Vier Fäuste für ein Bougatsa 4/14 (46 Bilder) (Reiseberichte)
Im letzten Teil haben wir mit Zug und Taxi die Grenze von Bulgarien nach Thessaloniki passiert und sind heute Vormittag in Thessaloniki angekommen. In diesem Teil steht nur eine Bahnfahrt an Tag 24 (ab Bild 247) an. Ganz am Schluss kommen auch nochmal einige Bilder mit Bahnbezug. In der restlichen Zeit schauen wir uns Thessaloniki und die Meteoraklöster an.
Hier noch die Links zu den letzten Teilen:
Teil 1: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681486
Teil 2: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681629
Teil 3: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681839
Tag 22 (Neo Petritsi – ) Thessaloniki
Das Stadtbild von Thessaloniki ist wenig pittoresk, da die komplette Innenstadt bei einem Feuer 1917 verheert wurde. Die Stadt kann aber wie viele griechische Städte auf eine lange Geschichte zurückblicken. In den nächsten zwei Tagen werden wir viele Relikte davon sehen.
Thessaloniki kam wie ganz Südmazedonien erst im Zug des Balkenkrieges 1912 an Griechenland und die Griechen bildeten zu dieser Zeit nur eine Minderheit in der Stadt. Größte Bevölkerungsgruppe waren damals mit ca. 50 % die Juden, die als älteste jüdische Gemeinde Europas gilt und schon von Apostel Paulus besucht wurde. Die dritte große Bevölkerungsgruppe waren Türken. In den folgenden Jahrzehnten kamen viele Griechen durch Zuwanderung, vor allem in Folge des verlorenen griechisch-türkischen Krieges 1922/23 aus Kleinasien dazu. In Griechenland wird dieses Ereignis auch als kleinasiatische Katastrophe bezeichnet. In Folge dieses Krieges wurde ein Bevölkerungsaustausch ausgehandelt, laut dem im Gegenzug die meisten makedonischen Türken in die Türkei auswandern mussten. Im 2. Weltkreig fiel dann ein Großteil der jüdischen Gemeinde dem Holocaust zu Opfer ein kleiner Teil konnte auswandern, sodass heute nur noch unter 1 % der Bevölkerung jüdisch ist.
Im Mittelalter gehörte Thessaloniki zum byzantinischen Reich und war in seiner Schlussphase nach Konstantinopel lange Zeit die zweitwichtigste Stadt des Reichs. Mehrere erhaltene Gebäude aus dieser Zeit, überwiegend Kirchen sind Teil des UNESCO-Welterbes.
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Zum byzantinischen Erbe gehören auch eine weitgehend erhaltene Stadtmauer um die komplette Altstadt und eine Burg. Unser Hostel liegt an der Stadtmauer am oberen Ende der Altstadt in der Oberstadt, auf Griechisch Akropolis, nahe der byzantinischen Burg.
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Nach dem wir unser Gepäck losgeworden sind, gehen wir hoch zur Burg. Von hier bietet sich eine grandiose Aussicht über die komplette Stadt und den thermaischen Golf bis zum Berg Olymp.
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In der Mauer der Burg wurden Steine aus antiken Gebäuden, so genannte Spolien, wiederverwendet.
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Oben bei der Burg trinken wir erstmal in Ruhe einen griechischen Kaffee und schauen einen griechsichen Hadwerker beim Arbeiten zu. So schnell haben wir noch keinen Laminat verlegen sehen. Nachmittags gehen wir dann wieder von besuchen wir den Markt und genehmigen uns etwas vom Grill. Hier in Nordgriechenland heißen die Banitzas Bougatsa. Die süße Version mit Grießbreifüllung schmeckt warm vom Bäcker köstlich.
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Kurz hinter dem Markt schaffen wir es zum ersten Mal für diesen Urlaub ans Meer.
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An der Promenade steht ein Denkmal für den berühmtesten Makedonen Alexander dem Großen, obwohl die Stadt „erst“ 8 Jahre nach dessen Tod im Jahr 315 v. Chr. durch seinen Schwager und Nachfolger in Makedonien Kassander gegründet wurde.
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Abends kehren wir in einer kleinen Taverne in der Oberstadt nahe unseres Hostels zu ein paar griechischen Spezialitäten ein.
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Tag 23 Thessaloniki
Heute ist wieder ein bahnfreier Tag. Wir besichtigen das archäologische Museum und das byzantinische Museum.
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Die Katzen der Altstadt scheinen sich ziemlich für meinen mitreisenden zu interessieren.
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Die bedeutendste Kirche ist die frühchristliche Basilika Hagios Demetrios. Unter den Türken war sie bis 1912 eine Moschee und auch sie wurde bei dem Stadtbrand 1917 stark zerstört. Einige frühchristliche Mosaike konnten sich aber erhalten.
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Am Nachmittag besuchen wir das Geburtshaus Atatürks, das zum türkischen Konsulat gehört.
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Tag 24 Thessaloniki – Kalambaka
Heute Morgen besichtigen wir die Rotunde, das Mausoleum des römischen Kaisers Galerius und vor Bau der Hagia Sophia die größte gemauerte Kuppel der Welt. Heute dient sie zudem als Gedenkstätte für die "Kleinasiatische Katastrophe".
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In der Nähe unseres Hostels befindet sich ein byzantinisches Bad.
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Heute Mittag geht es weiter nach Süden. Wir nehmen den IC Richtung Athen bis Paleofarsalos, um dort nach Kalambaka umzusteigen.. Nach den Wochen in Rumänien und Bulgarien wirkt die schnelle Fahrt durch Zentralgriechenland über verschweißte Schienen wie ein Sprung in die Moderne. Nachdem in Folge des schweren Zugunglücks bei Larissa im März das quasi nicht vorhandene Sicherheitskonzept auf dieser Strecke bekannt wurde, wurde mir aber ganz anders.
Gezogen wird unser IC von einem Hellassprinter von Siemens. Im Bahnhofsvorfeld verrotten einige ihrer Schwesterloks vor sich hin. Das beschleunigte Angebot wird sichtbar gut angenommen. Die IC sind bei unseren beiden Fahrten gut gefüllt. Seit Mai 2022 gibt es mit gebrauchten Pendolinos der italienischen Konzernmutter Trenitalia zweimal täglich eine noch schnellere Verbindung. Für uns bietet sie sich aber nicht an, da sie einerseits zu keiner uns passenden Zeit fährt, andererseits nicht in Paleofarsalos hält.
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Ein Desiro mit Werbebeklebung für ein Naturschutzgebiet wird im Regionalverkehr nach Larissa eingesetzt. Die Regionalzüge halten nur zweimal öfter als der IC und sind bis Larissa kaum langsamer als der IC. Richtige Regionalzüge zur Feinerschließung scheint es mir nicht zu geben.
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Der Götterberg Olymp verhüllt sich heute wie so oft vornehm in Wolken.
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In Paleofarsalos haben wir 1,5 h Stunden Umsteigezeit. In der Wartezeit schauen wir in der Bahnhofsbar die erste Halbzeit vom ersten deutschen WM-Spiel an. Mit einem ausgezeichneten Gefühl fahren wir nach Kalambaka weiter. Da wussten wir noch nicht, was in der zweiten Halbzeit und den folgenden beiden Spielen passieren sollte.
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Bevor es nach Kalambaka losgehen kann, wird noch der Anschluss zum IC aus Athen abgewartet.
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Ein Triebwagen der Baureihe 621 bringt uns nach Kalambaka zu den berühmten Meteoraklöstern um.
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Die Bahnstrecke wurde ursprünglich in den 1880er-Jahren in Meterspur errichtet und von 1998 bis 2001 auf Normalspur umgespurt, um Direktverbindungen nach Athen zu ermöglichen. Die Fahrt führt etwa eine Stunde durch eine Ebene nach Nordwesten zurück. Dabei sehen wir einen Regenbogen.
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Tage 25 & 26 Kalambaka und Meteoraklöster
Die nächsten beiden Tage sind bahnfrei. Wir wandern durch die Meteorafelsen und besuchen die berühmten Klöster. Die fünf Klöster haben etwas unübliche Öffnungszeiten und es gibt kaum einen Tag, an dem alle offen haben. Von außen wirken sie aber sowieso am beeindruckendsten. Es herrscht Kaiserwetter und wir sind Ende November in kurzen Hosen unterwegs.
Ich bin früh auf und mache auf dem Weg zu einem Bäcker einen Umweg über den Hügel hinter unserem Hostel, um mir den Sonnenaufgang über der Ebene anzuschauen. Kalambaka liegt am nördlichen Ende der Ebene, durch die wir gestern gekommen sind.
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Neben den 6 Großklöstern, die besichtigt werden können gibt es noch einige Einsiedeleien wie Ágios Andónios.
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Wir beginnen mit dem eher kleineren Kloster Nikólaos Anapavsás.
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Nicht alle abgebildeten Heiligenlegenden in Rousánou sind jugendfrei.
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Hier haben wir Aussicht auf 4 von 6 Klöstern. Von links nach rechts: Rousánou, im Hintergrund Agios Nikólaos Anapavsás, Megálo Metéoro und Varlaám.
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Die Katzen von Ágios Stephanos sind höchst interessiert an Chris‘ Mittagessen. Er wirkt ein wenig belästigt. Freundlicherweise zensiert er sich heute mit der Sonnenbrille selbst.
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Das Kloster hat heute geschlossen, weshalb wir morgen nochmal zurückkommen werden. Da es vergleichsweise barrierefrei ohne Treppen zugänglich ist, ist es bei Bustouren sehr beliebt. Für mich ist es von allen Klöstern das am wenigsten interessante.
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Am zweiten Tag starten wir morgens mit Agio Triáda. Inzwischen sind alle Klöster durch Treppen erschlossen, bis vor einigen Jahrzehnten waren aber mehrere nur durch Leitern und solche Förderkräne erreichbar.
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Agio Triáda wird zudem wie auch mit einer Materialseilbahn bedient. Wir als Besucher müssen jedoch die Treppen nehmen.
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Auch Megálo Metéoro wir durch eine Materialseilbahn erschlossen.
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Auch die Bildprogrammatik hier ist wieder wenig jugendfrei.
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Varlaám hat an beiden Tagen geschlossen und so bleibt uns nur der Blick von Megálo Metéoro rüber.
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Über den Nachbarort Kastraki geht es nach Kalambaka zurück.
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Am Bahnhof besorge ich noch schnell unsere Reservierungen für morgen. Die IC sind zwar reservierungspflichtig, aber für Interrailpassinhaber sind diese kostenlos. Das Bahnhofsgebäude hat die Umspurung vor 20 Jahren überlebt. Eine Diesellok der Baureihe 220 von Adtranz mit dem täglichen IC auf die Rückfahrt nach Athen. Nachdem alle drei Lokführer mit jeweils mit dem obligatorischen Frappé in der Hand eingestiegen sind, kann es losgehen.
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Auch wenn die Fußgängerbrücke etwas anderes suggeriert, ist kurz hinter dem Bahnhof Schluss mit der Strecke. Ende der 1920er-Jahre wurde zwar mit dem Bau einer normalspurigen Verlängerung bis Kozani im Norden Griechenlands begonnen, aber nach wenigen Jahren wurde der Bau eingestellt. In Openrailwaymap ist der Verlauf der geplanten Trasse eingezeichnet. Schon damals war für die Strecke die Umspurung auf Normalspur geplant.
Das war es für heute mal wieder. Im nächsten Teil werden wir morgen Kalambaka Richtung Athen verlassen und von dort auf den Peloponnes fahren.