Und ich musste nichtmal nach Deutschland für ein Abenteuer (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Samstag, 24.02.2024, 18:36 (vor 931 Tagen) @ worfie
bearbeitet von J-C, Samstag, 24.02.2024, 18:39

"In Japan ist alles besser".
Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz schon in deutschen Bahnforen gelesen habe...

Also hier sind es glaub ich eher die Schweizer, die es können. Weniger unterrichtete Kreise wählen Frankreich oder gar China als Referenz.

Ohh und Tschechien ist natürlich die Eisenbahnzivilisation! Die waren wohl nicht so oft auf der Prager S-Bahn unterwegs :'D

Heute musste ich wieder daran denken. Nachdem die letzten Wochen schon ziemlich anstrengend waren (z.T. mit drei Verspätungen innerhalb einer Woche durch Personenunfälle), war es heute doch schon etwas zu seltsam und ich durfte meine größte Verspätung in diesem Jahr (ca. 30 Minuten) kassieren.

Ich habe dieses Jahr schon das doppelte erlebt. Und zwar nicht in Deutschland, wo ich tatsächlich auch mal kurz war.

Pünktlich zum Vollmond kam es auf meiner Strecke heute um 18:42 zu einem Personenunfall an einem großen Umsteigebahnhof, wo ein Mann vor einem Zug gesprungen oder gefallen ist.

Um 18:43 kam es dann auf der benachbarten Strecke zu einem Personenunfall, bei dem eine Person auf einem Bahnübergang von einem Zug erfasst wurde.

Danach kam es auf einer anderen Strecke in der Nähe um 18:44 zu einem weiteren Personenunfall, bei dem ein Mann mit einem Zug kollidiert ist.

Ob das alles noch Zufall sein kann?

Man nehme die Suizidraten in Japan und mische sie mit Murphy's Law... das ist wohl die traurige Wahrheit.

Die Fahrt nach Hause war irgendwie unheimlich. Der Zug stoppte unterwegs ab und an im nirgendwo, weil der Fahrplan durcheinander war, und an bestimmt 7-8 Bahnhofseinfahrten und Bahnübergängen machte der Tf intensiv Gebrauch vom Makrophon, was ich vorher in der Intensität noch nie erlebt habe. Ob das jetzt eine spontane Reaktion drauf ist, Suizidkandidaten fernzuhalten?

Naja stell dir vor, du bist Tf, du weißt, da kommen in kurzer Zeit mehrere Suizide in deiner Gegend zusammen, da glaub ich wirst du nicht so gut schlafen können und deinen Job eben besonders bedachtsam durchführen und keine Risiken eingehen. Ich kann das völlig verstehen.

Aber sagen wir es mal so, wenn das das größte ist, was bisher passierte... naja. Ich war sogar mal in einem Zug, der in einem Personenunfall bei Teisendorf verwickelt war. Darüber habe ich ja mal in diesem Forum berichtet. Und da ging es erstmal für Stunden nicht weiter. Der Rest funktionierte dann aber aus meiner Sicht, auch wenn man dann eben sehr spät in Wien ankam.

Hier einfach mal ein Beispiel aus dem Metropolitan von Budapest nach Prag am Montag. Nachdem der Railjet aus Wien, der um 7:10 fuhr, nicht nur 3 von 4 Wagen zweiter Klasse abgesperrt hatte, sondern auch fast eine Stunde verspätet war, haben sich ein Freund und ich auf den bald darauf fahrenden (und letztlich zuerst in Prag ankommenden) Metropolitan aus Budapest begeben. Das wurde so auf der App der tschechischen Bahnen auch empfohlen, jener Zug bekam auch den einen Halt in Ceska Trebova dazu, den sonst der Railjet übernimmt.

Alles bestens also, der Metropolitan kommt pünktlich an, aber dann fängt es an. Da schickt man erstmal den Railjet los, dann kamen wir mit 5 Minuten Verspätung weiter... machen eine fliegende Überholung mit demselben Railjet, dann werden wir langsamer, werden vom Railjet fliegend überholt, um dann den Railjet wieder zu überholen, der an einem Seitengleis abgestellt wurde. Frag mich nicht, was das für einen Sinn ergeben soll.

Aus mir unklaren Gründen hat sich die Verspätung dann einfach so bis Kolín auf 20 Minuten hochgeschaukelt, in Úvály stand man fest, warum? Naja uhhm... also wenn ich die App nicht hätte, hätte ich es auch nicht sagen können. Es gab nämlich *keine einzige Ansage in diesem Fernzug*
weder automatisch, noch manuell. Ohne App wärst du da völlig aufgeschmissen. Dort stand nämlich... ein Rettungswageneinsatz. Tja, 30 Minuten Verspätung on top. Die S-Bahn nebenan, die nach Prag sollte, fuhr dann wenig später zurück, die Fahrgäste durften (natürlich von dort dann nonstop), im EC mitfahren. Das gute ist, um die Zeit ist so wenig los, der Zug konnte sowas locker aufnehmen. Und wie schon zuvor bemerkt, die Prager S-Bahnen sind notorisch verschmiert - auch innen. Tische, Türen. Ich bin zwar neben Wien nur in München und Berlin letztes Jahr in einer Metropolregion S-Bahn gefahren, aber so heftig habe ich es dort nicht erlebt.

Naja, 30 Minuten (ohne Ansage natürlich) später rollt man wieder los. Mein Kollege scherzte, nachdem man noch ein paar fliegende Überholungen mit einem nachher noch dazugekommenen EC aus der Slowakei in einem faszinierenden Duett gespielt hat, dass da oben ein Wettbewerb stattfindet, wie viele Überholungen man denn wohl an einem Zug so manövrieren kann :'D

Klar, das ganze Bild haben wir nicht gesehen, da sind sicherlich an und für sich sinnvolle Entscheidungen in einer unglücklichen Kombination zusammengekommen. Aber es war trotzdem... faszinierend. Naja, immerhin konnte man dann im Interjet nonstop von Prag nach Ústí and Labem fahren und schon ein Gefühl dafür kriegen, wie es dann in Zukunft dort mit dem Comfortjet sich anfühlen wird.

Also wenn es einen wahrlich ungewöhnlichen Tag bei dir braucht, um 30 Minuten Verzögerung zu erstellen... jo.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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