[NL] Zwischen Bentheim und Utrecht (Teil 1.1, 16 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Donnerstag, 07.03.2013, 14:16 (vor 4763 Tagen)

Moin,

an dieser Stelle der Bericht einer kleinen Rundreise durch die östlichen Niederlande. Wie bei mir üblich, liegt ein gewisser Schwerpunkt auf den Bahnhöfen. ;-)


Als Orientierung sollte die Büker-Karte reichen. Die Reiseroute war Hannover - Bad Bentheim - Oldenzaal - Zupthen - Arnhem - Ede-Wageningen - Amersfoort - Baarn - Utrecht - Almere - Lelystad - Zwolle - Deventer - Hannover.

Los ging’s wie gewohnt mit der S-Bahn nach Hannover. Anschließend mit dem ersten Intercity des Tages nach Bad Bentheim. Der fuhr schon mit zehn Minuten Verspätung los; ich nutzte das gastronomische Angebot, das dadurch ermöglicht wurde, trotzdem nicht. In Bad Bentheim war der Zug etwas 20 Minuten nach dem Fahrplan da, die Bahnsteigarbeiten in Bad Öhnhausen und eine kaputte Schranke in der Pampa vor Osnabrück waren die Schuldigen. Somit war klar, daß sich das angedachte Bahnhofsportrait Bad Bentheim um unbestimmte Zeit verzögert und nach Ankunft dortselbst war klar, daß es ausfällt. Allerdings nicht ersatzlos, einige Bilder entstanden doch.

Die internationale Bahnstrecke von Almelo über Hengelo, Oldenzaal, Bad Bentheim und Schüttorf nach Salzbergen, dort ist der Anschluß an die Hannoversche Westbahn, wurde 1865 fertiggestellt. Während der Anschnitt in den niederländischen Grenzbahnhof Oldenzaal schon 1951 elektrifiziert wurde, erfolgte dies für den Abschnitt Salzbergen - Bad Bentheim erst 1976. Im selben Jahr wurde auch die Fahrgdrahtlücke über die Grenze geschlossen. Bad Bentheim ist seitdem Systemwechselbahnhof mit umschaltbarer Oberleitung. Auf deutscher Seite verkehrt die Westfalenbahn im Stundentakt über Rheine, Osnabrück und Herford nach Bielefeld. Daneben ist Bentheim Ausgangspunkt der Bentheimer Eisenbahn, die über Nordhorn ins niederländische Coevorden führt. Hier besteht noch Güterverkehr, der Südabschnitt von Bentheim ins westfälische Gronau ist teilweise abgebaut.


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1 101 017 hat den IC 242 ab Hannover bespannt und geht vom Zug.


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2 Wenig später setzt sich die niederländische 1766, sie wirkt recht sauber, vor den Zug. Abbildungen mit den Loks vorm Zug wurden durch die Sonne verunmöglicht (ja, als die Sonne weg war, war’s nicht recht, jetzt war sie da und es ist auch falsch).
Der zweistündliche Intercity zwischen Berlin, Hannover und Amsterdam ist das hochwertigste Angebot auf dieser Strecke. Daneben gibt es diverse Güterzüge, Leckerbissen wie eine niederländische Locon-Lok oder die V 200 der Bentheimer Eisenbahn hielten jedoch Abstand von den Bahnsteigen.


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3 Dieses Bild ist nur unter Mißachtung des Kursbuchs möglich. Wir sehen links den Intercity nach Amsterdam und rechts den Grenslandexpress nach Hengelo, gebildet aus einem Dieseltriebwagen der Reihe DM 90 (Fahrzeug 3436) mit Sonderlackierung.

Der Grenzlandexpress wurde im Dezember 2010 aus der Taufe gehoben, zunächst für drei Jahre zur Probe, die niederländische Syntus betreibt ihn in Zusammenarbeit mit der Bentheimer Eisenbahn. Für den planmäßigen Verkehr reicht dieser eine Triebwagen, der stündlich zwischen Bad Bentheim und Hengelo pendelt. In Bentheim besteht ein schlanker Anschluß zur Westfalenbahn nach Osnabrück und in Hengelo bestehen Anschlüsse an niederländische Binnenzüge. Es zeigte sich leider, daß die angestrebten 600 internationalen Reisenden pro Tag nicht erreicht werden, weshalb dieses von vielen Stellen geförderte Projekt zum Fahrplanwechsel wohl wieder eingestellt werden wird. Tatsache ist, daß mit Nordhorn und Enschede die beiden größten Städte der Region nicht bedient werden. Ferner dürfte die Gegend stark motorisiert sein.


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4 Eine Zusatzbeschäftigung hat der niederländische Zugbegleiter: Er darf in Bentheim die Einstiegspodeste betätigen, damit man ein- und aussteigen kann. Der Triebwagen ist nämlich nicht für die deutschen Niedrigbahnsteige ausgelegt. Am Übergang zwischen den Wagenteilen eine Werbelackierung mit dem heutzutage unvermeidlichen Hinweis auf die Internetpräsenz. Originellerweise führt http://www.grenzlandexpress.de/ auf die niederländischsprachige Seite, während http://www.grenslandexpress.de/ auf die deutsche Version führt.


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5 Nach Abfahrt des Intercitys bietet sich ein Blick auf Empfangsgebäude und Stellwerk. Schön zu sehen ist der doppelte Fahrdraht, der für den niederländischen Gleichstrom erforderlich ist.


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6 Ein Blick ins Fahrzeuginnere. Über die Grenze fuhren inklusive Personal kaum zehn Personen (nicht zu erkennen war, wieviele Reisende aus der Westfalenbahn kamen, die wurde nicht abgewartet). Fahrkarten gab’s beim Schaffner, die Fahrkarte nach Oldenzaal kostet ermäßigt (dank Bahncard) gerade zwei Euro.


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7 Der Mehrzweckraum verfügt über Stehtische, warum auch immer.


In Oldenzaal verlasse ich den Zug, er fuhr recht gut besetzt weiter.


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8 Im Jahr 1957 wurde das heutige Empfangsgebäude des niederländischen Grenzbahnhofs errichtet, nachdem sein Vorgänger abgebrannt war. Beachte den charakteristischen Uhrturm, der sich vom doch arg heftigen Gegenlicht abhebt.


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9 Aus Zutphen ist soeben der Nahverkehrszug von Syntus eingefahren. Rechts entstehen gerade ein neuer Busbahnhof und eine Unterführung.


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10 Triebwagen 39 von Syntus ist unzweifellos ein LINT41 aus Salzgitter. Die fehlende Toilette ermöglicht einen Blick durchs ganze Fahrzeug. Nervig war eine aus dem hinteren Führerstand kommendes Klingeln, das mit der Zugsicherung zusammenhängen könnte. Die Abfahrt in Oldenzaal erfolgte pünktlich und durch die nicht unbedingt als spannend zu bezeichnende, noch winterkahle Landschaft fuhr ich bis zum Endpunkt mit. Die scheinende Sonne machte die Fahrt aber nach den Wochen der Grauheit richtig schön.


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11 Das moderne Empfangsgebäude von Zutphen. Es wurde 1952 errichtet. Das alte wurde 1944 zerstört, als nach einem Luftangriff ein Munitionszug im Bahnhof explodierte.

Der Bahnhof Zutphen wurde im Jahr 1865 eröffnet. Die ersten Verbindungen waren die zwischen Arnhem und Deventer sowie die Strecke nach Hengelo und Enschede. Die ersten internationalen Züge zwischen Amsterdam und Hannover nahmen zunächst über Arnhem - Zupthen - Hengelo. In der zweiten Hälfte der 1870er kamen die Bahnstrecken nach Apeldoorn - Amsterdam und nach Winterswijk hinzu.
Im Bahnhof mit seinen drei Gleisen treffen sich halbstündlich die Regionalzüge nach Hengelo, Winterswijk, Arnhem und Apeldoorn. Diese belegen zwei der Gleise jeweils doppelt. Das dritte Gleis nutzt der Intercity von Zwolle nach Roosendaal in beiden Richtungen.


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12 Am Blumenladen im Empfangsgebäude zwei Ansichten des alten Empfangsgebäudes.


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13 Auf den Bahnsteigen zwei der zahlreichen Terminals für die OV-Chipkarte, einem elektronischen Fahrschein für den gesamten öffentlichen Verkehr des Königsreichs. Beim Umsteigen zwischen zwei Unternehmen muß man erst aus- und dann gleich wieder einchecken.


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14 Links der Sprinter von und nach Arnhem, rechts der Arriva-Zug von und nach Apeldoorn.


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15 Auf den nördlichen Bahnsteigabschnitten der Syntus-Zug nach Oldenzaal und rechts der Arriva-Zug nach Winterswijk.


Nach etwa sieben Minuten ging die Reise mit einem lokbespannten Wendezug weiter nach Arnhem.


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16 Lok 1761 war die Schublok und zeigt sich hier vor den strahlend weißen Bahnsteigdächern von Arnhems Bahnhof. Der befindet sich gerade im Umbau, welcher 2014 fertiggestellt sein soll. Dann soll der Bahnhof auch den Zusatz Centraal erhalten.

Arnhems Eisenbahngeschichte beginnt im Jahr 1845, als die Bahnstrecke von Utrecht her eröffnet wurde. Elf Jahre später folgte die Verlängerung nach Deutschland. Von dieser Strecke zweigt in Zevenaar die Verbindung über Doetnichem nach Winterswijk ab. Seit 1865 verbindet eine Bahnstrecke Arnhem über Zutphen nach Deventer. Komplett war das Streckennetz, als 1879 die südwärts nach Nijmegen führende Strecke eröffnet wurde.


Teil 1.2 folgt als Antwort.

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