Üblicher Turnus (Allgemeines Forum)

Hustensaft, Mittwoch, 13.05.2026, 12:33 (vor 9 Stunden, 18 Minuten) @ Brail

Wer älter ist, erinnert sich noch sehr gut daran, dass der D-Zug das Maß aller Dinge war - beispielsweise verkehrte der D 377 Hispania-Express von Hamburg bis nach Port Bou und legte die Strecke nach Frankfurt mit Halten in Hannover und Göttingen fast so schnell zurück wie heute der ICE, der in Kassel, Marburg, Gießen und Co. hält. Lediglich für "gute" internationale Verbindungen gab es den TEE, aber mit maximal zwei Relationen am Tag und nur erstklassig (wobei die 1. Klasse damals auch noch erstklassig war).

Später wurde das TEE-Netz durch ein IC-Netz ergänzt, aber zunächst auch nur 1. Klasse, erst 1979 kam dann das IC-Netz mit zwei Klassen und echten Stundentakt; der D-Zug wurde auf weniger bedeutende Nebenstrecken verbannt und verschwand schließlich ganz.

Dann kam der ICE, der wiederum den IC peu a peu von etlichen Strecken verbannte, das InterRegio-Netz war letztlich nur ein Wimpernschlag, denn rentable IR-Strecken wurden zu ICs, der Rest eingestellt. Damit blieben dem IC aber nur die Strecken, die entweder keine nennenswerten Schnellfahranteile enthielten, aus anderen Gründen langsamer waren oder bei denen ICEs nicht zum Einsatz kommen konnten, beispielsweise nach Westerland; und es gab ein paar Exoten wie die ICs 2082-2085.

Nachdem immer mehr Strecken durch ICEs bedient wurden - Schmankerl am Rande, aus dem IC-T wurde der ICE-T, übrigens durchaus ähnlich zum ICE-L, der einst als IC-L angedacht war -, wurde das IC-Netz immer dünner und zudem noch "zweiklassig", weil es "klassische" ICs gab, während andere Strecken mit IC2-Zügen unter dem Produktnamen IC bedient wurden, obgleich die IC2 von der Ausstattung her klar mit REs vergleichbar sind.

Seit der letzten großen Umstellung im letzten Jahr gibt es faktisch keine klassischen ICs mehr, dafür wurde nahezu alles, was vorher noch echter IC war, auf ICE umgestellt, die IC2-Verbindungen dümpeln weiter vor sich hin, werden teilweise eingestellt oder rechnen sich nur, weil auf bestimmten Abschnitten auch Nahverkehrsfahrscheine anerkannt werden. Daraus resultiert aber eben auch, dass wir unterdessen ein ICE-Mischnetz haben, mit wirklich schnellen Strecken und solchen, auf denen der ICE seine Hochgeschwindigkeit nicht ausfahren kann, also gar keinen Fahrzeitvorteil mehr bietet.

Einen ersten Ausbruchsversuch gab es bekanntlich schon, die Sprinter-ICEs - die waren nicht nur etwas schneller, sondern ursprünglich auch teurer; hat sich aber offenkundig nicht bewährt, der Preisunterschied ist - zumindest derzeit - weg. Dennoch zeichnet sich ab, wie sich die Sache entwickeln könnte, irgendwann wird es ein neues Produkt geben und auch der ICE wird erst Stück für Stück abgewertet und am Ende aussterben.


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