BüGA 04: Livigno und Flüelapass [m59B] (Reiseberichte)

Math5D, Sonntag, 15.01.2023, 11:26 (vor 1161 Tagen)

Heute geht es in das Mekka aller Raucher und Säufer - nein, nicht nach Samnaun, sondern in dessen italienische Konkurrenz, Livigno. Das war früher den ganzen Winter über schlichtweg nicht von außen erreichbar, schließlich liegt es im Tal des Spöls, der unterhalb (in Richtung Zernez fließend) eine absolut unpassierbare Schlucht formt. Somit blieben die beiden Pässe "Forcola di Livigno" aus dem Val Poschiavo, in dessen Nähe der Spöl auf schweizer Seite entspringt, sowie "Passo di Foscagno" von Bivio aus. Zwei Besonderheiten werden daraus ersichtlich: Erstens ist das Tal nur eines von zwei Tälern Italiens, dessen Wasser die Alpen nördlich verlässt (das andere ist das Valle di Lei, das in den Rhein entwässert. Witzigerweise sind beide auf italienischer Seite aufgestaut, wobei der gewonnene Strom in die Schweiz fließt.), zweitens ist die Forcola di Livigno damit der einzige Alpenpass, bei dem die Schweiz auf der Südseite und Italien auf der Nordseite liegt. Außerdem ist sie im Winter unpassierbar, der Passo di Foscagno wird ebenfalls erst seit 1951 ganzjährig geräumt.
Der dritte Zugang ins Tal, der mautpflichtige und einspurige Munt-la-Schera-Tunnel, wurde sogar erst 1965 für den Bau der Staumauer errichtet. Aufgrund dieser Abgeschiedenheit erklärte 1805 niemand Geringeres als Napoleon das Gebiet zur zollfreien Zone, was es bis heute geblieben ist, obwohl es zwischendurch mehrfach seine Nationalität gewechselt hat.

Von der Schweiz aus fahren drei im BüGA enthaltene Buslinien nach Livigno, die alle vom Unternehmen "Autoservizi Silvestri", kurz Silvestribus, betrieben werden - schon in Teil 01 hatte ich so einen silbernen Bus der Linie 815 in Zernez gesehen, die Linie 705 kommt aus St. Moritz und die 706 aus Poschiavo. Letztgenannte fährt exakt einmal am Tag mit einem Sprinter früh morgens hin und zurück, fällt für mich also raus. Beide anderen Linien fahren in einem groben Zweistundentakt. Nach einigem Hin und Her entschließe ich mich, die Runde gegen den Uhrzeigersinn zu fahren und so geht es mit S1 und IR nach St. Moritz. Das Wetter ist bis zum Albulatunnel allerdings zu schlecht für Fotos.

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01 Im Engadin scheint dafür sogar die Sonne, während wir die Kirche in Bever passieren.

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02 Die Engadinerlinie kommt dazu,

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03 dann geht es über die neue Doppelspur nach Samedan, die wir direkt für eine Parallelfahrt benutzen, da der Engadin-R mal wieder zu spät unterwegs ist.

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04 Im Bahnhof steht zusammen mit der gelben Ge4/4II 612 die KOHLE-Lok 616, deren Spendenbarometer längst voll ist.

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05 Uns zieht die RTR-Ge4/4III 645,

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06 hinten dran hängen zwei Alpine Classic Pullman Express Wagen, die natürlich nicht öffentlich zugänglich sind.

Nachdem wir in Celerina einen verspäteten Glacier durchlassen, wird der 5min-Umstieg in St. Moritz dann nochmal spannend - schließlich ist der Bus nicht vom PostAuto und ich kann nicht sicher sein, ob er auf uns wartet. Tut er aber, zumal ich ja eh ganz vorne im Zug bin, und so gerade noch einen Sitzplatz im übervollen Bus bekomme. Der ist auch ziemlich klein, also kein Sprinter o.Ä, sondern schon ein normaler Bus, aber eben etwas kürzer als der Standard. Laut ein paar Einheimischen, die regelmäßig rüberfahren, um die gesamte Bekanntschaft mit Suchtmitteln zu versorgen, ist der auch immer so voll. Vielleicht sollte man da mal über eine Taktverdichtung nachdenken, wenn andere Fahrzeuge nicht infrage kommen.

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07 Nun geht es unter der Brücke der Berninabahn entlang

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08 und sogar nochmal über die Bahnstrecke Samedan-Pontresina.

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09 Der Bahnhof von Pontresina liegt hier im Hintergrund.

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10 Bevor es nochmal voller wird, überqueren wir den Ova da Rosegg.

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11 Wesentlich später überqueren wir die Berninabahn in der Montebello-Kehre,

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12 kurz danach kommt der Morteratsch-Gletscher noch besser ins Licht, wenn auch die markanten Berge darüber in den Wolken liegen.

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13 Vor der Diavolezza überholen wir den Zug, in dessen Aussichtswagen wenig los ist. Kein Wunder bei dem Wetter, das allerdings ja gar nicht so schlecht ist. Da kann ich doch hoffen, dass das an dem Tag, für den ich die Mitfahrt mit denen geplant habe, nicht viel schlimmer wird.

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14 Die Diavolezza-Bahn fährt auch gerade,

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15 an der Lagalb wartet schon der Gegenzug.

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16 Kurz vor der Passhöhe kommt ein Highlight nach dem nächsten, hier zuerst die obere Ova-da-Bernina-Brücke,

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17 dann der Lej Nair

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18 und etwas weiter oben der Lago Bianco.

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19 An der Wasserscheide, die das kleine gelbe Schild anzeigt, verlassen wir die Bahn und fahren dementsprechend gar nicht über den eigentlichen Berninapass, sondern einen fast 100m höher liegenden Sattel, der trotzdem mit demselben Namen bezeichnet wird.

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20 Vorher (kurz nach diesem Bild) halten wir noch an der Ospizio Bernina, Albergo, die mit der Bahnstation über einen Fußweg verbunden ist.

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21 Nun geht es zunähst wieder abwärts in Richtung des Val Poschiavo, wobei wir von der Berninapassstraße schnell links abbiegen und dem Poschiavino bis an seine Quelle folgen. Da an der Abzweigung ein langer Strom Autos entgegenkommt und vor dem Bus eines steht, das sich selbst bei recht langen Lücken nicht dort durch traut, dauert es eine ganze Weile, bis es endlich weitergeht.

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22 Hier haben wir fast die Passhöhe der Forcola erreicht

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23 und blicken nun vom italienischen Boden auf sie zurück.

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24 Dann erreichen wir Livigno, das sich im Tal ordentlich breit und lang gemacht hat.

Mit +5 kommen wir an der Endstation an - wie üblich bei Nicht-PostAuto-Fahrten bietet der Fahrplan nicht ausreichend Fahrzeitreserven, was aber nicht schlimm ist da ich 54min Umstiegszeit habe. Mangels Interesse an den hier angebotenen Gütern kann ich die für einen Gang auf die kostenfreie, wenn auch etwas seltsame Toilette nutzen. Die ist nämlich eigentlich eine Art Waschraum, in deren Vorraum sich auch tatsächlich mehrere Leute umziehen, um die allerdings kostenpflichtigen Duschen zu nutzen, die die Toilettenkabinen ebenfalls beinhalten.

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25 Außerdem laufe ich einmal durch den gnadenlos überfüllten Ort, dessen einzige italienische Zugangsstraße sich unter dieser Seilbahn versteckt.

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26 Von der Straße zu deren Talstation kann man hier schön in Richtung Berninapass

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27 sowie in Richtung des Sees fotogtafieren.

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28 Dann nehme ich zusammen mit nur einer Handvoll anderer Leute die 815 nach Zernez - offensichtlich braucht die Mehrheit der Leute hier länger für ihre Einkäufe, sodass die Busse zurück erst nachmittags voll werden dürften. Trotzdem ist dies ein normaler Überlandbus und damit wesentlich größer als vorhin die 705.

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29 Bereits auf dem letzten Bild konnte man den Lago di Livigno sehen, der ebenfalls weit abgesunken ist.

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30 Gegenüber kam hier mal ein kleiner Felssturz runter.

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31 Nun geht es über die Staumauer, auf der die Grenze liegt.

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32 Beiderseits stehen folglich die Zollkontrollen, die sich aber nicht für den Bus interessieren. Sollte ich mal im großen Stil hier was rausschmuggeln wollen, wüsste ich also schon, wie ich das anstellen würde.

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33 Durch die vielen Galerien rechts ging es gerade,

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34 drüben fließt der Spöl weiter.

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35 In diesen Teil des Sees fließt außerdem das Acqua del Gallo, wodurch die Staumauer wohl ihren Namen "Punt dal Gall" her hat.

Anschließend geht es durch den Munt-La-Schera-Tunnel, in dem der Bus ebenfalls keine Maut zahlen muss, und zudem im Blockverkehr direkt grün bekommt - das war aber wohl eher Zufall.

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36 Jedenfalls kommen wir 5min zu früh aus dem Tunnel raus. Zum Glück sind ab hier alle Halte nur zum Aussteigen und da das auch keiner nutzt, ballern wir durch bis Zernez.

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37 Über die Punt La Drossa geht es sofort über den Spöl, wonach ich keine Bilder mehr mache, da ich von diesem Abschnitt schon in Teil 01 welche bei wesentlich besserem Wetter habe.

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38 Ich kann zwar kein Rätoromanisch, aber das hier dürfte wohl das Tiefbauamt Graubündens sein.

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39 Kurz vor Zernez sehen wir dann den Engadin-Star auf seinem Weg in Richtung St. Moritz, bevor wir den Bahnhof weiterhin mit -5 erreichen. Zeit für eine weitere Toilettenpause, die in Graubünden an fast allen Bahnhöfen möglich sein sollte.

Ich hatte von hier eigentlich den Zug bis Susch und dann den Bus über den Flüelapass nach Davos eingeplant. Auf den hätte ich einen Puffer von zwei Stunden, den ich wegen des knappen Umstiegs in St. Moritz und generell der Unsicherheit der italienischen Busse eingeplant hatte. Da alles geklappt hat, bietet es sich plötzlich an, die Runde - wenn auch geografisch absolut unsinnig - andersherum zu fahren, also erst mit dem Zug nach Davos, wo ich den Bus bekomme, der dann zu derselben Zeit in Susch ankommt, zu der ich eigentlich dort sein wollte.

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40 In dem Fahrradwagen dieser Allegra4/16-Garnitur geht wieder Mal kein Fenster richtig auf, bis auf das kleine neben der Tür, das ich mit enorm viel Kraft etwa 10cm bewegt bekomme.

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41 Im Vereinatunnel verschwindet gerade ein Autozug, den die werbungslose 650 schiebt. Sehr schade, denn die hatte vorher den Landwasserviadukt mit "Welterbe" drauf.

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42 In Sagliains geht es beim Umstieg wegen der obligatorischen Verspätung von 3min zu schnell für ein frontales Foto der 621 von draußen - deshalb nur dieses durch die Scheibe. Dass deren ehemalige Werbung in grün nun fehlt, finde ich weniger schade.

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43 Klosters erreichen wir dann exakt pünktlich, wo ein Baufahrzeug mit der Aufschrift "Albula" in Comic Sans MS steht - ernsthaft? Welcher Praktikant hat denn bitte diese Schriftart ausgewählt? Abgesehen davon heißt ja auch schon eine der Schalker Loks so.

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44 Dann geht es hoch nach Davos

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45 vorbei am Davosersee.

Da der Anschluss in Davos Platz mit -7min wohl etwas zu sportlich wäre, muss ich in Dorf aussteigen. Macht aber nichts, denn der Bus ist wieder recht leer.

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46 Am Ortsausgang hat irgendjemand dieses extrem hässliche Hotel hingesetzt.

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47 Da gefällt mir das Gasthaus zum Tschuggen viel besser.

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48 Mit 2383m ist der Flüelapass der höchste innerhalb Graubündens befahrbare. So ist es kein Wunder, dass die Landschaft entsprechend rau wird, was die Kühe aber nicht stört.

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49 Der letzte Blick Richtung Norden. Natürlich ist der Pass im Winter auch nicht befahrbar, weshalb ja überhaupt der Vereinatunnel existiert. Seitdem ist diese Straße eigentlich überflüssig, aber bei Touristen weiterhin beliebt.

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50 An der Passhöhe liegt der Lai da la Scotta. Trotz des Touri-Charakters machen wir leider keine Pause hier.

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51 Nun geht es runter ins Engadin.

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52 Hier kommt noch das Val Grialetsch dazu.

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53 Da auf der gesamten Passstraße bei dem mittelmäßigen Wetter wenig Verkehr war, erreichen wir Susch sogar etwas zu früh.

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54 Neben dem Bahnhof werden hier Blumen angepflanzt.

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55 Von hier ist ebenfalls schon Sagliains sichtbar, wo zuerst der RE nach Scuol aus dem Vereinatunnel kommt. Ihn zieht die Ge4/4II 622 mit Werbung für die japanische Hakone Tozan Tetsudo Bahn, die mit der RhB befreundet ist.

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56 Dann kommt der Zug nach Pontresina,

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57 hier noch zwei Tunnels näher an uns dran. In Susch begegnet der seinem Gegenzug, den ich nun für eine schnelle Heimreise nutzen könnte, aber meine bisherige Zeitersparnis, durch die ich ja auch überhaupt an dieser Stelle wieder rausgekommen bin, ermöglicht mir noch einen kleinen Schlenker nach Zernez.

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58 Denn von hier kommt nun der 7min zu späte Engadin-Star, mit dem ich auch in diesem Urlaub den Shortcut zum Vereinatunnel mitnehmen kann.

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59 Eine Etage weiter unten steht hier der einzelne Capricorn - übrigens genau derjenige, der in Teil 01 in Celerina entgegen kam und für die Verbindung eigentlich etwas klein ist. So bin ich froh, dass in Schiers die S1 trotz unserer Verspätung auf uns wartet, und ich dort nicht nur einen Platz, sondern auch eine durchgehende Verbindung bis Chur West bekomme. Die ist zwar deutlich langsamer bis Landquart und erst recht bis Chur, von wo dann aber sowieso kein früherer Zug erreichbar wäre - und bei unserer Verspätung würde man in LQ wohl auch schon IR13, IC3 und S12 verpassen, und landete damit eh in der S1. Die nimmt zudem vorher noch Seewis-Pardisla mit, wo ich bisher noch nicht gehalten hatte. Außerdem mache ich noch eine Entdeckung: Bisher war ich im Capricorn immer nur auf dem behindertengerechten Klo in der Mitte der 2. Klasse, im Übergang zwischen 1. und 2. gibt es aber noch eines, das zwar nicht barrierefrei ist, aber dafür wie im Giruno ein Pissoir beheimatet, wenn auch hier in einer einzigen Kabine zusammen mit der normalen Toilette.

So bin ich 40min vor Plan im Hotel, wo ich lieber früh Schlafen gehe, denn morgen folgt die drittlängste und höchste Tour dieser Serie.

BüGA 04: Livigno und Flüelapass [m59B]

kllaas, Dienstag, 17.01.2023, 13:00 (vor 1159 Tagen) @ Math5D

Sehr schön,
in Livigno war ich im letzten Sommer auch, für etwa 2 Stunden.
Schon sehr schräg der Ort, auch wenn meine Frau ein Schnäppchen machen konnte.
Und es gab guten lokalen Käse, eingeschweißt zum Mitnehmen, den ich noch nicht kannte.
Goede reis ... Kristian

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