Fronleichnamsfahrt über die Alpen zum Santo Corporale (6/8) (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Mittwoch, 19.11.2025, 18:51 (vor 84 Tagen)

Im letzten Teil habe ich Fronleichnam beim Santo Corporale im umbrischen Orvieto verbracht: https://www.ice-treff.de/index.php?id=722274
In diesem Teil erkunde ich Umbrien etwas weiter.

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Tag 8: Orvieto – Spoleto – Assisi
Heute dringe ich etwas tiefer nach Umbrien vor. Dazu muss ich von Orvieto erst wieder ein Stück zurück bis Orte fahren.
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Ein letzter Blick aus dem Zug auf das Altstadtplateau. Schön war’s.
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Dort habe ich wieder etwas über eine halbe Stunde Umsteigezeit und nutze diese für einen Caffè in der Bahnhofsbar. Der Wirt muss einen Deal mit den Fahrplanern haben, dass diese in Orte keine zu kurzen Umsteigezeiten einplanen, damit die Umsteiger für ausreichend Umsatz in der Bar sorgen. Im Gastraum hängt dieses historische Bild des Bahnhofs.
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Weiter geht es mit einem gut gefüllten RV aus Rom auf der Strecke nach Ancona, die streckenweise spektakulär durch eine Schlucht führt.
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In Spoleto verlasse ich den Zug.
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Auf dem Weg Richtung Innenstadt komme ich am Bahnhofsensemble der stillgelegten Schmalspurbahn nach Norcia. Berühmtester Sohn dieses Städtchens ist der heilige Benedikt von Nursia, Begründer des westlichen Mönchtums. Heute ist die Stadt eher für den nach ihr benannten Schinken bekannt. Auf der spektakulären Bahntrasse verläuft heute ein Radweg, ein interessantes Ziel für den nächsten Besuch in der Region.
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Müsste ich umbrische Städte in einem Wort beschreiben, wäre das noch vor „schön“ wohl „steil“. Beim Anblick von Burg und Kathedrale bezweifle ich, dass ich mein Gepäck dort hochschleppe.
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Dann finde ich aber heraus, dass ich mit Rolltreppen und einem Aufzug bis zur Burg hochkomme. Ob die Rolltreppen mit Berücksichtigung des Stromverbrauchs auf lange Sicht wirklich günstiger als eine Funicolare sind?
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Spoleto war ab der Völkerwanderung jahrhundertelang die Residenz des mächtigsten Herzogs Mittelitaliens. Erst waren es Langobarden, die hier herrschten, ab Karl dem Großen Franken. In den Wirren des 9. Und 10. Jahrhunderts waren sie Schutzherren Roms und einer von ihnen wurde sogar Kaiser. Ab dem Hochmittelalter herrschten hier aber die Päpste. Diese ließen auch die mächtige Burg bauen. Auf der Stadtabgewandten Seite überwindet das seltene Beispiel eines mittelalterlichen Aquädukts eine Schlucht.
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Seit der Römerzeit führt hier die Via Flaminia von Rom nach Rimini durch den Apennin.
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Schaut man genau hin, sieht man von der Burg den Bahnhof. Auf ca. 1 Uhr führt die relativ breite Bahnhofstraße schnurgerade vom Grünstreifen schräg rechts nach oben zum Empfangsgebäude.
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Bergab nehme ich dann den Weg durch die Altstadt. Der Dom ist eher schlicht in lombardischen Stil gehalten.
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Innen ist sie leider weitgehend barockisiert, beherbergt aber auch einen Marienzyklus des Frührenaissancekünstlers Filippo Lippi.
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Eigentlich schwebte mir vor, die 2,5 Stunden in Spoleto auch für ein gemütliches Mittagessen zu nutzen. Schon früh merke ich aber, dass die Stadt dafür zu interessant ist und mir abgesehen von einem schnellen Porchettabrot auf die Hand keine Zeit zum Essen übrigbleiben wird.
Außerhalb der Stadt liegt die aus meiner Sicht spannendste Kirche: Die Chiesa di San Salvatore ist eine der wenigen erhaltenen Kirchen aus der Langobardenzeit. Die Gründung ihres Reichs gilt als letzte große Wanderungsbewegung der Völkerwanderungszeit. Einen besonders guten Leumund haben sie nicht. Die Oströmer schilderten sie als besonders barbarisch und auch die siegreichen Franken hatten nach der Zerschlagung des Langobardenreichs durch Karl den Großen gute Gründe kein gutes Haar an ihnen zu lassen. Eine Auswahl an langobardischen Bauwerken, vorrangig Kirchen, in ganz Italien wurde vor einigen Jahren in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen, darunter auch diese Kirche. Leider ist sie wegen Sanierungsarbeiten geschlossen, was ich aber schon im Voraus wusste. Da muss ich wohl nochmal nach Spoleto kommen.
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Die benachbarte Kirche ist nicht ganz so alt, dafür aber geöffnet und hat eine schöne Krypta.
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Von hier sieht man nochmal schön auf die Altstadt. Unterhalb des Kirchturms der Kathedrale ist eine weitere überdachte Rolltreppe zu sehen.
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Kurz vor 14 Uhr geht es weiter Richtung Norden. Auf dem Foto in der Bildmitte nur schlecht zu erkennen, aber noch lange ist Spoleto zu sehen.
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Auch Trevi liegt hoch über seinem Bahnhof.
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In Foligno erfolgt der letzte Umstieg des Tages. Noch nie habe ich so viele Pfarrer in einen Zug strömen sehen wie in den Anschlusszug nach Assisi und Perugia.
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Ist dort hinten etwa ein Museumsdepot? Ich kann eine Caimano erkennen und einen ETR500-Triebkopf.
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Weiter geht es auf der Strecke Richtung Perugia. Etwas überraschend, aber das ist die älteste Bahnstrecke von Rom nach Florenz. Zu Beginn des Bahnzeitalters war hier noch der Kirchenstaat und dieser begann relativ spät mit dem Bau von Fernbahnen. Größte Priorität hatte der Bau der Verbindung über Orte und Foligno zum Adriahafen Ancona und von dort weiter ins päpstliche Bologna. Mit dem Großherzogtum Toskana wurde dann der Bau der Verbindungsstrecke von Foligno über Perugia nach Florenz vereinbart. Später kam eine zweite Verbindung von Orte über Orvieto, Chiusi und Siena dazu. Erst 1875 kam mit dem Lückenschluss zwischen beiden Strecken von Chiusi nach Terontola-Cortona die heutige Hauptstrecke zur Vollendung.
Das Tagesziel Assisi nähert sich.
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Mit mir steigen zahlreiche Fahrgäste aus dem Zug und stürmen den AssisiLink-Bus Richtung Innenstadt. Da meine Herberge etwas unterhalb der Altstadt liegt, quetsche ich mich nicht in den Bus und laufe, man könnte auch sagen pilgere, nach oben.
Von hier ist der monumentale Unterbau der Franziskusbasilika am linken Stadtrand gut zu erkennen. Der äußerst bescheidene Wunsch des Ordensgründers, auf der Müllkippe am Stadtrand bestattet zu werden, führt vermutlich unbeabsichtigt dazu, dass anstelle der Müllkippe an dem Abhang eine gigantischer Wallfahrtskomplex entstand. Durch die unorthodoxe Lage am Abhang leidet die Kirche dauerhaft unter Wassereinbrüchen bei starkem Regen.
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Fast geschafft! Spannend sind die Partnerstädte. San Francisco drängt sich bei dem Namenspatron der Metropole quasi auf. Bethlehem und Santiago als bedeutende Pilgerziele sollten auch nicht verwundern. Überraschter bin ich bei Wadowice. Das ist der Geburtsort von Papst Johannes Paul II. und zumindest für Polen inzwischen auch ein bedeutender Wallfahrtsort.
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Das Ostello de la Pace liegt etwas außerhalb, bietet einen freundlichen Empfang, vernünftige Preise und hat ein wenig Gemüsegarten und Hühner hinter dem Haus. Mein italienischer Zimmernachbar Andrea ist in der oberen Altersgruppe für einen Hostelgast, gebürtiger Apulier, sehr reiselustig, noch mitteilungsfreudiger und kann für einen Italiener sehr gut Englisch. Er ist gerade am Beginn seiner großen Reise, die mit der Bahn und überwiegend mit Bussen bis Marokko und Santiago führen soll. Erstmal besucht er von Triest aus mit Umwegen seine Familie in Bari. In Karlsruhe ist er sogar schon mal umgestiegen. Leider kündigt er an, dass er extrem schnarcht.
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Ach ja, was schrieb ich vorhin zu umbrischen Städten? Es geht mal wieder steil bergauf.
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Der Vorplatz der Franziskusbasilika bietet Platz für zahlreiche Pilger.
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Die Kirche gliedert sich in eine Unter- und Oberkirche, die beide so gut wie komplett bemalt sind. Die Gemälde oben werden Giotto di Bondone zugeschrieben, der um 1300 die westliche Kunst durch Darstellung von Perspektive und Emotionen revolutionierte. Durch wegen der Hanglage in die Wände ziehendes Sickerwasser wurden die Fresken seit ihrer Entstehung fortlaufend geschädigt. Bei einem Erdbeben wurden sie 1997 dann schwerst beschädigt und danach in jahrzehntelanger Arbeit restauriert.
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Die Fresken der Oberkirche zeigen Szenen aus dem Leben des Franziskus. Hier tritt er vor den Papst.
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Hier träumt der Papst, dass Franziskus die Kirche stützt. Ähnlich wie das Blutwunder von Bolsena kam den Päpsten die Ordensgründung und der Kult um Franziskus in ihrem Einflussbereich im Kirchenstaat durchaus gelegen.
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In der Unterkirche ist eine Madonna von Cimabue, angeblich Giottos Lehrer, erhalten.
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Auch abseits der Wallfahrtskirche hat Assisi was zu bieten, wie zum Beispiel diese Kirche in einem ehemaligen römischen Tempel.
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Der ganze Ort ist voller großer Kirchen. Da gibt es einerseits noch die Basilika für Franziskus‘ Schülerin und Gründerin des Frauenordens Clara und außerdem der schon vor Franziskus existierende Dom mit einem romanischen Portal.
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Ganz oben liegt die Burg. Da sie bald schließt, bleibe ich bei einem Spritz am Kiosk im Burghof.
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Von hier oben hat man die beste Sicht auf den Ort: links der Dom, rechts die Clara-Basilika und ganz rechts die Ebene mit der Bahnstrecke aus Foligno, von wo ich heute Mittag angekommen bin.
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Die Franziskus-Basilika ist im Westen in Richtung Perugia zu sehen. Dorthin werde ich morgen weiterfahren.
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Dann gehe ich wieder runter in die Altstadtgassen und suche wir was zum Abendessen.
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Im nächsten Teil werde ich mit Stopps in Umbrien und der Toskana weiter nach Norden Richtung Heimat fahren.

OT: ITF

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Mittwoch, 19.11.2025, 22:39 (vor 84 Tagen) @ Bahne aus Leidenschaft

Hey.

Dort habe ich wieder etwas über eine halbe Stunde Umsteigezeit und nutze diese für einen Caffè in der Bahnhofsbar. Der Wirt muss einen Deal mit den Fahrplanern haben, dass diese in Orte keine zu kurzen Umsteigezeiten einplanen, damit die Umsteiger für ausreichend Umsatz in der Bar sorgen.

Auch deswegen ist dieser ganze ITF-Wahn einfach nur Irrsinn.

Da wollen die Leute im Bahnhof Gastronomie, WC und Co. - nur was nutzt das, wenn man beim Umsteigen gar keine Zeit hat.

Oder es geht so: zum Knoten kommen alle Züge an. In den Läden wird es voll, weil alle gleichzeitig einkaufen wollen. Etliche kommen daher gar nicht bis zur Kasse. Dann fahren alle Züge wieder ab. Und die Läden sind wieder leer bis zum nächsten Knoten.

Da kann man als potentieller Nutzer der Eisenbahn ja nur dankbar sein für Anschlußverluste und daraus resultierenden Aufenthaltszeiten.


Schöne Grüße von jörg

--
"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

Unverschämte Frage

Tobs, Region Köln/Bonn, Donnerstag, 20.11.2025, 14:16 (vor 83 Tagen) @ Der Blaschke

Salut Eric,

erst einmal vielen Dank für den neuen Teil. Ich frage jetzt einfach - sehr unverschämt: Wäre es evtl. möglich, die "fehlenden" Bilder nachgereicht zu bekommen? (Falls allzu aufwendig, habe ich nie gefragt.)

CU,
Tobs

Unverschämte Frage

Bahne aus Leidenschaft, Donnerstag, 20.11.2025, 19:32 (vor 83 Tagen) @ Tobs

Welche fehlenden Bilder meinst du denn? Bei mir werden alle angezeigt.

Ruder zurück!

Tobs, Region Köln/Bonn, Freitag, 21.11.2025, 16:30 (vor 82 Tagen) @ Bahne aus Leidenschaft

Welche fehlenden Bilder meinst du denn? Bei mir werden alle angezeigt.

Entschuldigung - weder Du, noch sonst irgendwer dürfte es mir wohl glauben, aber mir fehlten am Ende Deines Berichts ein paar Bilder. Ebendiese finde ich jetzt auch auf, aber zunächst sah ich halt nur Text und dieses komische, gebrochene Bildzeichen, worüber hier einst im Zusammenhang mit Deinen früheren Berichten diskutiert wurde. Ob das mit einer Aktualisierung des Servers zu tuen hat? Oder gar rein mit meiner Internetverbindung? Keine Ahnung - in Zukunft werde ich mich aber in Geduld üben und es später nochmals versuchen.

Da ich jetzt schon (wieder) poste, muss ich noch meine Überraschung bekunden, dass sich Einheimische in einer italienischen Hostel mit Dir auf Englisch unterhalten. Aus meiner Erfahrung hätte ich gewettet, dass man es zunächst mit Französisch versucht.

Falls sich einer fragen sollte, ob Spanisch nahe liegender wäre, sei erwähnt, dass die mir bekannten (spanischen) Muttersprachler erwähnten, einfach ihre Sprache zu praktizieren und die italienischen Antworten durchaus verstünden. Hier scheint sich weniger die Notwendigkeit zu ergeben. Französisch hingegen sei - so wurde mir gesagt - eine in Italien weit verbreitete Fremdsprache, was sich weder bestätigen, noch dementieren kann.

volle Kraft voraus!

Sportdiesel612, Freitag, 21.11.2025, 17:57 (vor 82 Tagen) @ Tobs

Welche fehlenden Bilder meinst du denn? Bei mir werden alle angezeigt.


... zunächst sah ich halt nur Text und dieses komische, gebrochene Bildzeichen,

Da bist du nicht allein, ich tippe auf langsames Internet. Lösung:
- rechte Maustaste über gebrochenem Bildzeichen, Bild in neuem Tab öffnen (oder so ähnlich)
- die Seite mit dem Bericht nochmal laden

Das funktioniert bei mir zuverlässig.

Fehlende Bilder in alten Beiträgen

Bahne aus Leidenschaft, Freitag, 21.11.2025, 23:55 (vor 82 Tagen) @ Tobs
bearbeitet von Bahne aus Leidenschaft, Freitag, 21.11.2025, 23:56

Bei meinen beiden ersten Berichtreihen fehlen leider inzwischen die Bilder, weil vor ca. 2 Jahren mein damaliger Bilderhoster Abload eingestellt wurde, falls du das Problem meinst. Da man im Gegensatz zu hier im großen Nachbarforum die Beiträge unbefristet ändern kann, habe ich mir dort die Mühe gemacht, alle Bildlinks neu einzupflegen, und dafür hier nur den Beitrag dort verlinkt.

Zu Englisch, Französisch, Spanisch in Italien kann ich sagen, dass der Zimmergenosse in Assisi ein ziemlicher Weltenbummler war und alles außer Durchschnitt. Der wollte wohl Englisch reden. Generell versuche ich es in Italien immer erstmal auf Italienisch, was auch inzwischen ganz gut klappt.
ALs Kind dachte ich in Italienurlauben, meine Mutter könne ziemlich gut Italienisch sprechen, bis mir dann später mal aufgefallen ist, dass sie knallhart Spanisch spricht, was sie dann auch zugegeben hat. Und ja, damit kommt man ziemlich passabel durch. Die beiden Sprachen sind schon ziemlich ähnlich und gerade in den ersten Tagen haben sich bei mir auch regelmäßig versehentlich Spanische Worte eingeschlichen, nachdem ich in den letzten zwei Jahren an der Uni Spanischkurse gemacht habe, während die Italienischkurse weniger waren und schon länger her sind. Etwas Verwirrung scheine ich damit aber doch gestiftet zu haben.

Italienisch, Französisch, Spanisch

Mike65, Samstag, 22.11.2025, 01:15 (vor 82 Tagen) @ Bahne aus Leidenschaft

Zu Englisch, Französisch, Spanisch in Italien kann ich sagen, dass der Zimmergenosse in Assisi ein ziemlicher Weltenbummler war und alles außer Durchschnitt. Der wollte wohl Englisch reden. Generell versuche ich es in Italien immer erstmal auf Italienisch, was auch inzwischen ganz gut klappt.
ALs Kind dachte ich in Italienurlauben, meine Mutter könne ziemlich gut Italienisch sprechen, bis mir dann später mal aufgefallen ist, dass sie knallhart Spanisch spricht, was sie dann auch zugegeben hat. Und ja, damit kommt man ziemlich passabel durch. Die beiden Sprachen sind schon ziemlich ähnlich und gerade in den ersten Tagen haben sich bei mir auch regelmäßig versehentlich Spanische Worte eingeschlichen, nachdem ich in den letzten zwei Jahren an der Uni Spanischkurse gemacht habe, während die Italienischkurse weniger waren und schon länger her sind. Etwas Verwirrung scheine ich damit aber doch gestiftet zu haben.

Ich habe den Eindruck, dass Französisch und Italienisch deutlich näher verwandt sind als Spanisch. Ich habe mehrere Jahre in Frankreich gelebt und spreche die Sprache dort recht gut. Mit geschriebenem oder gesprochenem Italienisch komme ich zumindest so weit klar, dass ich verstehe, um was es geht. Die meisten Wörter und auch die Grammatik sind sehr ähnlich. Bei Spanisch gelingt mir das nicht. Spanisch hat viele Wörter arabischen oder baskischen Ursprungs, die mit anderen europäischen Sprachen nichts gemeinsam haben. Die spanische Grammatik mit ihren vielen Verbformen ist auch komplexer.

Italienisch, Französisch, Spanisch

Bahne aus Leidenschaft, Mittwoch, 26.11.2025, 12:39 (vor 77 Tagen) @ Mike65

Ich habe den Eindruck, dass Französisch und Italienisch deutlich näher verwandt sind als Spanisch. Ich habe mehrere Jahre in Frankreich gelebt und spreche die Sprache dort recht gut. Mit geschriebenem oder gesprochenem Italienisch komme ich zumindest so weit klar, dass ich verstehe, um was es geht. Die meisten Wörter und auch die Grammatik sind sehr ähnlich. Bei Spanisch gelingt mir das nicht. Spanisch hat viele Wörter arabischen oder baskischen Ursprungs, die mit anderen europäischen Sprachen nichts gemeinsam haben. Die spanische Grammatik mit ihren vielen Verbformen ist auch komplexer.

Linguistiker ziehen irgendwo nördlich von Florenz die Trennlinie zwischen west- und ostromanischen Sprachen. Danach finden sich Spanisch, Französisch und norditalienische Dialekte gemeinsam in der ersten Gruppe, während Hochitalienisch mit Rumänisch in zweiter Gruppe ist. Bei einigen grammatischen Merkmalen wie der Pluralbildung (Französisch und Spanisch mit -s vs. Itlaieinisch mit Vokalwechsel -o zu -i und -a zu -e) finde ich das auch nachvollziehbar, aber bei Aussprache und Klang finde ich Französisch den Sonderling unter den dreien. Beim Leseverstehen fällt dieser Unterschied natürlich nicht so ins Gewicht wie beim Sprechen.
Klar hatten alle drei Sprachen in den letzten 2000 Jahren verschiedene Einflüsse (Arabisch und Baskisch auf Spanisch, Fränkisch und Gallisch auf Französich) und sie haben ihr eigenes Vokabular. Diese Woche, als ich die ecuadorianischen Tiefbauarbeiter, die in unserer Straße Glasfaser verlegen, fragen wollte, ob das Auto umgeparkt werden muss, ist mir das bei den Vokabeln für "Auto" aufgefallen. Da haben alle drei Sprachen grundverschiedene Begriffe (coche, voiture, macchina) was auch irgendwie logisch ist, da die Römer dafür noch kein Wort hatten.

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