Preußisch-bayrisches Doppel: Neunkirchen und Homburg (I) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 24.02.2013, 09:42 (vor 4778 Tagen)

Guten Tag,

am heutigen Tage besuchen wir zwei nahe beieinander liegende Hauptbahnhöfe, die zur Zeit des Eisenbahnbaus beiseits der bayrisch-preußischen Grenze lagen. Die Territorialpolitik vor der Reichsgründung 1871 ist auch für Experten nicht leicht zu überblicken, wir begnügen uns daher mit der Feststellung, daß Homburg seit 1816 zum Königreich Bayern gehörte. Das nahegelegene Neunkirchen hingegen kam nach dem Wiener Kongreß zu Preußen. Heute liegen beide Städte im Saarland.


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Die Eisenbahngeschichte des östlichen Saarlandes beginnt mit der Pfälzischen Ludwigsbahn. Diese bayrische Gesellschaft eröffnete im Jahr 1849 auch die letzten Kilometer ihrer Bahnstrecke von Ludwigshafen über Kaiserslautern und Homburg nach Bexbach; zwischen Homburg und Kaiserslautern war der Betrieb schon im Jahr 1848 aufgenommen worden. Bexbach war der letzte Bahnhof in Bayern, die preußische Fortsetzung von der Grenze bis Neunkirchen wurde 1850 eröffnet. 1852 wurde die Strecke von dort nach Saarbrücken in Betrieb genommen.

Ende des 16. Jahrhunderts wurde in der Gegend das erste Eisenwerk errichtet. Kohle und lothringische Erze wurden in den Anfangsjahren zum Motor der Industrialisierung der Region, untrennbar verbunden mit der Familie Stumm. Diese übernahm anno 1806 das Neunkircher Eisenwerk. Seit 1982 wird nur noch das Walzwerk betrieben, das heute zur Saarstahl AG gehört. Das damals 38.000 Einwohner zählende Dorf Neunkirchen erhielt im Jahr 1922 Stadtrechte. 1968 endete der Kohlebergbau.


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Eine Übersichtskarte auf der Basis von Google Earth.


Wir kehren zurück nach Homburg: Im Jahr 1857 konnte man erstmals von dort nach Zweibrücken mit dem Zug reisen, 1866 folgte die Eröffnung der Strecke nach St. Ingbert (von dort 1877 bis Saarbrücken). Auf dieser Strecke gab es diverse Neutrassierungen. Von 1879 an bestand auch eine Verbindung mit Saargemünd (Bliestalbahn), die auf den ersten Kilometern die zweibrücker Strecke mitbenutzte.
Im Jahr 1904 folgte mit der Glantalbahn von Homburg nach Bad Münster am Stein die letzte Strecke, die Homburg erreichte. Diese sogenannte strategische Bahn wurde in erster Linie aus militärischen Aspekten gebaut, 1981 endete von Homburg aus der Reiseverkehr. 1996 wurde die Strecke stillgelegt.

Das Empfangsgebäude in Homburg wurde im 2. Weltkrieg zerstört, in der Mitte der 1950er wurde das heutige errichtet. Seit 1960 ist der Hauptbahnhof elektrifiziert. 1989 wurde der Personenverkehr zwischen Homburg und Zweibrücken eingestellt, es gibt Bemühungen, ihn wieder aufzunehmen. 1991 wurde der Reiseverkehr auch auf dem deutschen Abschnitt der Bliestalbahn eingestellt, auf weiten Teilen der Strecke kann man jetzt Zweirad fahren: Ein Radweg entstand.


Auch Neunkirchen entwickelte sich zu einem bedeutenden Eisenbahnknoten. Schon 1850 wurde eine Bahnstrecke zu den Kohlegruben in Heinitz gebaut, sie verlor nach der Aufgabe des Bergbaus an Bedeutung und wurde mittlerweile stillgelegt.
Im Jahr 1860 wurde der Südabschnitt der Nahetalbahn eröffnet, so daß man von Neunkirchen nordwärts durchs Nahetal bis nach Bingerbrück am Rhein fahren konnte. Diese Bahnstrecke galt bei ihrer Erbauung als die teuerste Deutschlands, zahlreiche Tunnel und Brücken waren erforderlich. 1969 wurde der saarländische Abschnitt bis Türkismühle elektrifiziert.
1879 wurde mit der Fischbachtalbahn eine weitere Verbindung nach Saarbrücken eröffnet, sie verläuft westlicher als die erste. Sie wurde 1965 elektrifziert. Von Saarbrücken aus fahren die meisten Züge über eine Verbindungskurve vorbei am Bahnhof Wemmetsweiler nach Illingen und weiter Lebach. Illingen wird von Wemmetsweiler aus seit 2004 elektrisch erreicht.


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Homburg ist Fernbahnhof, hier halten einige Fernzüge von Saarbrücken nach Frankfurt, Heidelberg, Dresden, Stuttgart und Graz sowie die Gegenrichtung. Die Fernzüge Frankfurt - Paris halten nicht.
Der Regionalverkehr in Homburg ist mit wenigen Ausnahmen fest in der Hand der Baureihen 425 und 426. Homburg ist westlicher Endpunkt der S-Bahn Rhein-Neckar, die Linie S 1 kommt aus Osterburken. Nach Kaiserslautern, über Saarbrücken nach Trier sowie über Neunkirchen nach Illingen fahren saarländische 425/426.

Neunkirchen sieht neben letztgenannter Linie 425/426 auch auf der Linie von Saarbrücken nach Türkismühle sowie mit einzelnen Zügen über die Fischbachtalbahn nach Saarbrücken. Auf der RE-Linie von Saarbrücken über Neunkirchen, Bad Kreuznach und Mainz nach Frankfurt fahren Dieseltriebwagen der Baureihe 612, bevor ein einigen Jahren die Regentalbahn den Betrieb übernimmt.

Am 14. August letzten Jahres besuchte ich beide Bahnhöfe. Das (Saar) hinter den Ortsnamen steht in beiden Fällen übrigens fürs Saarland und nicht für den namengebenden Fluß. Wir beginnen in Homburg.


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1 Ins Auge sprang mir als erstes ein 426. Zum einen, weil ich diese Baureihe aus der Heimat nicht kenne, zum anderen, weil er legal bunt war. 426 038 beginnt daher den Reigen. Mit auf dem Bild der Schatten des Bahnsteigdachs.


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2 Ein Bahnsteigdach soll dem Reisenden den Weg zwischen Treppe und Zug beschützen, so daß er den Unbillen der Witterung, sei es ein Regenschauer, sei es knallende Sonne, nicht ausgesetzt ist. Ich vermute, daß hier der Bahnsteig verbreitert wurde.


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3 Fahrzeugvielfalt. Es spiegelt sich der 426 von eben im 425. Es folgt 426 039 und am Hausbahnsteig ein weiterer 425.


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4 Andere Bahnsteige sind länger. Blick in Richtung Saarbrücken.


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5 Treppe.


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6 Tunnel.


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7 Hausbahnsteig.


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8 Bahnhofshalle.


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9 Wie das Bier, so das Schloß.

Das Schloß Karlsberg ließ Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken errichten. 1779 bezog er es. 1793 zerstörten es französische Truppen.

Die Stadt Homburg erhielt im Jahr 1330 die Stadtrechte. Nach dem Aussterben der örtlichen Herrscher fiel die Stadt an Nassau-Saarbrücken, dessen Herrscher die örtliche Burg erst zum Schloß und dann zur Festung ausbauten. Letztere vervollkommnete der große Vauban. Das wurde zum Anfang vom Ende, ums Jahr 1700 wurde die Festung Hohenberg geschleift, Ruinen sind erhalten. Interessanter ist es unter der Festung, befindet sich dort mit den Schloßberghöhlen Europas größte künstliche Buntsandsteinhöhle (entstanden durch Abbau des Gesteins) mit dem Regierungsbunker, der Anfang der 50er von der Regierung des Saarlandes angelegt wurde. Heute ist Homburg eine Kreisstadt mit gut 40.000 Einwohnern und ein bedeutender Industriestandort.


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10 Ein Blick auf den Bahnhofsplatz.


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11 Empfangsgebäude mit Busbahnhof.


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12 Stadtbussi.


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13 Nochmals das Empfangsgebäude, über das ein Oberleitungsmast hervorlugt.


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14 S-Bahn. Den östlichen Endpunkt Osterburken erreicht man nach gut dreieinhalb Stunden.


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15 Wieder auf dem Bahnsteig. Beachte den Kabelsalat.


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16 Ein Blick in Richtung Kaiserslautern.


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17 Aktion freundlicher Bahnhof.


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18 Mit diesem Queitschiedreier aus 426 038, 425 129 und 426 005 verabschieden wir uns aus Homburg.


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In einem 426 fahren wir nach Neunkirchen.


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19 Der 426 besitzt nur über ein Abteil 1. Klasse, weshalb sich an einem Führerstand ein Abteil 2. Klasse befindet.


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20 Ein Blick durch den Zug.


Fortsetzung folgt.


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