niederländische Bahnhöfe - groß? (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Samstag, 15.06.2013, 15:25 (vor 4664 Tagen) @ Fabian318

Hoi,

außer die kürzlich gesehenen Beispiele wie Rotterdam und Leiden halte ich niederländische Bahnhöfe eigentlich immer für sehr beengt von der Gleisanlage her.

Von der Anzahl Züge pro vorhandene Gleise?

Dennoch hilft man sich mit den Kreuzungsmöglichkeiten und oft einem dritten Gleis in der Mitte (sehr gut zu sehen in Amsterdam C., noch mal der Link zu www.sporenplan.nl) sehr gut.

Genau wegen solchen dritten Gleisen meinte ich wegen Platz. Oder generell mit der Breite der Bahnsteige.

In der Schweiz hätten wir dafür nie den nötigen Platz. Bahnhofsausbauten gehen häufig nicht ohne Tiefbahnhof oder Häuserabriss. In Zürich baut man für 2 Mia CHF eine Durchmesserlinie und in Lausanne für 1 Mia CHF längere und breitere Perrons, verbunden mit vielen Häuserabrissen (obwohl die Anzahl Perronkanten gleich bleibt wie heute). In Genève würde man für zwei zusätzliche Gleise auch gerne einige Häuser abreissen; die Bewohner der Häuser wollen jedoch einen Tiefbahnhof. Eine Studie soll nun die Bestvariante ermitteln.

In St. Gallen ist der Perron 2 sieben Meter breit und dort sollen in wenigen Jahren 400-m-Dosto mit einer Kapazität von bis zu 1'300 Sitzplätzen halten. Breitere Perrons gehen nicht, da sich auf der einen Seite des Bahnhofs das Bahnhofsgebäude und das Rathaus und auf der anderen Seite die Fachhochschule und weitere Gebäude befinden. Jetzt haben wir noch einige Abstellgleise geopfert um uns noch einen vierten Perron für die neuen Gleise sechs und sieben zu gönnen. Die werden für weitere Angebotsausbauten benötigt. Neben zusätzlichen Fernzügen in den nächsten Jahren erweitert der Kanton das Angebot im Regionalverkehr um rund 30% auf Ende Jahr.

Wenn dann also so ein 400-m-Dosto zu halten kommt, hätten wir gerne so breite Perrons wie die Niederländer. Da muss dann bei uns das Konzept ganz anders aufgezogen werden. Das Konzept muss darin bestehen, dass die ankommenden Fahrgäste den Perron möglichst schnell verlassen können. Wir geben also sehr viel Geld für den Ausbau der Unterführungen und Perronabgänge aus, bzw. die SBB schiessen 56 Mio CHF an Eigenmitteln in die Aufwertung des Bahnhofs bis 2018 ein, auch Bund, Kanton und Stadt geben noch etwas dazu; insgesamt werden 120 Mio CHF investiert.

Bezüglich Unterführungen stelle ich aber auch wieder fest, dass diese in den Niederlanden sehr grosszügig bemessen sind. Da sind wohl auch die Bahnhöfe etwas höher gelegt, womit die Unterführungen im Prinzip ebenerdig sind und so viel günstiger viel breiter gebaut werden können. In der Schweiz hat man bahnhöfe gebaut, bevor man Unterführungen gebaut hat. So sind die Gleisanlagen ebenerdig und für die später gebauten Unterführungen musste man teuer in den Boden buddeln. Und das wird bei Unterführungsvergrösserungen auch immer ins Geld gehen.

Ich denke auch, dass Bahnhöfe wie Hengelo oder Almelo in Deutschland weit mehr als einen Bahnsteig hätten, bei der abgewickelten Verkehrsleistung.

Die S-Bahn München hat auch nur eine Bahnsteigkante pro Richtung. Ich nehme an, bei den von dir genannten Bahnhöfen wird der Verkehr zwar nicht ganz so dicht, aber ähnlich abgewickelt werden?


Grüsse aus der Ostschweiz.

--
[image]

Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum