abendliche ICE Verspätungen inbound Stuttgart (Allgemeines Forum)

Fitzgerald, Dienstag, 29.03.2011, 12:33 (vor 5538 Tagen)

Hallo Zusammen,

da sich in diesem Forum sehr viele bahnbegeisterte Experten tummeln, würde ich gerne ein sicher alt-bekanntes Thema unter einem vielleicht neuen Aspekt diskutieren (vorab: sorry für den überlangen Thread - geht hier aber nicht anders).
Ich bin werktäglicher Fernpendler auf BC100 Basis, morgens vom Großraum Stuttgart in das Rhein-Main Gebiet, abends retour ...
Meiner bisher dreijährigen Erfahrung nach ist es schlicht nicht möglich, mit auch nur irgendeinem ICE zwischen 18:00 und 21:00 (Beispiele: ICE 691, 613, 693 etc) pünktlich (soll heißen: anschlusstauglich für erste veröffentlichte Umsteigemöglichkeit) in Stuttgart anzukommen; es ist mir bei etwa 500 Fahrten nach Suttgart höchstens zehn Mal gelungen (habe keinen festen ICE, sondern nutze immer einen der im Zeitfenster möglichen Verbindungen).
Nach unendlich vielen Anfragen und vergeblichen Interventionen bei Servicepoints, CallCentern, Maikontakten etc habe ich nun zu allerersten Mal eine, wie ich finde, sehr vernünftige Antwort aus dem DB-Fachbereich erhalten; ausführlich, kompetent und nachvollziehbar. Allerdings auch gleichzeitig eine quasi-Kapitulation vor der "Komplexität des Bahnverkehrs"; Quintessenz der Antwort ist, dass ein pünktlicher Betrieb im genannten Zeitfenster nicht einmal theoretisch möglich ist.

Meine Frage an die Experten unter Euch: seht Ihr dies genauso?

Hier ein Ausschnitt der an mich verschickten Antwort (noch einmal "danke" an den mir unbekannten Verfasser - hatte schon nicht mehr mit Feedback gerechnet):

....**** snip

Zunächst bedauern wir es nochmals sehr, dass Sie ebenso wie viele unserer Kunden derzeit teilweise erhebliche Einschränkungen im Fernverkehr der Bahn in Kauf nehmen müssen.
In der Tat weisen die genannten Züge eine hohe durchschnittliche Ankunftsverspätung von fast 10 min in Stuttgart Hbf aus. Dies ist ein sehr unbefriedigender Zustand, für den wir vielmals um Entschuldigung bitten möchten.
Richtig ist, dass die Ursachen hierfür sehr vielfältig sind, Im Rahmen unseres Qualitätsmanagements werden die Zusammenhänge detailliert analysiert und ausgewertet. Dabei fallen insbesondere Zugfolge- und Anschlussverspätungen als Hauptursache auf.
Bereits im Zulauf auf Frankfurt kommt es durch hohe Streckenauslastung zu einem Verspätungsanstieg, der sich dann bis Mannheim auf der sehr stark durch Mischbetrieb mit Güter- und Nahverkehr belasteten Riedbahn fortsetzt.
Auf der Schnellfahrstrecke in Richtung Stuttgart tritt zunächst eine Entspannung der Situation ein. Wird dennoch im unmittelbaren Zulauf auf Stuttgart ab Vaihingen, spätestens ab Stuttgart-Feuerbach durch den Mischbetrieb mit dem dichten Nahverkehr wieder deutlich verstärkt.
Hierzu kommen natürlich noch zusätzliche Störungsquellen wie Störungen an Fahrzeugen und Baumaßnahmen sowie witterungsbedingte Einflüsse, Personenunfälle etc. Aus den genannten Ursachen lässt sich im Wesentlichen ableiten, dass die überlastete Infrastruktur im Rhein/Main- und Rhein/Neckar-Raum - insbesondere im Berufsverkehr - der Hauptgrund für die häufigen Verspätungen ist.
Eine signifikante Verbesserung der Situation wäre nur durch eine Entmischung der Verkehre zu erreichen, die wiederum nur durch den Neu- bzw. Ausbau der vorhanden Strecken sowie eine Entflechtung in den Knoten Frankfurt und Stuttgart ermöglicht werden kann. Entsprechende Planungen zum Bau einer neuen Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim bestehen bereits.
Ebenso ist im Rahmen der Realisierung von Stuttgart 21 eine Verbesserung der Situation zu erwarten. Bereits bestehende Schnellfahrstrecken wie Köln - Frankfurt und auch Mannheim - Stuttgart weisen isoliert betrachtet für sich eine hohe Pünktlichkeitsstruktur und entsprechendes Verspätungsabbaupotenzial auf.
Vor dem Hintergrund der langen Realisierungszeiträume solcher Maßnahmen im Hinblick auf Finanzierbarkeit und öffentliche Akzeptanz ist somit kurz- bis mittelfristig nicht mit einer grundlegenden Verbesserung der Pünktlichkeitssituation zwischen Frankfurt und Stuttgart zu rechnen.
Eine auf den ersten Blick naheliegende Reisezeitverlängerung um ca. 10 min würde auch nicht wirklich zu einer Lösung des Problems führen, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass bereits ca. 8 min Pufferzeiten in den heutigen Reisezeiten zwischen Frankfurt und Stuttgart enthalten sind.
Abgesehen davon, dass hierfür eine Veränderung des gesamten Fahrplangefüges einschließlich der betroffenen Nahverkehrszüge erforderlich wäre, für die grundsätzlich die Akzeptanz der beteiligten Eisenbahn-Verkehrsunternehmen und der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) mit umfangreichen Folgewirkungen auf anderen Strecken erforderlich wäre, ist eine Verlängerung der Reisezeit kein Garant für pünktliches Verkehren, da dann wieder neue Abhängigkeiten und Wechselwirkungen entstehen, die in ihrer kumulierenden Wirkung wiederum zu Verspätungen führen können.
Auch wenn wir keine wirkliche Lösung für das Problem aufzeigen konnten, so hoffen wir dennoch, dass wir die Hintergründe und Zusammenhänge für die Situation ein wenig darlegen konnten.
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