Whale Watching im Massif Central (4/8) (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Donnerstag, 29.01.2026, 21:12 (vor 11 Stunden, 21 Minuten)
bearbeitet von Bahne aus Leidenschaft, Donnerstag, 29.01.2026, 21:15

Im letzten Teil war ich im Périgord unterwegs: https://www.ice-treff.de/index.php?id=724018
Jetzt möchte ich diese schöne Region von Périgueux aus in Richtung Osten verlassen.

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Tag 5: (Bergerac -) Périgueux – Brive-la-Gaillarde – Aurillac
Weiter geht es in einem gut besetzten Baleine nach Brive-la-Gaillarde. Was mir öfters auffällt: Die wenigen Verbindungen des Tages sind überraschend gut gefüllt. Warum kommt dann keiner auf die Idee, mehr Züge fahren zu lassen.
Ob das zweite Gleis in Thenon mit seinen Doppelkopfschienen noch oft genutzt wird?
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Wieder pünktlich, wenn die Küchen der Restaurants schließen, erreiche ich Brive-la-Gaillarde und habe dort fast zwei Stunden Umsteigezeit.
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Einige Minuten nach meiner Ankunft kommt eine Sybic mit dem IC aus Cahors.
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Die zieht am Sonntagmittag, wenn ich richtig gezählt habe, eine stattliche zweistellige Wagenzahl nach Paris.
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Im Gegensatz zu den meisten Restaurants hat die Markthalle erfreulicherweise noch offen und bietet auch eine Auswahl an warmen Speisen. Ich entscheide mich beim Grill für einen deftigen und hervorragenden Cassoulet, den typischen Bohneneintopf in Okzitanien.
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Nach einer Runde durchs Zentrum muss ich wieder den Berg hoch zum Bahnhof.
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In der Halle wartet Baleine Nr. 3 des Tages auf mich.
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Bis Saint-Denis-lès-Martel kenne ich die Strecke schon von vor 2 Jahren, hier biegen wir diesmal nach Osten ins Tal de Cère ab. Erstmal müssen aber der Fahrdienstleiter und sein Freund ohne Uniform rauskommen, um uns und den Gegenzug abzufertigen.
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Auch hier kommen Freunde von Formsignalen auf ihre Kosten. Links zweigte früher die Strecke nach Souillac ab, die einen früher auf direktem Weg entlang der Dordogne von Sarlat hierher gebracht hätte. Von Martel bis kurz vor Saint-Denis verkehrt heute eine Museumsbahn, mit der wir im Familienurlaub 2010 gefahren sind. Ob es davon noch Bilder gibt, bin ich mir aber nicht sicher.
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Unter dem Schutz der Burg Castelnau-Bretenoux bin ich bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Bretenoux Biars plötzlich schockverliebt in die süße Fahrdienstleiterin, die unseren TER abfertigt. Dummerweise lässt der Fahrplan nicht zu, mal eben beim nächsten Halt auszusteigen, zurückzufahren und das Mädel auf einen Kaffee einzuladen.
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Vor Bretenoux hat die Strecke vom Tal der Dordogne in das des Nebenflusses Cère gewechselt.
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Die folgenden 40 Minuten bis Laroquebrou führen das durch die größtenteils menschenleere, nur durch die Bahn erschlossene Cèreschlucht.
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Das verschlafene Nest Laroquebrou mit seiner Burg hat zwar nicht besonders viele Abfahrten an seinem Bahnhof, aber dafür eine tägliche Direktverbindung mit dem Nachtzug nach Paris, irgendwie typisch SNCF.
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Nach nicht ganz zwei Stunden ist mein Tagesziel Aurillac erreicht.
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Und da steht der eben erwähnte Nachtzug nach Paris. Nach jahrelangem Kampf konnten das Département Cantal und seine Bewohner 2023 seine Wiedereinführung feiern und er scheint von den Fahrgästen angenommen zu werden, denn seit diesem Jahr fährt er täglich.
Der Nachtzug nach Aurillac dürfte noch vor dem nach Rodez den kürzesten Laufweg aller Intercités Nuit von Paris haben, aber Aurillac liegt so weit ab vom Schuss im Massif Central, dass er aus meiner Sicht einen deutlichen Mehrwert zu den Tagverbindung bringt.
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Dafür, dass es erst halb sechs ist, blieben mir heute nicht mehr viele Optionen zur Weiterfahrt. Ankünfte gibt es dagegen noch mehr
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Richtung Figeac/Brive-la-Gaillarde gibt es neben vielen Gleisen noch eine Drehscheibe.
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Über dem Nachtzug und dem Baleine zeichnen sich schon die Berge des Cantals ab, zu denen ich morgen will.
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Nach dem Check-In nutze ich das restliche Tageslicht, um auf einen nahen Aussichtspunkt zu steigen, den Rocher des Pendus – Fels der Erhängten.
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Wer findet den Zug?
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Aurillac ist im Mittelalter aus einem Kloster an der Cère entstanden und hat keine 30.000 Einwohner, ist aber trotzdem Präfektur des Départements Cantal und die größte Stadt weit und breit.
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Bekanntester Sohn der Stadt war Gerbert von Aurillac, der im 10. Jh. hier im Kloster ausgebildet wurde und der vielleicht größte abendländische Gelehrte seiner Zeit wurde. Von einer Reise nach Spanien soll er von den Mauren die arabischen Zahlen mitgebracht und in der westlichen Christenheit eingeführt haben. Später wurde er Erzbischof von Reims und Lehrer des jungen Kaisers Otto III., der ihn als Silvester II. zum Papst machte. Bis auf die Geschichte, er habe die Messe in der Silvesternacht 999 zitternd vor Angst vor der Apokalypse zur Jahrtausendwende gehalten, hinterließ er in seinem kurzen Pontifikat aber keine großen Spuren.
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Am heutigen Sonntagabend ist die Innenstadt sehr ausgestorben, aber am zentralen Platz haben zwei Brasserien geöffnet. Nach dem späten und deftigen Mittagessen nehme ich „nur“ einen Salat mit lokalen Käsespezialitäten, der sich dann aber als riesige Portion erweist.
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Auf dem Rückweg zu meiner Unterkunft mache ich noch einen Abstecher zum Bahnhof, um mir die Abfahrt des Nachtzugs anzuschauen.
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Tag 6: Le Lioran und Plomb du Cantal
Heute wird gewandert. Mangels passender Bahnverbindung am Morgen und Vormittag muss ich mit diesem Bus Richtung Clermont-Ferrand am leicht überdimensionierten Busbahnhof, der bestimmt mal ein Güterschuppen der Bahn war, vorliebnehmen.
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So sehe ich immerhin eine leicht andere Strecke durch die Panoramafenster als auf dem Rückweg mit der Bahn und etwas Geld spare ich noch dazu.
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Der leichte Nebel zu Beginn der Fahrt bestätigt mich darin, dass es sinnvoll war, auszuschlafen und nicht schon den Bus um 8 Uhr zu nehmen.
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Warum vormittags mit Bussen gefahren wird, erschließt sich mir nicht ganz. Schneller ist der Bus nicht und es werden keine anderen Stationen als die Bahnhöfe bedient, selbst wenn der so ungeschickt liegt wie in Vic-sur-Cère.
Langsam, aber sicher schrauben wir uns ins Cantalmassiv hoch.
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Um 10.30 Uhr ist dann der Scheitelpunkt in Le Lioran erreicht. Der Bahnhof liegt recht abgeschieden im Tal und die Lichtverhältnisse waren offensichtlich suboptimal.
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Zum Wandern sind die Verhältnisse dagegen optimal und ich frage mich nur, warum ich die Sonnencreme in der Unterkunft gelassen haben. Gut 700 Höhenmeter liegen bis zum Plomb du Cantal vor mir. Auf einer Skipiste gelange ich zum im Oktober quasi menschenleeren Skiressort Super Lioran, während um mich die Hirsche röhren.
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Eine Stunde später fehlen mir nicht mehr viele Höhenmeter. Der spitze Berg auf 12 Uhr, Puy Mary, ist wie ich später erfahre deutlich beliebter beim Publikum, weil markanter und mit einer Straße erschlossen. Mit der Bahn war der Plomb du Cantal aber die bessre Wahl.
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Der Hügel links ist der ersehnte Gipfel. Mit 1.855 Höhenmetern ist der Plomb du Cantal Namensgeber und höchster Berg des Départements und nach dem 30 m höheren Puy du Sancy zweithöchster Berg des Zentralmassivs.
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Wer freiwillig oder als Schullektüre das Parfum gelesen hat kennt ihn vielleicht, weil darin der Protagonist auf diesen „entlegensten Punkt Frankreichs“ steigt, um festzustellen, dass er keinen Eigengeruch hat. Ich für meinen Teil konnte auch keinen Eigengeruch von mir feststellen, aber ihr braucht euch keine Sorgen machen, dass ich wie im Buch einen Serienmord an rothaarigen Jungfern begehe. Nach zwei Stunden Anstieg lag es wohl eher am kräftigen Wind, dass ich nichts gerochen habe.
Richtung Südwesten liegt Aurillac. Hinter dem Berggrat kann man links der Bildmitte das Cèretal erahnen, durch das Bahn und Bus fahren.
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Das Cantal-Massiv ist wie die umliegenden Berge der Auvergne vulkanischen Ursprungs und hat keinen richtigen Hauptgipfel in der Mitte. Der lag wohl ursprünglich ungefähr dort, wo heute Le Lioran ist, und ist bei einer großen Eruption weggeflogen, wonach der Talkessel als Caldera mit mehreren Gipfeln um ihn herum übrigblieb.
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Richtung Osten ist die pure Menschenleere und an kann im Südosten bis zu den Cevennen kurz vorm Mittelmeer sehen. Gut zu erkennen sind hier die zerfurchten Flanken, die zu allen Seiten recht symmetrisch abfallen. Auf dem Satellitenbild sieht das ziemlich spannend aus.
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Richtung Norden hat sich wer ins Bild geschlichen. Auf den Gipfel links hinter mir werde ich im Anschluss gehen, rechts von mir im Tal ist Murat zu erahnen und rechts dahinter käme dann noch der Bahnknoten Neussargues, wo die Ligne des Causses beginnt.
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Vor dem Abstieg mache ich einen Schnitt. Im nächsten werde ich mit einem Umweg zum Bahnhof zurückgehen und weitere Blauwalfahrten folgen lassen.

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