InterRegio reaktivieren! (Allgemeines Forum)

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 22.10.2010, 18:02 (vor 5678 Tagen) @ Oscar (NL)

Hej!

Bevor man überlegt, den InterRegio zu reaktivieren, ist es vielleicht eine Idee zu analysieren, warum der IR genau abgeschafft wurde.

Vollkommen korrekt.

Leider fehlt mir Herr Bodacks IR-Bibel, also beziehe ich mich auf Wiki.

1996 überlegte die Deutsche Bahn erstmals, rentable IR-Linien in IC-Linien umzuwandeln und unwirtschaftliche Verbindungen zu streichen bzw. in (von den Ländern finanzierte) Regionalverkehre umzuwandeln. Als eine wesentliche Ursache galt das absehbare Ende der wirtschaftlichen Nutzungszeit der modernisierten Wagen.

Also: der IR konnte es angeblich geben, weil man noch einige arbeitslose Wagen übrig hatte, die man für relativ wenig Geld für das IR-System umbauen konnte. Hätte es die Wagen und deren Umbau nicht gegeben, hätte das IR-System wohl nicht existiert oder wären deren Investitionen wesentlich größer gewesen.

Soweit ich das sehe, hat man bisher als blau-beige Schnellzugwagen durch die Landschaft fahrende Wagen in Interregio-Wagen umgebaut. 1988, als der IR eingeführt wurde, waren diese Wagen noch nicht alt (Um Kosten zu sparen, wurden für den Interregio ehemalige Schnellzugwagen der Baujahre 1968 bis 1979 umgebaut [...], Quelle).
Ich kann nicht beurteilen, ob die m-Wagen Ende der 80er noch als modern und zeitgemäß empfunden wurden. Unter den damaligen Bedingungen hätte es jedoch weiterhin Bedarf gegeben für ein flächendeckendes Schnellzugsystem.

Technisch spricht nichts dagegen, bereits 50 Jahre alte Wagen für noch weitere 10-20 Jahre fit zu halten. Bald kommt ja eine neue Generation FV-Triebwagen und kommen also die IR-Wagen, ein paar hundert "echte" IC-Wagen sowie 150-200 Loks frei. Eine reichliche Flotte für einen IR 2.0.

Der Unterhalt dieser alten Wagen dürfte aber bedeutend höher sein. Für einen zeitgemäßen Verkehr wären allerdings Klimaanlagen erforderlich.

Nur schade, dass die Bahnlandschaft sich seit 1988 ein bißchen geändert hat.
Damals konnte DB noch komplett selber bestimmen, was er mit dem Streckennetz machen möchte. Heutzutage wird Verkehr bestellt und ausgeschrieben, und dürfen andere Anbieter mitbieten.

Nun, die DB hatte damals auch Beeinflussung durch die Politik. Die heutigen Ausschreibungen betreffen nur den Regionalverkehr, die Fernzüge sind eigenwirtschaftliche Verkehre des jeweiligen Verkehrsunternehmens (Ausnahmen wie z.B. Rostock - Stralsund bestätigen die Regel).

Die Auswirkungen sehen wir gerade im Regioverkehr: Privatbahnen fahren mit federleichten, nagelneuen, innovativen, ultra-energiesparenden Triebwagen, und vertreiben die von DB bekannten Buntlingen. Genauso denke ich, dass DB mit ihren 50 Jahre alten IR/IC-Wagen auch keine IR/IRE/IRx-Ausschreibungen mehr gewinnen kann.

Für übergangsweise Verkehre könnten die alten Wagen noch akzeptiert werden. Für langlaufende Verträge halte ich diese Wagen nicht mehr für anbietbar.

Darüber hinaus ließen viele Strecken keine attraktiven Reisezeiten zu [1] und litten spätestens ab Mitte der 1990er Jahre unter abnehmenden Fahrgastzahlen [2].

Kann es sein, dass [2] eine Folge von [1] ist?

Das ist nicht auszuschließen. Allerdings darf man sicherlich die Frage stellen, ob die Reisezeiten mittlerweile attraktiver geworden sind. Vor dem Hintergrund, daß gerade im Beitrittsgebiet, der ex-DDR also, zahlreiche neue Autobahnen gebaut worden sind, und der gestiegenen Autozahl möchte ich das für manche Strecken bezweifeln. Die demographische Entwicklung ist auch zu beachten.

Die durchschnittliche Auslastung der Interregios lag beispielsweise 1992 bei nur 44 Prozent. Während in Ballungsräumen die Züge überbelegt waren, fuhren sie auf Randstrecken fast leer.

Liegt die durchschnittliche Auslastung der Fernverkehrszüge der DB heute um so viel höher? In einem FAZ-Bericht von 2007 wird ein Wert von 43 Prozent erwähnt. Die DB selber schreibt: Mit einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent und einer durchschnittlichen Auslastung von 50 Prozent ist die ICE-Verbindung Hamburg – Berlin eine der rentabelsten Strecken bundesweit. (Quelle)

1992 wurde in NL auch ein IR-System eingeführt, mit entsprechendem Fahrzeugmaterial. Allerdings handelte es sich bei uns nicht um Loks + 20 Jahre alten Wagen, sondern um nagelneue Doppelstocktriebwagen. Damit lassen Auslastungsschwankungen während der Fahrt leicht korrigieren: man kuppelt einfach Triebwagen an oder trennt sie ab.

Hier sei die Frage gestellt, wie alt die Vorläuferfahrzeuge waren (siehe zu den IR-Wagen oben)?

Mit dem lokbespannten IR 1.0 konnte so ein Problem entstehen, aber ein auf Triebwagen basierter IR 2.0 sollte das Problem nicht mehr haben. Allerdings braucht man dann neue Fahrzeuge, und ich denke nicht dass dafür Geldquellen verfügbar sind.

Das Geld ist eben das Problem. Und die Auslastung. Daher auch die Idee der Subventionen. Ferner sehe ich die Billigfahrscheine (Länderticket, QdL-Ticket) als ein potentielles Hindernis für einen neuen Interregio.

Daher bin ich vorsichtig mit einer Jubelschrei bezüglich Reaktivierung des InterRegios.

Wir träumen doch nur! [image]

Ein neues Interregio-Netz würde sinnvollerweise auf dem Interregio-Netz basieren, also derzeitige IC (ex-IR)-Strecken ebenso umfassen, wie Strecken, von denen sich der Fernverkehr zurückgezogen hat. Das Rollmaterial wäre auf jeden Fall eine interessante Frage - ich habe dazu keine Gedanken. Lok+Wagen oder Triebwagen?

Um auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen: Ich halte eine Rückkehr des Interregios für recht unwahrscheinlich.

Viele Grüße, Sören

--
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