Im Spare-Ribs-Koma durchs winterliche Flandern (3/5) (Reiseberichte)
Im letzten Teil waren wir im Osten von Gent unterwegs: https://www.ice-treff.de/index.php?id=725207
Tag 5: Ronse, Oudenaarde, Kortijk und Lille
Heute haben wir einen internationalen Tagesausflug nach Lille vor. Zum etwas abseits von der Altstadt gelegenen Bahnhof nehmen wir an den meisten Tagen die Straßenbahn.
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Die Innenwände des Empfangsgebäudes schmücken Gemälde von belgischen Städten. Dabei ist zusammen mit der anderen flämischen Großstadt Brügge natürlich Gent selbst vertreten.
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Gegenüber sind die beiden brabantischen Metropolen Brüssel und Antwerpen.
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Hinter Gent und Brügge wird Oostende, unser Ziel vom zweiten Tag, gezeigt.
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Am Vormittag trennen wir uns auf. Nur nach Lille und zurück ist mir etwas langweilig, weshalb ich noch einen Umweg über Ronse mit dem Dieselbomber am vorderen Gleis mache. Chris und Katharina fahren stattdessen auf direktem Weg mit dem AM80 am hinteren Gleis nach Kortrijk und schauen sich dort die Stadt an.
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Neben der zusätzlichen neuen Bahnstrecke hat mich auch die relative seltene Möglichkeit gelockt, mit einem SNCB-Dieseltriebwagen der Baureihe 41 zu fahren. So viele Strecken ohne Oberleitung gibt es in Belgien nicht mehr. Viel los ist am Sonntag nicht.
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Der Sonnenaufgang verspricht wieder einen sonnigen Tag.
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Die Strecke folgt bis Oudenaarde lose dem Scheldetal, wo einige Kilometer flussaufwärts eine leichte Schneedecke beginnt.
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Am Taktknoten Oudenaarde hat die „S-Bahn“ nach Ronse wegen der Korrespondenz mit der IC-Linie Brüssel-Kortrijk-Brügge einen recht langen Aufenthalt. Ein belgischer Bahnfotograf nutzt den Sonntagmorgen für Schneebilder.
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Südlich von Oudenaarde wird es in den flämischen Ardennen deutlich hügeliger.
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In Ronse ist es dann richtig winterlich. Als Stationsgebäude dient das erste Empfangsgebäude des Bahnhofs Brügge.
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Bis 1988 ging es von hier noch nach Süden weiter, heute nur noch als Radweg. Der Fahrradzähler dürfte heute allerdings eher wenig zu tun haben.
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Mein Plan für die nicht ganz halbe Stunde Wendezeit in Ronse ist, Frühstück zu besorgen, was sich wegen ungeräumten Bürgersteigen zwar als recht abenteuerlich erweist, aber schließlich doch von Erfolg gekrönt ist.
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Das ist bei der Ausfahrt vom Ort zu sehen. Sieht nicht übel aus, aber nicht so spannend, dass ich eine Stunde länger hätte bleiben wollen, zumal ich meine Begleiter nicht zu lange in Kortrijk warten lassen will.
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Auf dem Hinweg hat mich das, was ich von Oudenaarde gesehen habe, durchaus angesprochen und so habe ich mit den Freunden abgesprochen, dass ich ruhig auch erst eine Stunde später nach Kortrijk kommen kann. Hauptattraktion ist das historische Rathaus.
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Dank den Resten des Weihnachtsmarktes, die übrigens auch jetzt am Sonntagvormittag bei geschlossenen Buden mit Weihnachtspop in Dauerschleife beschallt werden, ist sogar ein Bahnbild mit dem Rathaus möglich.
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Während er selbst in Gent geboren wurde, hat der große Kaiser Karl V. hier in Oudenaarde nur eine uneheliche Tochter gezeugt, die später trotz ihrer unehelichen Herkunft in die Fußstapfen ihrer Großtante Margarethe von Österreich als Statthalterin der Niederlande trat. In der jüngeren Geschichte rühmt sich Oudenaarde seit einigen Jahren damit Zielort, der bei Radsportfans populären Flandernrundfahrt zu sein.
Aus der Bahn nach Ronse bietet sich bei der Fahrt über die Schelde von der kombinierten Straßen-Bahn-Brücke in etwa dieses Stadtpanorama. Da dort aber die Fensterscheibe und im Vordergrund die Straße im Weg waren, habe ich den Weg dorthin nochmal zu Fuß auf mich genommen.
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In Belgien gibt es viele Denkmäler für den 1. Weltkrieg, was zwar bedrückend aber bei den schweren Kampfhandlungen nach der deutschen Invasion niemand überraschen sollte.
Ein für mich völlig unerwartetes Kriegerdenkmal liegt dagegen an der Tacambaroplein zwischen Bahnhof und Rathaus. Es erinnert an die Gefallenen der Schlacht von Tacambaro 1865 bei der Französischen Invasion in Mexiko. Dieses außenpolitische Abenteuer dürfte wegen des tragischen Schicksals des mexikanischen Kurzzeitkaisers Maximilian von Österreich, jüngerer Bruder von Kaiser Franz Joseph und Schwager von Sissi, einigen bekannt sein. 2022 war ich in seinem Schloss Miramare bei Triest ( https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,10483870 ). Dass auch ein belgisches Freiwilligenkorps mit gut 1.500 Kämpfern dabei beteiligt war und schwere Verlust hinnehmen musste, war mit aber völlig unbekannt. Bei etwas Nachdenken ergibt es dann etwas Sinn, da Maximilians Frau, Kaiserin Charlotte von Mexiko, eine Tochter des ersten belgischen Königs Leopold I. war.
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Auch zu den Sehenswürdigkeiten würde ich ganz klar das alte Bahnhofsgebäude zählen.
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Im 1. Weltkrieg hat das Gebäude ziemlich gelitten.
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Heute ist das Gebäude allerdings seiner ursprünglichen Nutzung beraubt. Der Bahnhof wurde etwas nach Nordosten verlegt und hat dabei ein ganz unscheinbares Empfangsgebäude bekommen. Außerdem scheint mir im Vergleich zum letzten Bild die Bahnstrecke auch irgendwann in der Zwischenzeit höhergelegt worden zu sein. So hält mein AM 80 nach Kortrijk heute quasi im Obergeschoss des historischen Empfangsgebäudes.
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Nur 20 Minuten später bin ich in Kortrijk.
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Hier in Kortrijk war ich schon 2023 von Lille aus, weshalb ich Katharina und Chris sich allein habe umschauen lassen. So schönes Wetter wie heute hatte ich damals allerdings nicht, weshalb ich die 25 Minuten Umsteigezeit für eine schnelle Runde in die Stadt nutze.
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Wie viele flämische Städte hat auch Kortrijk einen schönen Beginenhof.
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Nun aber schnell zum Bahnhof. Für mehr Bilder und Infos zu Kortrijk verweise ich auf meinen alten Bericht von 2023 ( https://www.ice-treff.de/index.php?id=701599 ). Nach Kriegsschäden aus dem 2. Weltkrieg ist der Kortrijker Bahnhof heute ein relativ nüchterner Nachkriegsbau.
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Wegen der Flügelung Richtung Poperinge und Lille steht unsere Gumminase schon längst da und meine Freunde warten im Zug, als ich auf die letzte Minute angehetzt komme.
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Viel steht zwar nicht auf den vielen Gleisen rum, aber hier sind wir noch eindeutig in Belgien.
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Zwanzig gemütliche Minuten später kommt die nächste abgestellte Dosto-Zuggarnitur, an der unschwer die Ankunft im Reich der SNCF zu erkennen ist. Die wie im Gegensatz zu Belgien zugewachsenen Gleise sind für mich auch ein untrügliches Zeichen.
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Tourcoing hat ein nicht nur schönes, sondern auch großes Empfangsgebäude.
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Zur besten Mittagszeit erreichen wir die wundervolle Bahnhofshalle von Lille-Flandres. 38 Minuten Fahrzeit seit Kortrijk für gerade mal 30 Kilometer sind für internationalen „Fernverkehr“ allerdings ziemliches Balkanniveau. In Belgien ist er zwar etwas flotter unterwegs, aber mit den 12 Minuten Aufenthalt in Kortrijk ergeben sich für die Strecke bis Gent auch nur gemütliche 76 Minuten für 71 km. Die SNCF ist so ehrlich und bezeichnend den IC in ihrem Bereich als TER.
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Unweit des Bahnhofs frönen die Franzosen ganz ihrem Laster für Weihnachtskitsch und flauschigen Tieren. Was hier nicht zu erkennen ist: Die Tiere bewegen sich. Daneben gab es noch ein Diorama mit Pinguinen und anderen polaren Tieren.
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Der Bau der Kathedrale der Erzdiözese Lille wurde erst 1854 als monumentale Wallfahrtskirche im neogotischen Stil begonnen und die sehr ambitionierte Dimensionierung bedingte eine Bauzeit, die den mittelalterlichen Großprojekten in nichts nachsteht. 1991 hat dann der Erzbischof ein Machtwort gesprochen, dass die provisorische Wand im Westen durch eine dauerhafte Lösung ersetzt und damit auf den Bau der ursprünglich geplanten Doppelturmfassade verzichtet werden sollte. Das Ergebnis fanden wir von außen gnadenlos hässlich.
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Von innen kommt die transluzente Marmorfassade beim Sonnenschein heute allerdings sehr schön zur Geltung. Die recht originelle Weihnachtskrippe im Vordergrund will ich stellvertretend für diverse kreative Krippen zeigen, die wir in Belgien und Frankreich gesehen haben.
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In Lille schlage ich zwei Ziele vor, in die ich vor zwei Jahren trotz drei Übernachtungen in Lille nicht reingekommen bin, weil ich während der Öffnungszeiten dauernd mit der Bahn unterwegs war. Stattdessen muss ich dafür jetzt von Gent einen Bahnausflug nach Lille machen, was meine Freunde kaum überrascht.
Die erste Station ist das Geburtshaus von Charles de Gaulle. Der französische Nationalheld wurde hier im großbürgerlichen Haus seiner Großeltern mütterlicherseits geboren und war oft zu Besuch. Aufgewachsen ist er dagegen in Paris. Als wir von einer Wartezeit bis zu einer Viertelstunde überrascht werden, wollen wir schon wieder gehen, bis sich herausstellt, dass so viel los ist, weil heute freier Eintritt ist. Schlussendlich mussten wir auch kaum warten.
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Das Esszimmer ist jahreszeitangemessen mit Austernattrappen dekoriert.
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Mein zweites Wunschziel ist der Art-Déco-Belfried in der Nähe des Bahnhofs. Dieser ist mit 104 m Höhe und seiner Fertigstellung im Jahr 1932 deutlich höher und jünger als die meisten Belfriede der Region. Er ist Teil des Rathauskomplexes und wurde nach der des alten Rathauses im 1. Weltkriegs gebaut, auch als Zeichen des Wiederaufbruchs. Sein Leuchtturmfeuer war in einem Umkreis von bis zu 30 km und damit bis Belgien zu sehen. Zur Energieeinsparung und Vermeidung von Lichtverschmutzung wurde es aber inzwischen deutlich gedimmt, wie ich vor zwei Jahren feststellen durfte.
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Nach einem Mix aus Treppen und Aufzug bietet sich ein wunderbarer Rundumblick auf Stadt und Umland. Linkerhand ist die Altstadt, auf 13 Uhr die Bahnsteighalle von Lille-Flandres zu sehen. Dahinter sind die vier Hochhausblocks des Einkaufszentrum zu sehen und dahinter könnte man Lille-Europe sehen, wenn er nicht höher wäre.
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Im Süden sehen wir in geringer Entfernung die Brachflächen des städtischen Güterbahnhofs Gare Saint-Sauveur und die Metro, die auf einer Brücke darüber geführt wird.
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Unter dem Rathaus liegt das Stadttor Porte de Paris, dass der Sonnenkönig nach der Eroberung durch Frankreich errichten ließ. Davor gehörte Lille/Rijssel zu den habsburgischen Niederlanden.
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Halle-Neustadt, ein verfallendes Hüttenkombinat in Sibirien? Nein, die direkte Nachbarschaft des Rathauses Lille.
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Vom Rathaus aus, bietet es sich an, statt des Haupteingangs, den Nebeneingang zum Fußgängersteg über die Gleise zu nehmen, dessen Aussicht ich 2023 lieben gelernt habe. Dabei kommt auch schon unsere Gumminase eingefahren.
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Die belgischen IC müssen in Lille-Flandres an den Kindertisch außerhalb der Halle.
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Dann nutze ich die Restzeit aber doch noch für ein Bild vom Haupteingang.
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In etwas über einer Stunde geht es zwar im Schneckentempo, aber direkt überwiegend im Dunkeln heim nach Gent. Chris hat in der Nähe des Bahnhofs ein ghanaisches Restaurant entdeckt und hat sich einen Besuch während unseres Urlaubs gewünscht. Mit unserer späten Ankunft bietet sich das heute an. Ich bestelle Tilapia mit irgendeiner Beilage. War gut und interessant, wenn auch für meinen Geschmack der Großteil der Küche zu schärfebetont ist. Noch besser hätte es mir gefallen, wenn Chris nicht darauf bestanden hätte, landestypisch mit den Händen zu essen, obwohl das auch mit Besteck wunderbar möglich gewesen wäre.
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Zum Abschluss des Abends verkosten wir in unserer Ferienwohnung ein gestern erworbenes Sortiment an belgischen Bieren. Am exotischsten war klar das Geuze, das wegen Flaschengärung einen Sektkorken hat und ganz urtümlich durch Spontangärung mit Naturhefen hergestellt wird. Unser Lieblingsbier wird es aber nicht.
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Im nächsten Teil werden wir dann noch Brügge und etwas mehr besichtigen, bevor es wieder heimgeht.
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