Man muss halt einfach mal anfangen. (Reiseberichte)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Sonntag, 05.04.2026, 09:46 (vor 2 Tagen) @ Alter Köpenicker

Hey.

Derzeit fährt er beide Strecken nur je dreimal pro Woche,

Ich frage mich bei solchen Fahrplänen immer, was sich derjenige, der sich das ausgedacht hat, davon wohl versprochen hat? Es gleicht ja einem Lotteriespiel, wenn sich der Fahrplan zufällig mit dem Reiseplan eines potentiellen Fahrgastes kreuzt.

Ja. Aber irgendwie muss man ja erstmal anfangen. Soweit ich gelesen habe bzw in Erinnerung habe, denkt man ja wohl über "täglich" und eine zweite Zuggarnitur nach.

Ich halte es auch gar nicht für doof, zum Start tatsächlich 2 verschiedene Relationen auszuprobieren. Bei GoVolta wird man ja merken, was sich besser entwickelt: Hamburg oder Berlin. Bei Hamburg direkt ist man ja z.B. im Moment konkurrenzlos ganz im Gegensatz zu Berlin.

Ich war jedenfalls positiv überrascht über all die Aussteiger in Hamburg.

Was die Reisebedürfnisse angeht: es geht ja nicht nur um den Tag, sondern ja auch noch um die Uhrzeit. 1x täglich muss ja auch passen ...

Aber das macht Flix ja auch nicht soooooo viel anders; zumindest vom Start. Und langsam kann man Flix glaube ich als etabliert betrachten, auch wenn der Umfang im Vergleich zu DB Fern mickrig ist. Aber die Flixe, die ich so sehe, sind auch stets gut besucht.

Und der Wettbewerb ist ohnehin ein Segen. Sieht man ja an der Rollbahn. DB Fern wollte Jahrhunderte von Sprintern nix wissen. Die Nobelmarke Metropolitan scheiterte kläglich, weil "nobel" nun mal nicht zur Eisenbahn hierzulande passt. Also machte man nix. Kaum kam dann erst HKX und dann Flix, wurde DB Fern munter und sicherte sich Expresstrassen, um weitere Konkurrenz zu verhindern.

Deswegen müssen wir dringendst weg vom Deutschlandtaktplan und der Priorisierung von DB Fern auf Jahrzehnte. Und ob man jetzt für GoVolta wirklich keine besseren Trassen zur Verfügung stellen konnte? Kann sein, kann nicht sein. Allein dass das Netz aber demselben Konzern gehört, der fast monopolartig Fernverkehr drauf fährt und nennenswerte Teile im Nahverkehr, läßt eine gewisse Bevorzugung der konzerneigenen EVU zumindest ab und an vermuten. Es muss daher dringendst eine "Bahnreform 22" her. Alles EVU muss aus der DB raus. Alles privat - der Staat muss da raus. Wir haben keine staatliche Lkw-Spedition; wir brauchen auch kein staatliches Zugunternehmen. Auch das Netz muss staatsferner werden. Es geht ja nicht, dass alle 4 Jahre die Eigentümerstruktur geändert wird und über den Grad der Unterfinanzierung verhandelt wird. Da müssen neue Ideen her. Ich bin für eine gGmbH, an der sich neben Staat z.B. auch alle EVU beteiligen müssen, die auf dem Netz herumfahren soll. Der Anschein der Eigenmächtigkeit der DB - ob berechtigt oder nicht - muss beendet werden. Das System leidet nicht unter zu viel Wettbewerb, sondern unter zu wenig Wettbewerb. So macht es sich nämlich jeder Akteur bequem in seiner kleinen Nische. Bringt Leistung, wenn es den Aufwand gerade mal stemmen kann und läßt es, wenn es mal schwierig ist - solange die Hauptfinanzierungsquelle Staatsknete ist, ist's egal. Entweder mache ich dann alles staatlich, was zu einer Katastrophe führt - Bundesbahn und Reichsbahn haben ja 40 Jahre bewiesen, dass sie es nicht können; schon gar nicht, wenn man sie finanziell austrocknet. Oder ich dränge das Staatliche so weit wie möglich raus und überlasse den Akteuren den Markt.

Den Schock, was Wettbewerb auslöst, sieht man ja beim in der Branche äußerst ungeliebten Deutschlandticket, was die meisten liebend gerne wieder abschaffen würden. Plötzlich konnte Kunde sein Ticket überall kaufen; man musste sich was einfallen lassen, damit Kunde das im eigenen Hause kauft. Plötzlich spielten die ganzen verschiedenen Minitarife eine Rolle. Wieso haben die nebenan Waben und ich Zonen und wieso klingt mein Tarif plötzlich so kompliziert und teuer. Und all die in jahrzehntelanger Mühe erfundenen Einzeltariflösungen gelten plötzlich sls unübersichtlich. Ein schwerer Schock für all die Provinzfürsten, deren Horizont bislang spätestens an der Landkreisgrenze endete. Sie wurden wachgemacht und müssen plötzlich aktiv sich um Kunden bemühen und ihre Provinztarife verteidigen und attraktiv für DT-Nichtkunden machen. Und das alles nur, weil die Politik gar nicht ahnte, was sie da am Ende einer langen Nachtsitzung eigentlich beschloss. Dass der ungewollte Initiator FDP nunmehr in die Bedeutungslosigkeit versinkt, dürfte man in den Kreisen mit Schadenfreude aufnehmen. Während wir Bahn-/DT-fans ein Denkmal aufstellen sollten für Volker Wissing und wir auch ein bißchen den ideologieverbohrten Grünen danken sollten, die ungewollt das DT ermöglichten.

Ach ja, FROHE OSTERN! Juchhu, Jesus ist wieder da! Ich hör jetzt auch auf mit dem Geschreibsel; der Pflegedienst rückt an. Und nachher düse ich noch rüber zu einer Insel der Glückseligkeit im deutschen Bahnwesen: der kleinen, aber feinen Bentheimer Eisenbahn. Noch kann man da die 40 Min Pause in Neuenhaus genießen, falls der Bäcker direkt im Bf geöffnet hat.


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)


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