"Deutsches Eck" - AT-Länder fordern mehr Einfluss von ÖBB (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Montag, 17.06.2024, 13:28 (vor 811 Tagen)

Aus österreichischer Sicht beschriebt das "deutsche Eck" zwischen Salzburg und Kufstein - vorbei an Rosenheim - einen Flaschenhals, welcher jenen, die dort reisen, auch Kopfzerbrechen bereiten wegen der ständigen Baustellen und Verspätungen.

Link (Salzburg24.at)

Geht es nach den Verkehrlandesräten der Bundesländer, so soll die ÖBB mehr Einfluss auf die Führung des Bahnverkehrs über das „Deutsche Eck“ erhalten. Gefordert wird ein Runder Tisch zwischen allen Beteiligten, mit dem Ergebnis eines "politischen Commitment".

Die Verkehrslandesräte der Bundesländer wollen - nach einer Initiative Tirols - mehr Einfluss der ÖBB auf die Führung des Bahnverkehrs über das sogenannte "Deutsche Eck" zwischen Tirol und Salzburg. Tirols Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) drängte am Freitag bei einer Pressekonferenz nach der Konferenz der Landesverkehrsreferenten in Innsbruck auf ein Spitzengespräch mit allen Beteiligten im Sommer und brachte auch eine "ÖBB-Betriebsführung" ins Spiel.

Der Tiroler Verkehrslandesrat René Zumtobel - ehemals ÖBB-Regionalmanager eben dort - spricht von einem "Flaschenhals" und fordert ein "High-Level-Gespräch" zwischen den Beteiligten.

Daran teilnehmen sollen die Länder Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Südtirol, die Verkehrsministerien aus Österreich und Deutschland sowie die Infrastruktur-Verantwortlichen von ÖBB und Deutscher Bahn. "Für mich kann es in weiterer Folge letztlich sogar darum gehen, dass das 'Deutsche Eck" auch mit ÖBB-Betriebsführung umgesetzt wird", machte Zumtobel deutlich. Österreich bzw. die ÖBB würden nicht die deutsche Betriebsführung übernehmen. "Keine Angst", so Zumtobel. Aber es müssten verschiedene "Modelle" diskutiert werden, die von einer gemeinsamen Abwicklung von Baustellen bis hin zu einer, in einem weiteren Schritt, gemeinsamen Betriebsführung reichen könnten. Auch die Mitfinanzierung von deutschen Bauvorhaben stellte der Landesrat in den Raum.

"Wir brauchen am 'Deutsche Eck' mehr Einfluss. Das ist kein Misstrauen gegenüber Bayern und Deutschland. Aber wir haben unterschiedliche Interessen in diesem Streckenbereich. Für Deutschland ist das eine Nebenstrecke, für uns eine Hochleistungsstrecke", so der Verkehrslandesrat, der bereits positive Signale aus Bayern ortete und auch schon mit dem heimischen Verkehrsministerium Kontakt aufnahm.

Zumtobel brachte auch eine weitere in der Ferne liegende Forderung aufs Tapet: Der Bau des Nordzulaufs für den Brennerbasistunnel auf bayerischer Seite berge "großes Potenzial". Daher bräuchte es den Bau einer "Abzweigung" auf bzw. einer kreuzungsfreien Einbindung der Hochleistungsstrecke Salzburg-Rosenheim. Damit könne letztlich die Strecke Innsbruck-Wien in 3 Stunden und 45 Minuten absolviert werden, statt bisher in 4 Stunden und 15 Minuten.

Hintergrund ist, dass diese Strecke der Teil ist, der Westösterreich mit dem Osten verbindet. Der innerösterreichische Korridor über Zell am See, welcher für Umleitungen teils genutzt wird, verläuft durch gebirgiges Terrain und ist nicht besonders schnell geführt und eine rein innerösterreichische Neubaustrecke, die in irgendeiner Weise die Geschwindigkeiten einhalten könnte, würde einen enormen Ressourcen- und Finanzbedarf bedeuten, der in keinem Verhältnis zu den Nutzen steht. Deswegen finanzierten die ÖBB etwa selbst die Kurve in Rosenheim und werden vermutlich sich einbringen, wenn der Brenner-Nordzulauf fixiert ist, sodass dann hier eben auch eine - wohl dann ebenso vollständig durch die österreichische Seite finanzierte - Anbindung in Richtung Salzburg erfolgt. So könnte die Strecke wesentlich beschleunigt werden. Meine in der Vergangenheit liegenden Anfragen an das BMK haben soweit hervorgebracht, dass dort ein Dialog bereits stattfindet. Man wartet wohl ab, bis sich der Staub bei der Konzipierung gelegt hat.

Zusammengefasst: es wird von der Landespolitik vor allem in Tirol eine auch finanzielle Beteiligung am Korridor zwischen Salzburg und Tirol an Rosenheim vorbei gefordert, sodass diese für Österreich wesentlich wichtigere Strecke als für Deutschland eben ein entsprechendes Commitment erhält. Das könnte möglicherweise - wenn eine langfristige Finanzierung seitens Österreich gesichert ist - dafür sorgen, dass hier die Strecke auf einem Stand gebracht wird, der der Bedeutung für Österreich gerecht wird, während diese österreichische Interessen sich eben in der Finanzierung wiederfinden.

Was würdet ihr denken? Der Korridor wird durch die ABS38 zumindest etwas Entlastung finden. Allerdings wäre es meiner Meinung nach eine Milchmädchenrechnung, zu glauben, dass man dann gar nichts mehr tun müsste. Ich finde diese Idee jedenfalls charmant. So können beide Seiten ihre Interessen wahren und es geht dennoch was voran. Es gibt ja dennoch nicht so viele Strecken in Europa, wo ein Hauptkorridor teilweise durch ausländisches Territorium führt. Die ÖBB-Züge sind ja ohnehin eine Besonderheit im deutschen Netz, werden sie doch als österreichischer Binnenverkehr in Deutschland gewertet (sonst wäre es ja nötig, internationale Fahrkarten dort zu lösen).

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum