurde das aufm Führerstand mal kurz angesprochen.)

250 km/h erscheint mir aus umweltpolitischer Sicht (Energiebedarf, Streckenbau) und aus finanzieller Sicht (günstige Fahrpreise, Zulassung der Züge) eine sinnvolle Grenze für Neubauvorhaben zu sein.

Die Züge sind nicht das Problem, die Politik ist es

CNL484, Donnerstag, 27.11.2014, 00:45 (vor 4174 Tagen) @ ICE-T-Fan

Gut geschrieben. Im ICE 201 selbst miterlebt. Zug kam voll aus Köln Deutz. Fahrgastwechsel dauerte ewig am Frankfurt Airport. Zug war sehr leer Richtung Basel. DB ein Zubringer zum Flugzeug. Selbe erlebt man in den ICE Zügen aus Hamburg nach Stuttgart. Dafür werden Trassen verschleudert und Züge abgezogen.

Die Züge sind nicht das Problem, die Politik ist es

L.Willms, Donnerstag, 27.11.2014, 19:38 (vor 4173 Tagen) @ ICE-T-Fan

Laut EBO ist die Fahrgeschwindigkeit von Zügen generell auf 250 km/h begrenzt.

Das war mir neu und überraschend. Aber es stimmt. Nachzulesen in §40 der EBO

Klassisches Beispiel...

Lumi25, Donnerstag, 27.11.2014, 06:29 (vor 4174 Tagen) @ Felix

ist für mich Köln-Brüssel.

Für Thalys und ICE wurde der Oostende D-Zug gestrichen.

Dabei bot der D-Zug auch Pendlern von Köln nach Düren/Aachen eine schnelle Alternative zu den hier täglich verspäteten und vollen RE-Zügen.

Auch gibt es keinen Takt mehr im Fernverkehr. Der Thalys/ICE fahren manch mal abwechselnd so, dass ein 1h-Takt entsteht und dann wiederrum mal 3 Stunden nichts.

Auch die letzte Verbindung von Paris/Brüssel nach Köln erfolgt sehr früh wie ich finde.

Klassisches Beispiel...

L.Willms, Donnerstag, 27.11.2014, 19:41 (vor 4173 Tagen) @ Lumi25

ist für mich Köln-Brüssel.

Für Thalys und ICE wurde der Oostende D-Zug gestrichen.

Auch gibt es keinen Takt mehr im Fernverkehr. Der Thalys/ICE fahren manch mal abwechselnd so, dass ein 1h-Takt entsteht und dann wiederrum mal 3 Stunden nichts.

Das ist nun ein kommerzielles Problem zwischen der SNCF und der Deutsche Bahn AG, die sich, anders als im POS-Korridor, nicht auf ein kooperatives Vorgehen bei den Verkehren Paris - Brüssel - Köln einigen können. Die beiden Unternehmen konkurrieren ja gegeneinander, und die "Bahnreform" hat für den gesamten Bahnverkehr die Profitmaximierung als das Leitmotiv vorgeschrieben, mit Ausnahme des "Regionalverkehrs", der als Daseinsfürsorge den Bundesländern überantwortet wurden (Regionalisierungsgesetz).

Sehr guter Artikel, vielen Dank!

Frankfurt (Main) Süd, Donnerstag, 27.11.2014, 10:09 (vor 4174 Tagen) @ Felix

- kein Text -

Netzwirkung bringt mehr als Schienenraserei.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 27.11.2014, 10:40 (vor 4173 Tagen) @ Felix
bearbeitet von Oscar (NL), Donnerstag, 27.11.2014, 10:42

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Ich las den Artikel zuerst als "HGV-Züge machen die Schienen kaputt" aber es ging tatsächlich um die Netzwirkung.
Im Grossen und Ganzen bin ich mit dem Verfasser einverstanden. Dennoch gibt es einige Kritikpunkte.

Der Hochgeschwindigkeitseisenbahnverkehr wird oftmals als eine ökologische Alternative zum Luftverkehr gepriesen.

Das ist korrekt; nur schade, dass der Fliegerverkehr nur ein Bruchteil des Strassenverkehrs ist.
Der Flugverkehr wird weit überschätzt. Beim Strassenverkehr ist viel mehr zu holen. Und ja, mit dem ICE ist man schneller unterwegs als mit dem Opel. Leider wird die gewonnene Zeit ausserhalb des ICE-Netzes verbummelt, wo Opel & Co mit leicht verringerter Geschwindigkeit gut vorankommen.

Wie ich schon eher schrieb, ist (m)eine Reise Eindhoven-Frankfurt trotz Rennbahn K-F heute nicht wesentlich schneller als vor 20 Jahren. Die Stunde, die die Bahn mir mit K-F verschenkt hatte, ist an Bummeleien Eindhoven-Köln verloren gegangen. Ich brauche dort heute etwa 2,5 Stunden, wo mit 100 km/h Durchschnitt (und das schaffen wir in NL mit "normalen" Zügen) anderthalb Stunden machbar wären.

Einige dieser damaligen Verbindungen waren sogar schneller als heutige Verbindungen mit Hochgeschwindigkeitszügen.

Ich sage nur: Amsterdam-Köln... das ging damals nicht nur schneller, sondern auch und vor allem etwa stündlich (statt 6x pro Tag) und der Zug hielt auch noch in Duivendrecht und Emmerich, wo ICE International durchschleicht.

Es bringt einen zu jeder Zeit an jeden Ort und es macht viel mehr Spaß und ist weit interessanter mit der Bahn zu fahren als zu fliegen.

Der Verfasser vergisst, dass unser Leben in den 1970ern noch nicht so von Managern geprägt wurde. Damals konnte man sich die Zeit nehmen zu verreisen. Heute geht das nicht mehr: Tempo, Tempo, höher, schneller, weiter!

Ergebnis: Der Thalys ist zwei bis drei Mal so teuer wie der Étoile du Nord während er nur 25% schneller ist.

Wir sollen nicht vergessen, dass der Etoile Du Nord in seiner/ihrer Zeit nicht von langsamen Zügen behindert wurde. Die Trasse wurde so gewählt, dass es diese Behinderung nicht gab, oder langsamere Züge mussten dem EdN Vorfahrt schaffen.

Ein solches Verfahren ist heutzutage auf der Altstrecke Rotterdam-Amsterdam nicht mehr möglich.

Laut Deutsche Bahn fahren zwei Drittel der Fahrgäste in den Hochgeschwindigkeitszügen zwischen Köln und Frankfurt entweder zum Flughafen Frankfurt oder kommen von dort.

Klar, weil der Direktflug Amsterdam-New York Jan mehr kostet als ein Direktflug Frankfurt-New York plus Anreise Amsterdam-Frankfurt mit ICE International.
Das ist aber dem System Airline zu verschulden und nicht der Bahn.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

moonglum, Hagen, Donnerstag, 27.11.2014, 11:51 (vor 4173 Tagen) @ Felix

Großartiger Artikel!
Besten Dank!

Vollkommen richtig, was an Fakten da geschrieben wird. Über die Ursachen kann man nur sagen:
Mehreres ist ungünstig und geprägt von wenig VISIONÄREM und wenig grenzübergreifenden Blicken zusammen gekommen.

Ein Europa der geeinteren Art und Weise, von dem sooft gesprochen wird, ist für Bahnreisende etwas zunehmend Absurdes.
Die Verspätungen bei Reisen quer durch DE sind oft schon gefährlich genug, um zu verhindern, dass man annähernd pünktlich "durchkommt". Nur ein Beispielchen:

Hagen-Paris:
7:39 ab Hagen Hbf 11:59 an Paris Nord

Offiziell:
4 Stunden, 20 Minuten.
Aber viel zu oft fährt der Thalys dem verspäteten RE7 davon.
Und wenn der THALYS weg ist?????
Dann kommst Du halt 2 1/2 Stunden später an!

Oder die alte Story:
ICE3 vergeigt in Mannheim den Anschluss nach Interlaken.
Und nun?
Mindestens 1 Stunde Verspätung, wenn man nicht schon eine Stunde Verspätung hat, weil man in Köln jenen ICE3 verpasst hat.

Wir sind an einem Punkt angekommen, wo flugähnliche Verhältnisse in der Bahn zu absurden Rückschritten geführt haben, die vermutlich einfach auf mangelnde Weitsicht in Politik und Management zurück zu führen sind, da mögen Lobbyisten von Auto- und Flug-Interessensphären kräftig mitmischen. Alles nix Neues ....

--
Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

MartinN, Fricktal, Schweiz, Donnerstag, 27.11.2014, 12:06 (vor 4173 Tagen) @ moonglum

Hallo zusammen

Es gibt aber ganz viel Verbindungen die heute wesentlich schneller sind. Beispielsweise Basel - Paris = 3h, früher dauerte es mindestens doppelt so lange und wenn man Glück hat bekommt man auch ein Ticket deutlich unter 100Euro. Oder was ist mit dem Allgro zwischen Helsinki und St. Petersburg oder dem AGV zwischen Turin und Mailand und und und...?
Was ist mit den Shikansen in Japan oder Taiwan? Die Fahrzeiten sind superschnell, pünktlich und zuverlässig.
Es gibt mindestens so doppelt viele Argumente wo die Fahrzeiten verkürzt wurden und auch dort sind die Preise moderat. klar ist so ein Nachtzug zwischen Paris und Barcelona etwas tolles, wäre aber die Nacvhfrage noch da so würde der wahrscheinklich auch noch fahren und seien wir doch ehrlich. Der Zug lohnt sich auf Fahrten unter 5 Stunden, ab 5 Stunden nehmen die meisten Reisende das Flugzeug.

SFSen sind wohl eher die Rettung für den SPV

flierfy, Donnerstag, 27.11.2014, 16:33 (vor 4173 Tagen) @ Felix

Der Artikel ist einseitig und reichlich einfältig geschrieben. Es ist schlicht naiv zu glauben, dass man nach zwei Jahrzehnten kräftigen Wachstums im Schienenverkehr immer noch die Fernverkehrsverbindungen von vor 20 Jahren anbieten könnte. Weder die Taktdichte, noch die Fahrzeiten wären bei der heutigen Verkehrsdichte zu halten gewesen. Der Bau der SFSen war und ist immer die Flucht nach vorn, um der erdrückenden Konkurrenz durch den Güterverkehr zu entkommen. Man braucht nicht viel Vorstellungskraft, um zu erahnen, dass der Bahnverkehr in Europa ohne SFSen heute so ähnlich erbärmlich aussehen würde wie der in Nordamerika.
Einen Interregio würde es dann nämlich auch nicht geben. Der scheiterte schliesslich an den ökonomischen Realitäten und dem politischen Unwillen, diese Art des Verkehrs weiterhin zu subventionieren und nicht am Hochgeschwindigkeitsverkehr.

Ganz nebenbei wurden durch den HG-Verkehr Fahrzeiten pulverisiert mit der Folge, dass Fluglinien komplett eingestellt wurden. Auf diese Aspekte wird in dem Artikel genauso nicht eingegangen wie auf das ständig steigende Fahrgastaufkommen im HG-Verkehr. Diese Züge sind objektiv weitaus populärer, als der Autor uns glauben lassen will.

+1 (kein Text)

Splittergattung, Donnerstag, 27.11.2014, 17:09 (vor 4173 Tagen) @ flierfy

- kein Text -

Zu einseitig

moonglum, Hagen, Donnerstag, 27.11.2014, 17:10 (vor 4173 Tagen) @ flierfy

Stimmt ansatzweise. Der Autor ist aber nicht so einseitig, wie Du sagst.

Man braucht ja nur ausserhalb des HGV Netzes auch andere Eurociy-Züge fahren zu lassen, oder eben vernünftig bestückte und bezahlbare Nachtzüge, die auch weit über die üblichen Endpunkte herausfahren. Die müssen ja nicht einmal in allen Fällen TÄGLICH verkehren.

Wie wäre es mit

Kopenhagen - Odense - Kolding - Hamburg - Köln
mit KW: Frederikshavn - Aarhus - Köln
(kann man prima in den Rollbahn IC-Takt einflechten)

Hamburg - Dortmund-Köln - (Paris) - Bretagne
(Nachtzug)

Köln - Straßburg - Südfrankreich
(Nachtzug oder Tagzug)

Dortmund - Florenz - Rom (KW: Venedig)

Berlin - Paris
(Nachtzug)

Interlaken - Köln - Hamburg
(Neuer Laufweg des EC6/EC7)

Wien - Köln - Dortmund
gibt es ja noch

Brno - Hamburg
gibt es auch


Wenn solche Züge fuhren, sind sie durchweg ganz gut besetzt gewesen, insbesondere in den Ferien.
Man kann die Verkehrstage ja entsprechend gestalten.

--
Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV

Da müssen sich die ganzen Bahnen erstmal einigen

Berlin-Express, nähe BPHD, Donnerstag, 27.11.2014, 18:18 (vor 4173 Tagen) @ moonglum

- kein Text -

Wie erklärst Du Dir Dann die Schweiz?

Alphorn (CH), Donnerstag, 27.11.2014, 21:13 (vor 4173 Tagen) @ flierfy
bearbeitet von Alphorn (CH), Donnerstag, 27.11.2014, 21:14

Der Bau der SFSen war und ist immer die Flucht nach vorn, um der erdrückenden Konkurrenz durch den Güterverkehr zu entkommen. Man braucht nicht viel Vorstellungskraft, um zu erahnen, dass der Bahnverkehr in Europa ohne SFSen heute so ähnlich erbärmlich aussehen würde wie der in Nordamerika.

Die Schweiz hat - je nach Definition - keine einzige SFS, denn nirgends wird mehr als 200 km/h gefahren. Warum reicht die Kapazität in CH trotzdem für fast doppelt so viele Züge pro Kilometer (PDF, S. 36) wie in Deutschland? Warum wird die Bahn in CH trotzdem 2.3 mal so stark genutzt (obiges PDF, S. 36)?

Bevor Du sagst, dass die Schweiz wegen ihrer geringeren Grösse nicht vergleichbar sei: Die durchschnittliche Reisedistanz pro Fahrt ist in CH ist mit 45 km sogar höher als in DE mit 39 km. Quelle (PDF, man dividiere)

Einen Interregio würde es dann nämlich auch nicht geben. Der scheiterte schliesslich an den ökonomischen Realitäten und dem politischen Unwillen, diese Art des Verkehrs weiterhin zu subventionieren und nicht am Hochgeschwindigkeitsverkehr.

Mit dem Geld, das man für die SFSen ausgegeben hat, hätte man auch einen IR subventionieren können.

Ganz nebenbei wurden durch den HG-Verkehr Fahrzeiten pulverisiert mit der Folge, dass Fluglinien komplett eingestellt wurden.

Warum steigt dann in DE trotz SFSen der Marktanteil des Fernverkehrs nicht? Antwort: Weil beim Flugverkehr fast nichts zu holen ist. Wenn 100% des innerdeutschen Flugverkehrs mit der Bahn abgewickelt würden, würde die Verkehrsleistung der Bahn gerade mal um 27% steigen. Quelle

Korrektur

Alphorn (CH), Freitag, 28.11.2014, 13:30 (vor 4172 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von Alphorn (CH), Freitag, 28.11.2014, 13:30

Wenn 100% des innerdeutschen Flugverkehrs mit der Bahn abgewickelt würden, würde die Verkehrsleistung der Bahn gerade mal um 27% steigen. Quelle

Korrektur: Der Flugverkehr entspricht nicht 27% der deutschen Bahn-Verkehrsleistung aus, sondern sogar nur 27% des Bahn-Fernverkehrs.

So erklär ich mir das:

flierfy, Freitag, 28.11.2014, 23:37 (vor 4172 Tagen) @ Alphorn (CH)

Die Schweiz hat - je nach Definition - keine einzige SFS, denn nirgends wird mehr als 200 km/h gefahren. Warum reicht die Kapazität in CH trotzdem für fast doppelt so viele Züge pro Kilometer (PDF, S. 36) wie in Deutschland?

In der Schweiz wird langsam gefahren. Nur ein paar Streckenneubauten erlauben mehr als 160 km/h. Und selbst 160 km/h ist nur auf ganz wenigen Strecken möglich. Damit kann man auf den Hauptachsen viel mehr Zügen verkehren lassen als auf deutschen Hauptachsen, wo es grössere Geschwindigkeits-Spreizungen gibt.

Dass in der Schweiz doppelt so viel Züge pro Strecken- oder Gleiskilometer fahren, liegt wohl auch daran, dass dort auf Nebenbahnen viel dichterer Verkehr angeboten wird.


Bevor Du sagst, dass die Schweiz wegen ihrer geringeren Grösse nicht vergleichbar sei: Die durchschnittliche Reisedistanz pro Fahrt ist in CH ist mit 45 km sogar höher als in DE mit 39 km. Quelle (PDF, man dividiere)

Mehr als 30% aller Fahrten im EBO-Netz entfallen auf die S-Bahn-Netze in Hamburg und Berlin. Dort liegt die durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Fahrt bei 5 km, wenn ich das richtig in Erinnerung haben. Solche S-Bahnen gibt es in der Schweiz nicht. Entsprechend drücken sie nur den deutschen Schnitt runter.


Mit dem Geld, das man für die SFSen ausgegeben hat, hätte man auch einen IR subventionieren können.

Dann hätten wir noch mehr Flugverkehr gehabt. Das ist wohl keine Lösung.


Warum steigt dann in DE trotz SFSen der Marktanteil des Fernverkehrs nicht?

Weil SFSen in Deutschland so dämlich gebaut wurden, dass sie den Grossteil ihres Potentials einfach liegen lassen.

Antwort: Weil beim Flugverkehr fast nichts zu holen ist. Wenn 100% des innerdeutschen Flugverkehrs mit der Bahn abgewickelt würden, würde die Verkehrsleistung der Bahn gerade mal um 27% steigen. Quelle

Und die Auslastung der SFSen würde sich in diesem Zuge wahrscheinlich verdoppeln.

So erklär ich mir das:

Alphorn (CH), Samstag, 29.11.2014, 20:44 (vor 4171 Tagen) @ flierfy

In der Schweiz wird langsam gefahren. [...] Damit kann man auf den Hauptachsen viel mehr Zügen verkehren lassen als auf deutschen Hauptachsen, wo es grössere Geschwindigkeits-Spreizungen gibt.
Dass in der Schweiz doppelt so viel Züge pro Strecken- oder Gleiskilometer fahren, liegt wohl auch daran, dass dort auf Nebenbahnen viel dichterer Verkehr angeboten wird.

Beides richtig (allerdings sind 160 km/h nicht ganz so selten wie Du sagst). Die geringere Spreizung ist aber ein Rezept, welche auch in Deutschland angewendet werden könnte und schon ist der Bedarf nach SFS deutlich weniger dramatisch. SFS sind nicht nötig, um den SPV zu "retten". Ja, Fahrten über lange Distanzen werden dadurch langsamer, aber die Schweiz zeigt, dass es ausreicht, schneller als das Auto zu sein.

Mehr als 30% aller Fahrten im EBO-Netz entfallen auf die S-Bahn-Netze in Hamburg und Berlin. Dort liegt die durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Fahrt bei 5 km, wenn ich das richtig in Erinnerung haben. Solche S-Bahnen gibt es in der Schweiz nicht. Entsprechend drücken sie nur den deutschen Schnitt runter.

Es sind in Berlin 10 km, siehe hier. Wie kommst Du auf 30%? Die DB leistet 82 Mrd Personenkilometer, S-Bahn Berlin davon nur 4 und Hamburg gut 3. Ich komme auf unter 10%. Wenn wir also die beiden S-Bahnen komplett rausrechnen, kommen wir auf 44 km pro Fahrt - immer noch weniger als in der Schweiz.

Weil SFSen in Deutschland so dämlich gebaut wurden, dass sie den Grossteil ihres Potentials einfach liegen lassen.

Was hättest Du - bei gleichem Budget - anders gemacht?

Antwort: Weil beim Flugverkehr fast nichts zu holen ist. Wenn 100% des innerdeutschen Flugverkehrs mit der Bahn abgewickelt würden, würde die Verkehrsleistung der Bahn gerade mal um 27% steigen. Quelle

Und die Auslastung der SFSen würde sich in diesem Zuge wahrscheinlich verdoppeln.

Sogar wenn das so wäre: "Auslastung der SFSen" kein relevantes Erfolgsmass. Viel wichtiger ist, wie viel Verkehr insgesamt auf die Bahn verlagert werden kann, und diese Zahl habe ich schon genannt: Man könnte den FV nur um 27% steigern. Der Bau von SFSen ist nur ein Weg zu diesem Ziel - aber nicht der einzig mögliche. Ausbauten im NV- und RV-Bereich bringen möglicherweise mehr fürs gleiche Geld.

Der Fahrplan bestimmt die Höchstgeschwindigkeit

ICE-T-Fan, Samstag, 29.11.2014, 21:23 (vor 4171 Tagen) @ Alphorn (CH)

In der Schweiz wird langsam gefahren. [...] Damit kann man auf den Hauptachsen viel mehr Zügen verkehren lassen als auf deutschen Hauptachsen, wo es grössere Geschwindigkeits-Spreizungen gibt.
Dass in der Schweiz doppelt so viel Züge pro Strecken- oder Gleiskilometer fahren, liegt wohl auch daran, dass dort auf Nebenbahnen viel dichterer Verkehr angeboten wird.


Beides richtig (allerdings sind 160 km/h nicht ganz so selten wie Du sagst). Die geringere Spreizung ist aber ein Rezept, welche auch in Deutschland angewendet werden könnte und schon ist der Bedarf nach SFS deutlich weniger dramatisch. SFS sind nicht nötig, um den SPV zu "retten". Ja, Fahrten über lange Distanzen werden dadurch langsamer, aber die Schweiz zeigt, dass es ausreicht, schneller als das Auto zu sein.

-> http://www.ice-treff.de/index.php?id=322243

Manchmal ist es auch wichtiger schneller zu werden, damit es passt. Der SPV kann in Deutschland nicht ohne ABS auskommen ohne Anschlüsse zu verlieren. Man arbeitet ja gerade in der Provinz auf einen ITF hin.

So erklär ich mir das:

L.Willms, Sonntag, 30.11.2014, 07:43 (vor 4171 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hervorhebungen im Folgenden von mir:

Mehr als 30% aller Fahrten im EBO-Netz entfallen auf die S-Bahn-Netze in Hamburg und Berlin. Dort liegt die durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Fahrt bei 5 km, wenn ich das richtig in Erinnerung haben. Solche S-Bahnen gibt es in der Schweiz nicht. Entsprechend drücken sie nur den deutschen Schnitt runter.


Es sind in Berlin 10 km, siehe hier. Wie kommst Du auf 30%? Die DB leistet 82 Mrd Personenkilometer, S-Bahn Berlin davon nur 4 und Hamburg gut 3. Ich komme auf unter 10%. Wenn wir also die beiden S-Bahnen komplett rausrechnen, kommen wir auf 44 km pro Fahrt - immer noch weniger als in der Schweiz.

Der eine redet von Fahrten, der andere von Personenkilometern. Fragt sich, ob mit Fahrten die Zugfahrten gemeint sind, oder die Personenfahrten.

Sogar wenn das so wäre: "Auslastung der SFSen" kein relevantes Erfolgsmass. Viel wichtiger ist, wie viel Verkehr insgesamt auf die Bahn verlagert werden kann,

meiner Meinung nach: wichtiger ist, die Reisezeiten zu verkürzen.

Für die Bahn heißt das: schneller und/oder bequemer als mitm Auto.

Es gibt andere Strategien als SFSen

Alphorn (CH), Sonntag, 30.11.2014, 13:47 (vor 4170 Tagen) @ L.Willms

Der eine redet von Fahrten, der andere von Personenkilometern. Fragt sich, ob mit Fahrten die Zugfahrten gemeint sind, oder die Personenfahrten.

Es ging ja darum, dass der durchschnittliche schweizerische Reisende pro Fahrt mehr Kilometer zurücklegt als der deutsche. Ich habe nur mit den nötigen Statistiken nachgewiesen, dass das selbst unter kompletter Weglassung der S-Bahnen Berlin und Hamburg noch so ist.

Sogar wenn das so wäre: "Auslastung der SFSen" kein relevantes Erfolgsmass. Viel wichtiger ist, wie viel Verkehr insgesamt auf die Bahn verlagert werden kann,


meiner Meinung nach: wichtiger ist, die Reisezeiten zu verkürzen.

Für die Bahn heißt das: schneller und/oder bequemer als mitm Auto.

Aber auch das ist nur ein Mittel zum Zweck. Denn angenommen, eine gute Reisezeit wird nur zwischen zwei winzigen Städten erreicht - was ist da gewonnen? Oder die Reisezeit wird nur einmal am Tag erreicht? Oder zu einem völlig unbezahlbaren Preis?

All diese Faktoren sind berücksichtigt in der Verkehrsleistung: Wenn Reisezeit, Flächendeckung, Takt und Preis stimmen, kann die Bahn ihre Verkehrsleistung steigern.

Es gibt verschiedene Strategien, um möglichst viel Verkehrsleistung auf die Bahn zu bringen. Und SFSen sind sicher nicht die einzig mögliche Rettung für den SPV, denn sie haben gewichtige Nebenwirkungen wie Geldmangel beim Mittel- und Kurzstreckenverkehr.

Es gibt andere Strategien als SFSen

L.Willms, Montag, 01.12.2014, 18:42 (vor 4169 Tagen) @ Alphorn (CH)

Es gibt verschiedene Strategien, um möglichst viel Verkehrsleistung auf die Bahn zu bringen.

Das kann und darf aber kein Selbstzweck sein.

Ich will schnell und bequem von A nach B.

Es gibt andere Strategien als SFSen

Alphorn (CH), Montag, 01.12.2014, 21:55 (vor 4169 Tagen) @ L.Willms

Es gibt verschiedene Strategien, um möglichst viel Verkehrsleistung auf die Bahn zu bringen.


Das kann und darf aber kein Selbstzweck sein.

Sondern? Was ist der Zweck der Bahn?

Ich will schnell und bequem von A nach B.

Der Zweck der Bahn ist also, den einen Nutzer L.Willms zufrieden zu stellen? Wohl kaum. Was, wenn andere lieber häufig (Takt) von A nach B wollen? Oder billig von A nach B? Oder zu Randzeiten von A nach B?

Ob das System erfolgreich ist, sieht man doch daran, ob es von vielen genutzt wird. Und das wiederum misst man mit der Verkehrsleistung. Schnelligkeit und Bequemlichkeit mögen dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen, aber typischerweise kosten sie Geld und sind mit Kompromissen in anderen Bereichen (Kosten, Takt) verbunden.

Es gibt andere Strategien als SFSen

L.Willms, Mittwoch, 03.12.2014, 16:11 (vor 4167 Tagen) @ Alphorn (CH)

Es gibt verschiedene Strategien, um möglichst viel Verkehrsleistung auf die Bahn zu bringen.


Das kann und darf aber kein Selbstzweck sein.


Sondern? Was ist der Zweck der Bahn?

Menschen und Güter von A nach B zu befördern. Das war einfach!

Ich will schnell und bequem von A nach B.


Der Zweck der Bahn ist also, den einen Nutzer L.Willms zufrieden zu stellen? Wohl kaum. Was, wenn andere lieber häufig (Takt) von A nach B wollen? Oder billig von A nach B? Oder zu Randzeiten von A nach B?

Of fast, cheap, and good take two. You'll never get all three. Oder in plattem Deutsch und auf unseren Fall bezogen: schnell, bequem und billig - suche dir zwei davon aus, alle drei auf einmal kriegste nich.

Man muß immer irgendwie einen Kompromiß schließen.

Übrigens schließt "schnell" auch eine relativ (d.h. relativ zur erwarteten Reiseweite) dichte Zugfolge ein, denn die Wartezeit auf den nächsten Zug und erst recht den nächsten Anschluß ist Teil der Reisezeit. Ein ITF-Knoten, wo man 20 Minuten oder mehr auf die Weiterfahrt warten muß, bis denn alle Züge, die an dem jeweiligen Bahnhof jemals ankommen können, auch eingetroffen sind, der vermindert die Reisegeschwindigkeit ganz erheblich. Standzeiten sind der absolute Killer von Reisezeit.

Ob das System erfolgreich ist, sieht man doch daran, ob es von vielen genutzt wird.

Dazu fällt mir der Hinweis auf die 10 Millionen Fliegen ein, die nicht irren können... die BLÖD-Zeitung ist auch erfolgreich, aber absolut nicht gut, im Gegenteil.

Und das wiederum misst man mit der Verkehrsleistung. Schnelligkeit und Bequemlichkeit mögen dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen, aber typischerweise kosten sie Geld und sind mit Kompromissen in anderen Bereichen (Kosten, Takt) verbunden.

Ebent. Es geht nur mit Kompromissen. Und weiters kann man nicht alle Reisen und Fahrten über einen Kamm scheren. Was hab ich von einer Bahn, die zwar viele Leute befördert, aber nur in der Holzklasse? Leute die nur fahren, weil sie dazu gezwungen sind? Nein danke! In einem etwas größeren Land als der Schweiz muß man auch mal deutlich längere Strecken zurücklegen, und dazu braucht es Schnellfahrstrecken. Nicht meckern, sonst kommt die Diskussion auf, ob die Schweiz nicht den Verkehr über die Alpen zwischen Italia und Germania La Magna ausbremst.

Übrigens darf man die Schweiz nicht mit einem ganzen und dazu noch relativ großen Land wie Deutschland vergleichen. Der Bahnverkehr ist in der Schweiz ja nur in dem Verdichtungsgebiet des Alpenvorlandes zwischen St. Gallen und Genf von wirklicher Bedeutung, das ganze Alpenhochland, das den deutlich größeren Teil der Schweiz ausmacht, ist ja so gut wie unwegsam, und wenn dort Bahnen fahren, dann meist nach dem Prinzip "Der Weg ist das Ziel". Man sollte also zum Vergleich niemals ganz Deutschland heranziehen, sondern ein Bundesland wie NRW, Nordrhein-Westfalen. In NRW gibt es auch ein Ballungsgebiet von ca acht Millionen Einwohnern und dann allerdings noch ein größeres Hinterland, als es die Schweiz zu bieten hat, und hat mit einer Bevölkerungsdichte von 515 Personen/km² immer noch das Doppelte wie die Schweiz mit 198 Personen/km². Also bitte die Kirche im Dorf lassen, ja?

Es gibt andere Strategien als SFSen

Alphorn (CH), Mittwoch, 03.12.2014, 20:52 (vor 4167 Tagen) @ L.Willms

Sondern? Was ist der Zweck der Bahn?


Menschen und Güter von A nach B zu befördern. Das war einfach!

Und gemessen wird das mit der Verkehrsleistung.

Of fast, cheap, and good take two. You'll never get all three. Oder in plattem Deutsch und auf unseren Fall bezogen: schnell, bequem und billig - suche dir zwei davon aus, alle drei auf einmal kriegste nich.

Man muß immer irgendwie einen Kompromiß schließen.

Und die gut der Kompromiss funktioniert, erkennt man an der Verkehrsleistung.

Standzeiten sind der absolute Killer von Reisezeit.

Umsteigezeiten auch. Wenn ich per Zug im Bahnhof ankomme, erreiche ich nur ein einziges Ziel ohne Umsteigen, aber ein Dutzend Ziele mit Umsteigen. Ein ITF geht davon aus, dass ein schnelles Umsteigen zu den anderen Zielen die verlängerte Wartezeit zum Durchbindungsziel mehr als ausgleicht.

Ebent. Es geht nur mit Kompromissen.

Wie misst den Du, ob ein guter Kompromiss gewählt wurde, wenn nicht mit der Verkehrsleistung?

Und weiters kann man nicht alle Reisen und Fahrten über einen Kamm scheren. Was hab ich von einer Bahn, die zwar viele Leute befördert, aber nur in der Holzklasse?

Wenn sehr viele Leute die Holzklasse nutzen, dann ist die Entscheidung doch vollkommen richtig, sie anzubieten! Oder willst Du die Holzklasse abschaffen, verbunden mit entsprechenden Preiserhöhungen? Dann fahren mehr Leute Auto, mit entsprechenden Folgen für die Umwelt.

Leute die nur fahren, weil sie dazu gezwungen sind? Nein danke! In einem etwas größeren Land als der Schweiz muß man auch mal deutlich längere Strecken zurücklegen, und dazu braucht es Schnellfahrstrecken.

Der Artikel im Ursprungsposting (hast Du ihn gelesen?) stellt die These auf, dass genau diese Schnellfahrstrecken sowohl den Mittelstreckenverkehr (IR) als auch den bezahlbaren Langstreckenverkehr (EC) kaputtmachen. Da ist mit Sicherheit etwas dran. Dem stehen natürlich auch Vorteile des HGV gegenüber, aber d

Übrigens darf man die Schweiz nicht mit einem ganzen und dazu noch relativ großen Land wie Deutschland vergleichen.

Warum nicht? Wie schon erwähnt fahren die Schweizer pro Fahrt sogar etwas weiter als die Deutschen. Sooo unterschiedlich sind die Verkehrsbedürfnisse anscheinend nicht; in beiden Ländern sind die meisten Bahnreisen kurz.

Schweiz nicht vergleichbar mit BRD, nur einzelnen Regionen

L.Willms, Mittwoch, 03.12.2014, 21:36 (vor 4167 Tagen) @ Alphorn (CH)

Ebent. Es geht nur mit Kompromissen.


Wie misst den Du, ob ein guter Kompromiss gewählt wurde, wenn nicht mit der Verkehrsleistung?

Wenn aber das Land bzw. die Region so gestaltet ist, daß die Leutz wenig fahren brauchen? Dann ist eine hohe Verkehrsleistung ein Zeichen von Verschwendung.

Und weiters kann man nicht alle Reisen und Fahrten über einen Kamm scheren. Was hab ich von einer Bahn, die zwar viele Leute befördert, aber nur in der Holzklasse?


Wenn sehr viele Leute die Holzklasse nutzen, dann ist die Entscheidung doch vollkommen richtig, sie anzubieten! Oder willst Du die Holzklasse abschaffen,

Nu, sie ist zum Glück schon abgeschafft in unseren Breiten (ich bin in Berlin noch auf Holzbänken in der S-Bahn gefahren). Und daß mir ja niemand kommt, die Holzklasse wieder einführen zu wollen!

verbunden mit entsprechenden Preiserhöhungen? Dann fahren mehr Leute Auto, mit entsprechenden Folgen für die Umwelt.

... um der Unbequemlichkeit der Holzklasse aus dem Weg zu gehen.

Nein, Verkehr muß heutzutage auch komfortabel sein. Wir sind nicht mehr im 19. Jahrhundert.

Der Artikel im Ursprungsposting (hast Du ihn gelesen?) stellt die These auf, dass genau diese Schnellfahrstrecken sowohl den Mittelstreckenverkehr (IR) als auch den bezahlbaren Langstreckenverkehr (EC) kaputtmachen. Da ist mit Sicherheit etwas dran.

Das sehe ich überhaupt nicht so.

Übrigens darf man die Schweiz nicht mit einem ganzen und dazu noch relativ großen Land wie Deutschland vergleichen.


Warum nicht? Wie schon erwähnt fahren die Schweizer pro Fahrt sogar etwas weiter als die Deutschen. Sooo unterschiedlich sind die Verkehrsbedürfnisse anscheinend nicht; in beiden Ländern sind die meisten Bahnreisen kurz.

In der Schweiz, weil das ja auch ein ganz kleines Ländchen ist. Es zählt ja nur das Verdichtungsband zwischen Genf und St. Gallen, mit der Ausbuchtung nach Basel.

Für einen sinnvollen Vergleich muß man einen ähnlich großen Verdichtungsraum innerhalb von z.B. Deutschland wählen, nicht das ganze Land. Da ist sogar NRW mit seinen 17,5 Millionen Einwohnen noch viel zu groß als Vergleichsobjekt für die Schweiz, und ebenso flächenmäßig. Wenn man den Eisenbahnverkehr in der Schweiz sinnvoll mit etwas in Deutschland vergleichen will, dann besser mit dem Rhein-Main-Gebiet. Das macht Sinn, aber doch nicht mit einem einigermaßen großen Land wie dem ganzen Deutschland. Der Kollege aus den Niederlanden sagts etwas deutlicher: die NS wollen nur Nah- und Regionalverkehr betreiben, aber keinen Fernverkehr. Das ist doch in der Schweiz praktisch genauso.

Die Schweiz wird in Deutschland immer von so reaktionären Säcken als Vorbild herangezogen, für die die Öff nur dazu da sind, daß die Proleten zur Arbeit und zurück kommen sollen, damit sie die Straßen nicht für die großen Autos verstopfen, und ansonsten zuhause bleiben. Musterhaft diese GRÜNE Hinterbänklerin vor ein paar Jahren (noch im Bonner Bundestag), die doch wirklich meinte, daß eine Urlaubsreise alle fünf Jahre doch reichen solle, aber nicht jedes Jahr in die Ferne. Nein danke!

Muss dieser Ostzonenton hier sein?

br752, Mittwoch, 03.12.2014, 21:49 (vor 4167 Tagen) @ L.Willms

- kein Text -

...wieso fährt Jean-Pierre mehr Bahn als Otto oder Jan?

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 04.12.2014, 12:11 (vor 4166 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von Oscar (NL), Donnerstag, 04.12.2014, 12:12

Hallo Alphorn (CH),

Übrigens darf man die Schweiz nicht mit einem ganzen und dazu noch relativ großen Land wie Deutschland vergleichen.

Warum nicht? Wie schon erwähnt fahren die Schweizer pro Fahrt sogar etwas weiter als die Deutschen. Sooo unterschiedlich sind die Verkehrsbedürfnisse anscheinend nicht; in beiden Ländern sind die meisten Bahnreisen kurz.

Laut Deiner LITRA-Chart fährt Roger (CH) pro Jahr mehr Bahn als Jean-Pierre (FR).
Aber Jean-Pierre fährt pro Jahr mehr Bahn als Otto (DE) oder Jan (NL). Wie kommt das denn zustande?
Das TGV System kann es nicht sein, denn Roger und Anton (AT) fahren pro Jahr mehr Bahn als Jean-Pierre. Und Pedro (ES) und Giancarlo (IT) haben auch ein HGV-System, aber die fahren sogar noch weniger Bahn als Otto.

Kann es sein, dass die französische Verkehrsleistung vor allem durch RATP, RER und Transilien erstellt wird und erst danach die TGVs?
Wenn ja, dann haben die Verfasser des Originalartikels sicher einen Punkt. Und können wir ICE-Fans mit unseren Träumereien bzgl. Ultra-HGV-Stundentakt für Deutschland und Schienenautobahnen aufhören...:)

Ob HGV wirklich signifikant ist, kann man vermutlich erst erschließen, wenn man Zahlen von China miteinbezieht. Auch wenn die Strategie von China nicht in Deutschland verwendbar ist (Land zu klein), sogar nicht in Europa (Staaten zu unterschiedlich).


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

...wieso fährt Jean-Pierre mehr Bahn als Otto oder Jan?

flierfy, Freitag, 05.12.2014, 02:44 (vor 4166 Tagen) @ Oscar (NL)

Laut Deiner LITRA-Chart fährt Roger (CH) pro Jahr mehr Bahn als Jean-Pierre (FR).
Aber Jean-Pierre fährt pro Jahr mehr Bahn als Otto (DE) oder Jan (NL). Wie kommt das denn zustande?

Der Anteil des MIV am Modalsplit ist in den Niederlanden ungefähr so hoch wie in der Schweiz. Nur dass was die Niederländer eben weniger mit der Bahn fahren. Statt dessen wird oft in die Pedalen getreten. Und das ist im Grunde noch viel besser als die Bahn.

Das TGV System kann es nicht sein, denn Roger und Anton (AT) fahren pro Jahr mehr Bahn als Jean-Pierre. Und Pedro (ES) und Giancarlo (IT) haben auch ein HGV-System, aber die fahren sogar noch weniger Bahn als Otto.

Das liegt vor allem daran, dass man in diesen Ländern auf Grund unzureichend strenger raumplanerischer Massgaben eine Zersiedelung der Landschaft zugelassen wird. Das führt wiederum zwangsläufig zu sehr MIV.


Kann es sein, dass die französische Verkehrsleistung vor allem durch RATP, RER und Transilien erstellt wird und erst danach die TGVs?

Das ist ganz sicher so. Nur bieten sie eben auch nicht die Leistung der TGV an. Das RER und die Transilien bringen dich nicht weiter als in Kleinstädte des Pariser Umlandes.

Wenn ja, dann haben die Verfasser des Originalartikels sicher einen Punkt. Und können wir ICE-Fans mit unseren Träumereien bzgl. Ultra-HGV-Stundentakt für Deutschland und Schienenautobahnen aufhören...:)

Nein, haben sie nicht. Auch der beste Nahverkehr bringt niemanden in eine andere Stadt. Auf dem Weg nach Lyon nützt einem Pariser seine Metro nur etwas bis zum Gare de Lyon. Und der liegt eben nicht in Lyon, sondern noch in Paris.

Wenn die Bahn zwischen den Städten nichts anzubieten hat, wird dort eben Auto gefahren oder geflogen. Und das bedeutet mehr Abgase, mehr Lärm, mehr Erdöl-Importe. Das kann niemand ernsthaft wollen.

Langstrecke ist kein Selbstzweck

Alphorn (CH), Freitag, 05.12.2014, 13:04 (vor 4165 Tagen) @ flierfy

Wenn die Bahn zwischen den Städten nichts anzubieten hat, wird dort eben Auto gefahren oder geflogen. Und das bedeutet mehr Abgase, mehr Lärm, mehr Erdöl-Importe. Das kann niemand ernsthaft wollen.

Wenn die Bahn auf dem Weg zum Arbeitsplatz nichts anzubieten hat, wird dort eben Auto gefahren.

Der grosse Unterschied: Zum Arbeitsplatz fährt man 200 mal im Jahr. In eine 500 km entfernte Stadt (Paris-Lyon) fahren die meisten nur wenige Male im Jahr.

Es spart daher mehr Abgase und Erdöl, wenn man die vielen kurzen Distanzen auf die Bahn bringt als die wenigen langen. Zudem kann man sich eine 2-3 Stunden längere Fahrzeiten einige Male im Jahr leisten, wenn das durch einen 15 Minuten schnelleren Arbeitsweg kompensiert wird.

Die Menge der eingesparten Abgase hängt direkt an der Verkehrsleistung: Jeder Personenkilometer auf der Bahn bedeutet weniger Abgase anderswo. Ob auf kurzen oder langen Strecken ist egal; Flugzeuge verbrauchen pro Passagierkilometer etwa gleich viel Treibstoff wie ein Auto.

Nicht dass ich grundsätzlich gegen HGV wäre. Aber seine Finanzierung muss mit fair mit der Finanzierung von Kurz- und Mittelstreckenverkehren konkurrieren und sein Fahrplan muss mit dem Gesamtsystem ÖV harmonieren.

Langstrecke ist kein Selbstzweck

MartinN, Fricktal, Schweiz, Freitag, 05.12.2014, 15:48 (vor 4165 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hallo Alphorn

Wenn die Bahn zwischen den Städten nichts anzubieten hat, wird dort eben Auto gefahren oder geflogen. Und das bedeutet mehr Abgase, mehr Lärm, mehr Erdöl-Importe. Das kann niemand ernsthaft wollen.

Absolut


Wenn die Bahn auf dem Weg zum Arbeitsplatz nichts anzubieten hat, wird dort eben Auto gefahren.

Die Strassen auch in der Schweiz verstopfen sich mehr und mehr und ich freue mich auf den Kollaps.

Es spart daher mehr Abgase und Erdöl, wenn man die vielen kurzen Distanzen auf die Bahn bringt als die wenigen langen. Zudem kann man sich eine 2-3 Stunden längere Fahrzeiten einige Male im Jahr leisten, wenn das durch einen 15 Minuten schnelleren Arbeitsweg kompensiert wird.

Die Menge der eingesparten Abgase hängt direkt an der Verkehrsleistung: Jeder Personenkilometer auf der Bahn bedeutet weniger Abgase anderswo. Ob auf kurzen oder langen Strecken ist egal; Flugzeuge verbrauchen pro Passagierkilometer etwa gleich viel Treibstoff wie ein Auto.

Nicht dass ich grundsätzlich gegen HGV wäre. Aber seine Finanzierung muss mit fair mit der Finanzierung von Kurz- und Mittelstreckenverkehren konkurrieren und sein Fahrplan muss mit dem Gesamtsystem ÖV harmonieren.

Genau, aber wichtig ist auch: Der HGV Verkehr darf sich dadurch nicht verlangsamen respektive aufgehalten werden, sondern sollte beschleunigt werden und wie du so schön geschrieben hast, harmonieren.

Langstrecke gibts nicht in Schweiz, nur in Nachbarländern

L.Willms, Freitag, 05.12.2014, 17:16 (vor 4165 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von L.Willms, Freitag, 05.12.2014, 17:17

Der grosse Unterschied: Zum Arbeitsplatz fährt man 200 mal im Jahr. In eine 500 km entfernte Stadt (Paris-Lyon) fahren die meisten nur wenige Male im Jahr.

Die meisten ja, aber einige oder gar viele täglich, weil sie in Lyon wohnen und in Paris arbeiten oder umgekehrt.

Langstrecke ist auch sehr relativ.

Ich schrieb ja schon, daß man die Schweiz nicht auf eine Stufe stellen darf mit einem richtig großen Land. Wenn man die weitgehend umwegsamen Alpen abzieht, dann besteht die Schweiz aus einem Verdichtungsband zwischen Genf im Südwesten und St. Gallen im Nordosten, und das sind auf der Straße ca. 360 km, Fahrzeit 4 Stunden, und das ist schon die größte Entfernung zwischen einigermaßen wahrnehmbaren Städten. Mit dem Zug braucht man für die Strecke ebenfalls ca. 4 Stunden. 31 Abfahrten zwischen 5 und 22 Uhr, davon 9 mit Umsteigen)

Paris - Lyon auf der Straße 465 km (nach Viamichelin), Fahrdauer knapp 5 Stunden. Mit der Bahn (TGV) 1h50 bis 2h15, mit 35 Abfahrten zwischen 5h und 22h, und das ist nur eine mittlere Entfernung in Frankreich.

Richtige Entfernung innerhalb eines Landes sind z.B. Freiburg i.Breisgau - Flensburg: 920 km (Auto: 9 Std, Zug ab 8 Std wegen der Bummelei nördlich HH, was man in 5h46 erreichen kann), Freiburg i.Brsg. Stralsund über 1000 km.

Oder Paris Marseille, je nach Strecke 770 bis 820 km Straße, in 8 bis 9,5 Stunden, aber mit direkten TVG 17 mal zw. 5 und 22 Uhr in 3h05 bis 3h22 plus 8 Umsteigeverbindungen in 3h27 bis 4h18.

Und wenn ich das richtig sehe, fahren da vorzugsweise Dosto-TGVs mit ich weiß nicht wievielen Sitzplätzen.

Die Schweiz ist eben ein kleines Ländle, und sollte nicht als Maßstab für mittelgroße Länder herangezogen werden. WElche aber aufgrund des Hochgeschwindigkeitsverkehrs zusammenschrumpfen, auf Zeitmaße, die kleiner sind als die der Schweiz. Wenn es in der Schweiz Fernverkehr gibt, dann durch die langlaufenden Züge aus Nachbarländern, die auch ein Stücklein ihres Weges durch die kleine Schweiz zurücklegen.

Langstrecke gibts nicht in Schweiz, nur in Nachbarländern

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 05.12.2014, 21:31 (vor 4165 Tagen) @ L.Willms

Der grosse Unterschied: Zum Arbeitsplatz fährt man 200 mal im Jahr. In eine 500 km entfernte Stadt (Paris-Lyon) fahren die meisten nur wenige Male im Jahr.


Die meisten ja, aber einige oder gar viele täglich, weil sie in Lyon wohnen und in Paris arbeiten oder umgekehrt.

Deutschland ist kein Frankreich. Die Franzosen konnten die Strecke dort bauen, weil es zwischen Paris und Lyon keine bemerkenswürdige Städte gibt, in denen man halten sollte. Also reist man dort vor allem Paris-Lyon v.v. oder weiter. Man kann sogar Paris-Marseille eigene Züge gönnen, ohne Halt in Lyon, oder mit Halt in Lyon-St. Exupéry TGV, 30 km ausserhalb der Stadt.

Nehmen wir eine 465 km Strecke in Deutschland, in etwa Berlin-Dortmund, dann liegen zumindest Hannover und Bielefeld dazwischen. Es gibt auch Verkehre Berlin-Hannover, Berlin-Bielefeld, Hannover-Bielefeld, Hannover-Dortmund, Bielefeld-Dortmund. Dazu kommen noch Umsteigeverbindungen in Hannover nach Bremen und Osnabrück.

Bei Hamburg-Frankfurt sieht's noch komplizierter aus (Hannover, Göttingen, Kassel, Fulda; Lüneburg, Uelzen, Celle und Hanau wäre eher IC-Halte).

...zwischen Genf im Südwesten und St. Gallen im Nordosten, und das sind auf der Straße ca. 360 km, Fahrzeit 4 Stunden, und das ist schon die größte Entfernung zwischen einigermaßen wahrnehmbaren Städten. Mit dem Zug braucht man für die Strecke ebenfalls ca. 4 Stunden. 31 Abfahrten zwischen 5 und 22 Uhr, davon 9 mit Umsteigen)

Bei uns sieht es genauso aus auf Groningen-Maastricht. Halbstundentakt auf der ganzen Strecke.
Und wieviele 360 km Strecken in Deutschland haben (egal wieviele Umstiege) FV-Halbstundentakt?


gruß,

Oscar (NL).

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Langstrecke gibts nicht in Schweiz, nur in Nachbarländern

L.Willms, Freitag, 05.12.2014, 23:17 (vor 4165 Tagen) @ Oscar (NL)

Der grosse Unterschied: Zum Arbeitsplatz fährt man 200 mal im Jahr. In eine 500 km entfernte Stadt (Paris-Lyon) fahren die meisten nur wenige Male im Jahr.


Die meisten ja, aber einige oder gar viele täglich, weil sie in Lyon wohnen und in Paris arbeiten oder umgekehrt.


Deutschland ist kein Frankreich. Die Franzosen konnten die Strecke dort bauen, weil es zwischen Paris und Lyon keine bemerkenswürdige Städte gibt, in denen man halten sollte.

Jein, auf jeden Fall ist Frankreich aufgrund seiner Geschichte der vergangenen 500 oder mehr Jahre wesentlich stärker konzentriert als Deutschland. Deswegen mache ich auch immer auf die wesentlich andere Siedlungsstruktur Deutschlands im Vergleich zu Frankreich oder Spanien aufmerksam, und kann diesen Blödsinn von der Umfahrung Göttingens nicht mehr hören.

Gleichzeitig sollte man aber auch nicht mit den Kantönli-Scheuklappen eines einzelnen Verdichtungsbandes am Alpenrand von Sachen reden, die in diesen beschränkten Erfahrungen nicht vorkommen. Fernverkehr wie in Ländern einer normalen Größe wie Frankreich oder Deutschland, Italien oder Spanien, gibt es weder in der Schweiz, noch in Belgien oder den Niederlanden. Oder nur als ein- und ausbrechender Verkehr aus Nachbarländern. Kann man in den Niederlanden von irgendwo 1000 km in einer Richtung fahren, ohne in einem Nachbarland oder der Nordsee zu landen?

Und wieviele 360 km Strecken in Deutschland haben (egal wieviele Umstiege) FV-Halbstundentakt?

Frankfurt - Hannover sind auf der Straße (laut Entfernungstabelle eines Autoatlas) 350 km. Da gibt es in Frankfurt zwischen 5 Uhr morgens und 22 Uhr abends 36 Abfahrten, davon 23 direkt, und die Differenz von 13 mit Umsteigen. In diesen 36 Abfahrten sind auch fünf IC, die von F nach Kassel auf der Main-Weser-Bahn über Gießen und Marburg fahren, und statt typischen 2h20 fast eine Stunde mehr brauchen. Das sind in den 12 Stunden zwischen 07:00 und 18:00 insgesamt 28 Abfahrten, also im Schnitt mehr als 2 Abfahrten pro Stunde, darunter aber auch 5 IC über Gießen, und 5 Umsteigeverbindungen, bei denen man in Fulda rund 50 Minuten Aufenthalt hat, um auf einen Zug aus München zu warten.

Deutschland ist eben anders aufgebaut als Frankreich.

Ich hab dazu in einer Ausführung zum Gravitationsmodell im Verkehr ein Beispiel gebracht:

Man stelle sich vor, zwischen Erde und Mond wäre kein leerer Raum, sondern dieser Raum wäre von einer nicht unbeträchtlichen Zahl von anderen Himmelskörpern besiedelt (künstliche Erdtrabanten zählen hier nicht auf Grund ihrer vernachlässigbaren Masse, dann würde sich auf der Erde die Gravitation zwischen Mond und Erde nicht so deutlich in Ebbe und Flut zeigen, weil sehr viel andere Massenanziehungskräfte in anderer Richtung ziehen würden.

...wieso fährt Jean-Pierre mehr Bahn als Otto oder Jan?

L.Willms, Freitag, 05.12.2014, 17:37 (vor 4165 Tagen) @ Oscar (NL)

Laut Deiner LITRA-Chart fährt Roger (CH) pro Jahr mehr Bahn als Jean-Pierre (FR).
Aber Jean-Pierre fährt pro Jahr mehr Bahn als Otto (DE) oder Jan (NL). Wie kommt das denn zustande?
Das TGV System kann es nicht sein, denn Roger und Anton (AT) fahren pro Jahr mehr Bahn als Jean-Pierre. Und Pedro (ES) und Giancarlo (IT) haben auch ein HGV-System, aber die fahren sogar noch weniger Bahn als Otto.

Kann es sein, dass die französische Verkehrsleistung vor allem durch RATP, RER und Transilien erstellt wird und erst danach die TGVs?

Die LITRA-Auswertungen ziehen, soviel ich weiß, UIC-Statistiken heran, und die RATP ist m.W. kein Mitglied der UIC. Deswegen dürfte auch ein Teil des RER-Systems nicht darin eingehen, also derjenigen Strecken, die von der RATP betrieben werden.

Inwieweit innerdeutscher Regionalverkehr, der aufgrund der Ausschreiberei von Konkurrenten der DB AG gefahren wird, in die Statistik eingeht, wäre mal zu eruieren.

Womöglich wird sowas dem jeweiligen Konzern zugerechnet, und damit dem Land, in dem dieser Konzern seinen Sitz hat?

So erklär ich mir das:

flierfy, Sonntag, 30.11.2014, 15:20 (vor 4170 Tagen) @ Alphorn (CH)

Beides richtig (allerdings sind 160 km/h nicht ganz so selten wie Du sagst). Die geringere Spreizung ist aber ein Rezept, welche auch in Deutschland angewendet werden könnte und schon ist der Bedarf nach SFS deutlich weniger dramatisch. SFS sind nicht nötig, um den SPV zu "retten". Ja, Fahrten über lange Distanzen werden dadurch langsamer, aber die Schweiz zeigt, dass es ausreicht, schneller als das Auto zu sein.

Die Schweiz zeigt gerade, dass das eben nicht ausreicht. Die Bahn ist wenn überhaupt nur zwischen ein paar wenigen ausgewählten Bahnhofspaaren schneller als das Auto. Und dann auch nur von Bahnhof zu Bahnhof. Meistens sieht es so aus wie zwischen Basel und Chiasso, wo die Bahn eine geschlagene Stunde auf den MIV verliert.


Es sind in Berlin 10 km, siehe hier. Wie kommst Du auf 30%?

Die Deutsche Bahn beförderte 2013 nach eigenen Angaben 2,016 Mrd Reisende auf deutschen Schienen. Die S-Bahn in Berlin und Hamburg geben für sich jeweils 402 Mio bzw 259 Mio (2012) an. Sie machen zusammen also mehr als 30% der Fahrten bei der DB und ungefähr 30% aller Fahrten im EBO-Netz aus.


Was hättest Du - bei gleichem Budget - anders gemacht?

Ich hätte ein zusammenhängendes Kernnetz durchgehender SFSen gebaut, das von Frankfurt/M aus zunächst nach Hannover und Stuttgart, später auch nach Köln reicht. Von diesem Kernnetz aus würde man mit der Zeit die Äste weiter treiben nach Hamburg, Berlin, München, Aachen und Duisburg.


Sogar wenn das so wäre: "Auslastung der SFSen" kein relevantes Erfolgsmass. Viel wichtiger ist, wie viel Verkehr insgesamt auf die Bahn verlagert werden kann, und diese Zahl habe ich schon genannt: Man könnte den FV nur um 27% steigern. Der Bau von SFSen ist nur ein Weg zu diesem Ziel - aber nicht der einzig mögliche. Ausbauten im NV- und RV-Bereich bringen möglicherweise mehr fürs gleiche Geld.

Im Gegensatz zum Flugverkehr, der sich bei Entfernungen bis zu 800 km mit der bekannten und erprobten Hochgeschwindigkeitstechnologie nahezu vollständig auf die Schiene umlegen lässt, verhält es zum beim Strassenverkehr anders. Beim SPV/MIV-Modalsplit spielen städtebauliche Parameter die entscheidende Rolle. Die Entscheidung, wo gewohnt und wo gearbeitet wird, wird nicht von Verkehrsingenieuren getroffen, spielt aber bei der Verkehrsmittelwahl die grösste Rolle.

So erklär ich mir das:

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 01.12.2014, 10:44 (vor 4169 Tagen) @ flierfy

Alphorn (CH):

Beides richtig (allerdings sind 160 km/h nicht ganz so selten wie Du sagst). Die geringere Spreizung ist aber ein Rezept, welche auch in Deutschland angewendet werden könnte und schon ist der Bedarf nach SFS deutlich weniger dramatisch. SFS sind nicht nötig, um den SPV zu "retten". Ja, Fahrten über lange Distanzen werden dadurch langsamer, aber die Schweiz zeigt, dass es ausreicht, schneller als das Auto zu sein.

flierfy:

Die Schweiz zeigt gerade, dass das eben nicht ausreicht. Die Bahn ist wenn überhaupt nur zwischen ein paar wenigen ausgewählten Bahnhofspaaren schneller als das Auto. Und dann auch nur von Bahnhof zu Bahnhof.

Bin ich mir nicht sicher.

In CH wird das Auto auch anderswie unattraktiv gemacht (oder wie man möchte: die Bahn attraktiv). Parkgebühren, Vignette, Spritkosten. Alphorn (CH) weiß wohl mehr davon.

Meistens sieht es so aus wie zwischen Basel und Chiasso, wo die Bahn eine geschlagene Stunde auf den MIV verliert.

Klar, zwischen Rotterdam und Groningen wird unsere Bahn wohl auch langsamer sein als das Auto. Aber diese Langstreckenverbindung ist auch nicht Prio 1 der NS (das war auch einer der Gründe, warum statt der Zuiderzeelinie Amsterdam-Groningen nur die abgespeckte Hanzelinie Lelystad-Zwolle gebaut wurde = diese hat fast dieselbe Netzwirkung aber kostet deutlich weniger).
Schwerpunkt sind die Randstadstrecken in der HVZ. Dort wird ein dichter Takt angeboten. Aufgrund der kurzen Reiseabständen verzichtet man auf Rennbahnen und investiert man in Kapazität.

Hinweis: ja, es gibt die HSL-Zuid, aber die wurde zuerst für den Schnellverkehr nach Paris gebaut; der IC Direkt ist mehr oder weniger ein nettes Bonus.

Was hättest Du - bei gleichem Budget - anders gemacht?

Ich hätte ein zusammenhängendes Kernnetz durchgehender SFSen gebaut, das von Frankfurt/M aus zunächst nach Hannover und Stuttgart, später auch nach Köln reicht. Von diesem Kernnetz aus würde man mit der Zeit die Äste weiter treiben nach Hamburg, Berlin, München, Aachen und Duisburg.

In Italien gibt es ein solches Netz. Ich berichtete schon eher; suche einfach mal auf dem Begriff "Schienenautobahn".
Turin, Mailand, Bologna, Florenz, Rom und Neapel kann man mit einer einzigen Strecke verknüpfen. Leider ist das mit den von Dir genannten Städten nicht möglich, oder nur wenn man einen Vielfalt ausgibt von dem Betrag, was die Italiener ausgegeben haben.

Zudem ist die Frage, wer damit geholfen sei. Vermutlich nur die Jungs die dreistellige Kilometerzahlen verreisen. Wenn Alphorn (CH) aber beziffert, dass eine durchschnittliche Bahnreise nur 40 km ist, durfte die "three digit club" relativ wenig Mitglieder haben.

Wie lange ist eigentlich eine durchschnittliche FV-Reise in Deutschland?


gruß,

Oscar (NL).

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Für SFSen muss man Opfer bringen

Alphorn (CH), Dienstag, 02.12.2014, 00:40 (vor 4169 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von Alphorn (CH), Dienstag, 02.12.2014, 00:41

Die Schweiz zeigt gerade, dass das eben nicht ausreicht. Die Bahn ist wenn überhaupt nur zwischen ein paar wenigen ausgewählten Bahnhofspaaren schneller als das Auto. Und dann auch nur von Bahnhof zu Bahnhof.

Auf den wichtigen Routen ist die Bahn schneller oder nur minimal langsamer (die von Dir erwähnte Route Basel-Chiasso ist ausgesprochen unwichtig - grösster Schwachpunkt ist wohl Basel-Bern). Die Züge sind langsamer - dafür sind sie billiger (GA) und fahren öfter (Halbstundentakt) als in DE. Auf kürzeren Distanzen nützt ein guter Takt mehr als eine hohe Vmax.

In CH wird das Auto auch anderswie unattraktiv gemacht (oder wie man möchte: die Bahn attraktiv). Parkgebühren, Vignette, Spritkosten. Alphorn (CH) weiß wohl mehr davon.

Richtige Autobehinderung betreibt man eigentlich nur in Zürich. Wirkungsvoller ist wohl, dass man den Bahnverkehr subventioniert: Das Halbtax-Abo (BC50) ist mit zirka 150 Franken sehr günstig, das Generalabo (BC100) mit CHF 3550.- viel, viel günstiger als ein typisches eigenes Auto mit 11'000 Franken pro Jahr. Am GA liegt wohl auch die hohe Kilometerzahl des Schweizer Reisenden: Langstreckenpendeln ist absolut bezahlbar. Und weil alle Busse im GA enthalten sind, ist der Verzicht auf das eigne Auto machbar.

Ich hätte ein zusammenhängendes Kernnetz durchgehender SFSen gebaut, das von Frankfurt/M aus zunächst nach Hannover und Stuttgart, später auch nach Köln reicht. Von diesem Kernnetz aus würde man mit der Zeit die Äste weiter treiben nach Hamburg, Berlin, München, Aachen und Duisburg.

Hat sicher Vorteile, aber auch Nachteile: Dies waren nicht die am meisten ausgelasteten Strecken. Zudem: Frankreich und Italien haben genau ein solches durchgehendes Kernnetz, wie Du es vorschlägst, und in beiden Ländern nimmt die Bahnnutzung ab. Am meisten dazugewonnen haben hingegen die Schweiz, Österreich (wohl bald Platz 2 in Europa) und überraschenderweise Grossbritannien - alle ohne nennenswerte SFS. Siehe hier. Sicher, man verliert durch diese Strategie Reisende auf der langen Strecke, aber anscheinend kann man mit dem gleichen Geld auf der kurzen Strecke mehr Verkehr dazugewinnen.

NL: Bus + Bahn, CH: Bus = Bahn.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 02.12.2014, 08:34 (vor 4169 Tagen) @ Alphorn (CH)

Oscar (NL):

In CH wird das Auto auch anderswie unattraktiv gemacht (oder wie man möchte: die Bahn attraktiv). Parkgebühren, Vignette, Spritkosten. Alphorn (CH) weiß wohl mehr davon.

Alphorn (CH):

Wirkungsvoller ist wohl, dass man den Bahnverkehr subventioniert: Das Halbtax-Abo (BC50) ist mit zirka 150 Franken sehr günstig, das Generalabo (BC100) mit CHF 3550.- viel, viel günstiger als ein typisches eigenes Auto mit 11'000 Franken pro Jahr.

Was auch hilft, ist eine Regierung die auf Nachhalt eingestellt ist, und die Bahn als Mittel dazu sieht.
Bei uns strebt man selbstverständlich auch Nachhalt nach (aber eigene Geldtasche zuerst, also lieber spottbilliges Ami-Schiefergas als Solarplantagen), aber sieht man vor allem eine Rolle für das Elektro-Auto und erst danach kommt die Bahn.

Am GA liegt wohl auch die hohe Kilometerzahl des Schweizer Reisenden: Langstreckenpendeln ist absolut bezahlbar. Und weil alle Busse im GA enthalten sind, ist der Verzicht auf das eigene Auto machbar.

Das ist ein wesentlicher Unterschied: in CH sind Bahn und Bus ein System. Der Bus ist sozusagen eine gummibereifte Bahn. Bei uns wird der Bus eher zweiträngig behandelt. Von Helmond nach Deurne haben ich jede 15 Minuten eine Bahnverbindung; von Helmond nach Asten (gleicher Abstand, mit Someren zusammen etwa dieselbe Einwohnerzahl) nur halbstündlich ein Bus der gerade losgefahrfen ist wenn der IC aus Eindhoven einfährt.

Wir erinnern uns den konsequenten Stundentakt nach Juf. In ähnlichen Orten im Norden unseres Landes sucht man vergeblich ein Bus; stattdessen verkehrt ein Anruf-Linientaxi. Je nach Nachfrage erreicht man den Anschlußzug, oder man verpasst ihn.

Hat sicher Vorteile, aber auch Nachteile: Dies waren nicht die am meisten ausgelasteten Strecken. Zudem: Frankreich und Italien haben genau ein solches durchgehendes Kernnetz, wie Du es vorschlägst, und in beiden Ländern nimmt die Bahnnutzung ab. Am meisten dazugewonnen haben hingegen die Schweiz, Österreich (wohl bald Platz 2 in Europa) und überraschenderweise Grossbritannien - alle ohne nennenswerte SFS. Siehe hier. Sicher, man verliert durch diese Strategie Reisende auf der langen Strecke, aber anscheinend kann man mit dem gleichen Geld auf der kurzen Strecke mehr Verkehr dazugewinnen.

Ich bin mir nicht sicher, ob das auch für Deutschland gilt. Bei uns wird es auch so gemacht: NS ist in eine Beschleunigung von Langstreckenrelationen wie Rotterdam-Groningen nur mäßig interessiert. Das Unternehmen verstärkt lieber das Angebot auf Schiphol-Amsterdam-Almere-Lelystad. Dort müssen die Reisenden trotz 4 IC und 4 RB pro Stunde, pro Richtung, pro Achse (via Amsterdam Centraal oder Amsterdam Zuid) stehen.

Eine Schnellfahrstrecke wird sich wohl auch erst lohnen ab dreistelliger Kilometerzahl. Und diese muss dann auch ohne Halt gefahren werden. Das schlägt aber wegen Lokalpolitik fehl; Frankfurt Flughafen MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein, Mannheim MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein, Stuttgart MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein, Ulm MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein, Augsburg MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein.
Sonst wäre die Rennbahn K-F stufenweise nach Mannheim, Stuttgart und München verlängert, mit Stadtumfahrungen wie eine Autobahn. Genauso wie Paris-Marseille, Madrid-Barcelona oder Mailand-Rom. Man kann sich aber zurecht die Frage stellen ob ein solcher Ansatz mehr Verkehre generiert hätte.

Es ist nicht so, dass ich das aktuelle deutsche Verfahren kritisiere; bei uns hält ja auch jeder "IC" der Serie 800 in Amsterdam, Utrecht, Den Bosch, Eindhoven und Maastricht.
Aber mit so einer Lokalpolitik soll man nicht erwarten, dass Schnellfahrstrecken viele (Zeit-)Vorteile bringen.

Ausnahme in Deutschland ist Nürnberg-Ingolstadt (N-IN), aber das hat vor allem mit der Streckenverkürzung zu tun. Wieviel Minuten schneller wäre ein fiktiver RE160 N-IN in Vergleich zum heutigen RE, und wieviele Minuten wäre er langsamer als ein ICE mit Halt in Ingolstadt?


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

NL: Bus + Bahn, CH: Bus = Bahn.

L.Willms, Mittwoch, 03.12.2014, 16:30 (vor 4167 Tagen) @ Oscar (NL)

Eine Schnellfahrstrecke wird sich wohl auch erst lohnen ab dreistelliger Kilometerzahl. Und diese muss dann auch ohne Halt gefahren werden. Das schlägt aber wegen Lokalpolitik fehl; Frankfurt Flughafen MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein, Mannheim MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein, Stuttgart MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein, Ulm MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein, Augsburg MUSS unbedingt immer ICE-Halt sein.
Sonst wäre die Rennbahn K-F stufenweise nach Mannheim, Stuttgart und München verlängert, mit Stadtumfahrungen wie eine Autobahn. Genauso wie Paris-Marseille, Madrid-Barcelona oder Mailand-Rom. M

und dann auch nur für Verkehre von Köln nach München?

Das würde nicht reichen.

Deutschland ist aufgrund seiner Fürsten eben ziemlich zersplittert. Während die Könige in Frankreich das Land immer mehr um Paris herum zentralisiert hatten, haben die Fürsten Deutschland immer weiter zersplittert und immer mehr Randgebiete verloren (Schweiz, Niederlande, Elsaß/Lothringen, Deutsch-Österreich...), je mehr Macht sie auf militärischen Wege an sich reißen wollten. Der nächste Krieg läßt dann nur noch Hessen übrig...

Für SFSen muss man Opfer bringen

flierfy, Dienstag, 02.12.2014, 21:37 (vor 4168 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hat sicher Vorteile, aber auch Nachteile: Dies waren nicht die am meisten ausgelasteten Strecken. Zudem: Frankreich und Italien haben genau ein solches durchgehendes Kernnetz, wie Du es vorschlägst, und in beiden Ländern nimmt die Bahnnutzung ab.

Und Japan hat u.a. mit seinem ausgedehnten SFSen die höchste Bahnnutzung weltweit.

Am meisten dazugewonnen haben hingegen die Schweiz, Österreich (wohl bald Platz 2 in Europa) und überraschenderweise Grossbritannien - alle ohne nennenswerte SFS.

Das Vereinigte Königreich hat mit HS1 bereits eine SFS und wird in den nächsten Jahren Weitere dazu bekommen. Und wer das Land kennt, den überraschen die steigenden Fahrgastzahlen dort nicht unbedingt.

Siehe hier. Sicher, man verliert durch diese Strategie Reisende auf der langen Strecke, aber anscheinend kann man mit dem gleichen Geld auf der kurzen Strecke mehr Verkehr dazugewinnen.

Dort, wo es sich lohnt, haben wir in Deutschland bereits mit S- und S-V-Bahnen hochklassige und takt-dichte Angebote. Und genau dort, in den urbanen Zentren der Metropolen, haben wir entsprechend auch die höchsten Benutzungsraten des ÖV im ganzen Land. Nur wohnen die meisten Deutschen viel zu Auto-affin, ob auf dem Land oder in sub-urbanen Speckgürteln der Grossstädte. Nur um dort ähnlich attraktive ÖV-Angebote zu machen, muss man in der Summe sehr viel mehr investieren als für ein paar SFSen.

So erklär ich mir das:

flierfy, Dienstag, 02.12.2014, 21:05 (vor 4168 Tagen) @ Oscar (NL)

In Italien gibt es ein solches Netz. Ich berichtete schon eher; suche einfach mal auf dem Begriff "Schienenautobahn".
Turin, Mailand, Bologna, Florenz, Rom und Neapel kann man mit einer einzigen Strecke verknüpfen. Leider ist das mit den von Dir genannten Städten nicht möglich, oder nur wenn man einen Vielfalt ausgibt von dem Betrag, was die Italiener ausgegeben haben.

Das stimmt ja nicht. Es ist sehr wohl möglich. Man hat bzw man wird zwischen Köln und München in den topografisch schwierig Abschnitten ohnehin SFSen gebaut haben. Nur dort, wo es einfach und kostengünstiger zu bauen wäre, fummelt man mit dritt-klassigen Ausbauten umher. Wenn man wollte, würde man zusammenhängend bauen. Nur, man will nicht, weil man einfach zu kurz denkt.


Zudem ist die Frage, wer damit geholfen sei. Vermutlich nur die Jungs die dreistellige Kilometerzahlen verreisen. Wenn Alphorn (CH) aber beziffert, dass eine durchschnittliche Bahnreise nur 40 km ist, durfte die "three digit club" relativ wenig Mitglieder haben.

Das zeigt nur, dass Vielfahrer kaum die Bahn benutzen. Und warum, hab ich bereits angedeutet.

zu kurz gedacht?

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 02.12.2014, 22:24 (vor 4168 Tagen) @ flierfy
bearbeitet von Oscar (NL), Dienstag, 02.12.2014, 22:25

Oscar (NL):

In Italien gibt es ein solches Netz. Ich berichtete schon eher; suche einfach mal auf dem Begriff "Schienenautobahn".
Turin, Mailand, Bologna, Florenz, Rom und Neapel kann man mit einer einzigen Strecke verknüpfen. Leider ist das mit den von Dir genannten Städten nicht möglich, oder nur wenn man einen Vielfalt ausgibt von dem Betrag, was die Italiener ausgegeben haben.

flierfy:

Das stimmt ja nicht. Es ist sehr wohl möglich. Man hat bzw man wird zwischen Köln und München in den topografisch schwierig Abschnitten ohnehin SFSen gebaut haben.
Nur dort, wo es einfach und kostengünstiger zu bauen wäre, fummelt man mit dritt-klassigen Ausbauten umher. Wenn man wollte, würde man zusammenhängend bauen. Nur, man will nicht, weil man einfach zu kurz denkt.

Ich denke nicht nur, weil man zu kurz denkt.

Deutschland hatte damals die Chance, bei den Franzosen abzugucken. Aber DB Netze wußte damals auch schon, was einige ICE-Fans hier nicht verstehen möchten: Deutschland ist kein Frankreich.
Ab Paris haben die Franzosen eine Baumstruktur gebaut. Zuerst die Stammstrecke Paris-Lyon, wo man bereits eher nach Dijon abbiegen konnte. Diese Stammstrecke konnte schon ganz viel Nachfrage abdecken, denn die Züge fuhren über Lyon hinaus nach Saint-Etienne, zum Mittelmeer oder in die Alpen. Später wurde die Stammstrecke nach Valence verlängert, nach Avignon, nach Marseille.
Die Franzosen konnten das so machen, weil fast alle von/nach Paris reisen möchten. Regionale TGVs kamen erst später ins Spiel und sind heute immer noch die Minderheit.

DB Netze könnte ähnlicherweise mit Köln-Frankfurt anfangen (egal ob heutige Streckenlage oder ab Koblenz im Tausnus-Basistunnel nach Wiesbaden oder anderswie) und das ganze Schritt für Schritt ausbauen Richtung München. Ein Köln-München Sprinter würde die Strecke dann nonstop mit ununterbrochen 250-300 km/h fahren können, wie ein TGV Paris-Marseille.

Nur schade, dass:

1. in Gegensatz zu Frankreich, nicht jeder von/nach NRW reisen möchte. Es gibt auch noch Hamburg, Berlin und weitere Städte dazwischen.
2. Köln-Frankfurt nur 180 km ist, wo Paris-Lyon 430 km ist. Deutsche ICEs können also weniger Zeitgewinn auf ihre Weiterfahrt mitnehmen als die TGVs.

Zudem ist die Frage, wer damit geholfen sei. Vermutlich nur die Jungs die dreistellige Kilometerzahlen verreisen. Wenn Alphorn (CH) aber beziffert, dass eine durchschnittliche Bahnreise nur 40 km ist, durfte die "three digit club" relativ wenig Mitglieder haben.

Das zeigt nur, dass Vielfahrer kaum die Bahn benutzen. Und warum, hab ich bereits angedeutet.

Sorry, da bin ich überfordert. Ein Vielfahrer, der kaum die Bahn benutzt. Das mußt Du mir mal erklären.
Meintest Du etwa: "dass Langstreckenfahrer kaum die Bahn benutzen"?


gruß,

Oscar (NL).

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zu kurz gedacht?

flierfy, Mittwoch, 03.12.2014, 00:46 (vor 4168 Tagen) @ Oscar (NL)

Ich denke nicht nur, weil man zu kurz denkt.

Deutschland hatte damals die Chance, bei den Franzosen abzugucken. Aber DB Netze wußte damals auch schon, was einige ICE-Fans hier nicht verstehen möchten: Deutschland ist kein Frankreich.

DB Netz gab es damals als solches gar nicht. Und Entscheidungen über den Verlauf von neuen Bahnstrecken werden immer im Bundesministerium getroffen. Wenn man dort weniger auf die Kirchturm-Politiker aus den Ländern Rücksicht nehmen und statt dessen mehr das grosse ganze im Auge haben würde, hätte man die SFSen anders gebaut.

Ab Paris haben die Franzosen eine Baumstruktur gebaut. Zuerst die Stammstrecke Paris-Lyon, wo man bereits eher nach Dijon abbiegen konnte. Diese Stammstrecke konnte schon ganz viel Nachfrage abdecken, denn die Züge fuhren über Lyon hinaus nach Saint-Etienne, zum Mittelmeer oder in die Alpen. Später wurde die Stammstrecke nach Valence verlängert, nach Avignon, nach Marseille.
Die Franzosen konnten das so machen, weil fast alle von/nach Paris reisen möchten. Regionale TGVs kamen erst später ins Spiel und sind heute immer noch die Minderheit.

DB Netze könnte ähnlicherweise mit Köln-Frankfurt anfangen (egal ob heutige Streckenlage oder ab Koblenz im Tausnus-Basistunnel nach Wiesbaden oder anderswie) und das ganze Schritt für Schritt ausbauen Richtung München. Ein Köln-München Sprinter würde die Strecke dann nonstop mit ununterbrochen 250-300 km/h fahren können, wie ein TGV Paris-Marseille.

Nur schade, dass:

1. in Gegensatz zu Frankreich, nicht jeder von/nach NRW reisen möchte. Es gibt auch noch Hamburg, Berlin und weitere Städte dazwischen.

Die Verkehrsmenge zwischen zwei Städten wird von der Grösse der Beiden und der zeitlichen Distanz zwischen ihnen beeinflusst, jedoch nicht davon, ob es dazwischen oder anderswo weitere Städte gibt.

2. Köln-Frankfurt nur 180 km ist, wo Paris-Lyon 430 km ist. Deutsche ICEs können also weniger Zeitgewinn auf ihre Weiterfahrt mitnehmen als die TGVs.

Reisezeit von unter 60 min zwischen Köln Hbf und Frankfurt/M Flug reichen aus. Noch mal 58 min bis Stuttgart und weitere 58 min bis München Hbf. Und fertig ist die Sprinter-Linie mit Fahrtzeiten Köln-München von 3h.


Sorry, da bin ich überfordert. Ein Vielfahrer, der kaum die Bahn benutzt. Das mußt Du mir mal erklären.
Meintest Du etwa: "dass Langstreckenfahrer kaum die Bahn benutzen"?

Es gibt viele Menschen, die die Bahn gar nicht mehr wahr nehmen. Und selbst wenn fällt, trifft die Entscheidung vielleicht jemand anders. Mit unserer grosszügigen Dienstwagen-Besteuerung werden sehr viele Dienstfahrten mit eben diesen Dienstwagen unternommen und längere Strecken geflogen. Das trifft wohl für die meisten Vielfahrer in diesem Land zu.

Alternativszenario SFS Hamburg-Köln-München

naseweiß, Mittwoch, 03.12.2014, 10:13 (vor 4168 Tagen) @ flierfy
bearbeitet von naseweiß, Mittwoch, 03.12.2014, 10:14

Die Verkehrsmenge zwischen zwei Städten wird von der Grösse der Beiden und der zeitlichen Distanz zwischen ihnen beeinflusst, jedoch nicht davon, ob es dazwischen oder anderswo weitere Städte gibt.

Ist das eine Theorie, die du gerade aufgestellt hast, oder ist das eine allgemein angewandte Annahme?
Zumindest zwei Punkte, die diese erste Näherung deutlich brechen können, fallen mir ein:

- politische Grenzen, nicht nur zum Ausland, sondern auch zwischen den Bundesländern
- Pendlerbeziehung, eine Stadt Quelle (Wohnort), die andere der Ziel (Arbeitsort)

Und genau diese sorgen dafür, dass wir in Deutschland so viel Verkehr haben, der zum typischen biszu-100-km-Halteabstand der ICE/ICs passt:

- Frankfurt-Fulda
- Stuttgart-Ulm
- München-Augsburg
- Offenburg-Karlsruhe
usw.

Reisezeit von unter 60 min zwischen Köln Hbf und Frankfurt/M Flug reichen aus. Noch mal 58 min bis Stuttgart und weitere 58 min bis München Hbf. Und fertig ist die Sprinter-Linie mit Fahrtzeiten Köln-München von 3h.

Das wäre in der Tat nicht schlecht. Auf der Nordseite könnte es weitergehen:
--- Hamburg -1h- Hannover -1h- Dortmund -1h- Köln ---

Dortmund-Köln in rund 1h sollte zwar mit ein bisschen Ausbau auch über Essen und Düsseldorf gehen. Da das aber der Kernabschnitt der Nord-Süd-Verbindung wäre (theoretischer Fall ohne Hannover-Würzburg), sollte längerfristig eine SFS für die Nonstop-Fahrt Dortmund-Frankflug in 1,5 h her. Das wäre dann eine einzige, fast durchgehende SFS-Nord-Süd-Hauptchse (über West) gewesen, die einen Löwenanteil des Verkehrs abdecken könnte.

"Einfachere" ABS wären natürlich zwischendrin bzw. parallel zu realisieren:
--- Hamburg/Hannover -1,5h -Berlin -1h- Halleipzig/Dresden
--- Mannheim-Basel, Duisburg-Utrecht, Köln-Aachen, München-Salzburg/Kufstein, Hamburg-Fehmarn usw.

Erst danach käme ein zweites, großes Projekt an die Reihe:
--- Halleipzig - Erfurt - Frankfurt/ - Nürnberg - München

Später dann natürlich weitere Ergänzungen möglich.

--
[image]

ITF bei 100 km Strecken, Duisburg-Utrecht

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 03.12.2014, 11:42 (vor 4167 Tagen) @ naseweiß
bearbeitet von Oscar (NL), Mittwoch, 03.12.2014, 11:43

Hallo naseweiß,

Und genau diese sorgen dafür, dass wir in Deutschland so viel Verkehr haben, der zum typischen biszu-100-km-Halteabstand der ICE/ICs passt:

- Frankfurt-Fulda
- Stuttgart-Ulm
- München-Augsburg
- Offenburg-Karlsruhe
usw.

Wenn man (wie in Deiner Unterschrift) eine gnadenlose ITF-konforme Vertaktung nachstrebt, hat man bei Streckenabständen von 100 km die Wahl zwischen:

a. 30 Minuten (Schnitt 200 km/h)
b. 45 Minuten (Schnitt 133 km/h)
c. 60 Minuten (Schnitt 100 km/h)

Plan a. ist für uns ICE-Fans schön, aber wohl nicht mit der aktuellen DB-Strategie vereinigbar. DB setzt ja auf IC250-Triebwagen. Mit 250 km/h vmax 200 km/h vdurch halten auf 100 km Strecke ist recht sportlich, vor allem mit den langen Stadtdurchfahrten von Frankfurt, Stuttgart und München. Na gut, für Stuttgart wird das Problem gelöst... selbstverständlich hat diese Lösung einen netten Preis...
Die Italiener kriegen 200 km/h vdurch bei 250 km/h vmax zwar hin auf Mailand-Bologna, aber das ist 200 km Strecke ohne Lafas.

Plan b. ist zwar nicht so prestigeträchtig, dafür aber besser machbar. Wie Alphorn (CH) schon öfters schrieb: viele Strecken für relativ wenig Geld moderat beschleunigen und sich auf Netzwirkung verlassen.
45 Minuten Kantenzeit setzt allerdings Halbstundentakt voraus (es kann auch mit Stundentakt aber dann benutzt man die Knoten nicht vollständig). Alle von Dir genannten Relationen rechtfertigen halbstündlichen Fernverkehr, aber keinen sauberen Halbstundentakt (Fahrzeit Knoten A - Knoten B immer dieselbe).

Die Spielbrecher sind bzw. Hanau, Stuttgart Flughafen, München Pasing und Baden-Baden. Vermutlich wird es so sein, dass ein Teil der Fernzüge hier politisch bedingt halten muss. Es ist wünschenswert, dass der haltende Zug und der nicht-haltende Zug beide die Anschlüsse in Knoten A und B schaffen. Abwechselnde Bedienung mit Hilfe einer Partnerstadt wäre sinnvoll, aber in den 4 genannten Beispielen nicht machbar (OK, Hanau könnte sparren mit Offenbach oder Frankfurt Süd).

Plan c. ist eher was für den schnellen Regionalverkehr. 100 km/h Schnitte erreichen unsere "IC"s ja auch, und das bei vmax 140 km/h. Mit vmax 160 km/h, spurtstärkere Triebwagen und etwas mehr Halten geht das in Deutschland auch.

Reisezeit von unter 60 min zwischen Köln Hbf und Frankfurt/M Flug reichen aus. Noch mal 58 min bis Stuttgart und weitere 58 min bis München Hbf. Und fertig ist die Sprinter-Linie mit Fahrtzeiten Köln-München von 3h.

Das wäre in der Tat nicht schlecht. Auf der Nordseite könnte es weitergehen:
--- Hamburg -1h- Hannover -1h- Dortmund -1h- Köln ---

Ich bin mir nicht sicher über Köln als Vollknoten. Knackpunkte sind die Hohenzollernbrücke und die Anzahl der Gleise in Köln Hbf. Utrecht Centraal bringt in etwa die gleiche Leistung auf 10-11 Gleisen, verfügt aber über bahnsteiglose Zwischengleise und Weichenkreuze halbwegs der Bahnsteige. Diese Infra, welche eine Einfahrt/Ausfahrt auf halbwegs belegte Gleise ermöglicht, fehlt in Köln Hbf.

Man kann ein Teil des Fernverkehrs in einem neuen Bahnhof "Köln ICE" abfertigen; leider sind dann die Fahrzeiten Düsseldorf-Frankfurt via Köln Hbf und "Köln ICE" unterschiedlich.

Wie funktioniert das eigentlich in der Schweiz? Es gibt ICs die in Olten halten, und ICs die das nicht tun. Und einige ICs Bern-Basel halten extra in Liestal. Jedoch erreichen alle die Knoten.

"Einfachere" ABS wären natürlich zwischendrin bzw. parallel zu realisieren:
--- Mannheim-Basel, Duisburg-Utrecht, Köln-Aachen, München-Salzburg/Kufstein, Hamburg-Fehmarn usw.

Zu Duisburg-Utrecht: Duisburg-Zevenaar wird ausgebaut, hauptsächlich für die Betuweroute-Cargos.
Auf Zevenaar-Arnhem ist der Fernverkehr nur 6x pro Tag ICE International. Es verkehren vor allem RBs Arnhem-Doetinchem-Winterwijk. Ausbau wird hier erst interessant, wenn es (halb)stündlich schnelle Züge Arnhem-Oberhausen gibt.
Verbleibt Arnhem-Utrecht. Hier kann man mit einer NBS200 Utrecht-De Haar viel Fernverkehr verlagern; zwischen Utrecht-Arnhem ist ja ein 10-Minutentakt "IC" geplant.
Nachteil ist aber, dass das nur sinnvoll ist, wenn die Niederlande eine große IC200-Flotte hat. Die hat sie aber nicht. Ganz anders sah es in der Schweiz aus; als Bern-Olten in Betrieb ging, konnte die SBB sich auf eine große 200 km/h Flotte verlassen.


gruß,

Oscar (NL).

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Hochgeschwindigkeit fördern

MartinN, Fricktal, Schweiz, Mittwoch, 03.12.2014, 16:01 (vor 4167 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo Oscar


Plan a. ist für uns ICE-Fans schön, aber wohl nicht mit der aktuellen DB-Strategie vereinigbar. DB setzt ja auf IC250-Triebwagen. Mit 250 km/h vmax 200 km/h vdurch halten auf 100 km Strecke ist recht sportlich, vor allem mit den langen Stadtdurchfahrten von Frankfurt, Stuttgart und München. Na gut, für Stuttgart wird das Problem gelöst... selbstverständlich hat diese Lösung einen netten Preis...
Die Italiener kriegen 200 km/h vdurch bei 250 km/h vmax zwar hin auf Mailand-Bologna, aber das ist 200 km Strecke ohne Lafas.

Trotzdem denke ich das ein europaweiter Hochgeschwindigkeitsverkehr, der diesen Namen auch verdient,absolut Sinn macht, damit man mehr Kurzstreckenflieger auf die Bahn bekommt.


Plan b. ist zwar nicht so prestigeträchtig, dafür aber besser machbar. Wie Alphorn (CH) schon öfters schrieb: viele Strecken für relativ wenig Geld moderat beschleunigen und sich auf Netzwirkung verlassen.

Das ist sicher so. Die Bahn verliert viel Zeit in diesen doofen Kopfbahnhöfen mit ihren Spitzkehren.Es gibt hier durchaus Alternativen. Bsp. Basel: Züge von Deutschland die nicht Endziel Basel haben nur im badischen Bahnhof halten lassen und dann direkt Richtung Olten fahren zu lassen. Züge von Olten via Brig nach Italien nicht über Bern Hauptbahnhof fahren zu lassen sondern sie in Bern Ostermundigen halten lassen. Bei beiden Bespielen spart man sicher je 10-15 Minuten ohne viel Geld aus zu geben.

45 Minuten Kantenzeit setzt allerdings Halbstundentakt voraus (es kann auch mit Stundentakt aber dann benutzt man die Knoten nicht vollständig). Alle von Dir genannten Relationen rechtfertigen halbstündlichen Fernverkehr, aber keinen sauberen Halbstundentakt (Fahrzeit Knoten A - Knoten B immer dieselbe).

Macht denn ein sauberer Halbstundentakt wirklich noch Sinn? In vielen Aglomarationen hat man es nicht mehr nötig die Abfahrzeiten zu haben oder abzustimmen weil das Angebot schon sehr gut ist.

Plan c. ist eher was für den schnellen Regionalverkehr. 100 km/h Schnitte erreichen unsere "IC"s ja auch, und das bei vmax 140 km/h. Mit vmax 160 km/h, spurtstärkere Triebwagen und etwas mehr Halten geht das in Deutschland auch.

Hochgeschwindigkeitszüge sollten nur in wirklich grossen Zentren halten, respekive auf solchen wo es sich lohnt. Genau an diesen Orten kann man umsteigen auf IR und Regionalverkehr.

Reisezeit von unter 60 min zwischen Köln Hbf und Frankfurt/M Flug reichen aus. Noch mal 58 min bis Stuttgart und weitere 58 min bis München Hbf. Und fertig ist die Sprinter-Linie mit Fahrtzeiten Köln-München von 3h.

Das wäre in der Tat nicht schlecht. Auf der Nordseite könnte es weitergehen:
--- Hamburg -1h- Hannover -1h- Dortmund -1h- Köln ---

Finde ich auch

Man kann ein Teil des Fernverkehrs in einem neuen Bahnhof "Köln ICE" abfertigen; leider sind dann die Fahrzeiten Düsseldorf-Frankfurt via Köln Hbf und "Köln ICE" unterschiedlich.

Dafür spart der Durchreisende aber Zeit und ist der neue Bahnhof auch mit S-Bahn, Bus, Privatauto zu erreichen kann man aus dem alten einen Regiobahnhof machen

Nachteil ist aber, dass das nur sinnvoll ist, wenn die Niederlande eine große IC200-Flotte hat. Die hat sie aber nicht. Ganz anders sah es in der Schweiz aus; als Bern-Olten in Betrieb ging, konnte die SBB sich auf eine große 200 km/h Flotte verlassen.

Was ja noch nicht ist kann aber noch werden. Es muss ja nicht sofort alles auf den Kopf gestellt werden.


Gruss Martin

Hochgeschwindigkeit fördern

Alphorn (CH), Mittwoch, 03.12.2014, 21:06 (vor 4167 Tagen) @ MartinN

Trotzdem denke ich das ein europaweiter Hochgeschwindigkeitsverkehr, der diesen Namen auch verdient,absolut Sinn macht, damit man mehr Kurzstreckenflieger auf die Bahn bekommt.

Ich sage es noch mal: Das Flugzeug ist ein völlig uninteressanter Gegner. Der Fernverkehr liesse sich nur um 27% steigern, wenn man 100% des innerdeutschen Flugverkehrs übernehmen könnte. Und selbst das ist unrealistisch: Wer auf einen Langstreckenflug in einem entfernten Flughafen umsteigen will, wird nicht den ICE nehmen. Und viele Relationen (Hamburg-München) sind kaum in konkurrenzfähiger Zeit zu schaffen.

Das ist sicher so. Die Bahn verliert viel Zeit in diesen doofen Kopfbahnhöfen mit ihren Spitzkehren.Es gibt hier durchaus Alternativen. Bsp. Basel: Züge von Deutschland die nicht Endziel Basel haben nur im badischen Bahnhof halten lassen und dann direkt Richtung Olten fahren zu lassen. Züge von Olten via Brig nach Italien nicht über Bern Hauptbahnhof fahren zu lassen sondern sie in Bern Ostermundigen halten lassen. Bei beiden Bespielen spart man sicher je 10-15 Minuten ohne viel Geld aus zu geben.

Dem würden aber sehr viele drastisch verschlechterte Umsteigeverbindungen gegenüberstehen. Wer z.B. von Biel oder Lausanne oder Neuchatel via Bern nach Italien will, verliert mindestens 30 Minuten, vereinzelt 60 Minuten, und braucht einen weiteren Umstieg. Die Summe dieser Verluste wird durch den Gewinn für die Sitzenbleiber nicht kompensiert.

Macht denn ein sauberer Halbstundentakt wirklich noch Sinn? In vielen Aglomarationen hat man es nicht mehr nötig die Abfahrzeiten zu haben oder abzustimmen weil das Angebot schon sehr gut ist.

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass sich ein ITF erst bei Viertelstundentakt nicht mehr lohnt.

Hochgeschwindigkeitszüge sollten nur in wirklich grossen Zentren halten, respekive auf solchen wo es sich lohnt. Genau an diesen Orten kann man umsteigen auf IR und Regionalverkehr.

Warum gibt es dann keinen grösseren Markt für Sprinter? Am gesamten Verkehrsaufkommen haben die Sprinter ja nur einen sehr geringen Anteil. Es passiert halt eben doch viel auf mittleren Strecken.

Nachteil ist aber, dass das nur sinnvoll ist, wenn die Niederlande eine große IC200-Flotte hat. Die hat sie aber nicht. Ganz anders sah es in der Schweiz aus; als Bern-Olten in Betrieb ging, konnte die SBB sich auf eine große 200 km/h Flotte verlassen.


Was ja noch nicht ist kann aber noch werden. Es muss ja nicht sofort alles auf den Kopf gestellt werden.

In der Schweiz hat man übrigens für die 200 km/h nur neue Loks beschafft und die alten Wagen mit neuen Drehgestellen nachgerüstet. Da zeigt sich in NL ein Nachteil von Triebzügen, das ist da nicht machbar.

NL: Drehgestelle nicht Limitfaktor, dafür 1500 V DC und ATB.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 03.12.2014, 23:45 (vor 4167 Tagen) @ Alphorn (CH)

Oscar (NL):

Nachteil ist aber, dass das nur sinnvoll ist, wenn die Niederlande eine große IC200-Flotte hat. Die hat sie aber nicht. Ganz anders sah es in der Schweiz aus; als Bern-Olten in Betrieb ging, konnte die SBB sich auf eine große 200 km/h Flotte verlassen.

MartinN:

Was ja noch nicht ist kann aber noch werden. Es muss ja nicht sofort alles auf den Kopf gestellt werden.

Alphorn (CH):

In der Schweiz hat man übrigens für die 200 km/h nur neue Loks beschafft und die alten Wagen mit neuen Drehgestellen nachgerüstet. Da zeigt sich in NL ein Nachteil von Triebzügen, das ist da nicht machbar.

Was ist denn mit den IC2000 Dostos? Hatte man die vorher schon?

Zu NL: Limitfaktor bei uns ist 1500 V DC und ATB. Man hätte aber den ICR-Wagen andere Drehgestellen verpassen können. Das hatte man nicht getan, weil die Traxx-Maschinen aus der Benelux-Pool nur 160 km/h schafften. Vermutlich war mangelnde Druckertüchtigung auch ein Limitfaktor gewesen.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

NL: Zukunft?

Alphorn (CH), Donnerstag, 04.12.2014, 14:18 (vor 4166 Tagen) @ Oscar (NL)

Was ist denn mit den IC2000 Dostos? Hatte man die vorher schon?

Ja, aber sie waren von Anfang an auf 200 km/h ausgelegt. Nicht jedoch die zahlreichen Einheitswagen IV, die mussten aufgerüster werden.

Zu NL: Limitfaktor bei uns ist 1500 V DC und ATB. Man hätte aber den ICR-Wagen andere Drehgestellen verpassen können. Das hatte man nicht getan, weil die Traxx-Maschinen aus der Benelux-Pool nur 160 km/h schafften. Vermutlich war mangelnde Druckertüchtigung auch ein Limitfaktor gewesen.

Will man ewig auf 140 km/h bleiben? Die 1500 kV loszuwerden wird natürlich sehr teuer, aber sorgt man wenigstens vor, indem man künftige Züge mehrsystemfähig beschafft?

Das Signalisationssystem wird in der Schweiz ja zu sehr tiefen Kosten ersetzt: 920 Mio CHF für ETCS Level 1, auf NL umgerechnet wären das zirka 500 Mio EUR. Das ist 15 mal weniger als die HSL Zuid gekostet hat. Damit könnte man wohl Tempo 180 fahren; Italien fährt mit 3 KV immerhin 250.

Problematisch ist wohl noch, dass die Sprinter von höherer Vmax weniger profitieren würden als die IC. Der Geschwindigkeitsunterschied nähme zu, was die Kapazität der Strecken senkt. Ein 10-Minuten-Takt ist wohl dann nicht mehr machbar.

NL: Zukunft?

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 04.12.2014, 23:22 (vor 4166 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hallo Alphorn (CH),

Zu NL: Limitfaktor bei uns ist 1500 V DC und ATB. Man hätte aber den ICR-Wagen andere Drehgestellen verpassen können. Das hatte man nicht getan, weil die Traxx-Maschinen aus der Benelux-Pool nur 160 km/h schafften. Vermutlich war mangelnde Druckertüchtigung auch ein Limitfaktor gewesen.

Will man ewig auf 140 km/h bleiben?

Man möchte auf dem Altnetz irgendwann 160 km/h fahren können. Aber ob das auch wirklich stattfinden wird, ich weiß es nicht.

Die 1500 kV loszuwerden wird natürlich sehr teuer, aber sorgt man wenigstens vor, indem man künftige Züge mehrsystemfähig beschafft?

Zumindest die VIRM-Triebwagen sind für 25kV vorbereitet. Das sieht man auch schon auf dem Dach, wo Platz ist für AC-Stromabnehmer.
Wie die neuen IC200-Triebwagen aussehen werden, ich weiß es nicht.

Das Signalisationssystem wird in der Schweiz ja zu sehr tiefen Kosten ersetzt: 920 Mio CHF für ETCS Level 1, auf NL umgerechnet wären das zirka 500 Mio EUR. Das ist 15 mal weniger als die HSL Zuid gekostet hat.

Mir wäre Level 1 LS aufgrund Kosten auch lieber gewesen. Ich glaube nicht dass unser Netz mehr Züge verarbeiten muss als Euer Netz (Ihr habt im Schnitt weniger Reisezüge aber dafür viel mehr Güterzüge, und Summa Summarum mehr Züge).

NL hat aber Level 2 gewählt. Leider habe ich dazu keinen plausiblen Grund gefunden.

Damit könnte man wohl Tempo 180 fahren; Italien fährt mit 3 KV immerhin 250.

Moment: Rom-Florenz sind 254 km die nonstop gefahren werden! Man hat also reichlich Strecke, um die 250 km/h zu erreichen. Diese Länge haben wir in NL nicht; bei uns müssen die Züge jede 30-40 km halten.

Problematisch ist wohl noch, dass die Sprinter von höherer Vmax weniger profitieren würden als die IC. Der Geschwindigkeitsunterschied nähme zu, was die Kapazität der Strecken senkt. Ein 10-Minuten-Takt ist wohl dann nicht mehr machbar.

Beim Sprinter ist Spurtstärke wichtiger. Ehrlich gesagt bin ich von der Spurtstärke der ET425NL nicht beeindruckt; diese kommt bestenfalls an die der guten alten Schienenbananen. Klar beschleunigt ein ET425NL mit weit weniger Energie als eine 1960er Schienenbanane in Turbo-Modus, aber mit dem heutigen Technologiestand sollte man doch zumindest die Quoten der Golden Oldies überbieten können.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Hochgeschwindigkeit fördern

flierfy, Freitag, 05.12.2014, 01:11 (vor 4166 Tagen) @ Alphorn (CH)

Ich sage es noch mal: Das Flugzeug ist ein völlig uninteressanter Gegner. Der Fernverkehr liesse sich nur um 27% steigern, wenn man 100% des innerdeutschen Flugverkehrs übernehmen könnte. Und selbst das ist unrealistisch: Wer auf einen Langstreckenflug in einem entfernten Flughafen umsteigen will, wird nicht den ICE nehmen. Und viele Relationen (Hamburg-München) sind kaum in konkurrenzfähiger Zeit zu schaffen.

Es ist völlig unerheblich, um wieviel sich die Verkehrsleistung des SFV durch SFSen steigern lässt. In der Schweiz mögt ihr vielleicht von der Bahn an sich besessen sein. Hier in Deutschland ist sie nur Mittel zum Zweck und nicht der Zweck selbst. Wir bauen uns die Infrastrukturen, die das Land wettbewerbsfähig halten. Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir eben auch Verkehrswege, die unsere grossen Städte miteinander verbinden. Investitionen in SFSen konkurrieren deswegen nicht mit Regionalbahnen nach Pusemuckel, sondern mit Ausbauten des Fernstrassennetzes sowie von Flughäfen.

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Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 05.12.2014, 11:08 (vor 4165 Tagen) @ flierfy

Ich sage es noch mal: Das Flugzeug ist ein völlig uninteressanter Gegner.

Es ist völlig unerheblich, um wieviel sich die Verkehrsleistung des SFV durch SFSen steigern lässt. In der Schweiz mögt ihr vielleicht von der Bahn an sich besessen sein. Hier in Deutschland ist sie nur Mittel zum Zweck und nicht der Zweck selbst.

Das ist in der Schweiz nicht anders als in Deutschland oder bei uns.

Wir bauen uns die Infrastrukturen, die das Land wettbewerbsfähig halten.

Die Schweiz auch: Bahn2000 Ausbauten, NEAT, usw.

Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir eben auch Verkehrswege, die unsere grossen Städte miteinander verbinden. Investitionen in SFSen konkurrieren deswegen nicht mit Regionalbahnen nach Pusemuckel, sondern mit Ausbauten des Fernstrassennetzes sowie von Flughäfen.

Ich frage mich ernsthaft ab, wieviele Neuverkehre die Rennbahn K-F erzielt hat.
Ich habe die starke Vermutung, es sind vor allem IC-Fahrgäste, die zuvor via Rheinbahn fuhren, die jetzt via Rennbahn fahren. Man hat so betrachtet also vor allem Verkehre verschoben statt geschaffen.

Wenn das Ziel tatsächlich wäre, Strassenverkehr auf die Schiene zu verlagern: haben die Staus auf der A 3 zwischen K-F spürbar abgenommen nachdem die Rennbahn in Betrieb ging?

Bei uns waren die Erwartungen der HSL-Zuid auch zu hoch gestellt. Zudem waren sie falsch = man dachte mit einem Aufpreisverfahren die Strecke rasch zurückverdienen zu können. Aber Jan ließ die Strecke links liegen. Beim ursprünglichen IC Max Plan aus 1999 war niemals Rede von einem HGV-Zuschlag.

Inzwischen gibt es die Staus rundum Amsterdam und Rotterdam sowie auf den Autobahnen A4 und A13 immer noch.


gruß,

Oscar (NL).

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Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Freitag, 05.12.2014, 11:36 (vor 4165 Tagen) @ Oscar (NL)

Ich frage mich ernsthaft ab, wieviele Neuverkehre die Rennbahn K-F erzielt hat.
Ich habe die starke Vermutung, es sind vor allem IC-Fahrgäste, die zuvor via Rheinbahn fuhren, die jetzt via Rennbahn fahren. Man hat so betrachtet also vor allem Verkehre verschoben statt geschaffen.

Sagen wir es mal anders - früher gab es Flüge zwischen Köln und Frankfurt. Das, was heute mit Lufthansa-Flugnummer zwischen diesen Städten verkehrt, ist lichtgrau mit rotem Streifen und fährt elektrisch.

Wenn das Ziel tatsächlich wäre, Strassenverkehr auf die Schiene zu verlagern: haben die Staus auf der A 3 zwischen K-F spürbar abgenommen nachdem die Rennbahn in Betrieb ging?

Zumindest wieder auf das Niveau, das es vor Beginn der Bauarbeiten und der damit verbundenen Einschränkungen auf der A3 hatte. ;-)
Ich denke, der primäre Zielbereich war die Flugverbindung. Mit Erfolg.

Den Kannibalisierungseffekt im Rheintal natürlich nicht verleugnende Grüße
der Colaholiker

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L.Willms, Freitag, 05.12.2014, 17:30 (vor 4165 Tagen) @ Oscar (NL)

Ich frage mich ernsthaft ab, wieviele Neuverkehre die Rennbahn K-F erzielt hat.

Für genaue Antworten müßte man Einblick in die Statistiken der DB AG haben, und die verbirgt das als "Geschäftsgeheimnis" vor ihren Eigentümern, den Bürgern der BRD...

Ich weiß z.B. das die sehr viel Pendlerverkehr generiert hat; es ist angenehm im Westerwald zu wohnen und von Limburg-Süd in 20 Minuten am Flughafen zu sein und in einer halben Stunde in der Frankfurter Innenstadt. Da braucht man von Fulda aus länger... Es gibt auch Leute, bei denen ein Partner nach Frankfurt pendelt, der andere nach Köln.

Auch sonst fällt die Entscheidung "eben mal" von Köln nach Frankfurt oder umgekehrt zu fahren, wesentlich leichter, wenn das nur etwas mehr als eine Stunde braucht, von Hbf zu Hbf. Ich erinnere mich an meine Aufenthalte in New York, wo ich für eine Fahrt mit der Subway innerhalb der Stadt eigentlich immer eine ganze Stunde angesetzt hatte. Die Entfernungen werden kürzer durch den HGV.

Womöglich hat die schnelle Strecke auch den Flughäfen Köln-Wahn und Düsseldorf Passagiere weggenommen, weil man ja heutzutage so schnell zum Frankfurter Flughafen kommt.

Ich bin übrigens mal mit dem Nacht-ICE Nr. 827 von Köln nach Frankfurt gefahren, und hab mich gewundert, wie voll der Zug war, und wie auf jedem Unterwegshalt (Köln/Bonn-Flughafen, Siegburg, Montabaur, Limburg-Süd) noch zahlreiche Fahrgäste zustiegen. Und ab Flughafen Frankfurt war der Zug so gut wie leer... Die Fahrgäste mit Handgepäck fuhren zur Arbeit, die mit schweren Rucksäcken und Koffersammlungen zum Einchecken für einen Flug nach irgendwo.

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flierfy, Freitag, 05.12.2014, 22:52 (vor 4165 Tagen) @ Oscar (NL)

Ich frage mich ernsthaft ab, wieviele Neuverkehre die Rennbahn K-F erzielt hat.
Ich habe die starke Vermutung, es sind vor allem IC-Fahrgäste, die zuvor via Rheinbahn fuhren, die jetzt via Rennbahn fahren. Man hat so betrachtet also vor allem Verkehre verschoben statt geschaffen.

Durch die Verlagerung des Fernverkehrs wurden Trassen frei für den Güterverkehr.


Wenn das Ziel tatsächlich wäre, Strassenverkehr auf die Schiene zu verlagern: haben die Staus auf der A 3 zwischen K-F spürbar abgenommen nachdem die Rennbahn in Betrieb ging?

Zwischen den Metropolen gibt es eigentlich keine dauerhaften Engpässe, die zu Staus auf Autobahnen führen. Das gilt auch für den Abschnitt der A 3 zwischen Köln und Frankfurt/M. Die Auswirkungen der SFS sind hier im Prinzip nicht wahrnehmbar.

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Alphorn (CH), Freitag, 05.12.2014, 17:49 (vor 4165 Tagen) @ flierfy

Es ist völlig unerheblich, um wieviel sich die Verkehrsleistung des SFV durch SFSen steigern lässt.

Da ist die Politik nicht Deiner Meinung. Aufgrund welcher Kriterien wird Deiner Meinung nach das Nutzen-Kosten-Verhältnis berechnet, welcher über Wohl und Wehe jedes Bahnprojekts bestimmt?

Wir bauen uns die Infrastrukturen, die das Land wettbewerbsfähig halten. Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir eben auch Verkehrswege, die unsere grossen Städte miteinander verbinden. Investitionen in SFSen konkurrieren deswegen nicht mit Regionalbahnen nach Pusemuckel, sondern mit Ausbauten des Fernstrassennetzes sowie von Flughäfen.

Und wie begründest Du, dass eine eingesparte Reisendenminute im FV wertvoller ist als eine im NV? Ich bin dafür, das Geld dort einzusetzen, wo es am meisten Reisendenminuten spart. Das kann fallweise eine SFS sein, aber aufgrund des höheren Verkehrsvolumens oft ein Ausbau von kurzen oder mittleren Strecken sein.

Und nochmal: Bei den Flughäfen ist so gut wie nix zu holen. Und bei den Fernstrassen anscheinend auch nicht viel, sonst hätte der FV stärker wachsen müssen als der NV.

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L.Willms, Freitag, 05.12.2014, 19:42 (vor 4165 Tagen) @ Alphorn (CH)

Und wie begründest Du, dass eine eingesparte Reisendenminute im FV wertvoller ist als eine im NV? Ich bin dafür, das Geld dort einzusetzen, wo es am meisten Reisendenminuten spart. Das kann fallweise eine SFS sein, aber aufgrund des höheren Verkehrsvolumens oft ein Ausbau von kurzen oder mittleren Strecken sein.

Das kann und darf man nicht gegeneinanderstellen. Was wann wie ausgebaut wird, muß man je im Einzelfall entscheiden.

Und man muß sich darüber im Klaren sein, daß das eine ohne das andere nicht wirklich funktioniert.

Und nochmal: Bei den Flughäfen ist so gut wie nix zu holen.

Man schaue sich maldies (von mir erstellte) Kuchendiagramm auf commons.Wikimedia.org an, das die Anteile der verschiedenen Bodenverkehrsmittel als Zubringer für den Frankfurter Flughafen im Jahre 2006 darstellt. Vor acht Jahren kamen per ICE schon 15,1% der in FRA abfliegenden Passagiere. Laut einer mir vorliegenden Tabelle der Fraport AG waren es im Jahre 2008 und 2009 19%. 1969 kamen nur 9% mit Fernzügen (den ICE-Bahnhof und die Westerwälder Achterbahn gab es noch nicht). Ist das ein Zuwachs?

Und bei den Fernstrassen anscheinend auch nicht viel, sonst hätte der FV stärker wachsen müssen als der NV.

... oder weniger verlieren.

Wer fährt heute noch per Auto nach Paris? Ich mein von Frankfurt aus. Ich bin in den frühen 1990er Jahren viel zwischen Frankfurt und Paris gependelt, und habe dabei entlang der Autobahn die LGV Est Européenne entstehen sehen. Heute müßte ich mich sehr überwinden, statt per ICE mitm Auto nach Paris zu fahren. Es müßte dazu schon gewichtige Gründe geben, z.B. sehr viel Gepäck, einen Hund, oder eine Fahrziel in der weiteren Umgebung, wo ein Auto durchaus noch was bringt. Sonst riskiert man nur einen Einbruch ins Auto (hatte ich im Oktober 2003).

Das gleich gilt für Stuttgart, Freiburg/Brsg (1 x tgl in 2h40), Basel, Genf...

Überhaupt muß man sagen, daß ein Schweizer überhaupt nicht kompetent über Eisenbahnfernverkehr urteilen kann, weil es sowas in der Schweiz ja praktisch nicht gibt.

schweizer Fernverkehr (ja)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 05.12.2014, 21:03 (vor 4165 Tagen) @ L.Willms

Überhaupt muß man sagen, daß ein Schweizer überhaupt nicht kompetent über Eisenbahnfernverkehr urteilen kann, weil es sowas in der Schweiz ja praktisch nicht gibt.

Innerhalb CH: Genf-Chur. Das ist schon mehr als bei uns Eindhoven-Groningen oder Maastricht-Den Helder.
Zudem fahren schweizer Fernzüge bis Kiel, Venedig und Paris.


gruß,

Oscar (NL).

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Alphorn (CH), Freitag, 05.12.2014, 21:53 (vor 4165 Tagen) @ L.Willms

Das kann und darf man nicht gegeneinanderstellen. Was wann wie ausgebaut wird, muß man je im Einzelfall entscheiden.

Und bei genau diese Entscheidung ermöglicht erst das erreichbare Verkehrsvolumen und eingesparte Reisezeit. 10 Minuten gespart für 6000 Leute am Tag ist grundsätzlich gleich viel wert vie 60 Minuten für 1000.

Und nochmal: Bei den Flughäfen ist so gut wie nix zu holen.


Man schaue sich maldies (von mir erstellte) Kuchendiagramm auf commons.Wikimedia.org an, das die Anteile der verschiedenen Bodenverkehrsmittel als Zubringer für den Frankfurter Flughafen im Jahre 2006 darstellt. Vor acht Jahren kamen per ICE schon 15,1% der in FRA abfliegenden Passagiere. Laut einer mir vorliegenden Tabelle der Fraport AG waren es im Jahre 2008 und 2009 19%. 1969 kamen nur 9% mit Fernzügen (den ICE-Bahnhof und die Westerwälder Achterbahn gab es noch nicht). Ist das ein Zuwachs?

1980 kamen 35% der Reisenden per Bahn, in Deiner Tortengrafik 27.9%, ist das eine Abnahme?

Und warum überall nur Anteile und nicht absolute Zahlen? Der Fernbahnhof am Flughafen hat pro Tag nur 23'000 Reisende, der Regionalbahnhof 25'000. Frankfurt Hbf hingegen kommt auf satte 350'000 Reisende pro Tag.

Wer fährt heute noch per Auto nach Paris? Ich mein von Frankfurt aus.

Jede SFS wird es schaffen, eine einzelne Fernverbindung zu beschleunigen. Aber was ist mit den Kollateralschäden? Wieviele Projekte auf kürzeren aber häufiger befahrenen Distanzen wurden fallengelassen, obwohl man mit ihnen mehr Reisendenminuten hätte einsparen können? Wieviele billige Züge wurden durch teure ersetzt, wie es im Ursprungsartikel moniert wird?

Überhaupt muß man sagen, daß ein Schweizer überhaupt nicht kompetent über Eisenbahnfernverkehr urteilen kann, weil es sowas in der Schweiz ja praktisch nicht gibt.

Und kompetente männliche Gynäkologen gibt es nicht, weil die ja praktisch keine eigenen weibliche Fortpflanzungsorgane haben.

Hochgeschwindigkeit fördern

flierfy, Freitag, 05.12.2014, 22:41 (vor 4165 Tagen) @ Alphorn (CH)

Und bei genau diese Entscheidung ermöglicht erst das erreichbare Verkehrsvolumen und eingesparte Reisezeit. 10 Minuten gespart für 6000 Leute am Tag ist grundsätzlich gleich viel wert vie 60 Minuten für 1000.

Es ist nur eher so, dass die Zahl der Reisenden in den Fernzügen die in den Regionalzüge ausserhalb der Metropolen übersteigt. So dass das Verhältnis eher 6000-mal 60 min gegenüber 1000-mal 10 min ist.

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flierfy, Freitag, 05.12.2014, 23:45 (vor 4165 Tagen) @ Alphorn (CH)

Da ist die Politik nicht Deiner Meinung. Aufgrund welcher Kriterien wird Deiner Meinung nach das Nutzen-Kosten-Verhältnis berechnet, welcher über Wohl und Wehe jedes Bahnprojekts bestimmt?

Ein Projekt wird an Hand von Kennziffern in dem betreffenden Korridor bewertet. Inwieweit sich landesweite Kennziffern dadurch ändern, spielt dagegen keine Rolle.


Und wie begründest Du, dass eine eingesparte Reisendenminute im FV wertvoller ist als eine im NV? Ich bin dafür, das Geld dort einzusetzen, wo es am meisten Reisendenminuten spart. Das kann fallweise eine SFS sein, aber aufgrund des höheren Verkehrsvolumens oft ein Ausbau von kurzen oder mittleren Strecken sein.

Der Anteil von gut bezahlten Dienstreisenden wird in den Zügen des schnellen Fernverkehrs höher sein als im Nahverkehr. In Letzterem findet man sehr viel mehr Schüler, Rentner oder Arbeitslose, deren Zeit in der Tat volkswirtschaftlich weniger wert ist als die von Schlipsträgern während der Arbeitszeit.


Und nochmal: Bei den Flughäfen ist so gut wie nix zu holen. Und bei den Fernstrassen anscheinend auch nicht viel, sonst hätte der FV stärker wachsen müssen als der NV.

Dort sind Millionen Reisen von Fahrgästen zu holen, die bereit sind hohe Fahrpreise zu bezahlen. Also genau jene Personengruppe, die das Reisen mit dem hochwertigen aber nicht ganz billigen Verkehrsmittel Eisenbahn auch bezahlen kann und will. Davor kannst du deine Augen nicht verschliessen.

Hochgeschwindigkeit fördern

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 03.12.2014, 23:31 (vor 4167 Tagen) @ MartinN

Hallo MartinN,

Trotzdem denke ich das ein europaweiter Hochgeschwindigkeitsverkehr, der diesen Namen auch verdient, absolut Sinn macht, damit man mehr Kurzstreckenflieger auf die Bahn bekommt.

Kurzstreckenflieger wird es nach wie vor geben, solange nur Lufthansa Inlandsflüge auf die Schiene verlagert.
Alphorn (CH)s Aussage würde ich etwas schwächen: statt völlig uninteressant ist der Flugverkehr weniger interessant. Es gibt eine kleine Sparte mit großem Einfluss: der Geschäftsverkehr. Das widme ich aber ein eigenes Thema.

Das ist sicher so. Die Bahn verliert viel Zeit in diesen doofen Kopfbahnhöfen mit ihren Spitzkehren.

Zürich HB = doofer Kopfbahnhof mit Spitzkehre? Der Bahnhof leistet mehr als ähnliche deutsche Durchgangsbahnhöfe.
In Basel und Bern wendet auch die Mehrheit der Züge und in Utrecht der Fernverkehr der Randstad-Nordostachse.

Es gibt hier durchaus Alternativen. Bsp. Basel: Züge von Deutschland die nicht Endziel Basel haben nur im badischen Bahnhof halten lassen und dann direkt Richtung Olten fahren zu lassen. Züge von Olten via Brig nach Italien nicht über Bern Hauptbahnhof fahren zu lassen sondern sie in Bern Ostermundigen halten lassen. Bei beiden Bespielen spart man sicher je 10-15 Minuten ohne viel Geld aus zu geben.

Yep, in Italien macht man das auch: Durchgangsbahnhöfe in Florenz, Rom und Neapel; in Firenze Santa Maria Novella, Roma Termini und Napoli Centrale halten nur Züge die dort enden/beginnen.

Nur schade, dass man bei diesem Verfahren einen Doppelumstieg hat. In Deinem Beispiel muss ich z.B. in Bern Ostermunidgen zuerst mal nach Bern (Hauptbahnhof) und dort nochmal auf meinen Wunsch-IC (z.B. nach Montreux) umsteigen. Dann halte ich lieber in Bern und steige dort ITF-konform um.

Macht denn ein sauberer Halbstundentakt wirklich noch Sinn? In vielen Aglomarationen hat man es nicht mehr nötig die Abfahrzeiten zu haben oder abzustimmen weil das Angebot schon sehr gut ist.

Klar, Tram, S/U-Bahn und Stadtbus fahren recht oft. Aber wie sieht's aus mit Umstiegen Fernverkehr-Fernverkehr?

Hochgeschwindigkeitszüge sollten nur in wirklich grossen Zentren halten, respekive auf solchen wo es sich lohnt. Genau an diesen Orten kann man umsteigen auf IR und Regionalverkehr.

Idealerweise stimmt das, und in diverse HGV-Staaten kann man das so machen. Nur schade, dass in Frankreich, Spanien und Italien der Regionalverkehr (IR, RE, RB) nicht so ausgedehnt ist wie in Deutschland. Vermutlich weil die dafür benötigte Moneten in die Rennbahnen betonniert wurden.
In Deutschland hat man zwar diesen Regionalverkehr aber dafür dann wieder nicht das HGV-Budget der Franzosen, Spaniern und Italienern; kommt noch dazu, dass man wegen der deutschen Siedlungsstruktur ein größeres HGV-Budget braucht um dieselbe flächendeckende Leistung zu haben als FR/ES/IT (in Frankreich liegen Lille, Paris, Lyon und Marseille auf einer Gerade, wo Berlin, Hamburg, Köln und München einen Viereck bilden).

Nachteil ist aber, dass das nur sinnvoll ist, wenn die Niederlande eine große IC200-Flotte hat. Die hat sie aber nicht. Ganz anders sah es in der Schweiz aus; als Bern-Olten in Betrieb ging, konnte die SBB sich auf eine große 200 km/h Flotte verlassen.

Was ja noch nicht ist kann aber noch werden. Es muss ja nicht sofort alles auf den Kopf gestellt werden.

1. Als Ende 80er die ersten deutschen Rennbahnen in Betrieb gingen, wurden die vor allem durch IC-Wagenzügen befahren. Der ICE 1 gab es noch nicht, aber wie Du sagst: was nicht ist, kann noch werden (und so geschah). Aber:

2. Als 2007 dann endlich die HSL-Zuid fertig war, gab es überhaupt kein Rollmaterial. Es kamen zuerst IC-artige Surrogatzüge. Die Fyras waren noch nicht fertig, aber was nicht ist, kann noch werden. Wir schreiben jetzt 2014 und die Surrogate fahren mangels Rennzüge immer noch. Ein solches Missgeschick möchte NS nicht nochmal erleben. Nicht umsonst hatte das Unternehmen sich beim Ausbau von Amsterdam-Groningen auf 160 km/h vmax beschränkt, denn nur so konnte NS eine vollständig verfügbare Flotte ab Tag 1 einsetzen.

Zuerst fahren, erst danach schneller fahren.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Hochgeschwindigkeit fördern

L.Willms, Mittwoch, 03.12.2014, 23:56 (vor 4167 Tagen) @ Oscar (NL)

1. Als Ende 80er die ersten deutschen Rennbahnen in Betrieb gingen, wurden die vor allem durch IC-Wagenzügen befahren. Der ICE 1 gab es noch nicht,

Das war erstmal nur die Strecke Würzburg - Fulda, aber bei der Eröffnung des Rests bis Hannover traten auch die ICE-1 in Aktion. War das nicht so, daß da vier ICE-1 gleichzeitig in Kassel-Wilhelmshöhe einfuhren, je zwei aus jeder Richtung?

Ich weiß jetzt aber nicht, ob die Strecke 4000 MA-S zur gleichen Zeit wie WÜ-FD eröffnet wurde, oder zusammen mit FD-H.

SFS Inbetriebnahmen fördern

Henrik, Freitag, 05.12.2014, 02:54 (vor 4166 Tagen) @ L.Willms

1. Als Ende 80er die ersten deutschen Rennbahnen in Betrieb gingen, wurden die vor allem durch IC-Wagenzügen befahren. Der ICE 1 gab es noch nicht,

Das war erstmal nur die Strecke Würzburg - Fulda,

nicht nur dieser Abschnitt.. -.-
dieser war es im Mai 1988

aber bei der Eröffnung des Rests bis Hannover traten auch die ICE-1 in Aktion. War das nicht so, dass da vier ICE-1 gleichzeitig in Kassel-Wilhelmshöhe einfuhren, je zwei aus jeder Richtung?

es waren 5 ICE 1
und alle aus unterschiedlichen Richtungen, fuhren sie dort gleichzeitig im Rahmen einer Sternfahrt ein, am 29. Mai 1991.

4 Züge gleichzeitig, parallel & in gleicher Richtung, eröffneten im Mai 1988 den Abschnitt Fulda-Würzburg,
jedoch nur einer davon ein ICE.. - das sehr bekannte Bild.

Ich weiß jetzt aber nicht, ob die Strecke 4000 MA-S zur gleichen Zeit wie WÜ-FD eröffnet wurde, oder zusammen mit FD-H.

weder noch.
Die vollständige Inbetriebnahme der SFS Mannheim-Stuttgart erfolgte zur gleichen Zeit wie die vollständige Inbetriebnahme der SFS Hannover-Würzburg, 1991.
Die Inbetriebnahme des 38 km langen Abschnitts Mannheim-Graben-Neudorf erfolgte im Mai 1987.

Danke! für Aufklärung erste SFS in BRD

L.Willms, Freitag, 05.12.2014, 17:39 (vor 4165 Tagen) @ Henrik

- kein Text -

Köln Hbf und Köln-ICE

L.Willms, Mittwoch, 03.12.2014, 16:53 (vor 4167 Tagen) @ Oscar (NL)

Ich bin mir nicht sicher über Köln als Vollknoten. Knackpunkte sind die Hohenzollernbrücke und die Anzahl der Gleise in Köln Hbf. Utrecht Centraal bringt in etwa die gleiche Leistung auf 10-11 Gleisen, verfügt aber über bahnsteiglose Zwischengleise und Weichenkreuze halbwegs der Bahnsteige. Diese Infra, welche eine Einfahrt/Ausfahrt auf halbwegs belegte Gleise ermöglicht, fehlt in Köln Hbf.

Man kann ein Teil des Fernverkehrs in einem neuen Bahnhof "Köln ICE" abfertigen; leider sind dann die Fahrzeiten Düsseldorf-Frankfurt via Köln Hbf und "Köln ICE" unterschiedlich.

Ein "Köln-ICE" gibts doch eigentlich schon mit Köln-Deutz/Messe, wo die schnellen durchgehenden Züge halten. Als ich öfter von Frankfurt nach Leverkusen gefahren bin, war mir das Umsteigen in Köln-Deutz wesentlich lieber als in Köln Hbf -- man verliert doch sehr viel Zeit durch die doppelte Rheinquerung. Früher (ja, frühüher!) sind die ICs ja linksrheinisch von Köln weiter nach Mainz gefahren, jetzt läuft der Hochgeschwindigkeitsverkehr rechtsrheinisch, und statt in Mainz hält man am Frankfurter Flughafen.

Alternativszenario SFS Hamburg-Köln-München

L.Willms, Mittwoch, 03.12.2014, 16:43 (vor 4167 Tagen) @ naseweiß
bearbeitet von L.Willms, Mittwoch, 03.12.2014, 16:47

Die Verkehrsmenge zwischen zwei Städten wird von der Grösse der Beiden und der zeitlichen Distanz zwischen ihnen beeinflusst, jedoch nicht davon, ob es dazwischen oder anderswo weitere Städte gibt.

Ist das eine Theorie, die du gerade aufgestellt hast, oder ist das eine allgemein angewandte Annahme?

Das ist eine durchaus verbreitete Annahme, daß hier praktisch dasselbe Gesetz der Gravitation gilt, wonach die Anziehungskraft "entlang der Verbindungslinie beider Massenpunkte gerichtet [ist] sowie in ihrer Stärke proportional zum Produkt der beiden Massen und umgekehrt proportional zum Quadrat ihres Abstandes." (Wikipedia zum Newtonschen Gravitationsgesetz)

Als Masse kann man die Bevölkerungszahl nehmen, und den Abstand entweder in Kilometern oder aber in Stunden und Minuten messen.

In der sozialen Welt des menschlichen Verkehrs spielen natürlich noch andere Faktoren in die Bildung der Masse ein, wie die politische Funktion eines Ortes als Hauptstadt oder ähnlichem. So hatte Bonn eine in Relation zu seiner Bevölkerungszahl eine sehr hohe Gravitation aufgrund seiner Funktion als Hauptstadt des westdeutschen Separatstaates.

Und nun unterscheiden sich Deutschland und Frankreich, um mal die typischen Beispiele zu nehmen, deutlich darin, daß in Frankreich ein Zentralstern wie eine Sonne herrscht mit einer weit überragenden Anziehungskraft, während Deutschland sich als Meteoritenschwarm zeigt, mit vielen kleineren Schwerpunkten, wodurch die Gesamtgravitation eines Knotens sich auf viele Nachbarknoten verteilt, und die schwereren Knoten hinter diesem Meteoritenhaufen nicht so viel Anziehungskraft mitbekommen.

Man stelle sich mal vor, daß der Raum zwischen Erde und Mond nicht leer ist, sondern von einer Vielzahl von anderen Himmelskörpern besiedelt wäre, dann würde sich die Anziehungskraft des Mondes nicht so durchschlagend durch Ebbe und Flut auf der Erde zeigen können, weil gleichzeitig in viele andere Richtungen gezogen würde.

(Wir mußten für dies Beispiel mal die Zentrifugal- und Zentripetalkräfte außer Kraft setzen).

zu kurz gedacht?

lokuloi, Mittwoch, 03.12.2014, 18:45 (vor 4167 Tagen) @ flierfy


1. in Gegensatz zu Frankreich, nicht jeder von/nach NRW reisen möchte. Es gibt auch noch Hamburg, Berlin und weitere Städte dazwischen.

Die Verkehrsmenge zwischen zwei Städten wird von der Grösse der Beiden und der zeitlichen Distanz zwischen ihnen beeinflusst, jedoch nicht davon, ob es dazwischen oder anderswo weitere Städte gibt.

Selbstverständlich wird die Verkehrsmenge davon beeinflusst, wie viele "Konkurrenz-Städte" es in vergleichbarer Entfernung gibt.

Schließlich stecken hinter dem überweigenden Teil der Fahrten konkrete Anlässe und Bedürfnisse. Nur weil jetzt für verschiedenen Bedürfnisse mehr Ziele zur Verfügung stehen steigen ja nicht die Bedürfnisse, sondern die dazugehörigen Fahrten verteilen sich auf die verschiedenen Ziele, ja nach Attraktivität der Ziele.

Jeder fährt z.B. in der Regel nur einmal am Tag zur Arbeit. Wenn dafür in weiter Umgebung nur ein Ziel vorhanden ist, dann fahren alle zu diesem Ziel. Gibt es mehrere dafür geeignete Ziele verteilen sich die Fahrten auf die verschiedenen Ziele. Ein zusätzliches attraktives Ziel in der Umgebung reduziert natürlich sehr wohl den Anteil für die untersuchte Verbindung.

Dasselbe gilt natürlich für andere Aktivitäten wie Einkaufen oder Frezeit genauso. Man unternimmt nicht mehr Einkäufe, nur weil es mehr Einkaufszentren in der Gegend gibt.

Oder: der Potsdamer wird zum Shopping mangels anderer Möglichkeiten meistens anch Berlin fahren. Der Duisburger dagegen nach Düsseldorf, Essen, Dortmund oder auch mal Köln. Hier hat die "Anwesenheit" einer anderen Stadt sehr wohl Auswirkungen auf die Nachfrage zwischen zwei gegebenen Städten.

Bei Verkehrswissenschaftlichen Untersuchungen hast Du daher immer eine ganze Matrix an Quelle-Ziel-Verbindungen, wo dann relativ zueinander die Verkehrsmengen verteilt werden. Das Gravitationsmodell, auf das du vermutlich anspielst, ist also insbesondere dazu geeignet Nachfragen zwischen Städten zu vergleichen und nicht geeinget isoliert die Nachfrage zwischen zwei Städten zu "berechnen". Dafür brauchst Du erst einmal Verkehrzählungen. An denen kannst Du dann dein Modell eichen und damit kannst Du dann gut die Veränderungen berechenen, die sich aus Maßnahmen ergeben (verlagerte Verkehr, induzierter Verkehr).

Da man nicht jedes Mal die ganze Welt betrachten kann, grenzt man sein Untersuchungsgebiet ein. Für den FV in Deutschland sollte das aber mindestens ganz Deutschland und die angrenzenden Länder sein - gut, Polen oder Frankreich muss man jetzt nicht komplett abbilden.

Bei so einer Untersuchung kann man aber nicht einfach z.B. Hamburg - Köln isoliert betrachten, denn selbstverständlich hat die Existenz oder Nicht-Existenz von z.B. Berlin Einfluss auf diese Verkehrsmengen.

Gruß,
Uli

Die Schweiz hat eine 250km/h Schnellfahrstrecke!

JW, Samstag, 29.11.2014, 20:52 (vor 4171 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hallo,

die Schweiz hat mit dem Lötschbergbasistunnel eine 250km/h Schnellfahstrecke. Und auf dieser Strecke verkehrt der ETR610 der ebenfalls für 250km/h ausgelegt wurde.
Nur wird diese Höchstgeschwindigkeit nicht ausgefahren.

Gruß Jörg

Schnelle Züge sind Trassenfresser

Alphorn (CH), Samstag, 29.11.2014, 21:18 (vor 4171 Tagen) @ JW

die Schweiz hat mit dem Lötschbergbasistunnel eine 250km/h Schnellfahstrecke. Und auf dieser Strecke verkehrt der ETR610 der ebenfalls für 250km/h ausgelegt wurde.
Nur wird diese Höchstgeschwindigkeit nicht ausgefahren.

Im kommenden Gotthard-Basistunnel (nur noch 2 Jahre!) dasselbe... dort wird voraussichtlich nur ein Zug pro Stunde Tempo 200 fahren. Auf langen Strecken ohne Ausweichmöglichkeit fressen schnelle Personenzüge sehr viele Güterverkehrstrassen - im Eurotunnel fährt keiner mehr als 160.

Schnelle Züge sind Trassenfresser

JW, Sonntag, 30.11.2014, 14:14 (vor 4170 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hallo Alphorn,

Unterschiedlich schnelle Züge sind Trassenfresser, nicht schnelle Züge.
Die Geschwindigkeit macht nur sehr wenig aus, lediglich der Bremsweg verlängert sich etwas.

Wenn man aber Geschwindigreserven hat und diese nur im Verspätungsfall nutzt, bewirkt die höhere Höchstgeschwindigkeit sogar das Gegenteil, dann wird der Fahrplan robuster und man kann mehr Trassen einplanen.

Gruß Jörg

SFSen sind wohl eher die Rettung für den SPV

ICE-T-Fan, Donnerstag, 27.11.2014, 23:05 (vor 4173 Tagen) @ flierfy

Der Artikel ist einseitig und reichlich einfältig geschrieben. E

Finde ich nicht. Der Kannibalisierungseffekt ist ein Fakt. Das Problem sind nicht die NBS an sich sondern die NBS, welche parallel zu Bestandsstrecken gebaut werden, wo es ein SPFV-Angebot gibt, welches verlagert werden soll.

Die Lücke zwischen RE und ICE ist einfach zu groß. Der IC ist ein Auslaufmodell genauso wie der IR. Das ist aber die Grundkritik, welche ich Teile. Die ICE dürfen einfach nicht der gesamte Fernverkehr werden. Es muss eine Grundstruktur auch auf den bisherigen Bestandsstrecken geben.

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

Bronnbach Bhf, Donnerstag, 27.11.2014, 22:42 (vor 4173 Tagen) @ Felix

Ich kann die Kritik in dem Artikel nur bedingt teilen.
Tatsache ist, dort wo es nur Altstrecken gibt, verdrängt der ICE den IC. Der Grund liegt aber doch zu allererst daran, dass diese Altstrecken hoffnungslos überlastet sind, und die ICE Linien lange Durchmesserlinien sind, die dazu noch an Korrespondenzknoten verknüpft sind und daher schlicht Vorrang geniessen. Das ist das Ergebnis von Mangelverwaltung.

Dazu kommt, dass diese Altstrecken häufig auf 160 bis 200km/h ausgebaut sind, und die ICE´s ggü. dem NV und GV echte Trassenfresser sind. Aber deshalb das Rad zurück drehen und die Vmax auf den Altstrecken einfach so reduzieren? Dann wird die Bahn für rund die Hälfte der FV Nutzer schlicht unanttraktiv. Ich sehe die Lösung eher darin, dass man das SFS Netz in Deutschland endlich schließt und damit den A-Verkehr (ICE) auf die SFS verbannt, den B-Verkehr (IC/EC) unter Reduzierung der Vmax (dann keine Trassenfresser mehr) auf den Altstrecken belässt und dabei mehr mittelgroße Städte konsequent bedient.

Auf den Magistralen Karlsruhe-Mannheim-Frankfurt/ sowie Mannheim/Frankfurt-Köln funktioniert es doch schon heute sehr gut. Die ICE fahren den schnellen Weg via SFS und Riedbahn, die IC/EC via Rheintal und die Main-Neckar-Bahn. Es wäre noch besser, wenn endlich der Engpass Riedbahn durch eine SFS entlastet werden würde. Zwischen Mannheim und Stuttgart fahren die ICE via SFS, die IC meist via Heidelberg. Auch das passt doch sehr gut. Ebenso funktioniert es doch sehr gut zwischen Frankfurt und Hannover-Hamburg. Die IC Linie 26 fährt via Marburg, die ICE nehmen den schnellen Weg via Fulda-Göttingen. Problematisch ist doch dhier wieder der Engpass zwischen Hannover und Hamburg, Frankfurt und Giessen sowie Frankfurt und Fulda. Alle diese Engpässe verhindern eine Verdichtung des FV sowohl bei den IC als auch bei den ICE Verbindungen. Die Bahn würde schon sehr lange gerne zwischen Frankfurt und Hamburg im 30 Min Takt bei den ICE´s fahren.

Eine stündliche IC Linie zwischen Frankfurt und Nürnberg via Ansbach könnte ich mir z.B. auch sehr gut vorstellen. Allerdings scheitert diese an den fehlenden Trassen zwischen Aschaffenburg und Lohr.

Wirklich kritisch ist doch der Engpass zwischen Hamburg bzw. Hannover und dem Ruhrgebiet. Würde man hier zwischen Dortmund und Hannover eine SFS bauen (Fahrzeit 60 Minuten) könnte man dadurch den Zielverkehr deutlich entzerren. Das Potential für ein Nebeneinander von ICE und IC ist doch hier mehr als eindeutig gegeben.
Die schnellen ICE´s aus dem Ruhrgebiet nach Berlin und dann Hannover-Hamburg befahren diese SFS. Diese schnellen ICE bedienen somit den Zielverkehr Ruhrgebiet-Hamburg sowie Ruhrgebiet-Hannover und Berlin.
Die stündlichen IC´s verbleiben auf der Altstrecke und dienen dem Zielverkehr für die Unterwegshalte nach Hamm, Bielefeld, Minden, Bad Oeynhausen sowie auf der Rollbahn (Münster, Osnabrück, Diepholz, Bremen). Auf diesen beiden Altstrecken verkehren die IC Züge nur noch mit max 160 km/h.

Für mich sind Altstrecken für 200 km/h bis auf wenige Ausnahmen (Leipzig-Berlin, Ingolstadt-München) ein Auslaufmodell. Wir benötigen ein echtes SFS Netz mit Geschwindigkeiten zwischen 230 km/h und 300 km/h. Für die Altstrecken würde ich die Vmax auf 160 km/h beschränken, um die Leistungsfähigkeit dieser Strecken zu erhöhen. Dadurch gibt es bei der Fahrzeit dann einen echten Unterschied zwischen ICE und IC und dies sollte sich auch beim Preis bemerkbar machen. Denn so hat der Kunde dann die Wahl zwischen günstig und nicht ganz so schnell, oder schnell und nicht ganz so günstig. In einem dicht besiedelten Land wie Deutschland funktioniert dass. Macht man aber nichts und durch die Netzengpässe nimmt die Zuverlässigkeit der Bahn immer weiter ab, treibt man die Menschen zu allererst wieder zum Auto.
Das Auto, des Deutschen liebstes Kind. Das sollten gerade unsere schweizer Forumsmitglieder beachten.

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ICE-T-Fan, Donnerstag, 27.11.2014, 23:02 (vor 4173 Tagen) @ Bronnbach Bhf

Für mich sind Altstrecken für 200 km/h bis auf wenige Ausnahmen (Leipzig-Berlin, Ingolstadt-München) ein Auslaufmodell.

Für die DB nicht. Es kommen ja auch neue hinzu:
Saarbrücken-Mannheim
Eisenach-Erfurt
Riesa-Dresden

Das Problem ist, dass der Restverkehr nur so langsam ist. Man sollte Güterzüge für 160 km/h entwickeln und RE-Züge auf 180 km/h anheben. Dann stören die IC mit 200 km/h auch nicht auf den Bestandsstrecken und die Kapazität der Strecke erhöht sich noch mehr, da die Blockdurchfahrtszeiten geringer werden.

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Freitag, 28.11.2014, 07:23 (vor 4173 Tagen) @ ICE-T-Fan

Das Problem ist, dass der Restverkehr nur so langsam ist. Man sollte Güterzüge für 160 km/h entwickeln und RE-Züge auf 180 km/h anheben.

Güterzüge mit ihren deutlich größeren Massen mit 160 bereitet mir Bauchschmerzen. Da wird viel Energie zum Beschleunigen verbraucht, und wenns mal kracht, ist da viel Bewegungsenergie im Spiel.

RE mit 180 - technisch machbar. Siehe die (nach A-Tarif verkehrenden) RE Frankfurt - Flughafen - Limburg - Montabaur - Siegburg- Köln. :D Sinnvoll ist es trotzdem nicht, bei noch dichteren Halten kommt man nicht mehr auf die Geschwindigkeit.

Anmerkende Grüße
der Colaholiker

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ICE-T-Fan, Freitag, 28.11.2014, 14:34 (vor 4172 Tagen) @ Colaholiker

Das Problem ist, dass der Restverkehr nur so langsam ist. Man sollte Güterzüge für 160 km/h entwickeln und RE-Züge auf 180 km/h anheben.


Güterzüge mit ihren deutlich größeren Massen mit 160 bereitet mir Bauchschmerzen. Da wird viel Energie zum Beschleunigen verbraucht, und wenns mal kracht, ist da viel Bewegungsenergie im Spiel.

Andererseits, 160 km/h unter LZB/ETCS sind schon sicherer als 100 km/h unter PZB.
Es geht ja hier erstmal nur um Strecken mit Führerstandssignalisierung also ABS200/ABS230.

Solche Strecken braucht Deutschland viel mehr, dann wäre auch der "normale" FV abseits der SFS wieder attraktiv.

Kandidaten für einen weiteren Ausbau:

Paderborn-Kassel
Bebra-Eisenach
Gießen-Friedberg-Frankfurt
Fulda-Bad Hersfeld-Bebra
Saaleck-Naumburg-Weißenfels
Großkorbetha-Makranstädt
Regensburg-Nürnberg
Aschaffenburg-Hanau

Es muss ja nicht immer 200 km/h sein, wird auch in vielen Fällen nicht funktionieren. Aber eine ABS160*, ABS170 oder ABS180 bringt ja auch etwas. Unter ETCS kann man ja dann auch führerstandssignalisierte Neigetechniküberwachung anbieten und Strecken mit mehr als 160 km/h befahren.

* dort wo derzeit nur 120-140 km/h gefahren werden

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flierfy, Freitag, 28.11.2014, 23:39 (vor 4172 Tagen) @ ICE-T-Fan

Andererseits, 160 km/h unter LZB/ETCS sind schon sicherer als 100 km/h unter PZB.

Sicherer mag es ja sein. Aber hohe Geschwindigkeiten in Kombination mit häufigen Unterwegshalten bedeutet viele Beschleunigungen. Das ist unangenehm für die Reisenden und auch energetisch nicht so vorteilhaft.

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ICE-T-Fan, Samstag, 29.11.2014, 00:41 (vor 4172 Tagen) @ flierfy

Es ging mir im konkreten Argument auch um den Güterverkehr.
RB würde ich nicht allzu viel beschleunigen.

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Dan_P, St. Ilgen/Sandhausen, Samstag, 29.11.2014, 09:05 (vor 4172 Tagen) @ ICE-T-Fan

Es ging mir im konkreten Argument auch um den Güterverkehr.
RB würde ich nicht allzu viel beschleunigen.

na ja, beim Güterverkehr bewegst Du ganz andere Massen als im Reiseverkehr - und die Geschwindigkeit geht in die kinetische Energie zum Quadrat ein. Der Energiebedarf zum Beschleunigen ist also dementsprechend. Und wenn dann doch was passiert, ist es egal, ob eine PZB oder eine LZB für die Zugsicherung zuständig ist - die Massen in Bewegung können schon verheerend sein ;)

--
bye, Dan

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Meine Fotos im Netz - http://www.dans-photos.net/

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naseweiß, Freitag, 28.11.2014, 09:56 (vor 4173 Tagen) @ ICE-T-Fan

Für mich sind Altstrecken für 200 km/h bis auf wenige Ausnahmen (Leipzig-Berlin, Ingolstadt-München) ein Auslaufmodell.

Für die DB nicht. Es kommen ja auch neue hinzu:
Saarbrücken-Mannheim

Auf der wird im schlimmsten Fall bald kein 200er-Zug mehr fahren, wenn:
- nationale IC/ICE Saarbrücken-Frankfurt/Stuttgart usw. eingestellt werden, verdrängt durch die REs
- internationale ICE/TGV über Karlsruhe-Strasbourg fahren

Das Problem ist, dass der Restverkehr nur so langsam ist. Man sollte Güterzüge für 160 km/h entwickeln und RE-Züge auf 180 km/h anheben. Dann stören die IC mit 200 km/h auch nicht auf den Bestandsstrecken und die Kapazität der Strecke erhöht sich noch mehr, da die Blockdurchfahrtszeiten geringer werden.

Dann must du aber den RB- und S-Verkehr einstellen. Der ist der langsamste. Bisher sind dessen Unterschiede zu RE und GV noch nicht so gewaltig wie in deinem Beispiel.

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ICE-T-Fan, Freitag, 28.11.2014, 14:28 (vor 4172 Tagen) @ naseweiß

Dann must du aber den RB- und S-Verkehr einstellen. Der ist der langsamste. Bisher sind dessen Unterschiede zu RE und GV noch nicht so gewaltig wie in deinem Beispiel.

Nein wieso? Die RE und der GV fahren dann in FV-Trassen, die RB und S-Bahnen dazwischen. Damit erhöht man die Streckenkapazität, da man nur noch zwei verschiedene Trassensysteme hat.

Bisher hat man 3 Geschwindigkeitsstufen.

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naseweiß, Freitag, 28.11.2014, 19:53 (vor 4172 Tagen) @ ICE-T-Fan

Dann must du aber den RB- und S-Verkehr einstellen. Der ist der langsamste. Bisher sind dessen Unterschiede zu RE und GV noch nicht so gewaltig wie in deinem Beispiel.

Nein wieso? Die RE und der GV fahren dann in FV-Trassen, ...

Der RE kann gar nicht in FV-Trassen fahren, da er meist deutlich mehr Zwischenhalte hat als der FV.

Leipzig - Dresden-Neustadt 118 km
- FV z.B. nontsop, bei 200 km/h ca. 45 min (derzeit ca. 60 min)
- RE z.B. 12 Halte, bei 160 km/h ca. 01:20 h (derziet 01:25-01:30 h)
- Unterschied 25 min

180 km/h bringen nur auf langen Abschnitten etwas, höchstens ein paar Minuten.

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Splittergattung, Freitag, 28.11.2014, 22:44 (vor 4172 Tagen) @ naseweiß

Der RE kann gar nicht in FV-Trassen fahren, da er meist deutlich mehr Zwischenhalte hat als der FV.

Leipzig - Dresden-Neustadt 118 km
- FV z.B. nontsop, bei 200 km/h ca. 45 min (derzeit ca. 60 min)
- RE z.B. 12 Halte, bei 160 km/h ca. 01:20 h (derziet 01:25-01:30 h)
- Unterschied 25 min

180 km/h bringen nur auf langen Abschnitten etwas, höchstens ein paar Minuten.

Auf der Strecke müsste man eh mal groß aufräumen...

Den FV-Halt in Riesa braucht kein Mensch, die Anschlüsse Richtung Elsterwerda und Döbeln - Chemnitz sind mies und Riesa selbst klein.

Der RE50 ist momentan so überfüllt, dass er dringend entlastet gehört. Sinnvoll wäre eine (afaik ohnehin mal angedachte) S4 Dresden Hbf - Cossebaude - Coswig - Priestewitz - Riesa und eine dauerhafte Verlängerung der Leipziger S1 bis Riesa mit guten Anschlüssen zur S4 für die Dörfer.
Der RE50 würde dann nur noch in Dresden Hbf, -Neustadt, Radebeul Ost, Coswig, Priestewitz, Riesa, Oschatz, evtl. Wurzen und Borsdorf halten und könnte in durchaus nennenswertem Ausmaß beschleunigt werden anstatt als quasi-RB dahinzugurken.

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ICE-T-Fan, Freitag, 28.11.2014, 22:56 (vor 4172 Tagen) @ Splittergattung

Der RE kann gar nicht in FV-Trassen fahren, da er meist deutlich mehr Zwischenhalte hat als der FV.

Leipzig - Dresden-Neustadt 118 km
- FV z.B. nontsop, bei 200 km/h ca. 45 min (derzeit ca. 60 min)
- RE z.B. 12 Halte, bei 160 km/h ca. 01:20 h (derziet 01:25-01:30 h)
- Unterschied 25 min

180 km/h bringen nur auf langen Abschnitten etwas, höchstens ein paar Minuten.


Auf der Strecke müsste man eh mal groß aufräumen...

Den FV-Halt in Riesa braucht kein Mensch, die Anschlüsse Richtung Elsterwerda und Döbeln - Chemnitz sind mies und Riesa selbst klein.

Dann muss man die Anschlüsse verbessern. ;)

Der Halt kostet ja nicht wirklich viel Zeit und solange es da nur einen Stundentakt im Fernverkehr gibt, sollten die FV-Züge mindest alle zwei Stunden dort halten.

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ICE-T-Fan, Freitag, 28.11.2014, 22:58 (vor 4172 Tagen) @ naseweiß

Dann must du aber den RB- und S-Verkehr einstellen. Der ist der langsamste. Bisher sind dessen Unterschiede zu RE und GV noch nicht so gewaltig wie in deinem Beispiel.

Nein wieso? Die RE und der GV fahren dann in FV-Trassen, ...

Der RE kann gar nicht in FV-Trassen fahren, da er meist deutlich mehr Zwischenhalte hat als der FV.

Leipzig - Dresden-Neustadt 118 km
- FV z.B. nontsop, bei 200 km/h ca. 45 min (derzeit ca. 60 min)
- RE z.B. 12 Halte, bei 160 km/h ca. 01:20 h (derziet 01:25-01:30 h)
- Unterschied 25 min

180 km/h bringen nur auf langen Abschnitten etwas, höchstens ein paar Minuten.

Dieser RE ist mehr eine RB als ein Expresszug, daher eher ein schlechtes Beispiel.

180 km/h REs - wofür?????

naseweiß, Samstag, 29.11.2014, 08:23 (vor 4172 Tagen) @ ICE-T-Fan

Dieser RE ist mehr eine RB als ein Expresszug, daher eher ein schlechtes Beispiel.

Das ist das alte Prinzip SE (Stadtexpress). Nahe der Zentren beschleunigt weil S/RB parallel, draußen dann einziger RV und entsprechend alle Halte bedienend.

Genau das ist aber der Punkt. Er ist nämlich ein gutes Beispiel für REs auf 200er-ABSn:

- Berlin-Elsterwerda-Dresden: REs halten praktisch überall bwz. kein RE
- Berlin-Wittenberg-Halleipzig: ebenso
- Hamburg-Uelzen-Hannover: ebenso
- Frankfurt-Mannheim: ebenso
- München-Augsburg-Dinkelscherben/Donauwörth: ebenso exkl. AFX
- Hamburg-Bremen-Bohmte: RE zumindest nicht wenige Halte
- Karlsruhe-Offenburg-Freiburg-Basel: RE halten sehr häufig

Einzig Saarbrücken-Mannheim werden die REs FV-ähnlich sein. Aber wozu 180 km/h? Sag doch mal einen Fall, wo man durch 180 km/h nennenswert was gewinnt, abseits NBS wie der NIM! Beim RRX war mal 200 km/h angedacht. Aber verworfen. Es ist teuer und bringt wegen der Stationsdichte praktisch nichts.

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180 km/h REs - wofür?????

L.Willms, Samstag, 29.11.2014, 19:37 (vor 4171 Tagen) @ naseweiß

Einzig Saarbrücken-Mannheim werden die REs FV-ähnlich sein. Aber wozu 180 km/h?

Deswegen.

Wenn die 2. Phase der LGV-Est bis Vendenheim fertig ist, werden statt fünf ICEs der Verbindung Frankfurt <-> Paris nur noch deren viere über Saarbrücken verkehren, und dafür zweie über Straßburg. Das Saarland fürchtet, vom Fernverkehr abgehängt zu werden wie so viele andere Gegenden (das benachbarte Trier z.B.).

Da ist ein RE mit Fernverkehrsreisezeiten ganz willkommen.

zusätzlicher Saarbrücken-ICE in Sicht

Henrik, Freitag, 05.12.2014, 04:35 (vor 4166 Tagen) @ L.Willms

Einzig Saarbrücken-Mannheim werden die REs FV-ähnlich sein. Aber wozu 180 km/h?

Deswegen.

Wenn die 2. Phase der LGV-Est bis Vendenheim fertig ist, werden statt fünf ICEs der Verbindung Frankfurt <-> Paris nur noch deren viere über Saarbrücken verkehren, und dafür zweie über Straßburg.

genau genommen ist es ja ein TGV, der seine Route ändern wird..
dafür zeichnet sich nun ein zusätzlicher ICE ab, nach Stuttgart.

Das Saarland fürchtet, vom Fernverkehr abgehängt zu werden wie so viele andere Gegenden (das benachbarte Trier z.B.).

viele?
Trier ist etwas anders gelagert, Randlage, Endlage, hatte eh nur einen ICE 1 in Tagesrandlage, dieser war eh sehr leer. hatte was, klar..

Da ist ein RE mit Fernverkehrsreisezeiten ganz willkommen.

gewiss, nur kommt man damit auch nicht so recht weit.. und vor allem nicht bequem.

180 km/h REs - wofür?????

ICE-T-Fan, Samstag, 29.11.2014, 19:49 (vor 4171 Tagen) @ naseweiß
bearbeitet von ICE-T-Fan, Samstag, 29.11.2014, 19:49

Aber wozu 180 km/h? Sag doch mal einen Fall, wo man durch 180 km/h nennenswert was gewinnt, abseits NBS wie der NIM! Beim RRX war mal 200 km/h angedacht.

Es geht doch nicht ums Gewinnen. Es geht darum, dass ein RE mit 180 km/h vor einem IC mit 200 km/h fahren kann, ohne ihn nennenswert abzubremsen. Eine ABS macht nur Sinn, wenn die Züge ähnlich schnell verkehren. Ein Zug der überall hält, ich nenne es der Einfachheit halber RB, muss natürlich überholt werden und zwar an sinnvoller Stellen. Aber Züge mit weniger oder gar keinen Halten sollten sich nicht gegenseitig überholen müssen. Das geht nur, wenn die Fahrzeitdifferenz möglichst gering ist. Nur statt den FV einzubremsen würde ich die RE und den GV beschleunigen, um die Differenz zu minimieren.

Fahrplan bestimmt Infrastruktur

Alphorn (CH), Samstag, 29.11.2014, 21:12 (vor 4171 Tagen) @ ICE-T-Fan

Es geht doch nicht ums Gewinnen. Es geht darum, dass ein RE mit 180 km/h vor einem IC mit 200 km/h fahren kann, ohne ihn nennenswert abzubremsen.

Nicht über längere Distanzen. Auch wenn der RE Tempo 200 fahren kann: Jeder Halt kostet bei solchen Geschwindigkeiten inklusive Abbremsen und Beschleunigen mindestens 6 Minuten (bei nur einer Minute Haltezeit). Da kommt man nicht weit, bevor der ICE ausgebremst wird.

Bessere Methode: Man baut die Infrastruktur passend zum Fahrplan. Wenn man den Fahrplan vorher festlegt, weiss man genau, an welcher Stelle der ICE aufschliesst - und baut genau dort ein Überholgleis. Zusätzlich müssen davor die Blöcke verdichtet werden, damit der ICE möglichst nah aufschliessen kann, bevor der RE zur Seite muss.

Oder besser noch: Man legt den Fahrplan genau so aus, dass die Überholung in einem Bahnhof geschieht, in dem die Haltezeit des RE sinnvoll genutzt werden kann: Zur Einrichtung eines ITF-Halts. Ein Beispiel ist der IR Zürich-Olten-Burgdorf-Bern, welcher 8 Minuten in Olten steht und dort vom IC Zürich-Bern überholt wird. Die Standzeit ist aber nicht verloren: Dank ihr kann der Zug in Olten Anschluss in alle Richtungen und Anschluss aus allen Richtungen bieten.

Fahrplan bestimmt Infrastruktur

ICE-T-Fan, Samstag, 29.11.2014, 21:21 (vor 4171 Tagen) @ Alphorn (CH)

Aus dem Grund deines Betreffs wird Eisenach-Erfurt übrigens von 160 auf 200 km/h angehoben. Man braucht hier jede Minute um den Knoten Erfurt mit den Knoten in Fulda und Frankfurt unter einen Hut zu bekommen. Wie man sieht, kann man also nicht generell auf 200 km/h verzichten, wenn es nicht zum Fahrplan passt. Daher ist die ganze Argumentation in dieser Richtung hinfällig.

180 km/h REs - wofür?????

naseweiß, Sonntag, 30.11.2014, 09:53 (vor 4171 Tagen) @ ICE-T-Fan

Es geht doch nicht ums Gewinnen. Es geht darum, dass ein RE mit 180 km/h vor einem IC mit 200 km/h fahren kann, ohne ihn nennenswert abzubremsen.

Aber das gibt es doch in der Regel nicht! Der RE fährt im Knotenbahnhof 1 (z.B. Leipzig) nach dem einem ICE ab und kommt im Knotenbahnhof 2 (z.B. Dresden) dann vor dem nachfolgenden ICE an. Dieses Schnell-langsam-Prinzip wird überall angewandt. Da ist die Frage der Maximal-Geschwindigkeit nicht unbedingt entscheidend. Entscheidend ist die Taktung und der Fahrzeitunterschied. Beim 60-min-Takt kann der RE geschlagene 52 min langsamer als der ICE sein (60 min minus zweimal Zugfolgezeit 4 min) ohne zwischendrin vom ICE überholt werden zu müssen.

Eine ABS macht nur Sinn, wenn die Züge ähnlich schnell verkehren.

Die ABS wird gebaut um dem Fernverkehr gute Fahrzeiten zu ermöglichen. Im schlimmsten Fall ist der Regionalverkehr langsamer als vorher. Das gibt es z.B. auf der ABS Ingolstadt-München. Früher konnten die RE an jedem Bahnhof im durchgehenden Hauptgleis halten, entsprechend spätes bremsen und frühes beschleunigen. Heute muss über 80er Weichen auf Überholgleise gefahren werden und dementsprechend länger mittelschnell gefahren werden. Und das kostet mehr Zeit als die höhere vmax zwischen den Stationen bringt.

Ein Zug der überall hält, ich nenne es der Einfachheit halber RB, muss natürlich überholt werden und zwar an sinnvoller Stellen. Aber Züge mit weniger oder gar keinen Halten sollten sich nicht gegenseitig überholen müssen.

Dort wo ICE fahren, halten die REs meist häufiger. Das ist ein funktionale Aufteilung. Sonst würde der subvensionierte RE dem eigenwirtschaftlichen ICE nur unnötig Konkurrenz machen. Ein schneller RE Leipzig-Dresden würde vermutlich dafür sorgen, dass die ICEs auf einen 2h-Takt eingekürzt werden.

Und REs, die wenig halten, verkehren vorallem dort, wo es keinen parallel ICE-Verkehr gibt, wie z.B. Nürnberg-Dresden.

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Sammelantwort

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 01.12.2014, 12:23 (vor 4169 Tagen) @ ICE-T-Fan

naseweiß:

Aber wozu 180 km/h? Sag doch mal einen Fall, wo man durch 180 km/h nennenswert was gewinnt, abseits NBS wie der NIM! Beim RRX war mal 200 km/h angedacht.

An sich ist die Gedanke nicht schlecht.

1. Nicht umsonst hatte DB beim ICx eine vmax von 230-250 km/h nachgestrebt.
Blickpunkt DB: wenn man die 200 km/h IC-Wagenzüge durch 250 km/h Triebwagen ersetzt, sind die neuen ICs keine Behinderung mehr für den ICEs.
Blickpunkt pragmatischer Niederländer: eine Fahrplanänderung hätte es auch getan. Ich vermisse z.B. auf Mannheim-Stuttgart einen ordentlichen Halbstundentakt, so wie es ihn bei uns gibt, oder in CH auf Bern-Olten.

Gut, wir wissen, die IC-Wagen sind nicht mehr das Allermodernste das die Bahn hat, und ein Nachfolger wäre ohnehin notwendig. Der Preisunterschied zwischen IC200- und IC250-Triebwagen wäre nur marginal gewesen.

2. Bei uns gab/gibt es auch die Überlegung, die vmax auf 160 km/h anzuheben (aktuell ist diese 140 km/h).
Das betraf aber der komplette Personenverkehr der NS: "Sprinter", "IC" und ICE International.
Wenn man nur die REs auf 180 beschleunigt, profitieren die RBs nicht.
Und sowohl in DE als in NL als in CH würde die Cargos gar nicht profitieren.
Na gut, bei uns versucht man noch zumindest den allermeisten Schienencargo auf eine Strecke zu verlagern (Betuweroute). Leider befinden sich auch weit abseits dieser Schienengüterautobahn Unternehmen, die Bahnanschluß haben aber mit der Betuweroute nicht geholfen sind (z.B. Nedcar und DSM in der Nähe von Sittard)

ICE-T-Fan:

Eine ABS macht nur Sinn, wenn die Züge ähnlich schnell verkehren.

Das ist richtig und wird auch bei uns praktisiert. Der 140 km/h schnelle "Sprinter" ist im Schnitt genauso schnell wie ein 100 km/h Güterzug. Also befahren zwischen Utrecht und Amsterdam die Cargos die Regionalgleise. Die Ferngleise sind dann für die "IC"s (8 pro Stunde und Richtung, geplant: 12) und dem ICE International.

Nur statt den FV einzubremsen würde ich die RE und den GV beschleunigen, um die Differenz zu minimieren.

Ab einem bestimmten Punkt geht das nicht mehr. 120 km/h ist immer noch nicht eine Regelgeschwindigkeit für Cargos.

Alphorn (CH):

Auch wenn der RE Tempo 200 fahren kann: Jeder Halt kostet bei solchen Geschwindigkeiten inklusive Abbremsen und Beschleunigen mindestens 6 Minuten (bei nur einer Minute Haltezeit). Da kommt man nicht weit, bevor der ICE ausgebremst wird.

In Deutschland fährt s.i.w. nur der MüNüX 200 km/h als RE. Auf Nürnberg-Ingolstadt hat das auch wenig Einfluss, weil der Zug nur in Allersberg und Kinding hält. Das ist schon ein wesentlicher Unterschied in Vergleich zu Dresden-Leipzig.

Man baut die Infrastruktur passend zum Fahrplan. Wenn man den Fahrplan vorher festlegt, weiss man genau, an welcher Stelle der ICE aufschliesst - und baut genau dort ein Überholgleis.

Das funktioniert hervorragend in CH mit seinem ITF, wo Fahrzeiten sozusagen in Stein gemeisselt sind. Bei uns wird gerne mit Minuten gespielt, um einen Zug einpassen zu können.

Man legt den Fahrplan genau so aus, dass die Überholung in einem Bahnhof geschieht...

Das machen wir schon bei eingleisigen Strecken. Inzwischen hat z.B. auf der Maaslinie (Nijmegen-Venlo-Roermond) fast jeder Bahnhof zwei Gleise, also kann die Vorbeifahrt des Gegenzuges in einem Bahnhof stattfinden. Die Bahnhöfe sind meistens in 7,5-Minutenabstand, also ist in Theorie ein 15-Minutentakt auf eingleisigen Strecken möglich.

naseweiß:

Entscheidend ist die Taktung und der Fahrzeitunterschied. Beim 60-min-Takt kann der RE geschlagene 52 min langsamer als der ICE sein (60 min minus zweimal Zugfolgezeit 4 min) ohne zwischendrin vom ICE überholt werden zu müssen.

Es ist mir klar, wieso dort keinen Halbstundentakt machbar ist. Angeblich sind die Überholstellen nicht so dicht gesäht wie bei uns. Und dann kommt noch der vmax-Unterschied dazu.

Dort wo ICE fahren, halten die REs meist häufiger. Das ist ein funktionale Aufteilung. Sonst würde der subventionierte RE dem eigenwirtschaftlichen ICE nur unnötig Konkurrenz machen. Ein schneller RE Leipzig-Dresden würde vermutlich dafür sorgen, dass die ICEs auf einen 2h-Takt eingekürzt werden.

O ja, dieser Unterschied habt Ihr auch noch. Bei uns sind "Sprinter" und "IC" beide Bestandteil des Grundangebots.

Aber das von Dir genannte Verfahren haben wir auch: NS hatte mal die Schiphol "IC"s alle nach Den Haag Centraal verlängert, dafür die Amsterdam-Leiden-Rotterdam "IC"s über Haarlem geführt und Pseudo-Metropole wie Heemstede-Aerdenhout einen "IC"-Halt "gegönnt". Alles mit der Absicht, Direktreisende Amsterdam-Schiphol-Rotterdam in den (zuschlagpflichtigen) IC Direkt zu kriegen.
Oh Ironie: das Verfahren hatte kontraproduktiv gewirkt, weil der IC Direkt nur halbstündlich angeboten wird, und die Altstrecken-Takt-"IC"s jede 15 Minuten verkehren. Wenn man in Amsterdam oder Schiphol den IC Direkt gerade verpasst, lohnt es also, den Umweg zu nehmen = man ist eher in Rotterdam, wenn man via Den Haag fährt, als wenn man den nächsten IC Direkt nimmt.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Sammelantwort

ICE-T-Fan, Montag, 01.12.2014, 19:03 (vor 4169 Tagen) @ Oscar (NL)

So oder so, es ist Unsinn den Fernverkehr abseits der SFS generell auf 160 km/h zu beschränken. So groß ist die Differenz zu 200 km/h ja nun auch wieder nicht. Zudem muss der Fernverkehr in aufkommensschwachen Systemhalten in einen Taktfahrplan integriert werden mit optimalen Anschlüssen.

In München oder Frankfurt ist es egal ob der ICE 5 oder 10 min später eintrifft, da die S-Bahnen und Umlandverkehr dicht getaktet sind. In Erfurt oder Eisenach hingegen machen 10 min viel aus, nämlich für Umsteiger mitunter 60 Minuten oder mehr.

Unterschätze die Geschw-Differenz nicht

flierfy, Dienstag, 02.12.2014, 21:47 (vor 4168 Tagen) @ ICE-T-Fan

So oder so, es ist Unsinn den Fernverkehr abseits der SFS generell auf 160 km/h zu beschränken. So groß ist die Differenz zu 200 km/h ja nun auch wieder nicht.

Regionalbahnen fahren mit 60 km/h Reisegeschwindigkeit durchs Land. Mit 200 gegenüber 160 km/h würdest du die Geschw-Differenz und im gleichen Mass die Zahl der notwendigen Überholungen um 40% erhöhen.

Unterschätze die Geschw-Differenz nicht

ICE-T-Fan, Dienstag, 02.12.2014, 23:03 (vor 4168 Tagen) @ flierfy

Zwischen Eisenach und Erfurt erhöht sich die Anzahl der Überholungen nach Anhebung der Geschwindigkeit von 160 auf 200 km/h überhaupt nicht. Dafür ist die Strecke zu kurz.

Unterschätze die Geschw-Differenz nicht

flierfy, Dienstag, 02.12.2014, 23:50 (vor 4168 Tagen) @ ICE-T-Fan

Zwischen Eisenach und Erfurt erhöht sich die Anzahl der Überholungen nach Anhebung der Geschwindigkeit von 160 auf 200 km/h überhaupt nicht. Dafür ist die Strecke zu kurz.

Dann kostet es ein oder zwei Güterverkehrstrassen.

Unterschätze die Geschw-Differenz nicht

ICE-T-Fan, Mittwoch, 03.12.2014, 05:26 (vor 4168 Tagen) @ flierfy
bearbeitet von ICE-T-Fan, Mittwoch, 03.12.2014, 05:27

Zwischen Eisenach und Erfurt erhöht sich die Anzahl der Überholungen nach Anhebung der Geschwindigkeit von 160 auf 200 km/h überhaupt nicht. Dafür ist die Strecke zu kurz.

Dann kostet es ein oder zwei Güterverkehrstrassen.

Und welche? Die Fahrzeitdifferenz beträgt hier ja gerade mal 2-3 Minuten.

Unterschätze die Geschw-Differenz nicht

Dan_P, St. Ilgen/Sandhausen, Mittwoch, 03.12.2014, 04:47 (vor 4168 Tagen) @ ICE-T-Fan

Zwischen Eisenach und Erfurt erhöht sich die Anzahl der Überholungen nach Anhebung der Geschwindigkeit von 160 auf 200 km/h überhaupt nicht. Dafür ist die Strecke zu kurz.

Die Frage ist doch: Rechtfertigt die Zeitersparnis überhaupt den Energieverbrauch?

--
bye, Dan

[image]

Meine Fotos im Netz - http://www.dans-photos.net/

Unterschätze die Geschw-Differenz nicht

ICE-T-Fan, Mittwoch, 03.12.2014, 05:27 (vor 4168 Tagen) @ Dan_P

Zwischen Eisenach und Erfurt erhöht sich die Anzahl der Überholungen nach Anhebung der Geschwindigkeit von 160 auf 200 km/h überhaupt nicht. Dafür ist die Strecke zu kurz.


Die Frage ist doch: Rechtfertigt die Zeitersparnis überhaupt den Energieverbrauch?

Ohne die Zeitersparnis ist der Anschluss in Frankfurt an die Züge von und nach Mannheim gefährdet, also im konkreten Fall wohl schon.

CH: Spurtstarke Güterzüge

Alphorn (CH), Freitag, 28.11.2014, 13:44 (vor 4172 Tagen) @ ICE-T-Fan

Das Problem ist, dass der Restverkehr nur so langsam ist. Man sollte Güterzüge für 160 km/h entwickeln und RE-Züge auf 180 km/h anheben. Dann stören die IC mit 200 km/h auch nicht auf den Bestandsstrecken und die Kapazität der Strecke erhöht sich noch mehr, da die Blockdurchfahrtszeiten geringer werden.

In der Schweiz ist das zweitgrösste Detailhandesunternehmen Coop mit seinem eigenen EVU erstaunlich erfolgreich mit folgendem Konzept:

Die Güterzüge sind relativ kurz und leicht, 250 Meter und 700 Tonnen, damit sind sie ziemlich spurtstark. Zudem haben sie eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Dank dieser Parameter stehen ihnen fast alle Neben- und S-Bahn-Strecken offen, weil sie das Tempo von S- und Regionalzügen halten können und die Länge der Kreuzungsstationen ausreicht.

Auf Fernverkehrsstrecken geht das Mitschwimmen natürlich nicht. Dort ist es allerdings oft so, dass die Züge wegen des ITF gebündelt fahren und dazwischen Platz für langsamere Züge bleibt.

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

ICE-T-Fan, Freitag, 28.11.2014, 14:35 (vor 4172 Tagen) @ ICE-T-Fan

Für mich sind Altstrecken für 200 km/h bis auf wenige Ausnahmen (Leipzig-Berlin, Ingolstadt-München) ein Auslaufmodell.


Für die DB nicht. Es kommen ja auch neue hinzu:
Saarbrücken-Mannheim
Eisenach-Erfurt
Riesa-Dresden

Die längste habe ich natürlich vergessen:
Dresden-Berlin


Das Problem ist, dass der Restverkehr nur so langsam ist. Man sollte Güterzüge für 160 km/h entwickeln und RE-Züge auf 180 km/h anheben. Dann stören die IC mit 200 km/h auch nicht auf den Bestandsstrecken und die Kapazität der Strecke erhöht sich noch mehr, da die Blockdurchfahrtszeiten geringer werden.

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

L.Willms, Freitag, 28.11.2014, 07:12 (vor 4173 Tagen) @ Bronnbach Bhf

Eine stündliche IC Linie zwischen Frankfurt und Nürnberg via Ansbach könnte ich mir z.B. auch sehr gut vorstellen.

Ist wirklich "zwischen Frankfurt und Nürnberg" gemeint, oder nicht doch "zwischen Frankfurt und München", d.h. auch über Treuchtlingen und Augsburg?

Für Verbindungen zwischen Würzburg und Nürnberg ist der Umweg über Ansbach doch nicht sinnvoll, in meiner unbescheidenen Meinung. Ansbach - Nürnberg würde doch besser von Zügen Stuttgart - Nürnberg bedient.

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

guru61, Arolfingen, Freitag, 28.11.2014, 08:20 (vor 4173 Tagen) @ Bronnbach Bhf
bearbeitet von guru61, Freitag, 28.11.2014, 08:23

Ich kann die Kritik in dem Artikel nur bedingt teilen.
Tatsache ist, dort wo es nur Altstrecken gibt, verdrängt der ICE den IC. Der Grund liegt aber doch zu allererst daran, dass diese Altstrecken hoffnungslos überlastet sind, und die ICE Linien lange Durchmesserlinien sind, die dazu noch an Korrespondenzknoten verknüpft sind und daher schlicht Vorrang geniessen. Das ist das Ergebnis von Mangelverwaltung.

Ist das wirklich so?
Wenn ich an einer deutschen Strecke ausserhalb eines S- Bahn Systems stehe, dann warte ich viel länger als an einer Hauptstrecke in der Schweiz.

Heute sind problemlos 2 Minutenabstände bei 200 km/h möglich. Wers nicht glaubt stehe an die Neubaustrecke Mattstetten - Rothrist. Da erlebt er jede halbe Stunde 2 Pulks à 3 Züge im 2 Minutenabstand.


Dazu kommt, dass diese Altstrecken häufig auf 160 bis 200km/h ausgebaut sind, und die ICE´s ggü. dem NV und GV echte Trassenfresser sind. Aber deshalb das Rad zurück drehen und die Vmax auf den Altstrecken einfach so reduzieren? Dann wird die Bahn für rund die Hälfte der FV Nutzer schlicht unanttraktiv. Ich sehe die Lösung eher darin, dass man das SFS Netz in Deutschland endlich schließt und damit den A-Verkehr (ICE) auf die SFS verbannt, den B-Verkehr (IC/EC) unter Reduzierung der Vmax (dann keine Trassenfresser mehr) auf den Altstrecken belässt und dabei mehr mittelgroße Städte konsequent bedient.

Das mit dem Trassenfresser stimmt nur, weil man sich nicht darum gekümmert hat, welchen Fahrplan man daruf abwickeln will.
Das Beispiel Japan zeigt, dass Ueberholungen durchaus, und ohne wesentlichem Zeitverlust möglich sind.
https://www.youtube.com/watch?v=GVwemt7rdiM
Laut einem Augenzeugen, der das auch fotografisch dokumentiert hat steht der Kodama höchstens 5 Minuten.
Aber es muss die Infrstruktur bereitstehen.
Dass der haltende Zug nicht über 40er Weichen fahren muss, dürfte klar sein.

Wenn ich den Zugbegleiter des ICEs Interlaken - Berlin ansehe, dann fährt der selten mal über 100 Kilometer durch. Somit hat auch die Erhöhung der Höchstgeschweindiglkeit nur begrenzten Wert.
Ein einfaches Rechenbeispiel: Wenn du 100 km mit 200 fährst und 100 km mit 250, dann gewinnst du 0.1 Stunden, also 6 Minuten!
Bei 160 gewinnst du 0.225 Stunden gegenüber 250 sind 13.5 Minuten. Also stundenlange Einsparungen bedingen entweder lange Neubaustrecken oder lange Fahrzeiten mit hoher Geschwindigkeit oder sehr hohe Geschwindigkeit.
Da darf man sich schon fragen, ob es wegen 6 Minuten sinnvoll ist, 100 Kilometer Schnellfahrlinie zu bauen, oder ob man das Geld nicht in eine Optimierung der bestehenden Strecken investieren soll.
Eine Neubaustrecke kostet in Deutschland ca 25 Mio Euro pro Kilometer.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-81136870.html
Die Frage ist schon, ob sich mit den 1.25 Milliarden Euronen für 50 km Neubaustrecke nicht nahezu denselben Effekt erzielen liesse, wenn man eine Altbaustrecke punktuell verbessert. Gerade, wenn sie wie im Rheintal und im Norden deutschlands eh schon günstig trassiert ist.


Denn so hat der Kunde dann die Wahl zwischen günstig und nicht ganz so schnell, oder schnell und nicht ganz so günstig. In einem dicht besiedelten Land wie Deutschland funktioniert dass. Macht man aber nichts und durch die Netzengpässe nimmt die Zuverlässigkeit der Bahn immer weiter ab, treibt man die Menschen zu allererst wieder zum Auto.

Gerade diese Wahl hat man aber nicht bzw. sie ist vom Konzern DB nicht erwünscht. Den IR, langesam, gemütlich, billig und beliebt hat man zugunsten des ICE doch abgewürgt, und damit, ich zitiere aus dem "Schwarzbuch DB" einen Verlust von 30% im FV hingenommen.
Die Passagiere sollten auf den ICE geprügelt werden.
Und nun geschieht dasselbe mit dem IC.

Das Auto, des Deutschen liebstes Kind. Das sollten gerade unsere schweizer Forumsmitglieder beachten.

Bei den Schweizern auch:
http://www.factfish.com/de/statistik/fahrzeuge+pro+1000+einwohner
Wir haben 573 und ihr 588 Fahrzeuge pro 1'000 Einwohner.
Bei uns fährt jeder Einwohner 10'165 km Auto und 3'823 km Bahn, also nicht mal 20%
Wenn wir rechnen, 10'183 / 0.573 (den Fahrzeugbestand pro Einwohner) dann kommen wir auf rund 17'800 km pro Fahrzeug und Jahr.
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/news/publikationen.Document.157668.pdf

Nach der Tabelle hier:
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.411737.de/12-47-1.pdf

Auf Seite 6, fährt jedes Auto in Deutschland lediglich 14'200 km pro Jahr. Also über 3'000 km weniger.
Somit wäre der Mythos vom liebsten Kind widerlegt.

Nun kann man sich mal fragen, warum denn in der Schweiz, trotzdem das Auto mehr genutzt wird, die Bahn soviel attraktiver ist?

Gruss Guru

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

naseweiß, Freitag, 28.11.2014, 10:01 (vor 4173 Tagen) @ guru61

Nun kann man sich mal fragen, warum denn in der Schweiz, trotzdem das Auto mehr genutzt wird, die Bahn soviel attraktiver ist?

Die Schweiz stinkt nach Geld. Können sich dicke Autos leisten und damit sinnlos herumgurken und außer der HVZ leere Züge herumfahren lassen um überall ganztags einen 30-min-Takt zu haben.

Kannst das doch mal den Griechen usw. vorhalten, wieso sie nicht so toll sind.

--
[image]

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

guru61, Arolfingen, Freitag, 28.11.2014, 19:40 (vor 4172 Tagen) @ naseweiß

Die Schweiz stinkt nach Geld. Können sich dicke Autos leisten und damit sinnlos herumgurken und außer der HVZ leere Züge herumfahren lassen um überall ganztags einen 30-min-Takt zu haben.

Kannst das doch mal den Griechen usw. vorhalten, wieso sie nicht so toll sind.

Und was willst du damit sagen?
Dass die Griechen vom Lieben Gott zur massiven Verschuldung geprügelt wurden, und sie nicht die S..bande, die sie jahrzehntelang regierte, immer wieder gewählt haben?

Und das andere, wegen den Schweizern:
Auch bei uns wächst das Geld nicht in der Anusfalte, sondern musste erwirtschaftet werden. Für ein Land ohne Rohstoffe wie Eisen, Kupfer und Kohle war das nicht immer einfach!

Nachdem die Politik in den 70er Jahren von HGV Strecken schwärmte, wurde dann bald klar, dass dies nie vom Volk angenommen würde. Denn der Schweizer ist noch knauseriger als die Schwäbische Hausfrau.
Wenn er keinen Vorteil für sein Steuergeld sieht, dann sagt er Nein!
Und da ihm das Steuern zahlen in der Regel weh tut, er bekommt nämlich jedes Jahr eine Rechnung und muss die Steuern in 3 Raten bis September bezahlen, bleiben ihm die Steuern immer im Hintergrund präsent.
Also wurde die Politik dazu gezwungen, das vorhandene Geld so auszugeben, dass möglichst viele was davon hatten.
Darum entstand das Konzept Taktfahrplan und später Bahn 2'000.
Ich glaube, wir können nicht sagen, dass wir da viel falsch gemacht haben:
Für das Geld eines S 21, konnten wir das ganze Netz auf bahn 2'000 ausrichten.
Dies zeigt sich auch in den Subventionen, die für jeden Passsagier aufgewendet werden müsssen: Laut der „Eisenbahn Revue international“ (2/2011, Seite 93, es wird das „Primon-Gutachten zitiert) wendet die Schweiz 2,4 Cent pro Personenkilometer Bahn auf, Deutschland hingegen ca. das Dreifache, nämlich 7.0 Cent!

Das war auch in der Schweiz ein Paradigmenwechsel, dass man zuerst den Fahrplan festlegt und dann erst die Ausbauten bestimmt, die dafür nötig sind.

Und trotz allem geben wir noch Geld ins Ausland, um die Zulaufstrecken auszubauen:
http://www.srf.ch/news/schweiz/wie-die-schweiz-das-europaeische-bahnnetz-mitfinanziert.

Warum nun meine Frage, ob man sich in Deutschland nicht überlegen soll, die knappen vorhandenen Gelder dort anzulegen, wo sie auch die grösste Wirkung haben, dich in Rage bringt, musst du mir schon genauer erklären.

Gruss Guru

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

L.Willms, Freitag, 28.11.2014, 21:06 (vor 4172 Tagen) @ guru61

Und trotz allem geben wir noch Geld ins Ausland, um die Zulaufstrecken auszubauen:
http://www.srf.ch/news/schweiz/wie-die-schweiz-das-europaeische-bahnnetz-mitfinanziert.

Der Punkt am Ende von "mitfinanziert" muß weg, sonst gibt es ein
"Diese Seite wurde nicht gefunden - Vermutlich verwenden Sie eine Webadresse, die nicht (mehr) verfügbar ist."

Mit ohne Punkt am Ende gehts.

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

guru61, Arolfingen, Samstag, 29.11.2014, 07:54 (vor 4172 Tagen) @ L.Willms

Und trotz allem geben wir noch Geld ins Ausland, um die Zulaufstrecken auszubauen:
http://www.srf.ch/news/schweiz/wie-die-schweiz-das-europaeische-bahnnetz-mitfinanziert


Der Punkt am Ende von "mitfinanziert" muß weg, sonst gibt es ein
"Diese Seite wurde nicht gefunden - Vermutlich verwenden Sie eine Webadresse, die nicht (mehr) verfügbar ist."

Mit ohne Punkt am Ende gehts.

Danke
Hier die Korrektur

http://www.srf.ch/news/schweiz/wie-die-schweiz-das-europaeische-bahnnetz-mitfinanziert

Gruss Guru

Kodama stehen auch schon mal länger

Felix, Göttingen, Freitag, 28.11.2014, 10:16 (vor 4173 Tagen) @ guru61

Das mit dem Trassenfresser stimmt nur, weil man sich nicht darum gekümmert hat, welchen Fahrplan man daruf abwickeln will.
Das Beispiel Japan zeigt, dass Ueberholungen durchaus, und ohne wesentlichem Zeitverlust möglich sind.
https://www.youtube.com/watch?v=GVwemt7rdiM
Laut einem Augenzeugen, der das auch fotografisch dokumentiert hat steht der Kodama höchstens 5 Minuten.

Hier ist ein anderes Video:

https://www.youtube.com/watch?v=z5MUNXITXDg

Da steht der Kodama 7,5 Minuten.

In Deutschland gibt es fahrplanmäßige Überholungen langsamer Personenzüge (RB, RE) durch schnelle Personenzüge auch, aber nur vereinzelt. Man will den Fahrgästen die langen Haltezeiten nicht zumuten. Hinzu kommt, daß man sich in Deutschland, anders als in Japan, auf die Pünktlichkeit des überholenden Zuges nicht im Geringsten verlassen kann.

Aber es muss die Infrstruktur bereitstehen.
Dass der haltende Zug nicht über 40er Weichen fahren muss, dürfte klar sein.

Im Shinkansen-Netz - oder zumindest auf der Tokaido-Strecke - sind es 80er Weichen.

Kodama stehen auch schon mal länger

guru61, Arolfingen, Freitag, 28.11.2014, 18:56 (vor 4172 Tagen) @ Felix
bearbeitet von guru61, Freitag, 28.11.2014, 18:58

Hier ist ein anderes Video:

https://www.youtube.com/watch?v=z5MUNXITXDg

Da steht der Kodama 7,5 Minuten.

Natürlich, was technisch möglich ist, muss betrieblich nicht immer ausgereizt werden :-)
Das kann auch zur Hebung der Betriebsqualität beitragen.


In Deutschland gibt es fahrplanmäßige Überholungen langsamer Personenzüge (RB, RE) durch schnelle Personenzüge auch, aber nur vereinzelt. Man will den Fahrgästen die langen Haltezeiten nicht zumuten. Hinzu kommt, daß man sich in Deutschland, anders als in Japan, auf die Pünktlichkeit des überholenden Zuges nicht im Geringsten verlassen kann.

Voll Einverstanden, die Pünktlichkeit ist das Haben, oder nicht Haben.

Aber es muss die Infrstruktur bereitstehen.
Dass der haltende Zug nicht über 40er Weichen fahren muss, dürfte klar sein.


Im Shinkansen-Netz - oder zumindest auf der Tokaido-Strecke - sind es 80er Weichen.

Danke für die Info.

Gruss Guru

Artikel: "HGV-Züge zerstören das europäische Bahnnetz"

TheFons, Freitag, 28.11.2014, 22:49 (vor 4172 Tagen) @ guru61

Die Frage ist schon, ob sich mit den 1.25 Milliarden Euronen für 50 km Neubaustrecke nicht nahezu denselben Effekt erzielen liesse, wenn man eine Altbaustrecke punktuell verbessert.

Das kommt drauf an. Ist die geplante Neubaustrecke nicht wesentlich kürzer als die Altstrecke, macht es immer Sinn, die Altstrecke auszubauen. Für mich sind die entscheidenden Parameter Kapazitätserweiterung und Einsparung von Umwegen, nicht die maximal erreichbare Geschwindigkeit (eher noch die Reisegeschwindigkeit).

Neubaustrecken (es müssen nicht Hochgeschwindigkeitsstrecken sein) machen nur Sinn, wenn sie im Vergleich zur Altstrecke deutlich kürzer sind und möglichst viele Züge (Personen- und Güterzüge) von der Altstrecke wegziehen können (optimalerweise ohne die Halte an der Altstrecke allzusehr zu kannibalisieren).

Dies wäre z.B. bei einer geraden Bahnstrecke Hamburg-Hannover der Fall. Gäbe es eine solche Strecke, ca. 30 km kürzer als die Strecke über Celle, dann könnte die Züge über diese direkte Linie fahren und jedesmal 30 km Strecke einsparen. Man könnte ja mal ausrechnen, was es eingespart hätte, hätte man bereits 20 Jahre dutzende von Zügen täglich diese kürzere Route fahren lassen können. Da fast alle Fernverkehrszüge eh nicht in Lüneburg, Uelzen und Celle halten, hielte sich der Schaden für diese Städte in Grenzen.

Ähnlich sinnvoll wären die Strecken Nürnberg-Ingolstadt und Köln-Frankfurt, wenn man sie für Geschwindigkeiten für 200 km/h und als Mischstrecken gebaut hätte. Durch beide Strecken könnten dann Personen- UND Güterzügen beträchtliche Umwege erspart werden. Nun mag man einwenden, das die Entflechtung schneller und langsamer Verkehre sinnvoll sei. Doch das ist nur scheinbar der Fall. Wenn nämlich nur die schnellen ICE die Neubaustrecken benutzen, die Güterzüge (in der Regel die Mehrheit der Züge und von beträchtlicher Masse) aber weiterhin riesige Umwege fahren müssen, so ist das nicht optimal. Folglich ist es besser, Neubaustrecken für den Mischverkehr zu bauen, in denen genügend Überholgleise eingebaut sind. Werden diese lang genug gewählt, kann man Güterzüge sogar fliegend überholen.

Wenn man noch Langsamfahrstellen und Nadelöhre beseitigt, könnten auf beiden Strecken Züge fahren, die die derzeitigen Fahrzeiten nahezu erreichen würden.

Strecken die gar nicht von Güterzügen oder nur nachts von solchen befahren werden können, sollten der Vergangenheit angehören und sind als Irrweg anzusehen. Beispiel wäre hier die NBS Leipzig-Nürnberg. Diese Strecke spart erstens nicht viele km, zweitens sind ausbauwürdige Altstrecken vorhanden und drittens sollen dort, soweit ich weiß, nicht den ganzen Tag Güterzüge fahren dürfen.
Viertens wird eine große Region zugunsten Erfurts vom Fernverkehr abgehänt.

Ein Flop ist bekanntlich auch die NBS Köln-Frankfurt in ihrer heutigen Form. Eine Führung über Halte wie z.B. Koblenz Ost und Wiesbaden Nord wäre besser gewesen, da diese Halte wichtiger sind als Montabaur und Limburg, die Strecke wäre aber kaum länger gewesen. Da die Strecke in heutiger Form keine Güterzüge zulässt, hat man das Problem der Verstopfung der Rheinstrecke weiterhin am Hals.

Viele Grüße

NL: Casus HSL-Zuid.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 01.12.2014, 13:31 (vor 4169 Tagen) @ guru61
bearbeitet von Oscar (NL), Montag, 01.12.2014, 13:32

Hallo guru61,

Da darf man sich schon fragen, ob es wegen 6 Minuten sinnvoll ist, 100 Kilometer Schnellfahrlinie zu bauen, oder ob man das Geld nicht in eine Optimierung der bestehenden Strecken investieren soll.

Die HSL-Zuid ist da ein interessanter Fall. Die Strecke wurde bereits 1973 erstmals genannt. Sie sollte Bestandteil eines europaweiten HGV-Netzes werden. Amsterdam sollte via Brüssel eine Schnellverbindung mit der Europa-Eisenbahnhauptstadt Paris erhalten. Rein pragmatisch wäre die Strecke nicht unbedingt nötig gewesen, aber unsere Regierung war nunmal empfindlich für die TGV-verliebten Franzosen, die auch gerne blitzschnell nach Amsterdam reisen möchten.

Verkehrstechnisch bietet die HSL-Zuid allerdings ein weiterer Vorteil: man kann die Verkehre Amsterdam-Den Haag und Amsterdam-Rotterdam trennen. Aber dafür braucht man nicht unbedingt eine 300 km/h Rennbahn zu bauen; eine normale 160 km/h IC-Strecke würde auch schon einiges tun. Und so geschah: die Streckenverkürzung brachte mehr Zeitgewinn als die Anhebung der vmax; man vergleicht halt die Fahrzeiten Amsterdam-Rotterdam von Thalys (0:36), IC Direkt (0:41) und der Altstrecken-"IC" (1:10).

Weil die HSL-Zuid mit 25kV und ERTMS versehen ist, war eine Verlagerung der Inlands-"IC" aber nicht möglich, also konnte man das Argument "Verkehre trennen" für die Verteidigung der HSL-Zuid nicht verwenden.

Die Frage ist schon, ob sich mit den 1.25 Milliarden Euronen für 50 km Neubaustrecke nicht nahezu denselben Effekt erzielen liesse, wenn man eine Altbaustrecke punktuell verbessert. Gerade, wenn sie wie im Rheintal und im Norden deutschlands eh schon günstig trassiert ist.

Hier kommt der Faktor Lokalpolitik ins Spiel.
In Deutschland möchte jede sichselbst respektierende Stadt ICE-Halt sein, und gefälligst soll auch jeder ICE, der dort vorbeikommt, halten. So wird es selbstverständlich nichts mit einem Mannheim-Bypass, welche eine Kantenzeit Frankfurt-Stuttgart von 1 Stunde ermöglichen würde.

Die Passagiere sollten auf den ICE geprügelt werden.
Und nun geschieht dasselbe mit dem IC.

Vergeblich. Die Bahn prügelt sie in die Fernbusse.

Und Amsterdam-Rotterdam? Jan akzeptiert den Aufpreis (2,30 pro Fahrt oder 50-60 Euro pro Monat). Er kann das Abo auf seiner Chipkarte laden. Oder er nimmt den Umweg via Den Haag. Das müssen die Autofahrer sowieso. Und die stehen in der HVZ im Stau.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

NL: Casus HSL-Zuid.

flierfy, Dienstag, 02.12.2014, 21:43 (vor 4168 Tagen) @ Oscar (NL)

Verkehrstechnisch bietet die HSL-Zuid allerdings ein weiterer Vorteil: man kann die Verkehre Amsterdam-Den Haag und Amsterdam-Rotterdam trennen. Aber dafür braucht man nicht unbedingt eine 300 km/h Rennbahn zu bauen; eine normale 160 km/h IC-Strecke würde auch schon einiges tun. Und so geschah: die Streckenverkürzung brachte mehr Zeitgewinn als die Anhebung der vmax; man vergleicht halt die Fahrzeiten Amsterdam-Rotterdam von Thalys (0:36), IC Direkt (0:41) und der Altstrecken-"IC" (1:10).

Diese Argumentation hat nur einen Fehler. Die Streckenverkürzung kommt in erster Linie deshalb zu Stande, weil für eine hohe Geschwindigkeit trassiert wurde. Hätte man eine Entwurfsgeschwindigkeit von nur 160 km/h gewählt, wäre die Strecke längst nicht so geradlinig trassiert worden und wäre entsprechend länger gewesen.

NL: Casus HSL-Zuid.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 03.12.2014, 12:26 (vor 4167 Tagen) @ flierfy

man vergleicht halt die Fahrzeiten Amsterdam-Rotterdam von Thalys (0:36), IC Direkt (0:41) und der Altstrecken-"IC" (1:10).

Diese Argumentation hat nur einen Fehler. Die Streckenverkürzung kommt in erster Linie deshalb zu Stande, weil für eine hohe Geschwindigkeit trassiert wurde. Hätte man eine Entwurfsgeschwindigkeit von nur 160 km/h gewählt, wäre die Strecke längst nicht so geradlinig trassiert worden und wäre entsprechend länger gewesen.

Bin ich mir nicht sicher.

Das Gelände ist flach; man kann also relativ einfach eine Trassierung wählen. Wenn ich mir Google Maps angucke, sehe ich nicht, wie eine 160 km/h Strecke anders trassiert wäre.

Der Bohrtunnel wäre sowieso nötig:

1. Naturschützer haben sich über die Zerschneidung eines Naturgebietes beschwert (Geschwindigkeit egal)
2. ein normaler IC bei 160 km/h produziert genauso viel Lärm wie ein Thalys bei 300 km/h.
3. der Boden der Hollandsche Wetering (zwischen Leiden und die Vinkeveense Plassen) ist so butterweich, da kriegt man überhaupt keine Bahnstrecke auf "Mähfeld" gebaut, auch nicht bei vmax = 160.


gruß,

Oscar (NL).

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