immer noch [OT] EC (Aktueller Betrieb)

Jogi, Mittwoch, 07.09.2011, 09:15 (vor 5427 Tagen) @ Lars(DK)
bearbeitet von Jogi, Mittwoch, 07.09.2011, 09:20

Hej Lars,

so, jetzt, wo dieser Ersatzzugtag zu Ende ist, ist es hoffentlich "erlaubt", diese kleine OT-Runde fortzuführen ohne den eigentlichen Sinn des Threads zu sehr zu tangieren ;)

Du sprichst mir aus dem Herzen ;-)
Auch finde ich es sehr schade, dass man bei den EC den gleichen Fehler macht, wie seinerzeit beim TEE, dessen Nachfolger er ja sein sollte: durch Rücknahmen und Anpassungen wird der Grundgedanke des Angebots, nämlich ein internationaler Qualitätszug mit einheitlichen Standards zu sein, verwässert.

An sich kann ich Dir da zustimmen; aber ich seh das seit Kindesbeinen mit dem EC erst mal pragmatisch: der (deutsche) IC bleibt innerhalb der Landesgrenzen, und fährt er drüber hinaus ist das ein EC. Punkt.
Ob da jetzt ein Bordrestaurant, ein Bistro, ein Abteilverkauf oder fliegende Händler zur Nahrungsversorgung mitfahren ist für mich sekundär. Ebenso ist es mir auch ziemlich egal, ob "mein" IC/EC zwischen Dortmund und Klagenfurt auch in Mülheim, Remagen, Andernach, Plochingen, Bad Endorf oder Krumpendorf hält oder dort durchfährt. Wenn man mit einem solchen Zug (durch-)fährt und dabei quasi 12 Stunden auf Achse ist, dann ist das in der Gesamtreisezeit praktisch nicht spürbar.
Ebenso unsinnig, da das es das gleiche in Grün ist, fand ich es, als bei der Einführung der ICE-T zwischen Wien und Frankfurt darauf hingewiesen wurde, dass die Fahrzeit um gut 15 Minuten gedrückt werden konnte. Wooow, sieben statt 7:15 Stunden on the track... ;-))

Und was den TEE angeht - nun, das Konzept von reinen Premiumzügen hat sich schlicht überlebt. Insoweit ist da ein Vergleich zum EC-Gedanken für mich nicht zielführend...

"Schuld" daran ist natürlich auch, dass viele Verbindungen - glücklicherweise - auf HGV umgestellt worden sind mit grossem Zeit-, aber eben nicht immer mit Komfortvorteil (in der 2.Kl eher als in der 1.Kl., wo der Sitzabstand und die Platzverhältnisse eng geworden ist und die Zeit der Platzwunder vorbei scheint).

Nun
... viel mehr wurde doch der EC-Gedanke des vereinfachten Zugbetriebs über die Grenze hinweg mit TGV, ICE, Thalys & Co. weiterentwickelt. Statt einzelner Zugpaare versucht man einen taktähnlichen Verkehr zu etablieren, der nach Möglichkeit unterhalb der "magischen" Vierstundenschwelle liegt und so einen neuen Kundenkreis anspricht. Dass dabei auch "EC-Destinationen" entstehen können, zeigt der neue TGV Frankfurt-Marseille.

Über den Komfort lässt sich sicher streiten, und im Vergleich zum TEE ist natürlich auch die 1. Klasse im ICE-3 ein besserer Hühnerstall. Aber dennoch: Das vorgebliche Eng kann ich nicht nachvollziehen: IC-Wagen wie die modernen ICE geben sich in der 2. Klasse in Sachen Sitzabstand IMO nichts. Schlimm finde ich viel mehr, dass die Armlehnen in der zweiten Klasse sowohl beim ICE wie auch beim railjet bessere Sitzteiler sind, die sind so schmal, dass man seinen Arm da kaum drauflegen kann ohne abzurutschen.

Allerdings macht die grosse Vielfalt der Zuggattungen und Zugmarken (Thalys, Lyria, Fyra usw usw) das Angebot nicht sehr übersichtlich.

Das dürfte so nicht mal ein Problem sein: Die Reiseverbindung steht ja mittlerweile auf den Fahrkarten, ebenso das Zugprodukt. Oder ist die Gefahr nun so groß, dass jemand in Köln in ICE nach Brüssel statt den THA nach Paris einsteigt? ;)

Viel wichtiger finde ich, dass diese speziellen HGV-Produkte vollständig in den normalen Tarif integriert werden. Grad der Thalys ist da so'n ein Beispiel. Eigentlich 'ne tolle Sache: Zweieinhalb Stunden für Köln-Brüssel - unschlagbar schnell, vier Stunden nach Paris ebenso toll. Aber tariflich mit seinen smooven Honeymoon & eaysbuyschrei selling offers und wie sie alle gecallt sind - zum davonlaufen. Hier bei Ds-O (bisschen runterscrollen, 21.16 Uhr) hat Der Zeuge Desiros die mal aufgelistet - fast 50 Angebote für zwei Kernverbindung.
Dann kommt noch die wenig kommunizierte freie Nutzung des Wagen 28 mit "normaler" ICE-Fahrkarte hinzu. Und jetzt noch ganz neu, da eigenwirtschaftlich, der Globalpreis zwischen Köln und Essen. Dieser Globalpreis ist zwar billiger als der normale ICE-Tarif, aber selbiger gilt dort nicht, obwohl die DB (noch) am Thalys beteiligt ist.

Wirtschaftlich scheint das für Thalys ja gut zu laufen, aber aus Fahrgastsicht ist das... unübersichtlich... dann noch special selling actions, die nach 19 Uhr gültig sind, außer der Freitag reist zu zweit mit dem Sonntag an einem Feiertag... ;-))
und gibt's wahrscheinlich noch Sonderangebot für die Urlaubsverbindung nach Südfrankreich...

Anfangs wurde sogar die Fährlinie HH/Cuxhaven-Harwich als EC klassifiziert (und so in einem EC-Introduktionsfaltblatt auch so dargestellt), und ich entsinne mich an eine Fahrplanvorschau der DB, worin stolz verkündet wurde, dass man jetzt wg des EC Alfred Nobels in EC-Qualität von Barcelona nach Stockholm in nur 39 Stunden (?) reisen konnte.

Wow! Das ist wirklich eine "andere" Bahn als heute...
Ich hab für die Fahrzeiten den Fahrplan von 2001/2002 genutzt - da fuhr sogar einmal in der Woche in Winterferienzeiten ein Nacht-D-Zug von Dortmund und Hamburg nach Oberstdorf und nach Innsbruck über Friedrichshafen-Lindau mit samt Wagentausch in Heidelberg... heute eigentlich unvorstellbar ;)

Da würde mich mal die genau Verbindung interessieren. Kannst Du die nachskizzieren (ganz grob würde mir schon ausreichen)?

[...] Entscheidend war also, dass zumindest auf einem Teil des Zuglaufs die Gastronomie gesichert sein sollte (unter der Annahme, dass die meisten Reisenden eben einen längeren internationalen Abschnitt im Zug sein würden, und daher das Angebot nutzen konnten).

Das passt in meinen Augen aber nicht wirklich zu einem internationalen Topprodukt ;)

Grüße gen Dänemark
Jogi


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