Konkurrenz okay, aber nur wenn koordiniert (Allgemeines Forum)

Alphorn (CH), Freitag, 02.09.2011, 12:48 (vor 5337 Tagen) @ Oscar (NL)

Nur schade, dass bei der vorgesehenen Umsetzung des CH-Modells einige Fehler gemacht wurden:

1. Auch wenn eine zweistellige Zahl an Bahnunternehmen in CH Züge fahren, das FV-Kernnetz ist fest in der Hand der SBB und bildet so eine Einheit. Genauso wie heute der Fall ist mit NS in den Niederlanden.

Korrekt, aber halte ich bei internationalen Zügen für nicht so wichtig. Wichtig sind für den Nutzer zwei Dinge: Dass die Fahrpläne aufeinander abgestimmt sind und dass er nicht mehr als ein Ticket lösen muss. Das ist in der Schweiz der Fall, drum stört sich niemand am Übergang auf ein anderes Bahnunternehmen.

Einige Strecken der "Privatbahnen" (sie gehören meist zum grössten Teil auch dem Bund oder den Kantonen) kann man übrigens fast zum Kernnetz zählen: Neuenburg - Bern (BLS), Bern - Luzern via Emmental (BLS), Arth-Goldau - St. Gallen (SOB) und Luzern - Interlaken (ZB). Die stehen etwa auf Stufe RE. Die Strecken gehören meist, aber nicht immer, den erwähnten Unternehmen. Soviel ich weiss wird aber keine Verbindung von zwei Unternehmen befahren.

2. Ja, es verkehren ICEs und TGVs in der Schweiz. Diese fahren aber in einem vorgeschriebenen Taktrahmen. In dem hiesigen tagtäglichen Ersatzzug-Seifenoper sieht man, wozu das führen kann: "ICE nnn Ausfall ab Basel, dann SBB-Ersatzzug".

Wäre auch nicht sooo schlimm, wenn internationale ausserhalb Takts fahren würden (sie sind verspätungsanfällig, oft zu klein für den nationalen Verkehr und lange Überganszeiten sind hier eher ein Vorteil als Nachteil). Aber sie dürfen keinesfalls dadurch den Taktverkehr behindern. Genau das droht glaube ich bei den EU-Trassenvergaberegeln. Im nationalen Verkehr allerdings ist Taktintegration Pflicht.

Es ist also zu erwarten, dass die Privatbahnen nicht nur Netzzugang nachstreben, sondern auch, dass sie ihren eigenen Fahrplan fahren dürfen (anstelle einen Fahrplan vorschreiben zu lassen, wie in der Schweiz). Genauso wie die Cargos auf der Betuweroute: "wir möchten dort fahren und zwar dann und dann".

Das wäre natürlich unangenehm. Arriva-Busse haben nur zu Arriva-Zügen gute Anschlüsse? Kein gutes Verkehrssystem.

4. In der Schweiz kann man jede beliebige Reise mit einem Billett machen. Dagegen muss man aktuell bei uns bei jedem Unternehmenswechsel ein- und auschecken. Nachteile:

a. umsteigen kostet Geld, weil man zweimal den Starttarif zahlen muß
b. es ist ein Vorgang benötigt, der nicht sein muß

Autsch, DAS gibt es in der Schweiz nicht und das muss unbedingt weg, sonst sind Privatbahnen ein Ärgernis.

Alles zusammen sehe ich diesen Wandel nicht gerne, auch wenn damit "neues Leben ins Geschäft kommen soll".

Bestellersystem wäre okay: Eine übergeordnete Instanz gibt einen Fahrplan vor und sort dafür, dass die gleichen Tickets von allen beauftragten Bahnen akzeptiert werden. Ist natürlich nur eingeschränkter Wettbewerb, aber voller, unkoordinierter Wettbewerg wäre eine klare Verschlechterung gegenüber jetzt.


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