Frühlingsreise zu Vermú, Mudejares und Pat(it)os 2/6 (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Montag, 27.11.2023, 19:16 (vor 842 Tagen)

Im letzten Teil bin ich aus Lyon nach Spanien gereist und habe meinen Studienfreund Thomas in Tarragona besucht. Am Ende des letzten Teils sind wir spätabends in der südaragonesischen Provinzhauptstadt Teruel angekommen.
Hier geht es nochmal zum letzten Teil zurück: https://www.ice-treff.de/index.php?id=689972

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Tag 4 Teruel

Am nächsten Tag ist unser Programm recht entspannt und wir können nach der späten Ankunft am Vorabend gemütlich ausschlafen. Unser erster Weg des Tages führt uns wieder runter vom Altstadthügel zum Bahnhof, um die Tickets für morgen zu kaufen.

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Unser Zug von gestern Abend hat schon vor 7 Uhr den Rückweg nach Zaragoza angetreten. Die restlichen Abfahrten des Tages sind sehr überschaubar. Wir werden morgen den frühen Zug nach Valencia um 10.49 Uhr nehmen.

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Da nach 10 Uhr an diesem Tag noch kein Zug angekommen, ist die Abfahrtstafel etwas umfangreicher. Wir sind gestern mit dem Regional Express um 22.21 Uhr aus Zaragoza-Miraflores gekommen.

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Der Bahnangestellte am Schalter wirkt von dem Großbetrieb am Bahnhof Teruel nicht direkt überarbeitet. Als wir unsere Wunschverbindung sagen wollen, müssen wir gar nicht ausreden und er weiß schon, welchen Zug wir nehmen wollen. Viel Auswahl war schließlich auch nicht.
Dann gehen wir wieder hoch auf den Hügel und erkunden die Altstadt. Die Treppe vom Bahnhof in die Altstadt ist sehr repräsentativ.

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Teruel steht auf der UNESCO-Welterbeliste für seine Mudejár-Architektur. Dazu gehört der Turm der Kathedrale.

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Wahrzeichen sind die beiden Kirchtürme El Salvador und San Martín. Direkt hinter unserem Hotel überspannt El Salvador die Gasse.

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Diesen wollen wir nun besteigen.

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Von oben sehen über die Altstadt. Rechts ist der andere Turm San Martín zu sehen.

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In die andere Richtung ist das Bahngelände zu sehen. Rechts am Rand liegt der Bahnhof, links geht die Strecke Richtung Valencia. Wir haben richtig Glück und erwischen einen Messzug von Adif bei der Durchfahrt.

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Danach gehen wir zu dem zweiten Turm San Martín. Der Legende waren die Türme Objekt eines Wettkampfes zwischen zwei muslimischen Baumeistern, deren Aufgabe es war, als erster fertig zu werden und den schönsten Turm zu bauen. Eine Frau war bei der Geschichte auch im Spiel. Der Baumeister von San Martín wurde als erster fertig und enthüllte Stolz vor versammelter Bürgerschaft seinen Turm. Dabei fiel dann auf, dass er schief ist. Tief getroffen von dieser Schmach soll sich der Baumeister von seinem Turm geworfen haben. Schön ist der Turm trotzdem geworden.

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Dann ist Zeit für die Hora der Vermú, für die wir vor der Kathedrale einkehren. Die Temperaturschwankungen hier auf der Hochfläche sind extrem. In der Nacht waren die Temperaturen kanpp über dem Gefrierpunkt, jetzt am Mittag sind es 20 °C und für mich T-Shirtwetter.

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Danach wechseln wir zum Mittagessen. Als Vorspeise gibt es Jamón de Teruel.

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Als Hauptspeise bekomme ich vorzüglichen geschmorten Ochsenschwanz.

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Am Nachmittag wandern wir ein wenig raus aus der Stadt in die umliegenden Hügel zu einem Aussichtspunkt.

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Ganz rechts im Hintegrund kann man undeutlich den Flughafen von Teruel erkennen. Dieser kam während der Coronapandemie in die Medien als einer der größten Flugzeugfriedhöfe bzw. -parkplätze Europas. Das trockene Klima und der ausreichend vorhandene Platz begünstigen die Abstellung von Flugzeuge an diesem Standort.

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Die Provinz Teruel besitzt mit nur 9,1 EW/km² die zweitniedrigste Bevölkerungsdichte Spaniens. Zum Vergleich: Das dünnbesiedelte Mecklenburg-Vorpommern hat eine Bevölkerungsdichte von 70 EW/km².
Abends im kleinen Supermercado entdecken wir, dass der Meister Propper in Spanien offensichtlich einen anderen Namen hat. ;-)

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Unser Hotel ist noch in Familienbesitz und wir bekommen von der Tochter des Hauses eine Führung durch den hoteleigenen Geheimtunnel, in dem sich ihre Oma im spanischen Bürgerkrieg vor den Luftangriffen versteckt hat.

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Teruel war 1937/8 Schauplatz einer der wichtigsten Schlachten des spanischen Bürgerkriegs mit massivem Einsatz der deutschen Luftwaffe, die als Legion Condor in Spanien mitgemischt hat. Teruel war vor der Schlacht in Francos Herrschaftsbereich. Beginn der Schlacht war eine Offensive der Republikaner. Zuerst gelang es auch, die Stadt Teruel zu erobern doch schließlich konnte Franco Teruel zurückerobern und die Republikaner weit hinter ihre ursprünglichen Stellungen zurückdrängen. Dabei tobte ein erbitterter Häuserkampf in der Altstadt.
Abends will oder besser gesagt muss Thomas noch ein wenig für seine Prüfungen in der kommenden Woche üben und damit er seine Ruhe hat, mache ich einen nächtlichen Spaziergang durch die Altstadt.

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Dieses Denkmal ehrt den in einem Lager der Republikaner ermordeten Bischof von Teruel aus der Zeit des Bürgerkriegs, Bischof Polanco. Mich macht das Denkmal ehrlich gesagt fassungslos und in Deutschland könnte ich es mir nicht vorstellen. Fakt ist aber auch, dass die katholische Kirche stramm auf Seiten Francos war und Gräueltaten gegen Republikaner billigte. Bischof Polanco zeichnete sich durch besonders abstoßendes Verhalten aus und führte vor Besetzung der Stadt durch die Republikaner eine Prozession mit auf Bajonetten aufgespießten Leichteilen durch. Seine Ermordung ist dadurch natürlich nicht zu rechtfertigen, aber im Gegensatz zu vielen anderen ermordeten Geistlichen, haben die Republikaner hier keine Unschuldigen getroffen. Aus Sicht der katholischen Kirche ist Polanco aber ein Märtyrer und wurde 1995, also lange nach dem Tod Francos, von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

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Tag 5 Teruel – Valencia

Nun wieder zurück, zu den angenehmen Seiten des Lebens. Wie auf dem Fahrplan in Bild 39 deutlich wird, müssen wir für die Fahrt nach Valencia am nächsten Morgen nicht früh raus und können ganz gemütlich ausschlafen und das Frühstücksbuffet unseres Hotels plündern.

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Um Viertel vor 11 sind wir dann unten am Bahnhof und Thomas zeigt sich sichtlich begeistert von der perfekt modernisierten Infrastruktur. Alle drei Bahnsteige sind frisch barrierefrei umgebaut und zu dem Mittelbahnsteig führt ein Aufzug. Dies ist bei 5 Abfahrten am Tag, alle vom Hausbahnsteig, und keiner einzigen Zugkreuzung natürlich bitter notwendig! Vielleicht hat man sich ja die Kapazitäten für zukünftige Ausbauten erhalten wollen. Im aktuellen Fahrplan fährt sogar schon ein Zug mehr und damit 7 Abfahrten. Eine Steigerung der Abfahrten um 40 % im Vergleich zum Vorjahr muss man erstmal hinbekommen. ;-)

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Neben dem Empfangsgebäude wurde etwas mechanische Signaltechnik als Denkmal aufgetstellt. Im Hintergrund lugt der Turm EL Salvador aus der Altstadt hervor. Ein wenig rechts davon war unser Hotel.

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Und dann kommt auch schon unser Interregio aus Zaragoza nach Valencia.

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Nach knapp einer Dreiviertelstunde erfolgt die Kreuzung mit dem Gegenzug.

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Meistens in Sichtweite verläuft parallel die stillgelegte Strecke eines Bergwerks zum Hafen Sagunt. Die wurde zu einem Radweg umgewandelt.

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Die Landschaft wird mit der Zeit bergiger. Bevor wir das Mittelmeer erreichen müssen wir zuerst noch das Küstengebirge überwinden.

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Obwohl wir in der ersten Februarwoche unterwegs sind, blühen schon auf den zahlreichen Plantagen die Mandelbäume.

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Hoffentlich ist hier der Name nicht Programm: Barracas

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Bei „Baracke“ bin ich vermutlich nicht der einzige (Kur-)Pfälzer, der an den legendären Anruf von Frau Zehnbauer bei der Polizei Mannheim denken muss. :-)
Durch ein sehenswertes Tal verlieren wir Höhenmeter.

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Weiter unten im Tal lösen dann Orangen, für die die Region Valencia bekannt ist, die Mandeln ab. Im Hintergrund ist wieder die alte Bergwerksbahn zu sehen.

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In Salunt erreichen wir die Hauptstrecke entlang der Küste aus Tarragona. Thomas bewundert sichtlich das Dreischienengleis.

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Wenig später kommen wir in Valencia an.

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Am Nachbargleis wartet diese spanische Vertreterin der Siemens-EuroSprinter-Familie auf ihre nächste Aufgabe.

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Der alte Hauptbahnhof Estació del Nord aus dem Jahr 1917 ist sehr sehenswert. Als Architekturlaie würde ich den Stil als Jugendstil bzw. seine spanische Form, den Modernismo, einordnen.

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Die Schalterhalle ist mit ihren Fliesen besonders schön.

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In Valencia treffen wir eine weitere Kommilitonin von uns, die gleichzeitig mit uns hier in Valencia ein Auslandssemester macht. Das Wintersemester 2021/22 war das erste Semester, in dem Auslandsaufenthalte nach oder besser gesagt trotz der Coronapandemie wieder sinnvoll machbar waren und mehrerer meiner Freunde haben die Möglichkeit in diesem Semester genutzt.
Direkt nach unserer Ankunft treffen wir uns zum Mittagessen. Das Menu schmeckt hervorragend, doch leider habe ich keine Bilder gemacht. Besonders spannend ist der Bezahlvorgang. Wir müssen zahlen zu dritt 51 € zahlen. Einer von uns zahlt mit deinem 50€-Schein und sucht passendes Münzgeld. Anstatt noch zusätzlich Trinkgeld zu erwarten, sagt der Kellner dass 50 € auch passen und geht. Bei dem guten Essen, hätten wir auch den vollen Preis gezahlt, aber wir wollen uns nicht beschweren. ;-)
Hier würde sich Thomas und mir die Chance zu einem Umstyling bieten, aber wir verzichten dankend. So groß ist mein Verlangen nicht, mir Lionel Messi i den Hinterkopf rasieren zu lassen. Wer oder was das rechts von Messi sein soll, ist mir dagegen komplett rätselhaft.

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Auch auf eine Pikantwurst verzichten wir. Die Vokabel finde ich dafür sehr interessant. So richtig spanisch klingt das Wort nicht.

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Am Abend gehen wir in die Altstadt. Vermutlich wichtigstes Baudenkmal und UNESCO-Welterbe ist die Seidenbörse Lonja de la Seda, deren Haupthalle einer der eindrucksvollsten erhaltenen Profanbauten aus der Epoche der Gotik in Europa ist.

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Am nördlichen Ende der Altstadt wacht das mächtige Stadttor Torre de Serranos.

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Dann treffen wir uns mit Hannah auf eine Karaffe Aqua de Valencia. Diese Getränkespezialität würde ich als grob als frisch gepressten Orangensaft mit reichlich Alkohol bezeichnen.
Später am Abend führt unser Heimweg wieder am Bahnhof vorbei. Direkt daneben steht die Stierkampfarena Valencias.

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Im nächsten Teil werden wir einen weiteren Tag Valencia besichtigen und danach nach Cuenca weiterfahren.

Vielen herzlichen Dank fürs Mitnehmen!

heinz11, Donnerstag, 30.11.2023, 21:16 (vor 839 Tagen) @ Bahne aus Leidenschaft

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Bahne aus Leidenschaft, Sonntag, 14.07.2024, 18:04 (vor 613 Tagen) @ Bahne aus Leidenschaft

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