Zum Unterseil (Reiseberichte)
Moin!
Danke für die Kommentare. Es freut mich natürlich, daß euch die Serie gefällt, zwei Folgen gibt's noch.
In Wikipedia findet sich die folgende Erklärung für ein Unterseil: Bei flach angelegten Bahnen mit weniger als 50% bis 60% Steigung müssen die Wagen auch talseitig durch ein Ausgleichsseil miteinander verbunden werden, das über eine nachgespannte Seilscheibe in der Talstation läuft. Das Ausgleichsseil verhindert, dass der talwärts fahrende Wagen wegen der fehlenden Hangabtriebskraft auf der Strecke stehen bleibt.
Hierbei möchte ich anmerken, daß nach den Angaben eigentlich alle Bahnen unter 50 % Steigung haben und trotzdem kein Unterseil! Der Artikel zur Hangabtriebskraft strotzt nur so von Formeln und ist daher für mich unverständlich.
Im Buch Hoch über Heslach - Die Stuttgarter Seilbahn. 75 Jahre Technik- und Verkehrsgeschichte von Hans-Joachim Knupfer (Stuttgart 2004) findet sich im Kapitel zum Umbau ein Abschnitt zum Unterseil. Ich tippe ihn mal ab (S. 105f.):
Eine weitere Neuheit [neben einem neuen Antrieb] kommt dazu: das Gegenseil. Bisher hängen die Wagen nur am Zugseil wie die Eimer an einem Ziehbrunnen. Schwankende Belastungen, z.B. durch viel oder wenig Passagiere, wirkten sich direkt auf das Fahrverhalten aus. Das 18 mm starke Gegenseil wird nun an der Talseite beider Wagen angebracht und in der Talstation um eine Umlenkrolle geführt, wie man sie von Skiliften kennt. Es ergibt sich sozusagen ein Endlosseil.
Das bedeutet, daß auch der zu Tal fahrende Wagen nicht nur durch Schwerkraft läuft, sondern auf dem Seilweg über den „Bergwagen“ und die Umlenkrolle gleichzeitig vom Antrieb gezogen wird, wenn auch talwärts. Dies setzt voraus, dass man das gesamte Seilumlaufsystem „Zugseil - Wagen 1 - Gegenseil - Wagen 2 (- Zugseil )“ durch ein Abspansystem in der Talstation (mit Gewichten bzw. Federn) unter mechanische Vorspannung setzt. Das Seil strafft sich jetzt also nicht mehr durch das Gewicht der Fahrzeuge, sondern durch die Kraft der Abspannvorrichtung (wie ein Einmachgummi, den man mit zwei Fingern auseinanderzieht). Dadurch ergibt sich ein gleichmäßigerer Lauf beider Wagen und eine konstante Seillage. Auch das „Anhalte-Ruckeln“ des unten ankommenden Wagens (bedingt durch die Längenausdehnung des Stahlseils) hört damit auf, wenngleich es vielen Benutzern als liebenswertes und unbedenkliches Charakteristikum künftig fehlen dürfte.
Das Gegenseil hat noch eine andere Eigenschaft: Das [anderswo im Buch] dargelegte Problem, dass das Kräfteverhältnis der fahrenden Wagen wegen des sich fortwährend umschichtenden Seilgewichts ständig ändert, wird faktisch aufgehoben. Es befindet sich nun immer „gleich viel Seil“ auf beiden Seiten der Wagen, gleichgültig wo diese sich befinden. Soweit das Zitat.
Das Unterseil bewirkt also ein besseres Kräfteverhältnis und einen höheren Fahrkomfort. Die Hangabtriebskraft scheint hier keine Rolle zu spielen.
Viele Grüße, Sören
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- Mit dem Erbschleicherexpreß unterwegs (12 B.) -
Sören Heise,
02.10.2010, 12:59
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Steffen,
03.10.2010, 00:30
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Fabian318,
03.10.2010, 02:35
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Holger_HAM,
03.10.2010, 07:04
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03.10.2010, 10:09
- Zum Unterseil - Steffen, 03.10.2010, 10:18
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- Mit dem Erbschleicherexpreß unterwegs (12 B.) - ICE 79, 03.10.2010, 19:25
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