München – Fi-esch und zurück (ohne Eisenbahnbilder), Teil 3 (Reiseberichte)

lokuloi, Dienstag, 07.10.2014, 18:42 (vor 4234 Tagen) @ lokuloi

Tag 4 (So, 5. Okt 2014)

geplanter Fahrtverlauf:


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| Bahnhof                 |   An   |   Ab   | Zug Nr.  | Bemerkungen    |
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| Bern                    |        |  17:02 | IC   835 |FB RE UA BT MB HD KK |
| Zürich HB               |  17:58 |  18:16 | EC   197 |FR FB BR M1     |
| München Hbf             |  22:45 |        |          |                |
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| Fahrzeit: 5:43;   
|

Den Sonntag verbringen wir mit einer Tour auf den Gurten ohne dabei (OnT-)Verkehrsmittel benutzt zu haben.

Ganz konventionell geht’s abends wieder zurück in die Heimat. Diesmal haben wir sogar Reservierungen. Für den deutschen Fahrgast erstmal ungewohnt: es gibt in Bern / in der Schweiz keine Wagenstandanzeiger. Zumindest ich finde sie nicht. Wie man dann unter den bekanntlich gefühlt 20 Wagen im Zug nach Zürich Wagen 5 finden soll, bleibt ein Rätsel. Aber in der Schweiz muss man ja eh nicht reservieren… Dass dann Wagen 6 direkt vor unserer Nase hält ist nun wirklich Zufall, wir besteigen dann doch Wagen 5 und begeben uns auf die Suche nach unseren Plätzen, die noch frei sind. Im Oberstock des Wagens 5 sind dann auch einige Plätze reserviert, wir sind also nicht die einzigen ausländischen Sonderlinge. In Anbetracht der wieder sehr hohen Auslastung (Sonntagabend halt) bin ich um die Reservierung recht froh. Mit 200 km/h fahren wir am Stau, in dem wir ein halbes Jahr vorher nach dem Ski-Wochenende standen, vorbei. Die Fahrt bis Zürich ist dann unaufgeregt. Diesmal bin ich informiert, der Zug nach München fährt von Gleis 14, wir kommen auf Gleis 9 an. Diesmal müssen wir also wirklich durch den Bahnsteigtunnel.

Unser Zug steht noch nicht da, einen Wagenstandanzeiger gibt’s wieder nicht. Also erstmal an Ort und Stelle bleiben. Reichlich vor Abfahrt wird dann der Zug hereinrangiert. Bis Wagen 305 müssen wir noch ein bisschen laufen. Einige steigen schon vorher auf „schweizer“ Art ein. Die wissen wohl, dass die Türen schon aufgehen und nutzen das aus: sie steigen schon während der Zug noch rollt ein. Teilweise mit Gepäck. Ist das hier so üblich? Wir steigen nach dem ganzen Trubel ein, schließlich haben wir ja ohnehin reserviert.

Der Zug ist gut ausgelastet und zumindest mit 2 Fensterplätzen wäre es knapp geworden, auch wenn der EC gefühlt nur mit Auslandsreisenden besetzt ist. Eine weitere Reisende verlässt unsere Sitzgruppe schlagartig, als wir unsere reservierten Plätze einnehmen. Hm. Das sollte uns dann doch zu denken geben ;-).

Die Ausfahrt aus Zürich HB Richtung Örlikon ist immer wieder recht spektakulär. Beim ein oder anderen fährt man doch im 4. Stock durchs Wohnzimmer. Bei aller Eisenbahnbegeisterung, ich weiß nicht, ob ich da würde wohnen wollen.

Der Zug wird schon ab Zürich durch einen deutschen Schaffner begleitet, der sich auch gleich ans Kontrollieren macht. Keine 5 Minuten später taucht ein etwas hyperaktiver schweizer Kollege auf, der die Billets nochmals sehen will. Das erklärt er auch recht wortreich, und meint er hätte ja dem deutschen Kollegen gesagt er müsse hier nicht kontrollieren, da er auch nochmals alles in seinem Gerät erfassen muss. Kurzum: das sieht mir sehr nach Fahrgastzählung bzw. Erfassung der benutzten Fahrkarten aus. Nur sagen tut er das nicht, es erweckt bei den Fahrgästen den Eindruck von Unkoordiniertheit zwischen DB und SBB bei der Fahrkartenkontrolle. Vielleicht hat er’s auch gesagt, und es ist nur in seinem restlichen Redeschwall untergegangen.

Die SBB-EC-Wagen sind ganz in Ordnung und wie ich finde weitgehend gewöhnlich. Die gespalten polarisierenden Meinungen in den Foren zwischen „Ich nutze nur die Wagen“ bis hin zu „ich vermeide sie tunlichst“ kann ich nicht ganz nachvollziehen. Man sitzt gut und komfortabel, ohne dass es jetzt das Nonplusultra wäre.

Dieses Mal haben wir uns extra schon in Bern mit einer Abend-Brotzeit eingedeckt, da kommt doch diesmal tatsächlich die Minibar vorbei. Und hinter St. Magrethen sogar nochmals! Die letzten beiden Male, wo ich diesen Zug zwischen St. Magrethen und München nutzte wäre ich beinahe verhungert. Einmal kam die Minibar kurz vor München – da nutzt sie mir auch nichts, das andere Mal kam sie gar nicht. Diesmal kam sie, tja, aber den Umsatz hat der Migros takeaway in Bern gemacht.

Bis St. Gallen ist die Fahrt flott, bis Lindau zumindest kurzweilig. Danach wird’s wie immer zäh. Auch wenn die Durchschnitts-Geschwindigkeit hier höher ist als vorher, es zieht sich. Vor allem die extra halbe Stunde für Kempten macht das Ganze nicht besser. Der Fairness halber sei aber gesagt, der Halt in Kempten wird gut genutzt. Offensichtlich vor allem von Urlaubern, die den Züricher Flughafen genutzt haben. Auch in Buchloe nutzt ein ganz schöner Schwung den Anschluss zum RE nach Augsburg, und so ist die Besetzung im letzten Abschnitt auf gefühlte 50% gesunken. Pünktlich um 22:45 kommen wir dann am Münchner Hautbahnhof an. Eine letzte Überraschung hält der Zug noch bereit: er wurde nur von einer Lok gezogen. Trotzdem waren wir überall pünktlich, die Klimaanlage lief auch. Ich dachte immer dafür reicht eine Lok nicht aus.

Die U-Bahn brachte uns dann wieder unversehrt nach Hause zurück.

Fazit: ein nicht nur bahntechnisch gelungenes verlängertes Wochenende.


Danke fürs Lesen,
Uli


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