Vier Fäuste für ein Banitza 5/14 (49 Bilder) (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Mittwoch, 28.06.2023, 10:20 (vor 995 Tagen)

Im letzten Teil sind in Griechenland von Thessaloniki nach Kalambaka zu den Meteoraklöstern gefahren. Im fünften Teil bleiben wir noch länger in Griechenland und setzen dann mit der Fähre nach Bari über. Zu Beginn dieses Teils aus Athen gibt es kaum Bahnbilder, dafür gegen Ende umso mehr.

Hier sind die Links zu den vorhergehenden Teilen:
Teil 1: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681486
Teil 2: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681629
Teil 3: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681839
Teil 4: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681841

Tag 27 Kalambaka – Athen
Heute geht es weiter nach Athen bis Paleofarsalos geht es wieder im 621er. Die Einheimichen im Zug dürften an einer Hand abzuzählen, sonst sind alles Touris wie wir. Viele kennen wir schon aus unserem Hostel.
Weiter nach Athen geht es wieder mit einem IC mit Hellassprinter.
Seit 2019 sind alle Neubauabschnitte zwischen Thessaloniki und Athen eröffnet und die Strecke somit durchgehend zweigleisig und elektrifiziert. Schade, auch wenn ich diesen längst überfälligen Infrastrukturausbau sehr begrüße und es mich für die griechischen Fahrgäste freut, hätte ich trotzdem gerne die Fahrt mit Diesellokvorspann über die alte Passstrecke erlebt. Die Brücke rechts hinten in den Bergen müsste zur Altstrecke gehören.

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Die Neubaustrecke führt entlang der berühmten Thermopylen, wo im Jahr 480 v. Chr. König Leonidas von mit seinen berühmten 300 Spartanern bis zu dem letzten Mann gegen die Perser kämpfte und damit deren Vormarsch gen Süden entscheidend verzögerte. Danach passieren wir den 2018 eröffneten Kallidromo-Tunnel, der mit 9,2 km der längste Tunnel des Balkans ist.
Die wichtigste Bahnstrecke des Landes wurde im Vergleich zu anderen europäischen Ländern erst sehr spät zu Beginn des 20 Jh. gebaut. Der Lückenschluss bis Thessaloniki erfolgte erst 1916. Die Gründe dafür liegen einerseits in der schwierigen Topographie aber auch in der Politik. Die Region Thessalien um Larissa und Kalambaka kam erst 1881 zu Griechenland, der Norden um Thessaloniki wie weiter oben schon erwähnt sogar erst 1912.
Der Bahnhof von Athen, ehemals Larissa-Bahnhof, wirkt nicht wirklich wie ein Hauptstadt bahnhof und ist zu großen Teilen Baustelle. Zitat von Thomas: „Da hat ja der Bahnhof von Weingarten mehr Gleise!“
Die Station wurde erst 1904 zusammen mit der Normalspurstrecke Richtung Thessaloniki eröffnet. Nebenan liegt der ältere meterspurige Peloponnesbahnhof der alten Strecke nach Patras, der jedoch seit 2005 ohne Verkehr ist.

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Aus unsrem Zimmer haben wir Aussicht auf die Akropolis, die wir heute Nachmittag auch direkt besichtigen.

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Der Parthenon war noch lange deutlich besser erhalten, da er bis 1687 quasi durchgehend als Tempel, dann als Kirche und schließlich als Moschee genutzt wurde. Leider traf bei der Belagerung durch die Venezianer 1687 eine venezianische Kanonenkugel den als Pulverlager genutzten Bau und ließ das gelagerte Schießpulver hochgehen. Die kreisförmigen Zerstörungen durch die Explosion lässt sich noch heute gut erkennen. Seitdem blieb er als Ruine stehen und nach dem 2. Weltkrieg setzte ihm die Luftverschmutzung in der Großstadt schwer zu. Seit der flächendeckenden Einführung von Autokatalysatoren hat sich die Situation enorm gebessert.

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Neben dem monumentalen Parthenon gibt es noch mehrere kleinere Tempel auf der Akropolis. Der bekannteste davon dürfte das Erechtheion mit seinen Frauenstatuen, den Karyatiden, sein. Ihre Originale werden wir übermorgen im Akropolismuseum sehen. Während der Osmanenzeit wurde er passend zu den Statuen als Harem des Gouverneurs benutzt.

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Den Areopagfelsen kennen vielleicht einige noch aus dem Geschichtsunterricht. Hier tagte der höchste Rat Athens und der Legende kam hier der erste Marathonläufer an, um mit letzter Kraft den Sieg über die Perser bei Marathon zu verkünden. Von hier sieht man gut rüber auf die Akropolis. AM rechten Ende sieht man die Propyläen, das Zugangstor zur Akropolis, das unter Anderem dem Brandenburger Tor in Berlin als Vorbild dient.

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Tage 28 & 29 Athen
Es folgen wieder zwei bahnfreie Tage, in denen wir Athen beischtigen. Am ersten Tag besichtigen wir vor allem antike Stätten. Wir beginnen mit der Agora. Die U-Bahn nach Piräus fährt hier mitten durch das Ruinenfeld durch, nur wenige Meter von dem gut erhaltenen Tempel des Hephaistos.

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Dann schauen wir uns am Syntagmaplatz vor dem Parlament den Wachwechsel der bekannten Evzonengarde in ihren markanten Uniformen an. Das Parlamentsgebäude und der Syntagmaplatz dürfte den meisten seit der Staatsschuldenkrise aus der Berichtersttung in den Nachrichten bekannt sein.
Die ungewöhnlichen Uniformen wurden von der Frau des ersten König Griechenlands Amalie von Oldenburg in Anlehnung an traditionelle Gewänder entworfen. Ihr Mann König Otto war ein bayrischer Prinz aus dem Hus der Wittelsbacher. Als der junge griechische Staat auf Druck der Großmächte nach einem europäischen Prinzen als König suchte, fiel die Wahl auf ihn. Befördert dürfte dies die frühe Anerkennung des griechischen Staates durch seinen von der Antike faszinierten Vater König Ludwig I. von Bayern stammen. Seinem Faible für das Antike Griechenland haben übrigens Bayern und Speier das y in ihrem Namen zu verdanken. Als sichtbare Zeugnisse ließ er im römischen Stil das Pompeijanum in Aschaffenburg und in der Pfalz die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben an der Weinstraße bauen. Bis dahin wurden beide mit i geschrieben. Otto ließ auch das Parlamentsgebäude bauen, damals noch als Residenzschloss. Architekt war der bayerische Architekt Friedrich von Gärtner, der neben dem besagten Pompeijanum viele Gebäude in München, unter anderem die Feldherrenhalle, gebaut hat.
Otto war es auch, der die Hauptstadt 1834 überhaupt erst nach Athen verlegen ließ. Davor war Nafplio auf der Peloponnes Hauptstadt. Athen war ein kleines osmanisches Provinznest mit nur noch ca. 4.000 Einwohnern, das stark unter dem Unabhängigkeitskrieg gelitten hatte, und konnte vor allem seine glorreiche Vergangenheit bieten. Thessaloniki war zu diesem Zeitpunkt um Größenordnungen größer und wichtigstes Handelszentrum des Balkans. Jedoch gehörte es noch bis 1912 zum Osmanischen Reich und lag weit entfernt vom jungen griechischen Staat. Somit stand diese Metropole nicht als Hauptstadt zur Verfügung. Seitdem ist Athen rasant zu einer, zählt man die Vororte mit, ausufernden Millionenstadt angewachsen.

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Im Stadtzentrum steht das kleine byzantinische Kirchlein Panagia Gorgoepikos. Es zeichnet sich durch die reichliche Wiederverwendung von antiken Steinen, Spolien, aus.

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Später erklimmen wir den Lykavittos-Hügel, der eine gute Aussicht über die Stadt bis zum Meer bietet. Hier trifft einen Kollegen vom Institut, der wegen einer Tagung in Athen ist. Wie klein doch die Welt ist.

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Zum Tagesende besteigen wir noch den Philipappou-Hügel auf der anderen Seite der Akropolis.

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Auf dem Heimweg kommen wir im Dunkeln wieder über den Areopagfelsen.

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Am zweiten Tag steht ein Hardcore-Museumstag an. Morgens besuchen wir die Villa Heinrich Schliemanns, dem Entdecker Trojas, in dem sich heute das griechische numismatische Musuem befindet.

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Danach besuchen wir das nationale archäologische Museum.

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Gegenüber unseres Zimmers ist der Markt von Athen.

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Nachmittags besuchen wir das Akropolismuseum am Fuß der Akropolis. Es wurde 2009 architektonisch ansprechend errichtet und birgt viele Funde von der Akropolis. Neben Exponanten von der klassischen Phase, wie wir die Akropolis kennen, sind dies viele Funde der archaischen Akropolis, die 480 v. Chr. Von den Persern zerstört wurde.
Zentrales Element ist der berühmte Parthenonfries, von dem jedoch große Teile, die Elgin Marbles, in London im Bristish Museum sind, was zu diplomatischen Verstimmungen führt und führte. Der Bau des neuen Museums, das an prominenter Stelle Platz für diese Frieselemente freihält, gilt als klares Signal für die Rückgabeforderung Griechenlands.
Dies sind dien Originale der Karyatiden vom Erechtheiontempel, den wir vorgestern sahen.

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Tag 30 Athen – Diakopto

Heute geht es nach Diakopto auf den Peloponnes. Kenner werden schon ahnen, was wir dort suchen.
Vormittags machen wir einen Kurzausflug zur Hafenstadt Piräus. Hin mit dem Vorortzug der OSE Proastikos, zurück mit der Metro. Alle Proatiakoszüge werden mit fünfteiligen elektrischen Desiros gefahren. Der Zug endet für uns überraschend an einer Zwischenstation und wir müssen wegen fehlender Oberleitung in einen GTW der OSE umsteigen.
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Zurück nehmen wir die Metro, deren Trasse durch die antike Agora wir vorgestern Morgen gesehen haben. Am Endbahnhof in Piräus gibt es ein kleines Museum zur Geschichte der Metro. Der Eintritt ist frei, aber fotografieren strengstens verboten.
Am Mittag gehen wir dann erneut zum Bahnhof zur Weiterfahrt auf den Peloponnes. Am Athener Bahnhof wartet ein Hellassprinter nach Thessaloniki.

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Bis Kiato fahren seit 2004 die Athener Vorortzüge Proastiakos im Stundentakt über die Neubaustrecke auf Normalspur. Mehrmals sehen wir auf das Meer. Vor Korinth überqueren wir den Kanal von Korinth.

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In Kiato müssen wir vom Desiro in einen GTW umsteigen, da hier die Oberleitung endet. Die folgende Strecke bis Aigio wurde erst 2020 noch ohne Oberleitung eröffnet. Auf diesem Abschnitt fahren auch deutlich weniger Zugpaare, die mit Stadler GTW betrieben werden. Parallel dazu fahren OSE-Busse nach Patras.

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Die Strecke führt meist nah an der Küste entlang.

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Die Unterwegsbahnhöfe an der Neubaustrecke sind großzügig dimensioniert.

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Auch in Diakopto wurde geklotzt. Den Tunnelbahnhof nennen wir liebevoll Diakopto 21. Im Gegensatz zu den meisten Bahnhöfen an der Neubaustrecke liegt er fahrgastfreundlich im Ortszentrum und nicht j. w. d.

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Hier sind die Lichtsignale in Betrieb. Bei der Strecke nach Thessaloniki scheint dies im März und wohl auch sonst leider nicht der Fall gewesen zu sein.

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Tag 31 Diakopto – Kalavryta

Die nächsten beiden Tage stehen im Zeichen der Zahnradbahn nach Kalavryta. Das Bahnhofsgebäude und die Denkmallok haben den Neubaau der Normalspurstrecke überlebt.

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Auf der Zahnradbahn fahren GTW von Stadler. Die Züge sind bei unseren insgesamt drei Mitfahrten für die Nebensaison gut gefüllt mit griechischen Ausflüglern. Einmal fährt eine Schulklasse auf dem Weg zum Schullandheim (?) mit. Am Bahnhof Megalo Spilaio auf halber Strecke ist ein längerer Zwischenhalt, der von unseren Mitreisenden für Insta-Pics genutzt wird.
Am ersten Tag fahren wir mit ihr die komplette Strecke nach Kalavryta. Kalavryta ist ein beliebter griechischer Wintersportort und die Fahrt führt durch eine beeindruckende Schlucht.

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Kalavryta ist ein beliebter griechischer Wintersportort. Die Saison hat aber noch nicht begonnen. Ein nahegelgenes Kloster gilt als Startpunkt der griechischen Revolution gegen die Türkenherrschaft und ist damit für die griechische Geschichte von hoher Bedeutung. 1943 brachte die Wehrmacht beim Massaker von Kalavryta mit Ausnahme von 13 Überlebenden alle Männer des Ortes um als Rektion auf die Hinrichtung mehrerer deutscher Soldaten durch Partisanen. Auch das genannte Kloster wurde zerstört.

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Wir wandern ein wenig um Kalavryta und treffen dabei auf eine Schafherde und diesen dienstbeflissenen aber noch etwas unsicheren Hütehundwelpen. Da das Wetter nicht so gut ist, kehren wir relativ bald ab.

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Nach einer kleinen Kaffepause geht es nach Diakopto zurück.

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In Diakopto stehen noch viele Dampfloks und ältere Triebwagen der Zahnradbahn rum.

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Am Nachmittag wage ich mich am Strand von Diakopto ins Meer, aber besonders warm ist es am 30. November nicht mehr und deshalb gehe ich schnell wieder raus.

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Für heute mache ich hier Schluss. Morgen wird es nochmal zur Zahnradstrecke gehen, diesmal zu Fuß, bevor wir Diakopto und Griechenland Richtung Italien verlassen werden.

Huch. Ein Felsen isses auch. Irre.

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Mittwoch, 28.06.2023, 20:36 (vor 994 Tagen) @ Bahne aus Leidenschaft

Hallo.

Den Areopagfelsen kennen vielleicht einige noch aus dem Geschichtsunterricht.

Nein, vom Kreuzworträtsel.

Gerichtshof im antiken Athen: Areopag.


Schöne Grüße von jörg

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Bahne aus Leidenschaft, Sonntag, 14.07.2024, 18:24 (vor 612 Tagen) @ Bahne aus Leidenschaft

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