ÖPNV vs. SPNV - besser ÖPNV und SPNV (Allgemeines Forum)

Jogi, Freitag, 17.09.2010, 09:30 (vor 5765 Tagen) @ ICE-T-Fan
bearbeitet von Jogi, Freitag, 17.09.2010, 09:32

Bei DSO bin ich gerade auf eine mal wieder sehr provokant geführte Diskussion zu diesem Thema gestoßen, welches ihren Ausgangspunkt in folgendem Artikel hat:

Bezieht sich das "wieder" auf das Finden oder den Diskussionsstil? Oder auf beides? ;)

Vom wirtschaftlichen Standpunkt ist die Sache jedoch relativ eindeutig. Ein Bus ist bei gleicher relativer Auslastung wie ein Dieseltriebwagen deutlich umweltfreundlicher und energiesparsamer, weil eben das Grundgewicht deutlich geringer ist.

*DS-O-Modus-an* Ach, das ist doch Geschwafel des Buslobbyisten, die alle neokapitalitisch beeinflusst BWL studiert haben - natürlich von den Eltern finanziert und nie vor 12 Uhr mittags aufstehend - und vom wirklichen Eisenbahnbetrieb keine Ahnung haben, da sie nur Mercedes fahren - die Autolobby ist ja sehr groß, und eine Krähe hackt der anderen schließlich kein Auto aus. Die Auto- und die Buslobby arbeiten also Hand in Hand. Daraus folgt, Mercedes ist der Todfeind der Bahn, da er sowohl Autos wie auch Busse produziert *DS-O-Modus-aus*

Bei uns gab es bis 2000 Parallelverkehr zwischen Bad Salzungen und Vacha zwischen DB und VGW(PNG). 2000 wurde dann entschieden die Bahnverbindung einzustellen, obwohl die Auslastung der Züge in der HVZ besser als die der Busse war, vorallem weil die Bahn trotz vmax. 60 km/h durch weniger Halte etwas 10 min schneller war (auf 17 km).

Da sieht man aber mal, welch "grandiose" Durchschnittsgeschwindigkeiten Überlandbusse erreichen.
Zwar liegen diese fast immer darin begründet, dass Busse durch den Ort fahren und einige Haltestellen abklappern, was wichtig für den einfachen Zugang ist, aber eben auf die Gesamtdistanz eine Fahrzeit zur Folge hat, die man beinahe mit dem Fahrrad erreicht...

Die Diskussion bei DSO läuft ja dahingehend, dass Busse den Vorteil genießen, dass die Straßen auf die sie Fahren ja schon da sind und aufgrund des Automobilverkehr die Infrastruktur eh gebaut und gepflegt wird. Eisenbahnstrecken müssen jedoch eigens gewartet und unterhalten werden.

Ähh, müssen Straßen nicht auch gewartet werden? Der Hase liegt viel mehr woanders im Pfeffer: während ein EVU direkt für die Nutzung des Verkehrswegs aufkommen muss (Entgelte an DB Netz), findet es bei Auto & Bus indirekt statt, etwa über die Mineralölsteuer - die muss aber die STB auch zahlen, wenn sie die RegioSchüttler nicht selber schieben möchte.

Bei uns wurden z.B. in den letzten drei Jahren mehrere neue Haltstellen an Gehöften von 1-2 Häusern erstellt, weil dort Schulkinder hinzu gekommen sind.
Eine Bahnverbindung mit halt an jedem Gehöft ist wohl ziemlich undenkbar, weil die Bremswege und Geschwindigkeit ganz andere sind.

Nicht ganz, mit einem geeigneten Fahrzeug (sprich hohe Beschleunigung gute Bremsverzögerung) kann man durchaus Haltestellen "right in the middle of nowhere" einrichten, ohne die Fahrzeit (merklich) zu verlängern. Denn genau das ist das Erfolgsrezept der AVG, die das Karlsruher Stadtbahnnetz betreibt. Z.B. bei der Linie S6 (Pfozheim - Bad Wildbad) hat z.B. die Gemeinde Neuenbürg insgesamt 5 (!) Zugangsstationen, jede weitere durchfahrene Stadt (bzw. Häuserkonklomeration ;) mindestens 2. Wie Sören vor ein paar Wochen deutlich gemacht, gilt selbiges auch für die Kurstadt Bad Wildbad. Wo vor ein paar Jahren ein 628er im Stundentakt fuhr, fahren heute die gelben Triebwagen halbstündlich durch den Schwarzwald - und in Doppeltraktion.

Oder man schaue sich die Schönbuchbahn an: die Bundesbahn konnte die Strecke fast nicht so schnell stilllegen wie sie wollte - heute werden Pläne ausgearbeitet, die einen stellenweise zweigleisigen Ausbau und eine wahrscheinliche Elektrifizierung beinhalten, um einen Viertelstundentakt (!) zwischen Holzgerlingen und Böblingen anbieten zu können.

Damit kommen wir auch wieder zum Vorteil der Schiene, nämlich der höheren Durchschnittsgeschwindigkeit und der kürzeren Reisezeiten... wie gesagt 10 min Reisezeitverkürzung auf nicht einmal 20 km Fahrstrecke gegenüber dem Linienbusverkehr.

Die kürzeren Reisezeiten gelten ja aber nur von Bahnhof zu Bahnhof...

Ich glaube, hier ist einfach das vernünftige Miteinander entscheidend, dass man halt Busse und Bahnen nicht parallel laufen lässt, wo es sich vermeiden lässt. Andererseits stimme ich einer Aussage aus DSO durchaus zu:

Den ersten Satz unterschreib ich sofort :)

Die vergessen bei solchen Aussagen immer eins, die Bahn, eine Haltepunkt in seinem Ort, das ist das Tor zur Welt, von Portugal bis China. Diesen interkontinentalen Charakter kann ich beim Bus nicht erkennen! Standortvorteil ist keine Buslinie, sondern der Anschluss zur Schiene!

Die... - ähhm... dieses Statement habe ich drei Mal gelesen. Vorher wollte ich es nicht glauben. Ein RegioSchüttler nach Böblingen oder ein 420er nach Stuttgart sei mein "Toröffner" zur weiten Welt bis nach China... Öhm, ja...
Dann ist ja gut, dass Stuttgart an der Magistrale Paris - Bratislava liegt...

So das war mein Kommentar dazu.. ich hoffe eine etwas weniger populistische Diskussion dazu.

Bestimmt :)

Ich finde, Du hast mit allem Recht, was Du hier geschrieben hast.
Der Bus ist prinzipiell wirtschaftlicher, wobei beide Systeme de facto mit Subventionen (sprich Regionalisierungsmitteln) zurecht aufrecht erhalten werden. Diese bessere Wirtschaftlichkeit liegt aber auch zum Teil in unterschiedlicher Besteuerung begründet (s.o.)
Andererseits ist die Akzeptanz einer Bahnverbindung zumeist besser, aber den systemtechnischen Nachteil hast Du ja schon aufgeführt. Dem kann zum Teil entgegengewirkt werden, z.B. mit einem Neubau einer oder mehreren zentrumsnäheren Stationen (wie es auch die AVG macht) oder/und dem Bereitstellen von Park + Ride-Parkplätzen. So gesehen ist es wichtig, die Hemmschwelle zum Zugang möglichst niedrig anzusetzen, was auch durch einen einfachen (örtlichen) Zugang erreicht; neben all dem anderen Zeug wie modernem Zugmaterial, Taktfahrplan usw. Und genau in diesem Zusammenhang kann der Bus gesehen werden: er stellt die weit verästelte Flächenverbindung her in die Stadt und ins Umland.

Und zu guter Letzt: wie auch die Schönbuchbahn, die Ammertalbahn Tübingen-Herrenberg oder wieder die AVG zeigen: durch die hohe Transportkapazität der Eisenbahn eignet sie sich vor allem zum Verkehr in Ballungsräumen bzw. im Zubringerverkehr dorthin. Eine Nebenbahn zwischen Hintertupfingen und Kleingammelsweiler hat so gesehen keine wirtschaftliche Daseinsberechtigung. Was würde wohl passieren, wenn ich diesen Stz bei DS-O posten würde? *duck-und-weg*

Grüße, Jogi


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