Frühlingsreise zu Vermú, Mudejares und Pat(it)os 5/6 (Reiseberichte)
Nachdem Thomas und ich am Ende des letzten Teils (Teil 5/6) wieder bei ihm daheim in Tarragona angekommen sind, bin ich noch zwei Tage in Tarragona und Umgebung. Nach einem bis auf ein Bild bahnfreien Tag, mache ich in diesem Teil einen Ausflug ins bergige Hinterland.
Tag 10 Tarragona
Am Mittwochmorgen wandere ich wenige Kilometer aus der Stadt raus zu dem römischen Aquädukt Pont del Diable.
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Wasser fließt hier schon lange nicht mehr drüber. Dafür kann, wer schwindelfrei ist, hinüber laufen.
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Nachdem ich vom Pont del Diable zurück bin, habe ich noch ausreichend Zeit bis zum Mittagessen mit Thomas, der noch an seiner Prüfung sitzt. Diese nutze ich, um den römischen Friedhof und danach am Hafen eine archäologische Ausstellung zu besichtigen.
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Tarragona war als Tarraco nicht nur ein wichtiger Hafen, sondern auch Hauptstadt der römischen Provinz Hispania Tarraconensis, zu der der Großteil der iberischen Halbinsel gehörte. Der große Niedergang kam mit der muslimischen Eroberung, nach der die Stadt fast unbesiedelt bleib und verfiel. Erst mit der Eroberung durch die Grafen von Aragon kam wieder ein Aufschwung. Die alte römische Bischofsstadt wurde wieder aufgebaut und zum Sitz eines Erzbistums gemacht, um Katalonien unabhängig von dem zuvor zuständigen südfranzösischen Erzbistum Narbonne zu machen. Diese Vorrangstellung in der Kirchenhierarchie Kataloniens konnte Tarragona bis heute bewahren. Nur die Metropole Barcelona wurde als eigenständiges Erzbistum herausgelöst.
Am Hafen steht diese Denkmallok.
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Dann treffe ich mich mit Thomas im Restaurant Sadoll, das Thomas schon länger mal ausprobieren wollte. Es hat nur mittags geöffnet und bietet gutes Essen zu ordentlichen Preisen in Jugendstillambiente.
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Als Vorspeise nimmt Thomas eine Art Toast mit Auberginen und Tomate, ich nehme für einen kleinen Aufpreis Caracoles, Schnecken. Im Gegensatz zu den Weinbergschnecken in Frankreich sind das ziemlich viele relativ kleine Schnecken.
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Als Hauptspeise nehmen wir eine Art Hähnchenroulade und zum Nachtisch gibt es für Thomas Tiramisu, für mich Pan Perdido. Aus Frankreich kenne ich dieses Dessert als Pain Perdu und würde es als eine Art Arme Ritter bezeichnen.
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Nach dem Mittagessen trennen sich wieder unsere Wege. Thomas ist produktiv, ich nicht. Ich gehe an den Strand. Die Bahnstrecke verläuft hier direkt zwischen Strand und Altstadt, die erhöht auf einem Plateau liegt.
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Einen Güterzug konnte ich leider nur verschwommen erwischen. Mit Blick auf das Amphitheater wage ich mich tatsächlich ins Wasser. Das Wetter ist zwar für Anfang Februar toll ,aber sonderlich warm ist es natürlich trotzdem nicht und so bleibe ich nicht allzu lange im Wasser.
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Am Endpunkt der Hauptstraße Rambla Nova bietet der Balco Mediterrani eine gute Aussicht über die Küste. Dort schaue ich mir den Sonnenuntergang an.
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Abends gehe ich mit Thomas nochmal über den Markt und lasse mich beim Kauf von Schinken beraten. Ins Gepäck wandern schließlich eine Packung vom etwas günstigeren Teruel-Schinken und ein Paket Bellota, also Eichelmast, vom Ibericoschwein.
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Experimentierfreudig wie ich bin, habe ich beim Fischhändler ein paar Meeresschnecken gekauft (Münze zum Größenvergleich). Die „dornigen“ sind Purpurschnecken, aus denen seit der Antike der berühmte edle Farbstoff Purpur produziert wird.
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Tag 11 Kloster Poblet und Montblanc
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An meinem letzten Tag in Tarragona mache ich einen Ausflug ins Hinterland zum UNESCO-Welterbe Kloster Poblet und der Kleinstadt Montblanc. Thomas hat diese Tour einige Monate vor mir gemacht, wegen dem überschaubaren Bahnfahrplan aber mit dem Bus. Das ist für mich keine Option. Deshalb stehe ich schon um kurz vor 8 Uhr am Bahnhof Tarragona und warte auf den Zug nach La Plana-Picamoixons. Dieser kommt in Form einer mir noch unbekannten Baureihe.
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Die Strecke führt in einer großen Schleife durch die Nachbarstadt Reus und trifft dann in La Plana-Picamoixons auf die direkte Strecke aus Barcelona, die Tarragona über Valls umfährt und von der mein Anschlusszug kommt. La Plana-Picamoixons wirkt recht abgelegen und dient überwiegend als Umsteigebahnhof. Bei der Ankunft ist es leicht neblig und ungemütlich. Als ich aussteigen will, fällt mir auf, dass alle anderen Fahrgäste sitzen bleiben. Verwundert frage ich den Zugbegleiter, was los ist und bekomme als Antwort, dass sie bei dem schlechten Wetter leiber im Zug warten und er schicke uns dann schon rechtzeitig rüber. Das nenne ich Service!
Der Anschlusszug Richtung Lleida kommt als Vertreter einer älteren Triebwagengeneration daher.
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Die Fahrt ist landschaftlich sehr ansprechend aber ein wenig neblig. Auf der Rückfahrt werden wir bessere Bilder gelingen. Ich fahre mit bis L’Espluga de Francolí. Der Ort selbst wirkt nicht spektakulär aber ganz nett. Mein Ziel liegt aber 3 km außerhalb des Ortes. Der Kloster Poblet wurde vom Zisterzienserorden im Stil der Gotik gebaut.
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Die Klosterkirche diente über mehrere Jahrhunderte als Grablege der Könige von Aragon.
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Nach gut 1,5 h verlasse ich das Kloster bergauf über den Wanderweg Ruta del Cister, der Poblet mit zwei weiteren Zisterzienserklöstern in der Region verbindet.
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Statt zurück zum Bahnhof L’Espluga de Francolí gehe ich etwa 10 km über den Berg einen Bahnhof weiter nach Montblanc.
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Auf dem Weg bin ich an einem Werktag im Februar fast allein unterwegs. Der Sandstein erinnert mich stark an den heimischen Pfälzer Wald.
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Wäre die katalanische Flagge nicht, könnte das hier locker auch ein Aussichtpunkt auf der Haardt mit Blick übe die Rheinebene sein.
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Die Aussicht ist wirklich fantastisch. Durch die Ebene führt die LAV Madrid-Barcelona, über die wir zwei Tage zuvor gedonnert sind. Während ich auf de Aussichtspunkt kann ich auch einige Züge auf der Strecke verfolgen. Darunter war ein AVLO, der mit seinem kräftigen Violett am auffälligsten ist. Ich meine auch, einen Zug fotografiert zu haben, aber auf die Entfernung kann ich auf meinen Bildern leider nichts mehr sicher identifizieren. Ich denke, hier ist etwas links der Bildmitte etwas oberhalb der großen rechteckigen Werkshalle ein AVE oder Ouigo als weißer Strich zu erkennen.
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Östlich davon sind mein Ziel Montblanc und dahinter zwei langgezogene Brücken der LAV zu sehen.
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Ich bin nicht unter Zeitdruck, aber bei dem überschaubaren Fahrplan zurück, schaue ich doch lieber eine wenig auf die Uhr und beginne den Abstieg nach Montblanc.
Das Städtchen ist vor allem für seine gut erhaltene Stadtmauer bekannt.
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In der Stadtmitte bleibt mir noch Zeit für einen verspäteten Vermú. Das muss aber nicht der letzte bleiben. Am Vorabend habe ich mir bei Thomas‘ Lieblingsweinhändler mit einer Flasche für daheim versorgt.
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Eine Viertelstunde vor meinem Zug kommt ein Güterzug durch.
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Mein Zug auf dem Rückweg ist wieder einer der älteren Generation.
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Bei dieser Baureihe kann man die Ausrichtung der Sitzlehnen umstellen, wie ich es aus Deutschland von den Schienenbussen kenne.
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Zwischen Montblanc und La Plana führt die Strecke in dem engen Tal des Francolí durch die Berge. Dabei wird kurz vor und nach La Plana die LAV gequert.
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Diesmal kann ich durchfahren, während Richtung Valls in La Plana umgestiegen werden muss. Auf der Strecke herrscht relativ viel Güterverkehr und bei Reus passieren wir diesen Güterzug mit älterer Lok.
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Pünktlich zum Sonnenuntergang bin ich wieder in Tarragona am Balco Mediterrani. Leider kommt gerade kein Zug.
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Am rechten Bildrand ist der Bahnhof zu sehen.
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Von mir unbemerkt hatte Thomas derweil ziemlichen Ärger mit seiner Wohnungstür. Nachdem das Schloss der Wohnungstür Probleme machte, hat seine Vermieterin einen Handwerker geschickt. Nachdem Juan Carlos das Schloss getauscht hatte, ging es dann am Abend gar nicht mehr. Somit komme ich vor dem Abendessen nicht mehr in die Wohnung. Da Thomas‘ Mitbewohner bei der Wohnung die Stellung hält, können wir das Beste machen und setzen uns auf ein Bier in Thomas‘ Lieblingsbar in der Nähe seiner Wohnung. Obwohl wir danach noch essen gehen wollen, genehmige ich mir einen Teller Kutteln, der dann schließlich größer als erwartet kommt.
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Das Lokal La Botifarra, das Thomas für unseren letzten Abend ausgesucht hat, liegt unweit des Bahnhofs und zeichnet sich durch ein einfaches Konzept aus. Man wählt ein Sortiment an Wurst- und Schinkenaufschnitt aus und bekommt dazu ein riesiges Toast mit Tomate und Knoblauch zum Draufreiben.
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Das war mein letzter Abend in Tarragona. Im nächsten Teil werde ich noch Barcelona besuchen und von dort die Heimreise antreten.
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Bahne aus Leidenschaft,
10.12.2023, 22:33
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