Vier Fäuste für ein Banitza - Teil 3 (51 Bilder) (Reiseberichte)
Nach der umwegigen Anreise im ersten Teil waren wir im letzten Teil fast komplett in Bulgarien. Hier werden wir auch noch 3 Tage bleiben. Dann geht es weiter nach Griechenland.
Wer die ersten beiden Teile verpasst hat, wird hier fündig:
Teil 1: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681486
Teil 2: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681629
Tag 18 Bansko – Sofia
Heute geht es wieder zurück mit Rhodopenbahn nach Sofia und dann auf der Hauptstrecke im Schnellzug nach Sofia. Von meiner Seite war nicht wenig Überzeugungsarbeit nötig, diesen Weg zu nehmen statt den Bus nach Blagoevgrad, unserem Tagesziel für morgen. Für 38 km Luftlinie brauchen wir damit 1,5 Tage und knapp 300 km.
Ich fahre schon früher los und nehme mit der Hinleistung unseres Zuges noch den kurzen Rest der Strecke nach Dobrinischte mit.
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Chris reichen die über 4,5 h bis Septemvri mehr als genug und kommt deshalb erst in Bansko dazu. Leider ist das Wetter heute nicht so gut. In Cherna Mesta passieren wir diese auffällig gestrichene Moschee.
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Wir überwinden die Rhodopen in zahlreichen Kurven und mehreren Kehrschleifen.
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Auf der Hauptstrecke wird es leider bald dunkel. Die Fahrt führt gemächlich durch ein enges Tal. Es wird aber fleißig am Streckenausbau mit umfangreicher Neutrassierung gearbeitet. In wenigen Jahren wird sich die Fahrt nach Sofia deutlich beschleunigen.
Auch in Sofia gibt es natürlich Denkmäler. Hier kann man sich von Zar Samuil böse anstarren lassen.
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Tag 19 Sofia – Blagoevgrad
Heute Vormittag schauen wir uns ein wenig Sofia an. Auch Sofias Geschichte reicht bis in die antike zurück. In der Innenstadt gibt es einige Überreste des römischen Serdica. Leider ist es sehr neblig. Wir besichtigen das archäologische Nationalmuseum.
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Sofia dürfte zu den wenigen Hauptstädten gehören, die in ihrem Zentrum ein monumentales Denkmal für einen ausländischen Monarchen haben . Zar Osvoboditel, der Berfreierzar, ist in Bulgarien eine gängige Bezeichnung für den Zar Alexander II. von Russland, dem Bulgarien die Befreiung von den Türken zu verdanken hat. Das macht oder zumindest machte es ihn hier ziemlich populär. In Russland trägt er diesen Beinamen wegen der Abschaffung der Leibeigenschaft auch. Anbetracht der repressiven Innenpolitik Russlands im 19. Jh. finde ich diese Bezeichnung ziemlich gewöhnungsbedürftig. Alexander II. mag zwar vergleichsweise liberal gewesen sein, aber auch nur im Vergleich zu seinen noch illiberaleren Vorgängern und Nachfolgern.
Nachdem wie im letzten Teil erwähnt der russische Plan 1878, einen großbulgarischen Satelitenstaat Russlands zu gründen von den anderen Großmächten vereitelt wurde, sollte in dem kleineren Fürstentum Bulgarien zumindest ein loyaler Fürst eingesetzt werden. Der erste Versuch mit Fürst Alexander von Battenberg, Neffe des Zaren und Großonkel von Philipp Mountbatten, dem Ehemann der Queen, scheiterte grandios. Der Fürst verfolgte sehr wohl eigene bulgarische Interessen und erfreute sich großer Beliebtheit im Land. Nach der Annexion Ostrumeliens gegen den Willen Russlands zettelten diese einen Putsch gegen ihn an, der ihn stürzte. Nachhaltigen Erfolg brachte diese Aktion aber nicht. Als Nachfolger wurde der österreichisch-ungarische General deutscher Abstammung und damit „westliche“ Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha gewählt. Sein Enkel und letzter Zar Simeon schaffte ein besonderes Kunststück. Nachdem er 1946 im Alter von 9 Jahren abgesetzt wurde und die Jahre des Sozialismus im Exil verbrachte wurde er als Simeon Sakskoburgottski von 2001 bis 2005 demokratisch gewählter Ministerpräsident des Landes.
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Passend dazu ist die nahegelegene Kathedrale dem russischen Nationalheiligen Alexander Newski geweiht.
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Korrigiert mich gerne, aber die Tram hat ihr erstes Leben bestimmt in Basel verbracht.
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Am Mittag gehen wir zum Bahnhof. Wir wollen näher an Griechanland kommen und fahren dafür heute nach Blagoevgrad. Der Bahnhof ist mit seinem Denkmal ein weiteres schönes Beispiel für die sozialistische Architektur. Im Bahnhofsgebäude steht eine kleine Denkmallok. Die Lage das Bahnhofs finden wir für ankommende Reisende nicht so besonders.
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Im Zug treffen wir wieder unseren chinesischen Freund aus Veliko Tarnovo. Vielleicht erinnert ihr euch noch aus dem zweiten Teil. Er erzählt uns, dass er seit 4 Wochen in Bulgarien ist und nicht rauskommt, weil er sowohl seinen Reisepass als auch unabhängig davon seine Aufenthaltserlaubnis für Ungarn verloren hat und auf Ersatzdokumente wartet. Dahinter scheint System zu stecken. Er hat heute nämlich auch sein Zugticket verloren. Zum Glück ist sein Kopf angewachsen, sonst hätte er ihn bestimmt auch verloren. Einen Fahrschein kann er zum Glück auch im Zug erwerben. Hoffen wir mal für ihn, dass er mit den anderen Dokumenten ähnlich viel Glück hat.
Bespannt ist der Zug mit einem Smartron.
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In Blagoevgrad kann man sehen, wie ein sozialistisch geplantes Stadtzentrum aussehen kann, wenn es fertiggestellt wurde und gut gepflegt ist.
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Ein Denkmal gibt es natürlich auch in Blagoevgrad, diesmal für die Balkankriege 1912/13, in dem die Region hier von Bulgarien erobert wurde.
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Die beiden Balkankriege sind für Bulgarien ein wundes Kapitel seiner Geschichte. Im ersten Teil erwähnte ich, dass es der Staatsgründung 1878 von russischer Seite ein deutlich größeres Bulgarien geplant war, was aber die anderen Großmächte zu verhindern wussten. Im ersten Balkankrieg wurden dann zusammen mit Serbien und Griechenland von den Türken große Teile dieser Gebiete erobern. Bulgarien konnte ganz Thrakien bis vor die Tore Istanbuls, damals noch offiziell Konstantinopel, und heute griechische Gebiete an der Ägäis erobern. Unstimmigkeiten mit Serbien über die Aufteilung Makedoniens und die neue Stärke Bulgariens führten dann aber zu einem Bündnis quasi aller Nachbarländer inklusive des Verlierers des ersten Krieges, dem Osmanischen Reich gegen Bulgarien. In Überschätzung seiner eigenen Kräfte zettelte Bulgarien daraufhin den zweiten Krieg als Präventivkrieg an und verlor die meisten Gebiete wieder. Zusätzlich cerlor er sogar einen Teil der Dobrudscha im Nordosten des Landes an Rumänien, dass seit Staatsgründung Bulgarisch war. Nach dem 2. Weltkrieg kam es aber wieder an Bulgarien zurück.
Nachdem die Balkankriege noch keinen großen Krieg in Europa ausbrechen ließen, brach kurz darauf doch der 1. Weltkrieg aus. Bulgarien versuchte noch einmal vergeblich an Seite der Mittelmächte die Gebiete zurück zu erobern, verlor aber seinen letzten Rest Ägaisküste an Griechenland.
Bis heute erheben manche bulgarische Nationalisten Ansprüche auf das Nordmazedonien, was zu diplomatischen Problemen mit dem Nachbarland führt. Die Kernfrage ist noch die gleiche wie zur Zeit der Balkankriege: Gehören die Nordmazedonen zur bulgarischen Nation, zur serbischen, zur griechischen oder unterscheiden sie sich von beiden so stark, dass sie eine eigene Nation bilden. Damals suchten beide Mächte nach Argumenten für ihre Position. Sprachlich ist das Mazedonische wohl tatsächlich näher am Bulgarischen. Für mich als Außenstehenden sind sie südslawischen Sprachen sehr schwer zu unterscheiden. Außerdem gehörte Mazedonien inklusive der damaligen Hauptstadt Ohrid zum ersten bulgarischen Reich. Serbien argumentierte vor allem mit Brauchtümern und Folklore. Griechenland als nichtslawisches Land konnte schlecht ethnisch argumentieren, und begründete seien Ansprüche deshalb über die weitverbreitete griechisch-orthodoxe Kirche und das antike makedonische Königreich.. Zu gleichen Zeit bildete
Nachdem der leidige Namensstreit mit Griechenland gelöst ist, hat dieses Thema für Nordmazedonien möglicherweise das Potential für den nächsten diplomatischen Konflikt mit einem EU-Land (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/bulgarien-nordmazedonien-101.html). Die können einem wirklich leidtun.
In Ruse entdeckten wir diesen fragwürdigen Aufkleber an einer Laterne.
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Tag 20 Rilakloster
Heute ist wieder ein fast bahnfreier Tag. Wir wollen zum Rilakloster und nehmen dafür morgens den Minibus. Außer uns scheinen nur Einheimische Mitarbeiter des Klosters im Bus zu sein. Der normale Touri fährt Auto. Das Rilakloster gehört auch zum UNESCO-Welterbe und ist von enormer Bedeutung für die Erhaltung der bulgarischen Kultur, Sprache und des bulgarische-orthodoxen Ritus während der Türkenzeit. Die Wiederentstehung einer bulgarisch-orthodoxen Kirche in Abgrenzung zur griechisch-orthodoxen spielte bei der nationalen Wiedergeburt eine bedeutende Rolle. Die bulgarische Nationalbewegung war nicht nur gegen die osmanischen Herrscher gerichtet sondern vor allem im religiösen Bereich gegen die im osmanischen Reich priviligierten und in der Kirche des Balkans dominierenden Griechen. Es liegt in spektakulärer Landschaft abgeschieden in Rilagebirge.
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Vor die Wahl gestellt, nach knapp einer Stunde oder erst am späten Nachmittag zurück zu fahren, entscheiden wir uns für die frühe Rückfahrt nach Rila und schauen uns die Erdpyramiden im Nachbarort Stob an. Auf dem Weg hin begleitet uns wieder ein flauschiger, staubiger Freund.
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Da wir sonst relativ lange warten müssten, nehmen wir auf dem Rückweg einen Minibus nach Dupnitza und von dort den Zug nach Blagoevgrad. So bleibt der Tag doch nicht ganz bahnfrei. Es ist wieder der gleiche Zug wie gestern und , wenn ich mich recht erinnere, wieder mit Smartron. Am Nachmittag besuchen wir das Regionalmuseum. Vor ihm steht dieses martialische Exponat etwas verloren rum.
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Die ausgestopften Tiere im Museum schauen etwas unglücklich drein. Vielleicht sind sie auch einfach verärgert über die Arbeit ders Präparators.
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Tag 21 Blagoevgrad – Neo Petritsi
Heute verlassen wir Bulgarien und fahren nach Griechenland. Bei uns beiden steigt die Vorfreude auf Griechenland. Ich war noch nie in Griechenland und Chris ist als Altsprachler mit 6 Jahren Altgriechisch ein ziemlicher Griechenlandexperte. Außerdem freuen wir uns auf gutes Essen und gutes Wetter.
Die Strecke ist zwar heute kurz, aber ein wenig abenteuerlich. Leider geht das nicht komplett mit dem Zug, wie viele hier im Forum wissen werden. Wir können gemütlich ausschlafen, denn wir müssen erst um 10 Uhr am Bahnhof sein. Zum Abschluss befördert uns nochmal eine Skodalok zum Grenzbahnhof Kulata. Die Strecke führt durch die enge Strumaschlucht. Parallel zur Bahnstrecke wird südlich von Blagoevgrad fleißig an einer Autobahn gebaut, nur durch die Schlucht wird vorerst eine Lücke bleiben.
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In Kulata ist dann erstmal Schluss. Weiter geht es schon seit einigen Jahren nicht mehr auf der Schiene. Von meiner Überlegung, die 17 km bis Neo Petritsi bei gutem Wetter zu wandern, habe ich mich bei der Urlaubsplanung schon früh verabschiedet. Durch das enge Tal der Struma/Strymonas führt nur eine Autobahn. Einen Fußweg konnte ich nicht entdecken. Das war auch die Auskunft die ich im Auslandsforum von Drehscheibe bekommen habe. Wir nehmen schließlich für 20€ ein Taxi. Für zwei Leute war das sogar günstiger als der Fernbus. Unser Taxifahrer hält uns zuerst für ukrainisch Flüchtlinge. Als er erfährt, dass wir aus Deutschland sind, freut er sich sehr, weil sein Taxi ein Mercedes ist. Alles hat super in unter einer Stunde geklappt. Ich hatte am Vortag schon mal bei Taxi Kulata angerufen und die Uhrzeit ausgemacht. Russisch- oder Bulgarischkenntisse helfen sehr bei der Kommunikation. Ohne hätte es aber bestimmt auch irgendwie funktioniert. Somit sind wir kurz vor 13 Uhr schon an unserem Tagesziel. Hätten wir morgens den ersten Zug um 7 Uhr genommen, hätten wir noch den „späten“ Zug um kurz nach 10 Uhr nach Thessaloniki erreichen können. Da wir aber keine Eile haben und Neo Petritsi ganz nett klingt, haben wir uns aber für die entspannte Variante mit Zwischenübernachtung entscheiden.
Wir geben unsere Sachen bei Kostas in der Pension ab und wandern zu dem kleinen Wasserfall in den Bergen. Kostas hat meines Wissens die einzige Pension im Ort. Seine meisten Gäste sind inländische Touristen aus dem Raum Thessaloniki, die im Sommer aus der Hitze der Stadt rausfahren in die Berge. Als er erfährt, wie wir angekommen sind und dass wir morgen mit dem Zug weiter wollen, ist er sichtlich überrascht.
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Am Ortsausgang ist eine aufgelassene Kaserne der Grenztruppen. Bis 1989 war hier in den Bergen nördlich des Orts der eiserne Vorhang zwischen NATO und Warschauer Pakt. Bei gutem Wetter kann man hier schön in den Bergen wandern. Unterwegs finden wir wilde Granatäpfel. Leider ist das Wetter wechselhaft und ein Gewitter droht sich an.
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Nach dem Wasserfall drehen wir deshalb um und gehen lieber einen griechischen Kaffee trinken und erkunden danach den Bahnhof.
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Zurück zur Pension gehen wir über den Aussichtspunkt des Ortes und genießen beim Sonnenuntergang die Aussicht über die Ebene in diese Richtung werden wir morgen weiterfahren.
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Unterwegs treffen wir ein griechesiches Ehepaar, dass jahrzehntelang im Raum Stuttgart gearbeitet hat und jetzt seinen Ruhestand daheim in Neo Petritsi genießt. Auch sie sind sichtlich davon überrascht, dass wir mit dem Zug hier sind. Sie erinnern sich noch an den Kurswagen von Strymonas nach Bulgarien, bezeichnen das System damals aber als ineffizient und puren „Sozialismus“. Hier scheint die Bahn verständlicherweise wirklich kein übliches Verkehrsmittel zu sein.
Abends kehren wir gegenüber in der Taverna Oasis ein. Wie in griechischen Dörfern üblich, ist ein ständiges Kommen und gehen in der Taverna. Für mich gibt es geschmorten Wasserbüffel und vorneweg ein paar Vorspeisen. Alles schmeckt vorzüglich.
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Tag 22 Neo Petritsi – Thessaloniki
Unser heutiges Tagesziel lautet Thessaloniki. Die Fahrt ist nicht lang aber mit spannendem Zugmaterial. Um kurz nach 8 Uhr geht es am Bahnhof Neo Petritsi los. Auf dem Hinweg zum Bahnhof haben wir noch den Gegenzug gesehen, der mit einem Triebwagen der Baureihe 621 fährt. Am nächsten Halt Strymonas, wo auch die Strecke nach Bulgarien abzweigt, wird er gleich unseren Zug kreuzen. Mit so einem werden wir in wenigen Tagen noch fahren. Vom Bahnhof fällt noch mal der Blick auf den Ort und die Berge.
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Unser Zug wird mit einem IC2000 aus deutsch-deutscher Produktion gefahren. Er kommt aus Drama, wo aktuell aus Richtung Athen der Zugverkehr endet. Weiter nach Alexandroupoli ist eine Baustelle. Hier ist er noch völlig überdimensioniert und der hintere Teil nach dem Bordbistro ist geschlossen. Wir dürfen uns in die 1. Klasse setzen. Bis Thessaloniki füllt sich der Zug recht gut. Ob die hinteren Wägen später freigegeben wurden, kann ich nicht sagen.
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Dieser Zug ist einer der wenigen auf unserer Reise, die dem Bahn Navigator nicht bekannt ist. Railplanner kennt sie überraschenderweise, nicht aber den Halt in Neo Petritsi. Wir tragen deshalb als Startbahnhof Strymonas eins.
Der Personenverkehr auf dieser Strecke wurde im März nach dem katastrophalen Zugunglück bei Larissa wie in ganz Griechenland komplett eingestellt, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Strecken meines Wissens bis jetzt nicht wieder in Betrieb genommen.
Die Bahnstrecke von Alexandroupolis nach Thessaloniki wurde in den 1890er Jahren noch vom Osmanischen Reich als strategische Strecke gebaut, um seine verbliebenen Gebiete auf dem Balkan besser verteidigen zu können. Die Vorgabe war, möglichst immer mindestens 15 km Entfernung zur Küste und zur bulgarischen Grenze zu sein, um außerhalb feindlicher Artilleriereichweite zu sein. Das führte zu dem teilweise recht ungünstigen und umwegigen Verlauf durch das bergige Hinterland. Nördlich von Thessaloniki wurde ein Bypass an der Stadt vorbei direkt zur schon bestehenden Strecke nach Skopje gebaut. Genützt hat das alles aber nichts. Nach den Balkankriegen viel der Westen der Strecke an Griechenland, der Osten an Bulgarien. Seit dem 1. Weltkrieg wenige Jahre später liegt sie komplett in Griechenland und die Umgehung von Thessaloniki wurde bald darauf stillgelegt.
Schon um halb 11 erreichen wir unser heutiges Tagesziel Thessaloniki. Im Bahnhof steht eine Draisine als Denkmal.
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Hier mache ich für heute „schon“ Schluss. Im nächsten Teil werden wir dann 2,5 Tage die Stadt erkunden und danach weiter in den Süden Griechenlands vordringen.
Vielen Dank und Frage
Also bis hier ein sehr interessanter Reisebericht. Macht direkt Lust auf eine ebensolche Reise. Leider bedarf das einer größeren medizinischen Planung. Dürfte nicht so einfach werden. Aber ggf lösbar.Na seis drum. Danke, das wir teilhaben durften an der Reise.
Frage: Wie habt ihr auf der Reise bezahlt? Bargeld? Kreditkarte? Ec Karte? Bei Bargeld wäre es mir persönlich zu unsicher so viel Bargeld für so einen langen Zeitraum mit zu nehmen. Wenn man das Geld verliert hat man ein Problem...
Wie sind denn die Ladenöglichketen für Handy unterwegs? Vor allem im Zug. Empfiehlt es sich eine geladene Powerbank mit zu führen?
Vielen Dank und Frage
Wir hatten beide Kreditkarten dabei. Bargeld hatten wir nicht so viel dabei. Meistens haben wir aber auch mit der Kreditkarte Bargeld in der Landeswährung abgehoben für Busse, Straßenstände, kleine Geschäfte, ...
Nur in Ungarn haben wir komplett bargeldlos bezahlt. Da waren wir nur kurz und bargeldlos bezahlen geht da überall problemlos.
Bargeld gewechselt habe ich glaub nur in Zagreb. Da brauchten wir dringend Münzgeld für die Gepäckschließfächer und die Geldautomaten am Bahnhof haben horrende Gebühren verlangt. Die Wechselstube hatte dagegen sehr humane Gebühren. In Kroatien hat sich das seit 1.1. aber eh erleidgt.
Wir hatten beide zwei kleine Powerbanks dabei, aber glaub nie benötigt. Kommt halt drauf an, wie lange noch dein Handyakku hält. Bei den Uraltwägen z. B. in Bulgarien kannst du natürlich keine Steckdosen erwarten, aber in den Nachtzügen waren glaub immer welche.
Puh. Zuviel Geschichte. Aber Chris ohne Balkan, äh Balken
Huhu.
Dauert satte 23 Bilder bis Chris - aber dann gleich unverbalkt. Wow. ;-)
Der Geschichtsanteil ist mir zu viel. Nicht weil es uninteressant ist - im Gegenteil. Aber mir gehen all diese Leute auf den Geist, die aus alten Zeiten Ansprüche für die Zukunft ableiten. Alles Volldeppen sind das.
Und am schlimmsten ist es, wenn sie sich deswegen in die Haare bekommen und sich die Köppe einschlagen. Da haben sie eh schon wenig - aber anstatt mal zusammenzuhalten und gemeinsam ein Gegengewicht zu den Wirtschaftsmächten zu setzen, verplempern sie ihre wenigen Ressourcen damit, sich gegenseitig zu bekämpfen. Das ist so dumm, so hohl, so dämlich. Während die First World sich kaputtlacht. An gelieferten Angriffswaffen verdient und an Abwehrwaffen nochmal und auch sonst ungestört von der ausbleibenden Konkurrenz Geld scheffelt bis der Arzt kommt und in Saus und Braus lebt. Dass es den Reichen da ganz recht ist, wenn die armen Dämel sich völlig sinnlos um Namensgebungen und ein paar Quadratmeter Ländereien streiten, merken die Streitlustigen gar nicht. Und wer von denen es doch merkt und flüchtet, der wird von uns dann auch noch beschimpft und ist nicht willkommen.
Wobei es da auch total Bekloppte gibt. Lebten schon Jahrzehnte hier. Als Jugoslawen. Friedlich miteinander im Wohlstand. Dann waren sie plötzlich Serben, Kroaten und Bosnier und schauten sich von jetzt auf gleich mit dem Ar... nicht mehr an. Soviele Kliniken, in die sie gehörten, kann man gar nicht errichten.
Schöne Grüße von jörg
Gar nicht zuviel Geschichte
Der Geschichtsanteil ist mir zu viel. Nicht weil es uninteressant ist - im Gegenteil.
Ich finde den Geschichtsanteil super, weil er sich sehr gut liest. Man merkt richtig Euer Interesse. Für einen Bericht das alles so wiederzugeben finde ich klasse. Bei mir würde es sich wahrscheinlich einfach nach Wikipedia anhören, von wo ich alles herholen müsste.
Aber mir gehen all diese Leute auf den Geist, die aus alten Zeiten Ansprüche für die Zukunft ableiten. Alles Volldeppen sind das.
Und was genau hat das mit dem Geschichtsanteil des Berichts zu tun? Ob jetzt der Autor viel erzählt oder wenig, wird jetzt genau was am Verhalten der "Volldeppen" ändern?
Gar nicht zuviel Geschichte
Freut mich, dass dir die kleinen Exkurse gefallen. Wir interessieren uns beide ziemlich für Geschichte. Die vielen Denkmäler in Bulgarien finde ich relativ auffällig und deshalb erwähnenswert und möchte dann auch gerne ein wenig die Hintergründe ansprechen.
Jörg hat aber nicht ganz Unrecht. Ich lade meinen Bericht parallel auch bei Drehscheibe im Auslandsforum hoch und da habe ich mit meinen Ausführungen zum Thema Nordmakedonien offensichtlich einen bulgarischen Foristen bis aufs Blut gereizt und er musste in langen Ausführungen klar machen, dass Nordmakedonen kein eigenes Volk sondern in Wirklichkeit Bulgaren sind und keine Geschichte haben. Und wenn eine Nordmakedone was anderes behauptet, irrt er oder lügt er. Dabei habe ich meiner Meinung nach relativ neutral formuliert. Dass das Makedonische linguistisch sehr nah am Bulgarischen ist, habe ich sogar explizit geschrieben.
Vielleicht hätte ich das heikle Thema der Nationalitäten auf dem Balkan tatsächlich besser nicht ansprechen sollen. Mir selbst liegt es relativ fern, mir ein Urteil zu bilden. Das müssen die Nordmakedonen für sich entscheiden. Und selbst wenn die Makedonen ethnische Bulgaren sind, heißt das ja nicht zwangsläufig, dass sie Bulgarien beitreten müssen. Deutschland fordert ja auch nicht oder zumindest schon lange nicht mehr den Anschluss Österreichs. Ich bin auf jeden Fall froh, dass die Konflikte zwischen Nationalstaaten bei uns in West- und Mitteleuropa mit der europäischen Einigung der Vergangenheit angehören. Bei mir daheim in der Pfalz gab es durch diese Konflikte in der Vergangenheit genug Unheil und etwas besseres als die deutsch-französische Freundschaft hätte in der Grenzregion nicht passieren können.
Vielen Dank auch von mir!
Vielen Dank auch von mir!
Vor die Wahl gestellt, nach knapp einer Stunde oder erst am späten Nachmittag zurück zu fahren, entscheiden wir uns für die frühe Rückfahrt nach Rila und schauen uns die Erdpyramiden im Nachbarort Stob an. Auf dem Weg hin begleitet uns wieder ein flauschiger, staubiger Freund.
Und zwei Hunde sind auch noch dabei *scnr*.