Whale Watching im Massif Central (6/8) (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Samstag, 07.02.2026, 15:34 (vor 7 Stunden, 12 Minuten)

Am Ende des letzten Teil war ich in Figeac und bin jetzt durch das Cantal auf dem Weg nach Thiers:

[image]

Tag 7: (Aurillac – Figeac -) Clermont-Ferrand – Thiers
Vor dem Chateau de Pesteils in Polminhac grasen ein paar der besagten Salersrinder.
220
[image]

Mit der Ankunft in Neussargues, wie Murat auch unter einem wuchtigen Basaltfelsen, habe ich dieses Jahr das überschaubare Bahnnetz des Cantals komplett befahren. Hier bin ich im März mit der Ligne des Causses von Süden den Berg runtergekommen und wie heute nach Clermont-Ferrand weitergefahren ( https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,11107590 https://www.ice-treff.de/index.php?id=713756 ).
221
[image]

Langweilig wird die Fahrt durch das Alagnon-Tal trotzdem nicht.
222
[image]

223
[image]

Am letzten Zwischenhalt vor Clermont-Ferrand mache ich noch eine Dummheit, die zum Glück nicht bestraft wird: Ich steige für diese romanische Abteikirche aus, wofür mir jedoch nur 13 Minuten bleiben. Von hier nach Clermont-Ferrand fahren nämlich deutlich mehr Züge und mit dem nächsten Zug bekomme ich in Clermont-Ferrand auch noch meinen Anschluss nach Thiers. Den sollte ich aber auf keinen Fall verpassen, da es die letzte Verbindung des Tages ist.
Mit Google Maps ist das heute ja gut planbar und man kann die Kirche schon vom Bahnhof aus sehen. Laut Zeitspempel habe ich wohl keine drei Minuten gebraucht oder unser TER war etwas vor Plan in Issoire. Die Kirche ist echt sehenswert und hat entgegen den Angaben aus Maps sogar noch geöffnet, nur etwas mehr Zeit wäre nett gewesen. Als eines der Hauptwerke der auvergnatischen Romanik sieht sie sich zum Verwechseln ähnlich mit Notre-Dame-du Port in Clermont-Ferrand, wo ich 2021 war ( https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,10543316 ).
224
[image]

Und dann bin ich auch schon wieder am Bahnhof. Ein optisch übel mitgenommener AGV der Region Okzitanien aus Nîmes bricht leider meine seit vorgestern Vormittag währende Blauwalserie. Von dort über die Cevennenbahn bin ich 2021 gekommen.
225
[image]

Darüber tröstet mich die deklassierte 1. Klasse hinweg.
226
[image]

Bei der Ankunft in Clermont-Ferrand grüßt der Puy de Dôme im Sonnenuntergang.
227
[image]

Und auch nochmal von hinter dem Bahnhof.
228
[image]

Da wollte ich ja eigentlich morgen hoch, aber eine Entgleisung der Zahnradbahn – die letzte von fünf in Frankreich, die mir noch fehlt – bei einer Testfahrt am 24. September hat mir das wenige Tage vor Reisebeginn vermasselt. Da ich zu Fuß schon mal 2010 während ihrer Bauphase oben war, muss ich das nicht nochmal tun und verschiebe die Bergbahn auf eine andere Reise. Erst wollte ich trotzdem zwei Übernachtungen einlegen und stattdessen die beiden Nebenbahnen nach Thiers und Volvic befahren wegen der späten Ankunft aus Figeac oder zumindest eine Nacht. Zu meinem Erschrecken gab es aber vor wenigen Tagen nur noch eine geringe Auswahl an Unterkünften und alle im dreistelligen Bereich, teilweise deutlich.
Da ich kein dringendes Programm in Clermont habe, weiche ich deshalb nach Thiers aus. Aus dem TER dorthin ist nochmal der Problemberg zu sehen und die Lichter des Flughafens, der einen Haltepunkt an dieser Strecke hat. Morgen werde ich die Strecke noch bei Tageslicht sehen.
229
[image]

Hier bin ich wieder im Baluwalhabitat unterwegs: Mein Baleine-Trio bei der nächtlichen Ankunft in Thiers um 20.38 Uhr.
230
[image]

In Google Maps sahen mir die Trassierung der Wege aus, als müsste ich jetzt eine halbe Stunde stramm bergauf marschieren, tatsächlich geht es aber stramm bergab. Thiers liegt an einem steilen Hang über einem Tal, während die Bahnstrecke sich schon höher gewunden hat. Für heute Abend sehr erfreulich, dafür wird’s morgen stressig.
Eigentlich hatte ich nach der späten Ankunft eine Brotzeit mit meinem vielen Käse geplant, aber sowohl in Figeac als auch Clermont bin ich daran gescheitert, Baguette oder anderes Brot zu kaufen. Der eine Bäcker auf dem Weg zum Bahnhof in Figeac war nicht zu finden, der andere hatte die Mittagspause spontan verlängert und der beim Bahnhof Clermont hatte entgegen der Angaben in Maps schon Feierabend. Hier in Thiers sind heute Abend um 21 Uhr schon die Bürgersteige hochgeklappte Ein Restaurant mit französischer Küche hat zwar noch offen, aber die Küche nicht mehr, und auf Döner habe ich keine Lust. So lande ich nach strammem Marsch bergauf kurz vor Ladenschluss bei westafrikanischer Küche aus Mali. Das Foutou mit Hähnchen und Kochbananenstampf war sehr lecker.
231
[image]

Tag 8: Thiers – Moulins – Autun
So langsam bin ich schon auf dem Heimweg nach Karlsruhe. Die einzig sinnvolle Verbindung zu meinem Tagesziel Autun startet erst um halb zwölf. Zwei Stunden früher, hätte ich nur mehr Aufenthalt – der SNCF-Würfelfahrplan lässt grüßen – und noch früher wäre es noch dunkel. Bei späterer Abfahrt käme ich nicht mehr bis Autun. Weiter Richtung Norden komme ich aber so oder so erst am Mittag, der SNCF-Würfelfahrplan lässt grüßen. Auch die Strecke nach Volvic lässt sich heute nicht sinnvoll in die Reise einbauen.
Dafür, dass es nur eine Notlösung war, war ich gestern Abend schon recht angetan von Thiers. Meine Unterkunft heißt Vue des Volcans und tatsächlich sehe ich diese beim Aufwachen in der Ferne. Der hohe rechts über diesem Metallgestell am Nachbarbalkon ist mal wieder der Puy de Dôme.
232
[image]

Thiers erinnert mich irgendwie an eine Mischung aus Rothenburg ob der Tauber, Zeitz und meiner Heimatstadt Pirmasens. Es gibt viel Fachwerk in der Altstadt, aber die meisten Häsuer zeigen starken Sanierungsbedarf und viel Leerstand scheint es mir auch zu geben. Auch meine Ferienwohnung ist in einem solchen. Im wohl schönsten ist die Tourist-Info untergebracht.
233
[image]

234
[image]

Zwischen Thiers und den Vulkanen hinter Clermont-Ferrand liegt eine breite Ebene, durch die der Allier fließt und die ich gestern im Dunkeln durchquert habe. Erst nach der letzten Zwischenstation muss sich die Bahnstrecke in einem weiten Bogen hierher hochwinden.
235
[image]

Warum erinnert mich Thiers an Pirmasens und Zeitz? Alle drei waren stolze Industriestädte und und heute stehen viele Betriebe leer. War Pirmasens die deutsche Schuhhauptstadt, so war und ist Thiers die französische Messerstadt, quasi das Solingen Frankreichs.
236
[image]

Jahrhundertelang drängten sich die Messerschmieden in engen Durolletal unter der Altstadt, um die Wasserkraft des Flüsschens zu nutzen.
237
[image]

Da wird noch gearbeitet. Hier werden wohl besonders edle, hochpreisige Messer gefertigt. Auch bei uns in Pirmasens konnten sich nur hochpreisige Schuhmarken halten, die weniger stark unter dem Preisdruck aus früher Südeuropa, heute Fernost leiden.
238
[image]

So tot wie die Pirmasenser Schuhindustrie ist die Messerindustrie in Thiers aber nicht. Ihre Produkte bekommt man noch in jedem gut sortierten Haushaltswarengeschäft in Frankreich angeboten und ich werde mir nachher oben in der Stadt ein hübsches neues Taschenmesser zulegen. Viele Betriebe sind jedoch in den letzten Jahrzehnten, seit die Produktion von der Wasserkraft unabhängig geworden ist, aus dem engen Tal zu topographisch günstigeren Orten in der Ebene umgezogen.
239
[image]

Und wer kann das bei dieser Lage nicht verstehen. Die Straße durchs Tal kam erst spät. Davor erfolgte die Zu- und Abfuhr von Waren über Maultierpfade hoch in die Stadt.
240
[image]

Einen solchen Pfad gehe ich jetzt hoch, denn in einer Stunde fährt mein Zug. Meine Unterkunft ist in dem Haus in Bildmitte mit etwas Fachwerk im Obergeschoss und dem Baum rechts neben dem roten Haus. Von außen sah es zwar wie fast alle Häuser etwas sanierungsbedürftig aus, aber innen war schon frisch saniert.
241
[image]

Nach noch ein paar zusätzlichen Höhenmetern gelingt mir dieser Blick auf die Bahnstrecke und den obligatorischen Puy de Dôme am Horizont. Hier fährt jedoch seit 2016 kein Zug mehr. Seitdem werden nur noch die Streckenabschnitte im Westen nach Thiers und im Osten von Saint-Étienne nach Boën als Stichstrecken bedient, während auf dem Mittelteil über die ehemalige Grenze zwischen den ehemaligen Regionen Auvergne und Rhône-Alpes der Verkehr ruht.
Eine Initiative kämpft für die Reaktivierung, aber ich bin wenig optimistisch für die ehemals kürzeste Verbindung zwischen Clermont-Ferrand und Lyon. Genau seit dem Jahr der Stilllegung ist immerhin die wie in Deutschland hinderliche Regionengrenze weggefallen. Hätte die Infrastruktur noch ein paar Jahre länger durchgehalten hätte sie dadurch vielleicht überlebt.
242
[image]

Einmal Perspektivwechsel auf die Brücke, die vom letzten Bild bei den Häusern oberhalb des Tunnels zu sehen war.
243
[image]

Auf der anderen Seite liegt der Bahnhof, wo meine Baleines schon warten.
244
[image]

Da sind wir schon wieder in der Ebene. In Bildmitte im Hintergrund sind am Berghang Thiers und darunter das Durchbruchstal zu sehen.
245
[image]

Die weitere Fahrt erfolgt zügig und relativ unspektakulär geradlinig durch die Ebene nach Clermont-Ferrand. Sogar Güterverkehr gibt es noch hier.
246
[image]

Fast nur Baleines um die Drehscheibe vom Bw Clermont-Ferrrand.
247
[image]

In Clermont endet das tagelange Blauwal-Einerlei. Ein Régiolis bringt mich zügig nach Norden. Ich verspreche, das ist das letzte Bild vom Puy de Dôme, diesmal mit der Michelin-Teststrecke im Vordergrund.
248
[image]

Die Fahrt nach Norden endet mehr oder weniger freiwillig in Moulins. Lieber wäre ich bis Nevers durchgerauscht, aber der TER endet vor der Regionengrenze zum Burgund. Etwas später wäre ein IC gefahren, aber der hätte gestern satte 20 € Reservierungsgebühr gekostet, was er mit nicht wert war.
In Moulins habe ich gut eine Stunde, aber ich fasse mich diesmal kurz und verweise auf meinen Besuch 2021 ( https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,10543316 ). Da hätte ich gerne zu Mittag gegessen, aber zum zweiten Mal nach 2021 scheitert es. Letztes Mal war kein Tisch mehr frei, dieses Mal ist schon die Küche geschlossen.
249
[image]

Stattdessen gibt es nur ein Bier unter dem Turm.
250
[image]

Nochmal schnell in der Kathedrale vobeigeschaut, wo ich feststelle, dass der Triptychon von Moulins, der 2021 in der Sakristei mit Eintritt und Fotoverbot stand, aktuell restauriert werden und stattdessen diese Kopie offen in der Kirche ausgestellt wird. Somit kann ich diesmal ein Foto präsentieren. Rechts und links sind die Stifter und großen Förderer der Stadt abgebildet, der Herzog von Bourbon und seine Frau, die Königstochter Anne de Beaujeu, die 8 Jahre lang Regentin Frankreichs für ihren minderjährigen jüngeren Bruder Karl VIII war. Ja der aus dem ersten Teil, der sich in Amboise böse den Kopf angestoßen hat und daran gestorben ist.
251
[image]

Der direktere Weg nach Autun hätte nördlich über Nevers und von dort nach Osten geführt, aber wegen der langen Taktlücke im Nahverkehr dorthin, ist es schneller schon hier nach Osten, dann nach Norden und wieder ein kleines Stück zurück nach Westen zu fahren. Soll mir recht sein. Die Strecke über Nevers hat einen deutlich dichteren Fahrplan und lässt sich wann anders mal einfacher in eine Reisplanung einbauen.
Mein nächster Zug ist der Langläufer-TER von Tours nach Lyon, den ich schonmal 2021 von Lyon nach Paray-le-Monial und zurück genommen hatte ( https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,10545213 ).
252
[image]

Bei der sehr gemütlichen und rumpeligen Fahrt frage ich mich, ob die ehemals zweigleisige Strecke noch gute Zukunftsaussichten hat. Ein bisschen ist das Reisegefühl wie in Rumänien. Hier fahren wir über die Loire.
253
[image]

Auf längeren Abschnitten verläuft die Strecke parallel zum Canal du Centre.
254
[image]

In Paray-le-Monial lasse ich den TER nach Lyon ziehen.
255
[image]

Von der Fußgängerbrücke zeigen sich die ausgedehnten Gleisanlagen in voller Pracht.
256
[image]

Auf die Stunde Umsteigezeit hier hätte ich durchaus verzichten können, da ich schon zum dritten Mal hier bin (erst das zweite Mal mit der Bahn), aber bei dem großartigen Herbstwetter lässt es sich gegenüber der romanischen Abteikirche sehr gut aushalten.
257
[image]

Und dann wartet nach Montchanin zur Abwechslung mal wieder ein Baleine auf mich. Wenn ich richtig zähle, Nr. 11 für diesen Urlaub (ohne Berücksichtigung von Mehrfachtraktionen).
258
[image]

Vom Land der braunen Salersrinder um Aurillac bin ich jetzt ins Land der weißen, stämmigen Charolaisrinder gekommen. Die grasen hier im Charolais wirklich überall.
259
[image]

Die Fahrt folgt überraschend zügig weiter dem Canal du Centre. Im ebenfalls gleisreichen Endbahnhof Montchanin steigen die meisten Mitreisenden nach Osten Richtung Dijon um, ich will jedoch in die entgegengesetzte Richtung.
260
[image]

Nach zwei Stationen und nur gut 20 Minuten und zwei Stationen ist der heutige Bahntag mitten in der Pampa in Étang-sur-Arroux beendet und ich lasse meinen TER nach Nevers weiterziehen.
261
[image]

Bis 2020 wäre ich noch mit der Bahn bis Autun gekommen, aber damals wurde eine Baustellensperrung der Hauptstrecke Beaune-Nevers als Grund genutzt, auch hier SEV einzuführen und diesen nie wieder zu beenden.
Aus dem Bus ist Autun mit seiner Kathedrale schon an den Hängen des Morvan zu sehen. Links vorne die obligatorischen Charolaisrinder.
262
[image]

Im vorletzten Teil erwarten euch dann die Bilder aus Autun und noch Einiges mehr.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum