Whale Watching im Massif Central (3/8) (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Montag, 26.01.2026, 19:48 (vor 4 Tagen)

Im letzten blauwalfreien Teil bin ich im Périgord angekommen und war zum Mittagessen in Sarlat:https://www.ice-treff.de/index.php?id=723932

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Tag 4: Sarlat und Bergerac
Mit dem Mittagessen wollte ich den Platzregen überbrücken und mich danach in dem pittoresken Städtchen umschauen, was aber nur zum Teil funktioniert. Den stärksten Regen konnte ich überbrücken, aber um 14.30 Uhr schließt das Lokal und ich muss raus. Als es nachlässt, starte ich den Rundwanderweg um die Stadt, der zu dieser Mauer mit Bahnbezug führt.
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Von ein paar Höhenmetern weiter unten wird der Bahnbezug deutlicher. Gut zu erkennen ist der weiße Sprinter vom letzten Bild.
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Der 360 m lange Tunnel de Sarlat gehörte zur Bahnstrecke nach Condat an der Bahnstrecke Périguex-Brive, die schon seit 1955 stillgelegt ist und wie viele französische Nebenbahnen sogar schon 1939, kurz nach Gründung der SNCF, ihren Personenverkehr verloren hat. Ein paar Meter weit kommt man sogar in den Tunnel rein, wo ich mich ein wenig herumdrücke, bis der Regen wieder etwas nachlässt.
Größter Unterwegshalt der Strecke war das zugegebenermaßen recht kleine Montignac mit der für seine prähistorischen Malereien weltberühmten Höhle Lascaux. Insofern würde ich der Strecke einiges an touristischem Potential zusprechen. Für Urlaub ohne Auto ist diese eigentlich wundervolle Urlaubsregion leider gänzlich ungeeignet. Da ist man wahrscheinlich noch am besten mit dem Kanu unterwegs.
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Ab hier führt der Wanderweg ein gutes Stück auf der Bahntrasse. Hinter dieser Brücke ist sie allerdings zugewachsen und der Wanderweg führt auf den kreuzenden Weg.
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Kurz dahinter fädelte die Strecke nämlich auf die noch existierende Strecke aus Richtung Bergerac ein und erreichte über ein beeindruckendes Viadukt den Bahnhof. Just in dem Moment, als ich dieses erreiche, kommt ein Zug aus Bordeaux (nur eine von zwei Zugfahrten während meines siebenstündigen Aufenthalts) an, dummerweise hatte ich den Fahrplan nicht im Kopf und kann nur einen Notschuss machen. Das ist der erste AGC, den ich auf der Strecke sehe.
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Die Brücke aus guter, unverbauter Perspektive zu fotografieren, erweist sich als gar nicht so einfach.
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Zurück in der Stadt genehmige ich mir gegenüber der Markthalle einen Pastis.
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Bis ich ausgetrunken habe, zeigt sich tatsächlich etwas blauer Himmel, wie hier über der Totenlaterne des früheren Klosters Sarlat, der Keimzelle der Stadt.
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Auffällig sind die vielen Renaissancegebäude in der Altstadt. Die vielen Touristen kommen nicht ohne Grund in die Stadt. Trotzdem bin ich im Nachhinein recht froh im etwas weniger touristischen Bergerac übernachtet zu haben und nicht hier.
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Zurück am Bahnhof steht noch der AGC vom Viaduktbild da, fahren wird aber gleich der Régiolis dahinter.
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Früher führte die Trecke mal weiter nach Osten durchs Dordognetal bis Souillac an der POLT-Magistrale, von wo eine weitere Strecke entlang der Dordogne bis Saint-Denis-lès-Martel. Würden die noch existieren, würde sich meine Fahrt morgen signifikant verkürzen. Die große Gewerbehalle schiebt möglichen Reaktivierungsideen aber ganz physisch den sinnbildlichen Riegel vor. Auf der Trasse verläuft heute die übliche Voie Verte.
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Direkt nach Abfahrt ist vom Viadukt nochmal Sarlat zu sehen.
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Jetzt kann ich Beynac zwar mit blauem Himmel bieten, aber dafür ohne Dordogne. Ziemlich ärgerlich, dass der TER genau hier, zwischen den beiden Burgen Beynac und Castelnaud weit und breit nirgends hält und damit einiges an touristischem Potential liegenlässt. Der alte Bahnhof von Beynac wurde irgendwann aufgelassen und ich frage mich warum. Mit dem Erreichen oder Nichterreichen von knappen Taktknoten kann hier wahrlich keiner argumentieren.
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Neben Stopfleber und Trüffeln sind Walnüsse eine weitere Spezialität des Périgords und entlang der Strecke zahlreich zu sehen.
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Nach dem Frühstück auf dem Hinweg packe ich diesmal den Bauernkäse vom Markt in Bergerac aus.
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Bei der Ankunft in Bergerac scheint dann plötzlich wolkenlos die Abendsonne über der Bahnhofshalle.
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Die ist natürlich nur echt französische Provinz mit ebenerdigem Gleisübergang.
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Jetzt liefere ich auch endlich die versprochenen Bilder aus Bergerac. Unten rechts steht der Romancier Cyrano de Bergerac mit der langen Nase, der seine Angebetete oben im Kirchenfenster anschmachtet. Savinien Cyrano de Bergerac gilt als früher Wegebereiter der Science-Fiction und wurde im 19. Jh. richtig bekannt als Hauptfigur des gleichnamigen Dramas von Edmond Rostand.
Dumm nur, dass es der Pariser in seinem kurzen, bewegten Leben nie hierhin geschafft hat. Sein zu Wohlstand gekommener bürgerlicher Vater hat ein Landgut der Adelsfamilie „de Bergerac“ erworben und damit auch den Namenszusatz angenommen. Die Tourismusbranche von Bergerac geht mit diesem unangenehmen Sachverhalt aber sehr unverkrampft um und benennt alles Mögliche, auch meine Unterkunft, nach ihm.
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Der Wellengang auf der Dordogne zeigt, dass ein ordentlicher Wind von Westen bläst und die doofen Wolken weggepustet hat. Der Flusshafen war jahrhundertelang ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, über den vor allem Wein zum Seehafen Bordeaux transportiert wurde.
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Nach dem Mittagsmenu muss es heute Abend nichts großes mehr sein und da bietet sich mir eine Crêperie an, auch wenn Crêpes hier nicht so lokal sind.
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Tag 5: Bergerac – Le Buisson – Périgueux – Brive-la-Gaillarde – Aurillac
Heute fährt mein Zug erst nach 9 Uhr, sodass ich ausschlafen und mich noch etwas umschauen kann. Hätte ich in Sarlat übernachtet, hätte ich schon vor über eine Stunde im Dunkeln losgemusst und die schöne Strecke nur im Dunkeln gesehen. Meine heutige Verbindung klappt bei humanen Tageszeiten tatsächlich nur am Wochenende und von Sarlat so richtig gut nur samstags, weil sonntags der morgendliche TER schon um 7.49 Uhr statt um 9.14 Uhr fährt. Das war der Hauptgrund, warum ich hier in Bergerac übernachtet habe.
Heute Morgen ist nicht nur immer noch blauer Himmel, sondern auch kein Wind mehr, was dem Flussmotiv noch eine Spiegelung verleiht.
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Von dieser Brücke entstand das Stadtpanorama.
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Mit solchen Booten wurde der Wein transportiert, heute vermutlich Touristen.
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Auch am Bahnhof wird mit Cyrano geworben.
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Bis Le Buisson nehme ich wieder den gleichen Weg wie gestern, wobei flussaufwärts Nebel aufzieht.
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Hier in Buisson trifft die Strecke aus Bergerac auf die Strecke aus Périgueux und ich habe hier jetzt eine gute Stunde Aufenthalt. Bei den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde wird ein Kloster mit tollem Kreuzgang beworben, aber der liegt kilometerweit weg in der Pampa. Einigermaßen fußläufig gäbe es eine Tropfsteinhöhle, aber leider ohne zum Fahrplan passende Führung, also habe ich kein richtiges Programm. Immerhin nur eine Stunde und nicht fast drei, wie ich sie aus Richtung Sarlat gehabt hätte. Aus Sarlat hätte ich die Umsteigezeit verkürzen können, indem ich meinem Zug Richtung Süden entgegenfahre, aber für die ganze Strecke bis Agen hätte die Zeit dann doch nicht gereicht.
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Hier kommen noch Freunde französischer Formsignale voll auf ihre Kosten.
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Einen guten Kilometer aus dem Dorf raus nach Norden kommt man zur Dordognebrücke. Über die Bogenbrücke dort hinten bin ich eben aus Bergerac gekommen und werde in einer Stunde wieder nach Périgueux entschwinden.
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Zurück im Ort gibt es diesen charmanten Schrankenwärterposten.
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An Gleisen mangelt es dem Bahnhof für das überschaubare Zugangebot nicht.
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Trotz des überschaubaren Fahrplans schafft mein Anschlusszug es, eine Viertelstunde Verspätung zu haben, was aber nicht tragisch ist. Mit ihm starte ich in über 72 Stunden im Reich der Baleines Bleues, das titelgebende Whale Watching – oder besser – Whale Riding – im Massif Central hat damit begonnen.
Als Gegenstück zu Bild 121 gibt es nun das Bild von der Bahnbrücke auf die Straßenbrücke, auf der ich vorhin war.
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Kühe sieht man hier im Périgord gar nicht so viele, Ziegenkäse ist hier dominanter. Dafür sind die kleinen Chateaux wie das rechts am Hang hier umso zahlreicher.
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Steile Kalksteinwände kündigen die nahende Ankunft in Les Eyzies an.
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Les Eyzies ist zentrale Anlaufstätte für Interessierte der Frühgeschichte. Hätte ich noch Karten für die bekannte und fußläufig erreichbare Grotte de Font de Gaume bekommen, hätte ich sie irgendwie gestern oder heute Vormittag in meine Reiseplanung eingebaut. Leider war einige Tage im Voraus nur noch eine Karte für heute Nachmittag verfügbar gewesen und das hätte meine komplette Reiseplanung gesprengt, da meine heutige Verbindung nur wochenends besteht. Die aus konservatorischen Gründen sehr streng limitierte Besucherzahl ist auch der Grund, warum ich hier im Gegensatz zu den meisten anderen Höhlen der Region wie Lascaux noch in keinem der beiden Familienurlaub als Kind drin war. Da muss ich wohl nochmal mit besserer Vorplanung herkommen. Viele andere Höhlen sind schon in der Winterpause wie Bara-Bahau, die in der Nähe des vorhergehenden Haltes Le Bugue liegt, oder ohne Auto kaum zu erreichen. Deshalb bleibe ich im Zug und fahre durch.
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Nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt wurde angeblich beim Bahnbau die Cro-Magnon-Höhle, die dem hier künstlerisch sehr umtriebigen „Höhlenmenschen“ seinen Namen Cro-Magnon-Mensch gab, entdeckt.In Wirklichkeit war es aber wohl erst einige Jahre später beim Straßenbau.
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Seit Le Buisson folgte die Strecke dem Dordogne-Nebenfluss Vézère, jetzt verlässt sie ihn in nordwestlicher Richtung. Am Fluss liegen nicht nur die wichtigsten Höhlen mit prähistorischen Malereien, sondern sein Name soll sich laut einer verbreiteten Theorie vom gleichen archaischen Begriff für „fließen“ ableiten wie der unserer deutschen Weser.
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Bis Périgueux „rauschen“ wir ohne weiteren Zwischenhalt durch. Wer an den Zwischenstationen einsteigen will, hat ein noch überschaubareres Zugangebot zur Verfügung, als hier ohnehin schon fährt. Außer diesem kleinen Schlösschen ist hier aber auch nicht viel los.
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Am Trennungsbahnhof Niversac gibt es ein interessantes kleines Ensemble aus saniertem Empfangsgebäude Wasserturm und einem historischen Wagen. Leider gelingt mir kein besseres Bild. Den Abschnitt von hier bis Périgueux fahre ich heute doppelt.
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In Périgueux wird die Isle überquert. Zur Kathedrale im Hintergrund werde ich es im Gegensatz zu vor zwei Jahren ( https://www.ice-treff.de/index.php?id=700909 ) in der Umsteigezeit nicht schaffen.
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Stattdessen wollte ich zu diesem mächtigen Römerturm, aber wegen der Viertelstunde Verspätung fehlt mir die Zeit dazu. Zum Glück ist er aus dem Zug kurz, aber gut zu sehen.
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Kleiner Baleine in großer Halle nach meiner Ankunft.
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Schüchtern schaut der kleine Wal hinter der Wand hervor. Ein Bahnsteiggleis gibt es außerhalb der Halle und von dort wird mein nächster Baleine in gut einer halben Stunde abfahren.
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Zum Römerturm schaffe ich es zwar nicht, aber zur ebenfalls direkt an der Bahnstrecke liegenden Burgruine. Die konnte ich aber aus dem Zug wegen der Trassierung in einem Einschnitt nur schlecht sehen.
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Im nächsten Teil geht es dann ausschließlich in Baleines weiter nach Westen durchs Massif Central.


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